{"id":7052,"date":"2022-03-14T11:59:57","date_gmt":"2022-03-14T10:59:57","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=7052"},"modified":"2022-03-28T09:11:25","modified_gmt":"2022-03-28T08:11:25","slug":"stepan-bandera-und-die-gespaltene-erinnerung-an-die-gewalt-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/stepan-bandera-und-die-gespaltene-erinnerung-an-die-gewalt-in-der-ukraine\/","title":{"rendered":"Stepan Bandera und die gespaltene Erinnerung an die Gewalt in der Ukraine"},"content":{"rendered":"<div id=\"system-message-container\" data-messages=\"[]\"><em>Beitragsbild: Banderas Grab auf dem M\u00fcnchener Waldfriedhof<\/em><\/div>\n<div class=\"uk-section-default uk-section\">\n<div class=\"uk-container\">\n<div class=\"tm-grid-expand uk-grid-divider uk-grid-margin uk-grid\">\n<div class=\"uk-width-2-3@m uk-first-column\">\n<div><\/div>\n<div class=\"uk-panel uk-text-lead uk-margin\"><strong>Kaum eine andere Person ist in der West- und Ostukraine so unterschiedlich in Erinnerung geblieben wie Stepan Bandera.<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"uk-panel uk-text-meta uk-margin uk-margin-remove-bottom\"><em>Ein Essay von <a href=\"https:\/\/lisa.gerda-henkel-stiftung.de\/stepan_bandera_und_die_gespaltene_erinnerung_an_die_gewalt_in_der_ukraine?nav_id=10282\">Dr. Grzegorz Rossoli\u0144ski-Liebe<\/a> | 19.02.2022<\/em><\/div>\n<div class=\"uk-panel uk-text-meta uk-margin\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"uk-panel uk-text-lead uk-margin\"><strong>W\u00e4hrend in der Westukraine in den letzten zwanzig Jahren Denkm\u00e4ler und Museen f\u00fcr ihn errichtet wurden, wird er bis heute in der Ost- und Zentralukraine als Verr\u00e4ter, Massenm\u00f6rder und Faschist wahrgenommen. Diesen gegens\u00e4tzlichen Erinnerungen liegen sowohl die nicht aufgearbeitete Geschichte der stalinistischen Gewalt, des Holocausts und des Faschismus zugrunde als auch die gegenw\u00e4rtige schwierige politische Situation und der seit 2014 andauernde Konflikt mit Russland. Warum aber ruft ausgerechnet der am 15. Oktober 1959 in M\u00fcnchen ermordete Bandera so viele Emotionen hervor, und warum dient er gleichzeitig als ein Symbol der Freiheit und des Verrats, wenn es um politische Konflikte und milit\u00e4rische Auseinandersetzungen innerhalb der Ukraine oder mit Russland geht? Warum werden \u00fcber ihn immer neue Hagiographien ver\u00f6ffentlicht und warum wird sein Grab auf dem M\u00fcnchener Waldfriedhof regelm\u00e4\u00dfig gesch\u00e4ndet?<\/strong><\/div>\n<div class=\"uk-panel uk-margin\">\n<div class=\"entry_div default pcox-fixed-edit-element\">\n<p>&nbsp;<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lisa.gerda-henkel-stiftung.de\/binaries\/navigation\/10282\/bild_beitrag_810x506.png?t=1645517100\" alt=\"\"><br \/>\n<em>Die ukrainische Diaspora feierte am 17. Oktober 2009 in M\u00fcnchen den 50. Jahrestag des Attentats auf Stepan Bandera, das am 15. Oktober 1959 in M\u00fcnchen ver\u00fcbt worden war, (c) Dr. Rossoli\u0144ski-Liebe<\/em><\/p>\n<p>Auf diese Fragen gibt es keine einfache Antwort. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die gespaltene Erinnerung an den ukrainischen \u201eNationalhelden\u201c lassen sich jedoch in seiner Biographie, in dem um ihn betriebenen Personenkult und der komplizierten Geschichte der Ukraine finden. Stepan Bandera wurde am 1. Januar 1909 in dem ostgalizischen Dorf Staryj Uhryniw, als Sohn eines griechisch-katholischen Priesters geboren.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit lebten etwa 20 Prozent aller Ukrainer in der Habsburgermonarchie und etwa 80 Prozent im Zarenreich. Im Ersten Weltkrieg sah Bandera als Kind zu, wie unmittelbar vor seinem Haus Ukrainer auf beiden Seiten der Front gegeneinander k\u00e4mpften. Ebenso war er Zeuge davon, wie die 1917 in Kiew und 1918 in Lemberg proklamierten ukrainischen Staaten von der Roten Armee und der polnischen Armee besiegt wurden.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"14490\" class=\"entry_div content pcox-fixed-edit-element\">\n<div class=\"text\">\n<p>Wie viele andere Ukrainer seiner Generation, die in der Zweiten Polnischen Republik lebten, schloss sich Bandera zuerst der Ukrainischen Milit\u00e4rischen Organisation (UVO) und anschlie\u00dfend der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) an. Beide waren von ukrainischen Veteranen des Ersten Weltkriegs gegr\u00fcndet worden; die UVO 1920 in Prag, die OUN 1929 in Wien.<\/p>\n<p>Besonders der OUN gelang es, junge Ukrainer f\u00fcr den Kampf f\u00fcr einen ukrainischen Staat zu mobilisieren. Sie wirkte jedoch ausschlie\u00dflich im polnischen Untergrund und war in der sowjetischen Ukraine, wo 80 Prozent der ukrainischen Bev\u00f6lkerung lebte, vollkommen unbekannt.<\/p>\n<p>Wie in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wurde in der Ukraine bereits in den fr\u00fchen 1920er Jahren der italienische Faschismus rezipiert und zugleich ein ukrainischer Faschismus konzipiert. Die OUN verstand den Faschismus als eine Ideologie, die den ukrainischen Nationalismus in seinem Kampf f\u00fcr einen Staat st\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Aus diesen Gr\u00fcnden arbeitete sie mit Mussolini, der kroatischen Ustascha und den deutschen Nationalsozialisten zusammen und hoffte dar\u00fcber hinaus auf milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung Nazideutschlands im Kampf gegen Polen und die Sowjetunion. Wegen seines kompromisslosen Antisemitismus und Antibolschewismus wurde Hitler in der OUN noch mehr gesch\u00e4tzt als Mussolini.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"picture\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lisa.gerda-henkel-stiftung.de\/binaries\/content\/14490\/bandera_klein_810x506.jpg?t=1645443613\" alt=\"\"><br \/>\n<em>Stepan Bandera, (c) Dr. Rossoli\u0144ski-Liebe<\/em><\/div>\n<h3 class=\"picture\">Bandera wurde Anfang 1933 zum <em>Prowidnyk<\/em>&nbsp;(F\u00fchrer) der OUN gew\u00e4hlt.<\/h3>\n<\/div>\n<div id=\"14493\" class=\"entry_div content pcox-fixed-edit-element\">\n<div class=\"text\">\nDas Ziel seiner Politik bestand darin, durch die Radikalisierung des polnisch-ukrainischen Konflikts eine nationale Revolution in der Westukraine herbeizuf\u00fchren. Aus diesem Grund ermordete die OUN 1934 den polnischen Innenminister Bronis\u0142aw Pieracki. Bereits zuvor waren mehrere andere polnische und ukrainische Politiker, die sich um eine Entspannung des polnisch-ukrainischen Konflikts bem\u00fchten, zum Ziel von Attentaten geworden.Pierackis Mord stellte jedoch eine Z\u00e4sur dar. Er brachte den Bandera-Kult hervor, weil andere OUN-Angeklagte ihrem&nbsp;<em>Prowidnyk<\/em>&nbsp;im Gerichtssaal mit dem faschistischen Gru\u00df ihre Treue bezeugten und Bandera selbst behauptete, dass im Kampf um die Freiheit der Ukraine:<\/p>\n<blockquote><p>\u201enicht nur Hunderte, sondern Tausende Menschenleben geopfert werden m\u00fcssen\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zwar blieb Bandera die Todesstrafe erspart, aber er konnte erst nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs aus dem Gef\u00e4ngnis fliehen. Als Bandera im Gef\u00e4ngnis sa\u00df, radikalisierte sich die OUN weiter. Ideologen der Bewegungen wie Wolodymyr Martynez konzipierten eine rassistische Form des ukrainischen Antisemitismus.<\/p>\n<p>Andere wie Mykola Kolodzinskyj verfassten bereits 1934 mit Mussolinis Unterst\u00fctzung Pl\u00e4ne, wie Juden und Polen aus der Ukraine teilweise vertrieben, teilweise ermordet werden k\u00f6nnten, um einen homogenen ukrainischen Staat zu gr\u00fcnden. Bandera selbst nutzte die Zeit im Gef\u00e4ngnis um andere ukrainische H\u00e4ftlinge wie Hryhoryj Perehiniak, die sp\u00e4ter im Zweiten Weltkrieg Massenmorde begingen, ideologisch zu beeinflussen und zu radikalisieren.<\/p>\n<p>Vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum \u00dcberfall auf die Sowjetunion hielt sich Bandera in Krakau auf, der Hauptstadt des Generalgouvernements, und unterst\u00fctzte die Wehrmacht und die Abwehr bei der Vorbereitung der Operation Barbarossa.<\/p>\n<p>Gleichzeitig plante er mit Mitgliedern der OUN die Ukrainische Nationale Revolution, die zeitgleich mit der Operation Barbarossa beginnen und zur Entstehung eines ukrainisch-faschistischen Staates mit Bandera als&nbsp;<em>Prowidnyk<\/em> f\u00fchren sollte. Zwar gelang es der OUN, am 30. Juni 1941 in Lemberg die Staatlichkeit zu proklamieren und Hitler, Mussolini, Franco und Paveli\u0107 um Aufnahme in das \u201eNeue Europa\u201c zu bitten, aber ihr revolution\u00e4rer Plan wurde von Hitler nicht akzeptiert.<\/p>\n<p>Da Bandera sich zun\u00e4chst weigerte, die Proklamation zur\u00fcckzuziehen, wurde er verhaftet und bis Herbst 1944 mit anderen OUN-Mitgliedern als politischer Sonderh\u00e4ftling des Reichssicherheitshauptamts in Berlin und im KZ Sachsenhausen festgehalten.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"picture\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lisa.gerda-henkel-stiftung.de\/binaries\/content\/14493\/2_810x506.jpg?t=1646570920\" alt=\"\"><br \/>\n<em><em>Lemberger Pogrom, Anfang Juli 1941, (c) Dr. Rossoli\u0144ski-Liebe<\/em><\/em><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"14494\" class=\"entry_div content pcox-fixed-edit-element\">\n<div class=\"text\">\n<h3>W\u00e4hrend Bandera im Gef\u00e4ngnis sa\u00df, wurde die Westukraine gewaltsam zu einem ethnisch homogenen Raum umgestaltet.<\/h3>\n<p>Die OUN und die im Winter 1942 von ihr aufgestellte Ukrainische Aufst\u00e4ndische Armee (UPA) trugen dazu ma\u00dfgeblich bei. OUN-Mitglieder schlossen sich der ukrainischen Polizei im Westen des Landes an und halfen den deutschen Besatzern bei der Ermordung von etwa 800.000 Juden. Auf eigene Initiative ermordeten die UPA-Einheiten etwa 100.000 Polen und vertrieben weitere Tausende aus der Westukraine.<\/p>\n<p>Bandera hatte aufgrund seiner Abwesenheit damit zwar direkt nichts zu tun, aber die OUN-Mitglieder und UPA-Partisanen, die an den Massakern, Deportationen und Vertreibungen beteiligt waren, betrachteten ihn nach wie vor als ihren&nbsp;<em>Prowidnyk<\/em>. Nach seiner Entlassung schrieb Bandera \u00fcber den Holocaust und die von der UPA ermordeten Polen kein Wort und erw\u00e4hnte sie auch in Reden und Interviews nicht.<\/p>\n<p>Bereits 1945 nahm er Kontakt zu westlichen Geheimdiensten auf, baute mit ihrer Unterst\u00fctzung ein OUN-Zentrum in M\u00fcnchen auf und unterst\u00fctzte die UPA beim Kampf gegen die Sowjetunion.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"picture\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lisa.gerda-henkel-stiftung.de\/binaries\/content\/14494\/4_810x506.jpg?t=1645443645\" alt=\"\"><br \/>\n<em>Exhumation der Opfer der ethnischen S\u00e4uberung von 1943 in Wola Ostrowiecka, 1992, (c) Dr. Rossoli\u0144ski-Liebe<\/em><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"spacer_div\"><\/div>\n<div id=\"14495\" class=\"entry_div content pcox-fixed-edit-element\">\n<div class=\"text\">\n<h3>Der Kampf in der Westukraine zwischen der UPA und dem NKWD wurde \u00e4u\u00dferst brutal gef\u00fchrt und dauerte jahrelang.<\/h3>\n<p>Noch zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sp\u00fcrte der NKWD die letzten ukrainischen Partisanen auf. Um OUN und UPA endg\u00fcltig aufzul\u00f6sen, deportierte der NKWD ihre Familien ins Innere der Sowjetunion und verhaftete und ermordete eine gro\u00dfe Anzahl von Unterst\u00fctzern der Bewegung. Nach sowjetischen Angaben wurden in der Westukraine unter anderem wegen des Verdachts einer Zusammenarbeit mit der OUN-UPA 153.000 Personen ermordet, 134.000 verhaftet und 203.000 deportiert. Ukrainische Nationalisten ermordeten bis 1953 20.000 Zivilisten und 10.000 NKWD-Mitarbeiter bzw. Angestellte des sowjetischen Verwaltungsapparats. Fast jede Familie in der Westukraine erlitt Verluste in dem \u00e4u\u00dferst brutalen Konflikt, den Bandera aus M\u00fcnchen unterst\u00fctzte und politisch f\u00fcr sich nutzte.<\/p>\n<h3>Der Bandera-Kult gewann nach dem Attentat in M\u00fcnchen am 15. Oktober 1959 durch den KGB-Agenten Bohdan Staschinski erneut Auftrieb.<\/h3>\n<p>Der ermordete Bandera erschien vielen als ein Symbol des ukrainischen Freiheitskampfes gegen die Sowjetunion. Seitdem wurde der ukrainische&nbsp;<em>Prowidnyk<\/em>&nbsp;von seinen Anh\u00e4ngern, von denen mehrere Tausend 1944 die Ukraine zusammen mit den Deutschen verlassen hatten und in westlichen L\u00e4ndern lebten, auf antisowjetischen Demonstrationen und j\u00e4hrlichen Feierlichkeiten um den 15. Oktober in St\u00e4dten wie M\u00fcnchen, London, Toronto und New York als Nationalheld und Freiheitsk\u00e4mpfer gefeiert.<\/p>\n<p>Die sowjetische Propaganda, die Bandera als einen Verr\u00e4ter und Anf\u00fchrer von Faschisten und Kapitalisten bezeichnete, verst\u00e4rkte dadurch den um ihn betriebenen Kult und motivierte die Veteranen seiner Bewegung, 1978 in London ein Museum f\u00fcr ihn zu errichten. Das bekannte OUN-Mitglied Petro Mirchuk ver\u00f6ffentlichte bereits 1961 die erste Hagiographie \u00fcber den&nbsp;<em>Prowidnyk<\/em>.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"picture picture_galleria_zoom\">\n<div id=\"gallery_14495\">\n<div class=\"galleria-container notouch galleria-theme-lisa\">\n<div class=\"galleria-stage\">\n<div class=\"galleria-images\">\n<div class=\"galleria-image\">\n<div class=\"galleria-thumbnails-container\">&nbsp;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/seniora.org\/images\/Geldschein_der_Ukraine_Diaspora.jpg\" alt=\"Geldschein der Ukraine Diaspora\" width=\"810\" height=\"376\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"14495\" class=\"entry_div content pcox-fixed-edit-element\">\n<div class=\"picture picture_galleria_zoom\">\n<div id=\"gallery_14495\">\n<div class=\"galleria-container notouch galleria-theme-lisa\">\n<div class=\"galleria-info\">\n<div class=\"galleria-info-text\">\n<div class=\"galleria-info-description\"><em>Geldschein, den die ukrainische Dispora in London angefertigt hat, (c) Rossoli\u0144ski-Liebe<\/em><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"spacer_div\"><\/div>\n<div id=\"14496\" class=\"entry_div content pcox-fixed-edit-element\">\n<div class=\"text\">\n<p>Auf den j\u00e4hrlichen Gedenkveranstaltungen wurde die Beteiligung ukrainischer Nationalisten am Holocaust und die Massaker an der polnischen Zivilbev\u00f6lkerung in Wolhynien und Ostgalizien nie thematisiert. Im Gegensatz wurde der Terror des NKWD lebhaft erinnert. Ebenso popul\u00e4r waren Erz\u00e4hlungen \u00fcber die gro\u00dfe Hungersnot, die sich 1932 und 1933 in der sowjetischen Ukraine ereignet hatte und der zwischen drei und vier Millionen Ukrainer zum Opfer gefallen waren. Narrative wie diese dienten vorrangig dazu, die OUN-Kollaboration im Holocaust mit der Darstellung des Leidens der ukrainischen Bev\u00f6lkerung zu verschleiern.<\/p>\n<p>So behaupteten etwa Veteranen der Bewegung nach der Ausstrahlung der Fernsehserie \u201eHolocaust. Die Geschichte der Familie Weiss\u201c 1978 in zahlreichen Publikationen, dass durch die Hungersnot mindestens 6 Millionen Ukrainer durch Stalin und seine j\u00fcdischen Kommissare ermordet worden seien. Sie spielten bewusst auf die Zahl 6 Millionen an, um den Holocaust zu relativierten und die Leiden der ukrainischen Bev\u00f6lkerung in den Vordergrund zu r\u00fccken. Einige Autoren behaupteten sogar, dass in der Hungersnot 10 bis 15 Millionen Ukrainer ermordet wurden.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"picture\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lisa.gerda-henkel-stiftung.de\/binaries\/content\/14496\/6_810x506.jpg?t=1646406500\" alt=\"\"><br \/>\n<em>Enth\u00fcllung des Bandera-Denkmals am 13. October 2007 in Lviv, (c) Dr. Rossoli\u0144ski-Liebe<\/em><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"14497\" class=\"entry_div content pcox-fixed-edit-element\">\n<div class=\"text\">\n<h3>Nach dem Zerfall der Sowjetunion brachten OUN-Veteranen den Bandera-Kult in die Westukraine zur\u00fcck.<\/h3>\n<p>Die ersten zwei Bandera-Denkm\u00e4ler, die 1990 in seinem Geburtsort Staryj Uhryniw enth\u00fcllt wurden, wurden noch vom NKWD gesprengt. Das dritte Denkmal, das \u201esymbolisch\u201c aus einer eingegossenen Lenin-Statue angefertigt wurde, steht dort bis heute unversehrt. Wie im westlichen Nachkriegsexil wurden auch in der Ukraine Museen \u00fcber Bandera er\u00f6ffnet, Hagiografien \u00fcber ihn publiziert und Musikfestivals nach ihm benannt.<\/p>\n<p>Weil Bandera sich aufgrund seiner Zeit als H\u00e4ftling im NS-Gef\u00e4ngnis nie pers\u00f6nlich an der Ermordung von Juden oder Polen beteiligt hatte und sp\u00e4ter selbst vom KGB ermordet wurde, eignete er sich perfekt als ein Symbol des nationalen Freiheitskampfes. Besonders nach dem Ende der Sowjetunion diente Bandera als Argument, um Anschuldigungen wegen der Kollaboration im Holocaust und der Massaker an der polnischen Zivilbev\u00f6lkerung abzuwehren.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hrend der Majdan-Proteste 2013 und 2014 in Kiew wurde Bandera nicht nur von nationalistischen, sondern auch von sich f\u00fcr die Demokratie einsetzenden Ukrainern als Identifikationsfigur genutzt. Seine politischen Ansichten und ideologischen Einstellungen sowie seine Rolle als der&nbsp;<em>Prowidnyk<\/em>&nbsp;einer Bewegung, die einen faschistischen Staat proklamierte, ihn von Juden, Polen und Russen s\u00e4ubern und mit Hitler, Mussolini, Franco und Paveli\u0107 kollaborieren wollte, sind vor allem in der Westukraine und der ukrainischen Diaspora bis heute weitestgehend unbekannt.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_7052 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_7052')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_7052').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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