{"id":6562,"date":"2021-07-26T19:04:36","date_gmt":"2021-07-26T18:04:36","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=6562"},"modified":"2021-07-26T19:11:32","modified_gmt":"2021-07-26T18:11:32","slug":"der-pseudo-skandal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/der-pseudo-skandal\/","title":{"rendered":"Der Pseudo-Skandal"},"content":{"rendered":"<header class=\"header-normal\">\n<div class=\"header-content\">\n<h4>Der Bayerische Rundfunk denunzierte den Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen \u2014 der antwortet mit einem offenen Brief.<\/h4>\n<div class=\"article-meta\"><em>von <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/autoren\/michael-meyen\">Michael Meyen<\/a> <\/em><\/div>\n<div class=\"article-teaser\">\n<p>Das Gesetz (1) l\u00e4sst keinen Zweifel: Der Bayerische Rundfunk \u201ekann im Rahmen des publizistischen Anstandes sachliche Kritik an Personen sowie an Einrichtungen und Vorkommnissen des \u00f6ffentlichen Lebens \u00fcben\u201c, darf dabei aber nicht \u201eVorurteile gegen Einzelne oder Gruppen\u201c wegen ihrer \u201eWeltanschauung verursachen oder zu deren Herabsetzung Anlass geben\u201c. Aber wird die \u00f6ffentlich-rechtliche Anstalt diesem Anspruch immer gerecht? Der Autor des am 20. Juli erschienenen Buchs \u201eDie Propaganda-Matrix\u201c hat ganz andere Erfahrungen mit dem Bayerischen Rundfunk gemacht und schrieb einen offenen Brief an die Intendantin.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/header>\n<div class=\"article\">\n<div class=\"article-content\">\n<p>Sehr geehrte Frau Wildermuth,<\/p>\n<p>ich schreibe Ihnen, weil ich die Idee des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks gro\u00dfartig finde, aber bef\u00fcrchte, dass die entsprechenden Einrichtungen gerade dabei sind, sich selbst zu zerst\u00f6ren oder zumindest die Legitimation f\u00fcr die Beitr\u00e4ge, die wir alle entrichten m\u00fcssen. \u00d6ffentlich-rechtlich hei\u00dft f\u00fcr mich: Der Rundfunk geh\u00f6rt der Gesellschaft und dient einer Gesellschaft, in der es viele und zum Teil gegens\u00e4tzliche Meinungen und Interessen gibt, die prinzipiell gleichberechtigt sind (die Interessen von Einzelpersonen und Au\u00dfenseitern genauso wie die Interessen, die in Parteien oder Verb\u00e4nden organisiert sind).<\/p>\n<p>Der Auftrag \u00d6ffentlichkeit wird hier sehr konkret: In komplexen Gesellschaften sind Ausgleich und Frieden nur m\u00f6glich, wenn die verschiedenen Interessen dort artikuliert werden, wo sie alle sehen k\u00f6nnen \u2014 objektiv, umfassend, ausgewogen, angemessen, sachlich und ohne Bezahlschranken. Also: im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie, sehr geehrte Frau Wildermuth, kennen die Qualit\u00e4tskriterien aus der Gesetzgebung selbstverst\u00e4ndlich und wissen auch, dass Kommentare und Meinungs\u00e4u\u00dferungen zwar erlaubt und erw\u00fcnscht sind, aber deutlich von der Berichterstattung zu trennen und zu kennzeichnen sind.<\/p>\n<p>Genug der Vorrede. Vordergr\u00fcndig schreibe ich Ihnen, weil am 15. Juli im Onlineangebot des Bayerischen Rundfunks ein <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/ken-jebsen-als-quelle-wie-soll-wissenschaft-sein,SZwAIJN\">Text<\/a> \u00fcber mich erschienen ist, den ich als Rufmordversuch betrachte \u2014 interessanterweise am gleichen Tag, an dem ich in der Wochenzeitung <em>Freitag<\/em> auf die Versuche des Staates hinweise, Plattformen zu sanktionieren oder gar zu vernichten, \u201e<a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/9917\">die die Definitionsmacht des Parteienstaates herausfordern<\/a>\u201c. Der fragliche Text von Sandra Demmelhuber, den der <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/bayern\/bayern-muenchen-lmu-professor-verschwoerungstheoretiker-wissenschaftsfreiheit-zr-90865472.html\"><em>Merkur<\/em><\/a> gleich abgeschrieben hat, sagt mir:<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDer Bayerische Rundfunk geh\u00f6rt zu einer Politik-Beh\u00f6rden-Leitmedien-Allianz, die bestimmen will, \u201e<a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/9917\">was \u00f6ffentlich gesagt werden darf<\/a>\u201c, und daf\u00fcr nicht nur bereit ist, die \u201eMeinungs- und Medienfreiheit\u201c auszuh\u00f6hlen, wie ich im <em>Freitag<\/em> geschrieben habe, sondern auch die Wissenschaftsfreiheit. Ich hoffe sehr, dass ich mit dieser Deutung falsch liege und es sich um eine Art Ausrutscher im Eifer des Gefechts handelt, motiviert vielleicht durch falsch verstandene Loyalit\u00e4ten zu Deutungsmustern oder Menschen, die wie alles andere auch zu hinterfragen sind. Ich erinnere hier nur an das Desaster, das der <em>Tagesspiegel<\/em> mit seiner Attacke gegen Dietrich Br\u00fcggemann und die Aktion #allesdichtmachen erlebt hat.<\/p>\n<blockquote><p>Mein eigener \u201eFall\u201c w\u00e4re normalerweise zu klein, um ein so gro\u00dfes Thema aufrufen zu k\u00f6nnen, ich sehe ihn aber als pars pro toto in einer Zeit, in der weit renommiertere Forscherinnen und Forscher von \u201eFakten-Checks\u201c verfolgt, nach wenigen Stunden Recherche von allwissenden Redaktionen in Scharlatane verwandelt und mit allen nur denkbaren Verdikten aus der \u00f6ffentlichen Debatte ausgeschlossen werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sehr geehrte Frau Wildermuth, vermutlich muss ich mich Ihnen kurz vorstellen. Ich bin seit 2002 Professor am Institut f\u00fcr Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU M\u00fcnchen. In den 1990er Jahren h\u00e4tten wir uns in Sachsen treffen k\u00f6nnen, auch wenn es vom 24\/7-Nachrichtenradio <em>MDR info<\/em> in Leipzig, wo ich das Geld f\u00fcr Promotion und Habilitation verdient habe, bis zum MDR-Fernsehen in Dresden in jeder Hinsicht ein St\u00fcck Weg gewesen w\u00e4re. Weder dort noch sp\u00e4ter dann in Bayern hat sich der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk f\u00fcr meine Arbeit interessiert. Das mag daran liegen, dass die Medienforschung generell unter dem Radar des Journalismus l\u00e4uft (vielleicht auch wegen der n\u00f6tigen Distanz zwischen einer Wissenschaft und ihrem Gegenstand), oder daran, dass ich in meinen Arbeiten \u00fcber die DDR, \u00fcber das kollektive Ged\u00e4chtnis, \u00fcber die kurdische Freiheitsbewegung oder \u00fcber Medienqualit\u00e4t stets gegen den hegemonialen Diskurs angeschrieben habe.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Nichtbeachtung habe ich immer als Segen empfunden. Eine Wissenschaft, die sich dem Imperativ der Aufmerksamkeit beugt und anf\u00e4ngt, ihre Fragen und die Wege zur Erkenntnis an die Selektionskriterien des Journalismus anzupassen (eine Gefahr, die geradezu zwangsl\u00e4ufig auf dem Boden der gro\u00dfen F\u00f6rdert\u00f6pfe lauert), verfehlt ihren Beruf. Ich habe 20 B\u00fccher geschrieben und etliche weitere herausgegeben, \u00fcber 70 Aufs\u00e4tze in begutachteten Fachzeitschriften ver\u00f6ffentlicht (davon viele international), mehr als zwei Dutzend Dissertationen betreut und drei interdisziplin\u00e4re Forschungsverb\u00fcnde als Sprecher geleitet (im Moment die Krone in Sachen Reputation). Hin und wieder haben die Leitmedien etwas davon aufgegriffen. Mal eine Rezension, mal eine Aufsatzzusammenfassung, mal ein Tagungsbericht. Manchmal kritisch, manchmal lobend. Alles im Rahmen des \u00dcblichen.<\/p>\n<p>Der Text von Sandra Demmelhuber im Onlineangebot des Bayerischen Rundfunks f\u00e4llt in jeder Hinsicht aus diesem Rahmen. Das beginnt schon beim Anlass.<\/p>\n<p>Am 15. Juli (!) wird \u00fcber eine Vorlesung berichtet, die ich im Herbst gehalten habe. Gegenstand sind eine Folie (kein \u201eVorlesungshandout\u201c, wie der BR meint), ein Literaturhinweis und eine Beschwerde. \u00dcber alle drei Punkte habe ich nach Semesterende im M\u00e4rz (vor mehr als vier Monaten) mit der Fachschaft gesprochen. Wenn ich das einst\u00fcndige Treffen richtig in Erinnerung habe, dann waren wir uns am Ende einig, dass es besser gewesen w\u00e4re, erst miteinander zu reden und dann eine Beschwerde zu schreiben. Wenn man so will: ein Kollateralschaden der Online-Universit\u00e4t, in der man sich nur auf dem Bildschirm sieht und es so schwerer hat, Dinge direkt anzusprechen, die einen st\u00f6ren.<\/p>\n<blockquote><p>Zusammengefasst: Sandra Demmelhuber berichtet hier \u00fcber ein Thema, das schon lange keins mehr ist (wenn es denn je eins war).<\/p><\/blockquote>\n<p>Nur noch ein Wort zu besagtem Gespr\u00e4ch mit der Fachschaft. F\u00fcr mich ist das ein Grundprinzip akademischer Lehre: Ich rede mit den Menschen, die zu mir in den H\u00f6rsaal oder in den Seminarraum kommen, weil ich von ihnen lernen m\u00f6chte. Es kann sein, dass in der Gesellschaft das Bild des Professors \u00fcberdauert, der von oben herab irgendwelche Weisheiten verk\u00fcndet und in den Pr\u00fcfungen dann alle bestraft, die das nicht exakt wiederk\u00e4uen k\u00f6nnen. Ich habe solche Kolleginnen und Kollegen kennengelernt und hoffe, dass alle, die in meinen Veranstaltungen waren, gemerkt haben, dass das bei mir anders ist.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Text von Sandra Demmelhuber. Die \u00dcberschrift lautet: \u201eKen Jebsen als Quelle\u201c. Richtig w\u00e4re gewesen: Markus Fiedler als Quelle. Wie man auf dem Ausschnitt meiner Folie, f\u00fcr die der BR \u201eBildrechte\u201c reklamiert, leicht erkennen kann, geht es um den Film \u201eDie dunkle Seite der Wikipedia\u201c, erschienen im Herbst 2015.<\/p>\n<p>Darf ich Wikipedia-Eintr\u00e4ge zitieren: Es gibt kaum eine Frage, die in den ersten Wochen eines Studiums h\u00e4ufiger gestellt wird. Eine meiner Antworten ist dieser Film von Markus Fiedler, den man kennen sollte, bevor man diskutiert. Wie all meine Veranstaltungen zielt auch die Methodenvorlesung im ersten Semester auf Reflexion. Wenn das Studium vorbei ist, sage ich dort sinngem\u00e4\u00df, m\u00f6chte ich, dass niemand mehr einen Text oder eine andere Quelle zur Hand nimmt, ohne nach den Interessen und dem Hintergrund der Urheber zu fragen. Woher kommt die Information, mit welcher Lebensgeschichte ist sie verkn\u00fcpft, wer profitiert davon m\u00f6glicherweise?<\/p>\n<p>Sandra Demmelhuber und ihre Vorgesetzten haben dieses Handwerk offensichtlich nicht gelernt. Sie rei\u00dfen eine Vorlesungsfolie aus dem Kontext und verzichten auf die Tonspur \u2014 auf das, was der Dozent dazu gesagt hat. Frau Demmelhuber kennt diese Tonspur nicht, woher auch. Sie kann nicht einmal jemanden zitieren, der in der Vorlesung war (auch keinen ihrer Tippgeber), und behauptet trotzdem, ich h\u00e4tte den Film \u201eals unkommentierte Quelle\u201c verlinkt. Das f\u00fchrt direkt zu der Absicht, die hinter diesem Beitrag steht. Inhalte sind egal.<\/p>\n<blockquote><p>Was ich als Wissenschaftler und Dozent mache, ist egal. Ich soll nach dem Prinzip <a href=\"https:\/\/www.planet-interview.de\/interviews\/michael-meyen\/51694\/\">Kontaktschuld<\/a> mundtot gemacht und m\u00f6glicherweise sogar aus der Universit\u00e4t entfernt werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Journalistin (!) Demmelhuber hat im Ministerium nachgefragt und in der Hochschulleitung. Was halten Sie von diesem Professor? Ist das noch Wissenschaft? \u00dcbersetzt: M\u00fcssen Sie da nicht handeln? Keine Beh\u00f6rde und keine Universit\u00e4t mag negative Presse. Und Negatives gibt es genug in diesem Text. Die Schlagworte: Ken Jebsen (\u201eeiner der bekanntesten deutschen Verschw\u00f6rungstheoretiker\u201c, \u201evom Verfassungsschutz beobachtet\u201c), Bj\u00f6rn H\u00f6cke und Andreas Kalbitz, Hans-Thomas Tillschneider (ein Islamwissenschaftler in Bayreuth, der f\u00fcr die AfD in ein Parlament gew\u00e4hlt wurde), Attila Hildmann und Xavier Naidoo. Was all das mit dem zu tun hat, was ich in Forschung und Lehre tue? Ich wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p>Ja: Ich habe eines der beiden Interviews, die Ken Jebsen 2018 mit mir gef\u00fchrt hat, auf meiner Webseite verlinkt. Ich berichte dort, was ich mir in zehn Jahren zum Thema Medialisierung erarbeitet habe. Eine Essenz meiner Arbeit, wenn man so will. Warum sollte ich diesen Shortcut verstecken? Die Befunde m\u00f6gen angreifbar sein und m\u00fcssen diskutiert werden, selbstverst\u00e4ndlich. Diese M\u00fche macht sich Sandra Demmelhuber aber nicht. Ein Schlagwort gen\u00fcgt. Ken Jebsen. Der Teufel pers\u00f6nlich, auszutreiben vom Bayerischen Rundfunk. In dem Gespr\u00e4ch geht es auch darum, wie sich die Tagesschau und andere Leitmedien seit 1984 ver\u00e4ndert haben, weil sie der Aufmerksamkeits\u00f6konomie verfallen und Spielball ressourcenstarker Interessen geworden sind, w\u00e4hrend die wirtschaftliche Basis des Qualit\u00e4tsjournalismus gleichzeitig zu br\u00f6ckeln begann.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re ein Muss f\u00fcr einen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk, der seinen gesetzlichen Auftrag ernst nimmt \u2014 genau wie das Konzept des demokratischen Konf\u00f6deralismus, das Abdullah \u00d6calan und andere K\u00f6pfe der kurdischen Freiheitsbewegung aus den Erfahrungen entwickelt haben, denen die PKK ihr Verbot in Deutschland verdankt (Gegenstand meines zweiten 90-Minuten-Gespr\u00e4chs mit Jebsen).<\/p>\n<p>F\u00fcr beides gibt es auch im <em>Bayerischen Rundfunk<\/em> offenkundig weder die Formate noch das n\u00f6tige Interesse. Noch einmal ja: Ich habe ein Buch geschrieben, dass in diesen Tagen im <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher-mehr\/buecher\/medien\/die-propaganda-matrix.html\">Rubikon-Verlag<\/a> erscheint und das Basis f\u00fcr meine Theorievorlesung im Sommersemester war, wieder ein Ergebnis jahrelangen Strebens, erneut zur Realit\u00e4t der Leitmedien. Auch dar\u00fcber k\u00f6nnen wir gern reden, sehr geehrte Frau Wildermuth.<\/p>\n<p>Im November hatte ich das Gl\u00fcck, an einer Art <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/9747\">F\u00fcnf-plus-F\u00fcnf-Gespr\u00e4ch<\/a> mit ARD-Spitzen teilnehmen zu d\u00fcrfen, in dem es um eine Petition von Bastian Barucker ging. Sein Anliegen: eine Corona-Sondersendung zur besten Sendezeit, die Bef\u00fcrworter und Kritiker der Regierungslinie zusammenbringt. Drosten, Wieler, Lauterbach vs. Wodarg, Bhakdi, Homburg. Eine faire Debatte, bei der alle Argumente auf den Tisch kommen und Zuschauerfragen zugelassen sind, frei und unzensiert, versteht sich. \u00dcber 63.000 Menschen hatten das im Sommer unterschrieben.<\/p>\n<p>Etliche Monate sp\u00e4ter f\u00fchrt der <em>Bayerische Rundfunk<\/em> nun via Sandra Demmelhuber die Sozialpsychologin Pia Lamberty ins Feld, um dieses Anliegen gewisserma\u00dfen nachtr\u00e4glich zu verunglimpfen. Ich will hier gar nicht viel \u00fcber die Reputation dieser Kollegin schreiben. Das kann jeder genauso selbst lesen wie das, was Michael Reder, Demmelhubers zweiter Kronzeuge, \u00fcber meinen Blog <em>Medienrealit\u00e4t<\/em> zu berichten wei\u00df. Alles N\u00f6tige dazu ist in den Kommentarspalten unter dem Beitrag gesagt worden.<\/p>\n<p>Im Teaser zu diesem offenen Brief habe ich aus dem Bayerischen Rundfunkgesetz zitiert, sehr geehrte Frau Wildermuth. Ich freue mich selbstverst\u00e4ndlich, dass es eine von tausenden Folien, die ich in mehr als zwei Jahrzehnten in meinen Lehrveranstaltungen an der Universit\u00e4t gezeigt habe, geschafft hat, zu einem \u201eVorkommnis des \u00f6ffentlichen Lebens\u201c zu werden. Aber \u201esachliche Kritik\u201c, \u201eim Rahmen des publizistischen Anstandes\u201c?<\/p>\n<p>Beides habe ich schon in der E-Mail vermisst, die mir Sandra Demmelhuber vorher geschickt hat. Mein pers\u00f6nlicher Anstand verbietet es, das hier zu ver\u00f6ffentlichen. Aus meiner Antwort wurde ein Satz \u00fcbernommen (\u201eWas immer ich schreibe, wird von Ihnen so zurechtgestutzt, dass es in Ihre Geschichte passt\u201c). Die anderen beiden S\u00e4tze: \u201eGuter Journalismus n\u00e4hert sich der Wirklichkeit offen und unvoreingenommen. Davon kann ich weder in Ihrem Vorspann etwas erkennen noch in Ihren Fragen.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Der Text von Frau Demmelhuber hat meine Bef\u00fcrchtungen mehr als best\u00e4tigt. Objektivit\u00e4t? Unvoreingenommenheit? Ausgewogenheit? Richtigkeit? Relevanz? Nichts davon. Stattdessen werden Trivialit\u00e4ten zu einem \u00f6ffentlichen Anliegen aufgeblasen von einer Journalistin, die Aktivismus und Parteilichkeit nicht verbergen kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein \u00f6ffentlich-rechtlicher Rundfunk, der Kontaktschuldketten aufbaut, auf jedes Sachargument verzichtet und einen gar nicht so kleinen Teil der Gesellschaft aus dem Raum des Sagbaren ausschlie\u00dft, verfehlt seinen Auftrag und verspielt damit langfristig seine Legitimation.<\/p>\n<p>Die Vorboten habe ich in den B\u00fcchern beschrieben, die ich in diesem Brief erw\u00e4hne, und auch in dem Gespr\u00e4ch zur <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/9747\">Barucker-Petition<\/a> im November gesp\u00fcrt. Der <a href=\"https:\/\/www.die-medienanstalten.de\/fileadmin\/user_upload\/Rechtsgrundlagen\/Gesetze_Staatsvertraege\/Medienstaatsvertrag_MStV.pdf\">Medienstaatsvertrag<\/a> mag vom \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk einen \u201eumfassenden \u00dcberblick\u201c verlangen, \u201eUnparteilichkeit\u201c, \u201eAusgewogenheit\u201c sowie einen Beitrag zum \u201egesellschaftlichen Zusammenhalt\u201c.<\/p>\n<p>Dieser Vertrag wird jedoch das Papier nicht wert sein, auf dem ich ihn ausdrucke, solange die Redaktionen ihrem Publikum nicht trauen oder gar glauben, es erziehen und lenken zu m\u00fcssen \u2014 im Namen von Wahrheiten, die aus der Perspektive eines westdeutsch-akademischen Gro\u00dfstadtmilieus gut und richtig zu sein scheinen, aber l\u00e4ngst nicht die Erfahrungen und das Lebensgef\u00fchl aller treffen. Vielleicht ist mein \u201eFall\u201c ein Anlass, \u00fcber all das in Ihrem Haus zu sprechen, sehr geehrte Frau Wildermuth. Ich bin gern bereit, mich daran zu beteiligen \u2014 vielleicht sogar im Rahmen des Projekts <a href=\"https:\/\/medialabs.hypotheses.org\/\">Media Future Lab<\/a> (gef\u00f6rdert vom Wissenschaftsministerium in M\u00fcnchen), in dem ich gerade an einem B\u00fcrgergutachten zur Zukunft von Medien und Journalismus arbeite.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nIhr Michael Meyen<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Redaktionelle Anmerkung:<\/strong> Dieser Brief erschien zuerst unter dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/9922\">Ein offener Brief an den BR<\/a>\u201c auf dem Blog <em><a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/\">Medienrealit\u00e4t<\/a><\/em>.<\/p>\n<p><strong>Quellen und Anmerkungen:<\/strong><br \/>\n(1) <a href=\"https:\/\/www.br.de\/unternehmen\/inhalt\/organisation\/rechtsgrundlagen-gesetze-bayerisches-rundfunkgesetz100.html\">https:\/\/www.br.de\/unternehmen\/inhalt\/organisation\/rechtsgrundlagen-gesetze-bayerisches-rundfunkgesetz100.html<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_6562 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_6562')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_6562').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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