{"id":6041,"date":"2021-01-13T20:50:23","date_gmt":"2021-01-13T19:50:23","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=6041"},"modified":"2021-01-16T14:56:49","modified_gmt":"2021-01-16T13:56:49","slug":"die-entwertung-der-werte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/die-entwertung-der-werte\/","title":{"rendered":"Die Entwertung der Werte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Entwertung der Werte<\/strong><\/p>\n<p><em>Beitrag von R\u00fcdiger Rauls<\/em><\/p>\n<p><strong>Deutschland stellt sich immer wieder gerne als Musterknabe der westlichen Werte dar. Wo immer man diese bedroht glaubt, erhebt man mahnend die Stimme, besonders bei Staaten, die nicht dem eigenen Kosmos angeh\u00f6ren. Nun aber bringen die thail\u00e4ndische Demokratiebewegung und der thail\u00e4ndische K\u00f6nig die Wertew\u00e4chter in Verlegenheit.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hin- und hergerissen<\/strong><\/p>\n<p>Im August 2020 hatten in Wei\u00dfrussland Pr\u00e4sidentschaft-Wahlen stattgefunden. Sehr bald wurden Vorw\u00fcrfe laut, dass die Wahlergebnisse manipuliert worden seien. Beweise gab es bisher keine, nur Annahmen und Vermutungen. \u00dcber soziale Medien mit Unterst\u00fctzung besonders aus Polen und den baltischen Staaten formierten sich Oppositionsgruppen, die zu Demonstrationen und Streiks aufriefen. W\u00e4hrend die Demonstrationen anf\u00e4nglich gut besucht waren, fanden die Streikaufrufe wenig Resonanz.<br \/>\nVon Anfang an hatten die Protestierenden Unterst\u00fctzung von den Staaten des Wertewestens erhalten, nicht nur ideell. Steuergelder in Millionenh\u00f6he flossen aus der EU-Kasse, aber auch aus den Haushalten einzelner Nationen an die F\u00fchrung der Oppositionsbewegung. Es ging um die sogenannten westlichen Werte: Demokratie, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie Minderheitenrechte. Zudem waren die f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten der Oppositionsbewegung Frauen, westlich orientierte, akademisch gebildete Frauen mit moralisch-idealistischen Vorstellungen, ganz nach dem Geschmack der westlichen Meinungsmacher.<\/p>\n<p>Um den Druck auf die wei\u00dfrussische F\u00fchrung zu erh\u00f6hen, wurden auch schon sehr bald Sanktionen verh\u00e4ngt. Wohlgemerkt: all dies geschah ohne einen einzigen Nachweis von Wahlmanipulationen. Es gen\u00fcgte den Politikern und Medien im Westen, dass eine Opposition vorhanden war, die diese Vorw\u00fcrfe erhob. All das glich den Anf\u00e4ngen einer Farbenrevolution, wie sie seit dem Untergang der Sowjetunion im Bereich des ehemaligen Warschauer Paktes bereits mehrfach stattgefunden hatten.<br \/>\nDie \u00f6ffentliche Meinung ist in dieser Frage gespalten. Denn die Meinungsmacher beeinflussen die Medienkonsumenten durch die Berufung auf und Propagierung von Werten, die sich zum Teil widersprechen (1). Einerseits verurteilen gro\u00dfe Teile der liberalen und sich links verstehenden \u00d6ffentlichkeit vom Westen unterst\u00fctzte Farbenrevolutionen. Andererseits aber ist man auch geneigt, gegen autokratische Herrscher Partei zu ergreifen, besonders wenn sie als Verletzer von Frauen-, Minderheiten- und demokratischen Rechten dargestellt werden.<br \/>\nAber geht es denn wirklich um Werte bei der Unterst\u00fctzung der Protestbewegungen in Wei\u00dfrussland oder in Hongkong und Venezuela im Jahre 2019? Wie universell sind diese Werte und der Einsatz des Wertewestens f\u00fcr ihre weltweite Durchsetzung? Oder macht man da Unterschiede im eigenen Herrschaftsbereich sowie befreundeten Regierungen und dem Herrschaftsbereich jener Staaten und Regierungen, mit denen man \u00fcberkreuz liegt?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Zweifel<\/strong><\/p>\n<p>Denn im eigenen Herrschaftsbereich ist man bei \u00e4hnlichen Ereignissen weniger verst\u00e4ndnisvoll. Erinnert sei hier an die Proteste der Gelbwesten in Frankreich, die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung der Katalanen, aber auch f\u00fcr die Demonstranten auf dem G20-Gipfel 2017 in Hamburg. Es wurde mehr \u00fcber die Gewalt im Umfeld dieser Proteste berichtet als \u00fcber die politischen Anliegen der Demonstrierenden.<br \/>\nWurde das Verhalten von Polizei und Staatsmacht bei den Protesten in Hongkong, Venezuela und Wei\u00dfrussland als unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig dargestellt, so verteidigten westliche Medien und Politiker die Reaktion der eigenen Ordnungskr\u00e4fte als angemessene Ma\u00dfnahmen zum Schutz von B\u00fcrgern und Staat. Auch hier h\u00e4tte man wie im Falle der Proteste in Wei\u00dfrussland mit absto\u00dfenden Bildern und Videos die Verletzungen durch Polizeigewalt aufzeigen k\u00f6nnen, wenn man denn gewollt h\u00e4tte.<br \/>\nNicht umsonst ist gerade die Polizeigewalt in den USA (2) und aktuell in Frankreich immer wieder Ausl\u00f6ser von Protesten. Angesichts von \u201eaggressiven Entgleisungen mehrerer Polizeibeamten gegen Migranten und Journalisten\u201c (3) sieht Macron erheblichen Handlungsbedarf, um \u201edie Vertrauensbeziehung zwischen den Franzosen und den Ordnungsh\u00fctern wiederherzustellen\u201c. (4)<\/p>\n<p>Als 2019 in Hongkong Demonstranten das Parlament verw\u00fcsteten und den Flughafen blockierten, zeigte man sehr viel Verst\u00e4ndnis im Wertewesten. Von Teilen der Medien wurden sie als Helden dargestellt, die sich erhoben gegen ein angeblich menschenverachtendes System. Schuld an den Ausschreitungen waren nach westlicher Sicht weniger die Demonstranten selbst als vielmehr die Ordnungskr\u00e4fte, die mit ihrem harten Vorgehen diese Reaktionen provoziert hatten. (5)<\/p>\n<p>Im Sommer 2020 versuchten anl\u00e4sslich der Demonstration gegen die Corona-Ma\u00dfnahmen einige Hundert Querdenker und Reichsb\u00fcrger, den deutschen Bundestag zu st\u00fcrmen. Dabei hatten sich die Revoluzzer ganz brave deutsche Staatsb\u00fcrger und Untertanen sogar doch tats\u00e4chlich von drei Polizisten vom Sturm auf das Berliner Sommerpalais abhalten lassen trotz hundertfacher \u00dcberlegenheit. Im Gegensatz zu Hongkong war noch nicht einmal ein Sachschaden entstanden. Aber auch im Gegensatz zu Hongkong war die Emp\u00f6rung gewaltig im deutschen Bl\u00e4tterwald.<br \/>\nWas aber ist der Unterschied zwischen dem Sturm auf das deutsche und das Hongkonger Parlament? Was ist bei ersterem verwerflicher als beim zweiten? Formal-juristisch sind beide Vorg\u00e4nge gleich. Woher also die unterschiedliche Bewertung durch die Meinungsmacher im Wertewesen?<\/p>\n<p><strong>Zerbrechliche Rechtsstaatlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Als Unterschied wird immer wieder gerne das Dogma vom Rechtsstaat hier und der Willk\u00fcrherrschaft in anderen L\u00e4ndern wie China bem\u00fcht. Darin nahmen auch westliche Medien gerne Zuflucht, als im Katalonienkonflikt das Vorgehen des spanischen Staates immer mehr dem jener Staaten glich, die vom Wertewesten so gerne als Unrechtssysteme dargestellt werden. (6)<\/p>\n<p>Nach der Beendigung der Unruhen von 2019 hat die chinesische Regierung f\u00fcr Hongkong ein neues Sicherheitsgesetz erlassen, das in erster Linie die Einflussnahme ausl\u00e4ndischer Kr\u00e4fte unterbinden soll. Zudem wurden gesetzliche Regelungen geschaffen gegen Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen. Der Westen kritisiert dieses Gesetz und bezeichnet es als Willk\u00fcrakt. Darin sieht er den Unterschied zwischen dem eigenen Handeln als demokratische Staatswesen und dem jener, die er als Unrechtsstaaten bezeichnet.<br \/>\nAus dieser selbst erkl\u00e4rten moralischen \u00dcberlegenheit leiten die USA nun ihr Recht ab, aufgrund dieses Gesetzes China mit weiteren Sanktionen zu belegen. Auch die EU glaubt sich in der moralischen und rechtlichen Position, \u201eein weiteres Sanktionsregime [verh\u00e4ngen zu d\u00fcrfen, mit dem] sie schwere Menschenrechtsverletzungen weltweit ahnden\u201c zu d\u00fcrfen glaubt. (7) Man schafft also eine gesetzliche Basis f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Gefahren und Missst\u00e4nden, die man zu erkennen glaubt und glaubt, bek\u00e4mpfen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Was aber unterscheidet dieses sogenannte rechtsstaatliche Verfahren von jenem der sogenannten Unrechtsstaaten? Auch China hat sich in dem Sicherheitsgesetz f\u00fcr Hongkong gesetzliche Grundlagen geschaffen hat, die das Vorgehen regeln. Es handelt also gerade nicht willk\u00fcrlich, sondern auf der Basis von Regeln, die es f\u00fcr die B\u00fcrger, aber auch f\u00fcr den Staat selbst zur Bew\u00e4ltigung einer konkreten Situation geschaffen hat. Jedoch im Unterschied zu den sogenannten Rechtsstaaten erl\u00e4sst es diese Gesetze nur f\u00fcr den eigenen Herrschaftsbereich und ma\u00dft sich nicht an, andere Staaten den eigenen Gesetzen zu unterwerfen.<br \/>\nVom Verfahren her handeln also der sogenannte Unrechtsstaat China nicht anders als die westlichen Staaten. Auch die selbsternannten Rechtsstaaten regeln durch Gesetze die Rechte der B\u00fcrger und die Eingriffe des Staates, wenn es gilt, Gefahren abzuwehren. Das wird gerade im Falle der Corona-Ma\u00dfnahmen deutlich. Auch hier schafft oder \u00e4ndert der Staat Gesetze, wenn es nach seiner Meinung f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung von Krisen und Gefahren notwendig ist. Nur sind halt eben die Gefahren und Krisen, mit denen sich die Staaten auseinandersetzen m\u00fcssen, unterschiedlich.<\/p>\n<p><strong>Vor der eigenen Haust\u00fcr kehren<\/strong><\/p>\n<p>So kennt Deutschland keine Separationsbestrebungen, die zudem noch von ausl\u00e4ndischen Kr\u00e4ften unterst\u00fctzt werden. Das ist bei China anders, wie man in Hongkong sehen konnte. Das mag im Westen vielleicht anders gesehen werden als in China. Aber die chinesische Regierung ist der eigenen Bev\u00f6lkerung verpflichtet, nicht der deutschen. Sie muss chinesische Probleme l\u00f6sen, nicht deutsche.<br \/>\nJedoch im Gegensatz zum Wertewesten haben weder die chinesische noch die russische, auch nicht die venezolanische, iranische oder gar nord-koreanische Regierung das Verhalten Spaniens in der Katalonienkrise kritisiert. Sie haben sich auch nicht bei den Protesten der Gelbwesten eingemischt oder dem Westen Ratschl\u00e4ge erteilt, was der Wertewesten immer glaubt, sich gegen\u00fcber anderen Staaten herausnehmen zu k\u00f6nnen, zu d\u00fcrfen oder gar zu m\u00fcssen. Sie haben auch keine Gesetze erlassen, mit denen sie ihre Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten weltweit durchsetzen wollen.<\/p>\n<p>F\u00fcr sich selbst den Anspruch auf Rechtsstaatlichkeit zu erheben, ist die eine Sache. Die andere ist es, auch den Nachweis daf\u00fcr zu f\u00fchren. Die Behauptung kann man sicherlich f\u00fcr eine lange Zeit aufstellen, ohne dass daran gezweifelt wird. Aber mit zunehmenden Widerspr\u00fcchen zwischen dem selbst formulierten Anspruch und der t\u00e4glichen Praxis wird auch der Anspruch auf Dauer zweifelhaft.<br \/>\nAuch wenn man weit davon entfernt ist, Deutschland oder den anderen Staaten der westlichen Wertegemeinschaft die Rechtsstaatlichkeit abzusprechen, so mehren sich doch die Zweifel, die durch das staatliche Verhalten selbst gen\u00e4hrt werden. Diese Zweifel haben die Querdenker hervorgebracht. Auch die Verfahren gegen Teilnehmer der G20-Proteste von 2017 s\u00e4en Zweifel an der Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien, wenn sie denn politisch nicht mehr n\u00fctzlich sind.<br \/>\nDas Oberlandesgericht in Hamburg verh\u00e4ngte Haftstrafen gegen Demonstranten wegen Ausschreitungen w\u00e4hrend des G20-Gipfels, \u201eobwohl den Beschuldigten keine eigenh\u00e4ndige Gewalttat nachgewiesen wurde\u201c. (8) Grundlage dieser Entscheidung war ein Urteil des Bundesgerichtshofs, wonach man sich schuldig mache durch \u201eostentatives Mitmarschieren\u201c, auch wenn man selbst keine Gewalttat begangen habe. Ist das noch rechtsstaatlich oder schon Willk\u00fcr, wie man sie bei China zu sehen glaubt?<\/p>\n<p><strong>Worin besteht der Unterschied?<\/strong><\/p>\n<p>Wie in Wei\u00dfrussland geht auch in Thailand seit Monaten die Jugend des Landes \u201eauf die Stra\u00dfe, um mehr Demokratie zu fordern\u201c. (9) Die Berichte dar\u00fcber in den westlichen Medien sind aber bei weitem nicht so umfangreich wie die \u00fcber Wei\u00dfrussland und keineswegs rei\u00dferisch, sondern weitgehend sachlich.<br \/>\nAuch scheint es die Medien des Wertwestens wenig zu st\u00f6ren, dass diese protestierende Jugend sich in Prayuth Chan-ocha gegen einen Ministerpr\u00e4sidenten auflehnt, der durch einen Milit\u00e4rputsch vor sechs Jahren an die Macht gekommen war. Die Einstellung der westlichen Medien scheint demnach nicht in der Legitimit\u00e4t dessen begr\u00fcndet zu liegen, gegen den sich die Proteste richten.<br \/>\nWurde zu Beginn der Proteste in Wei\u00dfrussland der westliche Medienkonsument fast t\u00e4glich mit Berichten \u00fcber Demonstrationen und \u00dcbergriffe der Ordnungskr\u00e4fte in Kenntnis gesetzt, so waren die Bilder \u00fcber Verletzungen von Demonstranten in Thailand in den westlichen Medien Mangelware. Doch auch in Thailand wurde der Polizei vorgeworfen, sie \u201ehabe mit \u00fcbertriebener H\u00e4rte reagiert&#8230; Mehr als 50 Teilnehmer mussten daraufhin mit Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Einige davon sollen Schussverletzungen erlitten haben\u201c. (10)<br \/>\nEs kann also nicht an der unterschiedlichen Brutalit\u00e4t der Ordnungskr\u00e4fte und deren Folgen liegen, dass \u00fcber Zusammenst\u00f6\u00dfe in Wei\u00dfrussland oder Hongkong mit anderer Intensit\u00e4t berichtet wird als \u00fcber Vergleichbares in Thailand. Es sei denn, dass die hiesigen H\u00fcter der Werte und Menschenrechten die Unversehrtheit thail\u00e4ndischen Lebens nicht so hoch einsch\u00e4tzen wie anderes.<\/p>\n<p>Auch beim Vergleich der Einschr\u00e4nkungen der B\u00fcrgerrechte und der repressiven Ma\u00dfnahmen gegen\u00fcber der Oppositionsbewegung kann kein milderes Verhalten der thail\u00e4ndischen Beh\u00f6rden festgestellt werden. Bereits am 15.10.2020 war in Thailand ein versch\u00e4rfter Ausnahmezustand verh\u00e4ngt worden. \u00dcber \u00e4hnliche Einschr\u00e4nkungen der Versammlungsfreiheit in Wei\u00dfrussland hatten die westlichen Medien bisher nicht berichtet. Trotz allem aber scheint ihnen die Situation in Thailand weniger repressiv zu sein.<br \/>\nHatte der Wertewesten das neue chinesische Sicherheitsgesetz f\u00fcr Hongkong zum Anlass genommen, um Sanktionen gegen China zu verh\u00e4ngen, so ist davon im Falle Thailands keine Rede. Aufgrund der Proteste sind in Thailand \u201enicht nur Versammlungen von mehr als f\u00fcnf Personen [verboten], sondern auch Nachrichten und Online-Mitteilungen, mit denen die nationale Sicherheit beeintr\u00e4chtigt werden k\u00f6nnte\u201c. (11) Worin besteht der Unterschied zu Hongkong?<br \/>\nDer Anlass der Proteste ist in Thailand und Wei\u00dfrussland \u00e4hnlich. Es geht um Vorw\u00fcrfe von Wahlf\u00e4lschung und der damit verbundenen Forderung nach Neuwahlen. Jedoch muss auch festgestellt werden, das die Hinweise auf Wahlf\u00e4lschungen in Thailand wesentlich konkreter waren als in Wei\u00dfrussland. (12)<br \/>\nDabei h\u00e4tte OECD einen solchen Konflikt um das Wahlergebnis im Falle Lukaschenkos leicht verhindern k\u00f6nnen, w\u00e4re sie der an sie ausgesprochenen Einladung zur Wahlbeobachtung gefolgt. (13) Aber wie bei der Wahl in Venezuela zog man es offensichtlich vor, statt die Wahlen zu beobachten, sie nachher einfach nicht anzuerkennen, wenn sie nicht das gew\u00fcnschte Ergebnis brachten. (14)<\/p>\n<p><strong>Werte als Seifenoper<\/strong><\/p>\n<p>Aber all diese Widerspr\u00fcchlichkeit wird noch \u00fcbertroffen von der Posse, die sich um den thail\u00e4ndischen K\u00f6nig Maha Vajiralongkorn, kurz Rama X, und seinen Aufenthalt in Deutschland abspielt. Besonders das Verhalten der deutschen Beh\u00f6rden und Politik gleicht auffallend der Spezeln-Wirtschaft einer Bananenrepublik.<br \/>\nIn diesen Vorg\u00e4ngen das Selbstverst\u00e4ndnis eines Rechtsstaates zu erkennen, ist schwierig. Noch schwieriger l\u00e4sst sich daraus die Werteorientierung eines Staates sehen, der sich weltweit als Richter \u00fcber den Umgang anderer Staaten mit ihrer Opposition aufspielt.<br \/>\nThailands K\u00f6nig h\u00e4lt sich nicht, wie zu vermuten w\u00e4re, in Thailand auf. Die gr\u00f6\u00dfte Zeit seines Lebens lebt er in Deutschland. Von hier aus \u00fcbt er seinen Einfluss auf die Politik seines Heimatlandes aus, was nach den Gesetzen des deutschen Rechtsstaates nicht gestattet ist.<br \/>\nAber damit nicht genug. Er tritt Werte mit F\u00fc\u00dfen, f\u00fcr die die Staaten des Wertewesten sonst \u00fcberall auf der Welt einzutreten vorgeben, besonders der Musterknabe Deutschland. So hat Rama X in Thailand \u201eseine Macht in den wenigen Jahren seit seiner Thronbesteigung kontinuierlich ausgebaut. Zwei Armee-Einheiten sind dem K\u00f6nig nun direkt unterstellt. Au\u00dferdem hat der Monarch die Verfassung so \u00e4ndern lassen, dass sie ihm mehr Freiheiten gibt\u201c. (15)<\/p>\n<p>H\u00e4tten sich Putin, Lukaschenko oder Maduro solche Machtf\u00fclle ohne demokratische Legitimation angeeignet, w\u00e4ren die deutschen Meinungsmacher Sturm gelaufen gegen sogenannte Autokraten. Im Falle von Rama X st\u00f6rt man sich offensichtlich nicht an einem Verhalten, das einen absolutistischen F\u00fcrsten erinnert, aber nicht an einen Staatsmann des 21. Jahrhunderts.<br \/>\nHatte man in Hongkong, Venezuela und Wei\u00dfrussland die Forderungen der Opposition bei der Umsetzung der westlichen Werte tatkr\u00e4ftig auch finanziell unterst\u00fctzt, so finden vergleichbare Forderungen der thail\u00e4ndischen Opposition kein Geh\u00f6r im Westen. Oder ist es mit den westlichen Werten nicht vereinbar, wenn die Jugend in Bangkok verlangt, \u201edass der K\u00f6nig sich aus der Politik heraush\u00e4lt. Die Monarchie soll nicht \u00fcber der Verfassung stehen\u201c. (16) Was widerspricht da den westlichen Werten?<br \/>\nOffensichtlich st\u00f6rt es die H\u00fcter von Rechtsstaatlichkeit und Transparenz auch nicht, dass Rama X \u201edas Verm\u00f6gen der Krone unter seine direkte Kontrolle gebracht\u201c hat. (17) Dabei handelt es sich um circa 40 Milliarden Dollar. Andererseits aber leiden gerade \u201eviele junge Thais unter den katastrophalen Folgen der Corona-Pandemie und den fehlenden Perspektiven\u201c. (18) Zudem wirft die Opposition ihm vor, dass er sein luxuri\u00f6ses Leben in Deutschland von den thail\u00e4ndischen Steuern finanziert, anstatt damit das Elend im eigenen Land zu lindern.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr welche Werte k\u00e4mpfen wir?<\/strong><\/p>\n<p>Aber damit nicht genug. Der K\u00f6nig aus dem Land des L\u00e4chelns verprasst nicht nur thail\u00e4ndische Steuergelder, er zahlt noch nicht einmal Steuern in Deutschland, obwohl er hier seinen Lebensmittelpunkt hat. W\u00e4hrend der deutsche Staat die Taschen eines jeden Harzt-IV-Empf\u00e4ngers links macht, die maximale Wohnungsgr\u00f6\u00dfe genau festlegt und die Anzahl der Zahnb\u00fcrsten z\u00e4hlt, ist Rama X scheinbar von allen Zahlungen an das Gemeinwesen befreit trotz seines immensen Reichtums.<br \/>\nDie bayrische Steuerverwaltung verweigert unter Berufung auf das deutsche Steuergeheimnis Mitteilung dar\u00fcber, ob Rama X nach dem Tode seines Vaters K\u00f6nig Bumiphol Erbschaftssteuer auf das erworbene Milliardenverm\u00f6gen gezahlt hat, so wie es von jedem deutschen Staatsb\u00fcrger verlangt wird. \u201eHinzukommen k\u00f6nnten die Einkommenssteuer sowie die kommunalen Steuern wie etwa die Grund-, Zweitwohnungs- und Hundesteuer\u201c. (19) Bisher gibt es keine Hinweise, dass diese entrichtet wurden und das \u00fcber Jahre.<br \/>\nZu den Werten der westlichen Wertegemeinschaft geh\u00f6rt an prominenter Stelle die Gleichheit aller B\u00fcrger vor dem Gesetz, auch vor den Steuergesetzen. Unverst\u00e4ndlich ist deshalb die Haltung deutscher Beh\u00f6rden und Politik gegen\u00fcber einem Staatsmann, der all diesen Werten keine Bedeutung beizumessen scheint. Noch gibt es keine Erkl\u00e4rungen f\u00fcr dieses Missverh\u00e4ltnis im Umgang mit Rama X auf der einen Seite und den Vertretern anderer Staaten, die offensichtlich nicht dieselbe Gunst und Wohlwollen im Wertewesten genie\u00dfen.<br \/>\nDie oben gef\u00fchrte Auseinandersetzung sollte allerdings all diejenigen nachdenklich stimmen, die nur allzu leicht und allzu gerne sich vor den Karren von Werten spannen lassen. Es sind nicht die Werte selbst, die zweifelhaft sind und nachdenklich machen sollten. Es ist ihre unterschiedliche Anwendung. Es ist die Benutzung und den Missbrauch von Werten f\u00fcr die Durchsetzung von Interessen, die sich hinter den Werten verstecken und nicht immer klar zu erkennen sind hinter der blendenden Fassade von Idealen. (20)<\/p>\n<p>(1) siehe dazu R\u00fcdiger Rauls: Die kaukasische Zwickm\u00fchle<br \/>\n(2) siehe dazu R\u00fcdiger Rauls: Hongkong und Minneapolis<br \/>\n(3) Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28.11.2020: Darmanin unter Druck<br \/>\n(4) FAZ vom 30.11.2020: Zerr\u00fcttetes Vertrauen<br \/>\n(5) siehe dazu: R\u00fcdiger Rauls Beitr\u00e4ge zum Hongkong-Konflikt 2019<br \/>\n(6) siehe dazu: R\u00fcdiger Rauls Es geht um mehr als Katalonien<br \/>\n(7) FAZ vom 5.12.2020: Neues Sanktionsregime<br \/>\n(8) FAZ vom 3.12.2020: Schuldig durch Mitmarschieren?<br \/>\n(9) FAZ vom 16.1020: Des K\u00f6nigs Autokonvoi<br \/>\n(10) FAZ vom 19.11.20: Eskalation in Thailand<br \/>\n(11) FAZ vom 16.1020: Des K\u00f6nigs Autokonvoi<br \/>\n(12) siehe dazu Tagesspiegel vom 29.3.2019<br \/>\n(13) siehe dazu anti-spiegel vom 19.8.2020<br \/>\n(14) siehe dazu R\u00fcdiger Rauls: Wahlbetrug mit Ansage<br \/>\n(15) FAZ vom 26.11.2020: Keine Tr\u00e4nen mehr f\u00fcr den neuen K\u00f6nig<br \/>\n(16) FAZ vom 26.11.2020: Keine Tr\u00e4nen mehr f\u00fcr den neuen K\u00f6nig<br \/>\n(17) FAZ vom 26.11.2020: Keine Tr\u00e4nen mehr f\u00fcr den neuen K\u00f6nig<br \/>\n(18) FAZ vom 26.11.2020: Keine Tr\u00e4nen mehr f\u00fcr den neuen K\u00f6nig<br \/>\n(19) FAZ vom 12.12.2020: Wie eine hei\u00dfe Kartoffel<br \/>\n(20) siehe dazu: R\u00fcdiger Rauls Westliche Werte unter dem Deckmantel der Menschenrechte<\/p>\n<p><strong>R\u00fcdiger Rauls Buchver\u00f6ffentlichungen:<\/strong><\/p>\n<p>Krieg um Syrien <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1697260446\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nWie funktioniert Geld? <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B013RWL1TQ\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nKolonie Konzern Krieg &#8211; Stationen kapitalistischer Entwicklung <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B01MG6AL4K\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nZukunft Sozialismus oder die Grenzen des Kapitalismus <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B01LY0AGOG\">Buchbeschreibung<\/a> Die Entwicklung der fr\u00fchen Gesellschaften &#8211; Die Geschichte Afghanistans <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00VAVPMO2\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nWas braucht mein Kind? <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00FEC6X3M\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nSp\u00e4te Wahrheit (Prosa) <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00CQLYOS0\">Buchbeschreibung<\/a><\/p>\n<p><strong>Herausgeber von:<\/strong><\/p>\n<p>Imre Szabo:<\/p>\n<p>Die Hinterm\u00e4nner (ein politischer Krimi) <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00BAYM1ZM\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nDie Unsichtbaren (ein politischer Krimi) <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1539064301\">Buchbeschreibung<\/a><\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px; text-align: left;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_6041 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_6041')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_6041').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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