{"id":7196,"date":"2026-07-06T14:13:05","date_gmt":"2026-07-06T13:13:05","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=7196"},"modified":"2026-07-09T18:53:12","modified_gmt":"2026-07-09T17:53:12","slug":"journalisten-und-die-bilderberg-konferenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/journalisten-und-die-bilderberg-konferenz\/","title":{"rendered":"Journalisten und die Bilderberg-Konferenz"},"content":{"rendered":"<h3>Nichts wissen, nichts h\u00f6ren, nichts sehen \u2013 und doch mittendrin dabei.<\/h3>\n<p><strong>Vom 1. bis 4. Juni trafen sich im US-Bundesstaat Virginia Spitzen aus Politik, Wirtschaft, Medien und Forschung, um hinter verschlossenen T\u00fcren \u00fcber die gro\u00dfe Weltpolitik zu sprechen.<\/strong><\/p>\n<p>Beitrag von von <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/autoren\/marcus-klockner\">Marcus Kl\u00f6ckner<\/a><\/p>\n<p>Sie kamen, sie redeten und gingen wieder. Mit diesen Worten ist alles gesagt zu einer der elit\u00e4rsten Zusammenk\u00fcnfte der westlichen Welt \u2013 der <a href=\"http:\/\/bilderbergmeetings.org\/index.html\">Bilderberg-Konferenz<\/a>. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn sich Mediennutzer \u00fcber das Treffen der M\u00e4chtigen in den gro\u00dfen Medien informieren m\u00f6chten. Die \u00bbBerichterstattung\u00ab \u00fcber den Bilderberg-Zirkel, der immerhin seit \u00fcber 60 Jahren existiert, kam lange einer journalistischen Arbeitsverweigerung gleich (und teilweise tut sie das noch immer). \u00dcber Jahrzehnte haben Qualit\u00e4tsmedien so gut wie \u00fcberhaupt nicht \u00fcber die Zusammenkunft der <a href=\"https:\/\/www.bilderbergmeetings.org\/press\/press-release\/participants\">\u00bbWeltenlenker\u00ab<\/a> und globalen Strategen berichtet oder aber sie lieferten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine Berichterstattung ab, neben der die Beitr\u00e4ge der Kindernachrichtensendung logo! wie ein Graduiertenkolloqium f\u00fcr angehende Doktoranden wirken.<\/p>\n<p>Grundlegende Informationen, die <a href=\"https:\/\/www.bilderbergmeetings.org\/press\/press-release\/press-release\">ohne gro\u00dfen Rechercheaufwand<\/a> verf\u00fcgbar sind, wurden und werden ignoriert, der Stand der Forschung und Literatur wird au\u00dfer Acht gelassen und eigene Recherchearbeit wird erst gar nicht geleistet. Die Leidtragenden sind die Mediennutzer und die Demokratie. Warum tun sich Journalisten so schwer, \u00fcber die Bilderberg-Konferenzen zu berichten? Warum war Bilderberg \u00fcber viele Jahrzehnte nie wirklich ein Thema f\u00fcr die Medien? Eine Auseinandersetzung mit dieser Frage f\u00fchrt auch zu so mancher Verwerfung im journalistischen Feld.<\/p>\n<p><em>\u00bbDie freie Presse dieses Landes nimmt sich die Freiheit, ein Gremium, in welchem die m\u00e4chtigsten M\u00e4nner dieses Landes sich mit Weltpolitik befassen, als eine Art privaten Bridge-Club zu betrachten, der niemand tangiert und niemand etwas angeht.\u00ab<\/em> (Bittorf 1975: 142) Mit diesen Worten zitierte einst das Nachrichtenmagazin \u00bbDer Spiegel\u00ab den angesehensten US-amerikanischen Machtstrukturforscher G. William Domhoff. Domhoff bezog sich auf den Council on Foreign Relations (CFR), einen noch immer einflussreichen Thinktank in den USA.<br \/>\nDie Aussage des Zitates l\u00e4sst sich ohne gro\u00dfe M\u00fche auch auf die Bilderberg-Konferenz \u00fcbertragen. Wenn sich 150 f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten aus Wirtschaft, Finanzwelt, Milit\u00e4r, Geheimdiensten, Wissenschaft, Adel und Medien mit Mandatstr\u00e4gern aus der Politik hinter verschlossenen T\u00fcren treffen und \u00fcber die gro\u00dfe Weltpolitik konferieren, dann scheint das f\u00fcr weite Teile der gro\u00dfen Medien die Qualit\u00e4t von einem Kaffeekr\u00e4nzchen zu haben. Dieses Missverh\u00e4ltnis zwischen der medialen Aufmerksamkeit, die der Bilderberg-Konferenz zu teil wird, und ihrer Bedeutung, wird augenscheinlich, wenn man die Berichterstattung \u00fcber den Elitezirkel mit der \u00fcber das World Economic Forum in Davos oder die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz vergleicht.<\/p>\n<p>Die gesamte Medienmaschinerie l\u00e4uft auf Hochtouren, keine Hauptnachrichtensendung, die nicht immer wieder \u00fcber die Konferenz mit Live-Schaltung und allem was dazugeh\u00f6rt berichtet. Kein Qualit\u00e4tsmedium, das nicht genau hinh\u00f6rt, wenn die Weltenlenker bei der Zusammenkunft in M\u00fcnchen oder Davos reden. Die Anzahl der Artikel und Berichte, die vor, w\u00e4hrend und nach den Elitetreffen erscheinen, sind wegen ihrer Masse kaum alle zu sichten. Und daf\u00fcr gibt es nat\u00fcrlich einen Grund: Journalisten wissen, dass das, was die M\u00e4chtigen dieser Welt zu sagen haben, von Gewicht ist. Sie wissen, dass ein gro\u00dfes \u00f6ffentliches Interesse daran besteht, zu erfahren, was die Eliten aus Politik und Wirtschaft zu sagen haben.<\/p>\n<p>Doch warum greift dieses Medieninteresse nicht bei der Bilderberg-Konferenz? Warum hat es so lange gedauert, bis Medien \u00fcberhaupt erst einmal von diesem Treffen Kenntnis genommen haben? Und, mindestens genauso interessant: Warum hat sich das journalistische Interesse an Bilderberg erst im Zeitlupentempo entwickelt?<\/p>\n<h3>1. \u00dcber das zu berichten, wovon man nicht wei\u00df, dass es existiert, ist nicht m\u00f6glich. Oder: Der blinde Fleck im Mediensystem<\/h3>\n<p>Auch wenn der Satz des deutschen Soziologen Niklas Luhmann h\u00e4ufig zitiert wird, er darf an dieser Stelle nicht fehlen: \u00bbWas wir \u00fcber unsere Gesellschaft, ja \u00fcber die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.\u00ab (Luhmann 1996: 9) Weniger bekannt, aber in die gleiche Richtung zielend, sind die Aussagen des US-amerikanischen Soziologen Charles Wright Mills, dessen grundlegende Arbeit zur Machtelite sich im Jahr der Ver\u00f6ffentlichung dieses Bandes zum 60. Mal j\u00e4hrt. Mills sagte: \u00bbNur sehr wenig von unserem Wissen \u00fcber die gesellschaftlichen Gegebenheiten der Welt haben wir durch eigene Erfahrung gelernt. Die meisten unserer bildhaften Vorstellungen haben wir eben von diesen Informationsorganen empfangen. Das f\u00fchrt oftmals so weit, da\u00df wir nicht einmal das glauben, was wir mit eigenen Augen gesehen haben, bevor wir es nicht in der Zeitung gelesen oder im Radio geh\u00f6rt haben [&#8230;] unsere Vorstellungen von der Wirklichkeit werden mehr und mehr von diesen Masseninformationsmitteln statt von unserer eigenen bruchst\u00fcckhaften Erfahrung bestimmt.\u00ab (Mills 1962: 218)<\/p>\n<p>Beide Aussagen zielen vor allem auf die Mediennutzer. F\u00fcr lange Zeit galt (und gilt mit Abstrichen noch immer): Was die etablierten Medien nicht zeigen, existiert f\u00fcr den Homo medialis nicht. Doch hier in diesem Beitrag geht es nicht nur darum, welche Stellung Medien zukommt, wenn es um unser Wissen im Hinblick auf das Weltgeschehen geht, vielmehr ber\u00fchren die Aussagen auch die Akteure im journalistischen Feld selbst. Auch wenn ihnen eine besondere Rolle zukommt, auch wenn sie durch ihr Wirken in den Medien bestimmen, was der Mediennutzer zu sehen bekommt und was nicht, muss nicht weit gedacht werden, um zu erkennen, dass auch Journalisten sich durch die Medien informieren und auch sie (auch wenn sie gewiss einen vielschichtigeren Zugang zu Informationen haben) dem begrenzten Blick unterliegen, den \u00bbihre\u00ab Medien bieten.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit der Berichterstattung bzw. Nichtberichterstattung zu Bilderberg ist von Folgendem auszugehen: Da es so gut wie keine Berichte \u00fcber diese Zusammenkunft der Machteliten gegeben hat, war auch bei (eigentlich gut informierten) Journalisten kein Wissen zu Bilderberg vorhanden. Eine wechselseitige Unkenntnis zwischen Medien (denen man zutraut, dass sie eigentlich alles \u00bbvon Relevanz\u00ab aufnehmen m\u00fcssten) und Journalisten hat einen blinden Fleck entstehen lassen, sodass Bilderberg nie wirklich in den Blickpunkt der gro\u00dfen Medien geraten konnte. Nun ist es gewiss eine banale Erkenntnis: \u00dcber das, wovon man nicht wei\u00df, dass es existiert, kann man auch nicht berichten. Aber gerade diese einfache Feststellung verweist auf eine der gro\u00dfen Schwachstellen in den Medien. Medien nehmen nur das wahr, was die Akteure, die sich in den Medien bewegen, wahrnehmen k\u00f6nnen (und wollen).<\/p>\n<p>In der Frage, warum Medien \u00fcber viele Jahrzehnte die Bilderberg-Konferenz nicht wahrgenommen haben, verdichtet sich in gewisser Weise ein altes Problem im Journalismus, das in den letzten Jahren in der \u00bbDiskussion um die Medien\u00ab und ihre Berichterstattung immer klarer zum Vorschein gekommen ist: Viele Mediennutzer erkennen, dass sich in den Medien allzu oft ein Journalismus mit Blickschutz wiederfindet, der sich auf einem Korridor bewegt, der in Breite und L\u00e4nge relativ \u00fcberschaubar ist. Zu eng ist das Meinungs- und Themenspektrum, als dass man tats\u00e4chlich von einer wahrhaft pluralistischen Berichterstattung in den gro\u00dfen Medien sprechen k\u00f6nnte. Auch wenn das von so manchem Chefredakteur und Alpha-Journalisten mit Vehemenz bestritten wird. Erinnert sei an die Ausf\u00fchrungen des franz\u00f6sischen Soziologen Pierre Bourdieu zur Homogenit\u00e4t in der Medienberichterstattung: \u00bbNoch hinter den deutlichsten Unterschieden \u2013 sie haben vor allem mit der politischen Couleur der Zeitungen zu tun (die \u00fcbrigens unleugbar immer mehr jegliche Couleur vermissen lassen&#8230;) \u2013 stecken tiefgreifende \u00c4hnlichkeiten, die haupts\u00e4chlich auf die von den Nachrichtenquellen ausgehenden Beschr\u00e4nkungen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind und dar\u00fcber hinaus auf eine ganze Reihe von Mechanismen, von denen der wichtigste die Wettbewerbslogik ist.\u00ab (Bourdieu 1998: 30)<\/p>\n<p>Und Bourdieu weiter: \u00bbWenn Liberation auf der ersten Seite \u00fcber ein Ereignis berichtet, mu\u00df Le Monde nachziehen; gleichzeitig wird sich diese Zeitung ein wenig absetzen, um Distanz an den Tag zu legen und ihrem Ruf als niveauvolles, seri\u00f6ses Blatt gerecht zu werden. Aber diese kleinen Unterschiede, auf die Journalisten subjektiv so viel Wert legen, verbergen enorme \u00c4hnlichkeiten. In den Redaktionskonferenzen verbringt man betr\u00e4chtlich viel Zeit damit, von anderen Zeitungen zu sprechen, besonders von dem, \u203awas sie gemacht haben und wir nicht\u2039 (\u203adas haben wir verschlafen!\u2039) und was man \u2013 selbstverst\u00e4ndlich \u2013 h\u00e4tte machen m\u00fcssen, da die anderen es gemacht haben.\u00ab (Ebd.: 32)<\/p>\n<p>Bourdieu spricht in dem Zusammenhang von einer \u00bbwechselseitigen Bespiegelung\u00ab (ebd.) der Medien, die eine \u00bbschreckliche Abkapselung, eine geistige Einz\u00e4unung\u00ab (ebd.) hervorbringen. Auch wenn sich diese Aussagen auf die franz\u00f6sische Presse beziehen: Sie sind universell f\u00fcr die Medien g\u00fcltig.<\/p>\n<p>Doch die Homogenit\u00e4t in der Berichterstattung ergibt sich nicht nur durch feldinterne \u00bbGesetzlichkeiten\u00ab. Studien zur sozialen Zusammensetzung des journalistischen Feldes (Weischenberg 2005) oder zur sozialen Herkunft von Sch\u00fclern an Journalistenschulen (Lueg 2012) lassen den Schluss zu, dass sich im Journalismus, vor allem eben auch auf den h\u00f6heren R\u00e4ngen, Akteure bewegen, die \u00fcber eine mehr oder weniger \u00e4hnliche Sozialisation verf\u00fcgen und die Annahme daher berechtigt ist, dass auch relativ gleichartige Muster der Wahrnehmung und des Denkens ausgepr\u00e4gt wurden. Unter Ber\u00fccksichtigung der politischen Berichterstattung (der Kommentare, der Analysen und so weiter), wie sie jeden Tag in den Qualit\u00e4tsmedien zu finden ist, liegt der Schluss nahe, dass mit der \u00e4hnlichen Sozialisation auch eine sehr \u00e4hnliche Wahrnehmung im Hinblick auf \u00bbdas Politische\u00ab veranschlagt wird.<\/p>\n<p>Anders gesagt: In den Medien sind immer wieder Betrachtungsweisen auszumachen, die ein relativ naives Demokratie- und Wirklichkeitsverst\u00e4ndnis widerspiegeln, in dem f\u00fcr das Ph\u00e4nomen einer sich ausdifferenzierenden Machtelite, die sich in Elitezirkeln zusammenschlie\u00dft, weder ein Bewusstsein noch Verst\u00e4ndnis vorhanden ist. Der Eindruck beim Lesen von so manchem Leitartikel und Kommentar ist: Es gibt einen festen Glauben daran, dass die Sph\u00e4re des Politischen in einer Demokratie durch die demokratischen Institutionen gepr\u00e4gt und der \u00bbdemokratische Moment\u00ab durch das Zauberwort von der Partizipation des B\u00fcrgers voll ausgef\u00fcllt wird. Bereits die Annahme, dass Machteliten zusammenkommen und dabei \u2013 sei dies nun durch konkrete Planungen oder nur anhand einer mehr oder weniger subtilen konsensuellen \u00dcbereinkunft \u2013 versuchen, Politik zu beeinflussen, scheint so fest am politischen Wirklichkeitsverst\u00e4ndnis zu r\u00fctteln, dass ein solcher Gedanke grunds\u00e4tzlich als v\u00f6llig abwegig aussortiert wird. Von daher kommt man erst gar nicht auf die Idee, sich mit Elitenzirkeln und ihrer diskreten Macht auseinanderzusetzen.<\/p>\n<blockquote><p>Um es zuspitzen: Es fehlt im Journalismus an dem Bestreben, die ausgetretenen Pfade der eigenen Wirklichkeitswahrnehmung und Wirklichkeitsauffassung zu verlassen und so auch Themen ins Blickfeld geraten zu lassen, die sonst \u00fcberhaupt nicht wahrgenommen werden.<br \/>\nDoch nicht nur ein fehlendes Bewusstsein f\u00fcr die Problematik von Machteliten, die aus dem Windschatten der demokratischen Institutionen heraus agieren, hat daf\u00fcr gesorgt, dass Bilderberg so lange kein Thema in den Medien war.<\/p><\/blockquote>\n<h3>2. Die einen wissen nichts, die anderen halten geheim: Das Schweigen der \u00bbBilderberg-Journalisten\u00ab<\/h3>\n<p>Zu Bilderberg waren immer wieder auch Pers\u00f6nlichkeiten aus der Medienbranche eingeladen. Oder, um genauer zu sein: Sie waren teilweise sogar Mitglied im inneren Zirkel der Gruppe, im sogenannten Lenkungsausschuss (steering committee). Gegen\u00fcber dem Onlinemagazin Telepolis erkl\u00e4rte der Gr\u00fcnen-Politiker J\u00fcrgen Trittin: \u00bbEingeladen wurde ich durch den Internationalen Korrespondenten der Wochenzeitung \u203aDie Zeit\u2039, Matthias Na\u00df.\u00ab (Kl\u00f6ckner 2012) Auf Spiegel Online hei\u00dft es: \u00bbMatthias Na\u00df, Internationaler Korrespondent der Wochenzeitung \u203aDie Zeit\u2039, schl\u00e4gt als Mitglied im Lenkungsausschuss von Bilderberg seit Jahren Teilnehmer vor und setzt die Themen mit.\u00ab (Kwasniewski 2012).<\/p>\n<p>F\u00fchrende Redakteure der Wochenzeitung Die Zeit nahmen \u00fcber Jahre an der Bilderberg-Konferenz teil. Aufschlussreich ist ein Interview, das der Leipziger Journalismusforscher Uwe Kr\u00fcger (2007: 61) mit dem ehemaligen Chefredakteur der Zeit, Theo Sommer, gef\u00fchrt hat. Kr\u00fcger fragt: \u00bbEs sind auch Journalisten mit dabei. Die stehen ja eigentlich im Dienst der \u00d6ffentlichkeit, aber hier sind sie zum Schweigen verpflichtet. Was haben Journalisten bei Bilderberg zu suchen?\u00ab Theo Sommer antwortet darauf: <em>\u00bbIch habe nie empfunden, dass ich da Verrat an meiner Profession \u00fcbe. Ich darf zwar nicht berichten \u00fcber die Tagung, habe aber als Journalist durchaus meinen Nutzen davon. In diesen zwei, drei Tagen habe ich doch so viel geh\u00f6rt, was ich als Leitartikler in den n\u00e4chsten sechs Monaten irgendwo unterbringen kann. [&#8230;] Und ein weiterer Vorteil: Man lernt Leute kennen, mit denen man dann abends an der Bar sitzt oder nachmittags in der Sauna. Sp\u00e4ter kann man dann halt anrufen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Kr\u00fcger fragt weiter: \u00bbSie haben als Mitglied im Lenkungsausschuss \u00fcber Themen und Teilnehmer mit entschieden. \u00dcberschreitet man da nicht doch eine Grenze \u2013 in dem Sinne, dass man selbst Politik macht?\u00ab Sommer daraufhin: \u00bbIch sage allenfalls meine Meinung und organisiere eine Veranstaltung mit, in der andere ihre Meinung sagen k\u00f6nnen. Wenn Sie so wollen, erschlie\u00dfe ich mir dadurch auch Bekanntschaften. Das ist das alte Problem: Ohne N\u00e4he zu den Politikern k\u00f6nnen Sie gar nicht urteilen. Und das allgemeine Vorurteil, dass man durch diese N\u00e4he die Objektivit\u00e4t verliert, ist einfach falsch. Im Gegenteil: Ich habe manchmal das Gef\u00fchl, unsere Freunde behandeln wir viel kritischer. Die Ma\u00dfst\u00e4be, die man an sie legt, sind viel strenger als an die Gegner oder die Anders-eingestellten [sic!]. Und warum sollten wir Journalisten uns ausschlie\u00dfen? Wir geh\u00f6ren nun einmal mit auf diese B\u00fchne, in dieses Spiel hinein.\u00ab<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf des Interviews erkl\u00e4rt Sommer, es sei der Unternehmer Otto Wolff von Amerongen gewesen, der ihn zu Bilderberg geholt habe. Sommer f\u00fchrt aus, dass f\u00fcr Deutschland im Lenkungsausschuss immer zwei Leute vertreten waren: \u00bbEiner, der den intellektuellen Input brachte, der sagte: Das w\u00e4re ein Thema, das w\u00e4re ein Redner. Und einer, der die Finanzen besorgte, der Fundraising betrieb bei Banken und gro\u00dfen Unternehmen. Lange Zeit war ich dann der ideelle Part und der finanzielle war Alfred Herrhausen. Nach mir hat sich dieser Sitz innerhalb der Zeit vererbt: Erst kam Christoph Bertram, und jetzt ist Matthias Na\u00df im steering committee.\u00ab<br \/>\nEs ist erstaunlich zu lesen, wie Sommer sein Agieren im Lenkungsausschuss darstellt. Der Eindruck entsteht, als ob es f\u00fcr Journalisten eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein darf, in einem der exklusivsten Elitezirkel der Welt als handelnder Akteur zu fungieren, deutsche Spitzenpolitiker handverlesen einzuladen, am Abend mit f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten aus den zentralen gesellschaftlichen Teilbereichen in einem diskreten Rahmen an der Bar oder gar in der Sauna zu sitzen, \u00fcber Gott und die Welt zu reden und dabei nat\u00fcrlich nicht die geringsten Bei\u00dfhemmungen zu entwickeln, wenn es darum geht, eben \u00fcber diese Akteure, mit denen man gerade noch ein Bier, einen Wein oder einen Whiskey getrunken hat, kritisch zu berichten.<\/p>\n<p>Alleine die Tatsache, dass man als Journalist an dieser Konferenz teilnehmen darf, aber nicht \u00fcber diese berichtet, wirft Fragen auf. Schlie\u00dflich: Der teilnehmende Journalist erh\u00e4lt einen absolut privilegierten Zugang zu Informationen (wie interessant m\u00fcsste es f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sein, zu erfahren, was die versammelten Eliten und Machteliten so zu sagen haben, wenn sie \u00fcber die gro\u00dfe Politik unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit reden), die er aber der \u00d6ffentlichkeit nicht zur Verf\u00fcgung stellt. Auch wenn er sp\u00e4ter seinen \u00bbInput\u00ab aus der Konferenz in seine Berichterstattung einflie\u00dfen l\u00e4sst: Der Leser bleibt auf der Strecke, da der Entstehungskontext der gelieferten \u00bbInformation\u00ab f\u00fcr den Leser nicht erkennbar ist. Es wird schwerer f\u00fcr ihn, die gelieferten Informationen auf einen m\u00f6glichen Spin abzuklopfen.<\/p>\n<p>Dass auf Zusammenk\u00fcnften von Machteliten dieser Art nicht nur ein wenig geplaudert wird, darauf deuten auch die Ausf\u00fchrungen des Politikers und Journalisten Hans-Peter Martin hin, der unter anderem f\u00fcr den Spiegel und die Zeit geschrieben hat. Martin war einer von nur drei Journalisten, die an dem Treffen des \u00bbGlobal Brain Trust\u00ab, das 1995 in San Francisco stattfand, teilnehmen durften. 500 f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten der Welt waren zusammengekommen und skizzierten dabei, so Martin, eine neue Gesellschaftsordnung:<\/p>\n<p>\u00bbNiemand ist zum Schwadronieren angereist. Keiner soll die freie Rede st\u00f6ren, die aufdringliche Journalistenschar wird aufwendig abgeschirmt&#8230;\u00ab, schreibt Martin (Schuhmann\/Martin 1996: 10) Und weiter: \u00bbIm Fairmont wird eine Gesellschaftsordnung skizziert: reiche L\u00e4nder, keinen nennenswerten Mittelstand \u2013 und niemand widerspricht. [\u2026] N\u00fcchtern diskutieren die Manager die m\u00f6glichen Dosierungen, \u00fcberlegen, wie denn das wohlhabende F\u00fcnftel den \u00fcberfl\u00fcssigen Rest besch\u00e4ftigen k\u00f6nnte. Soziales Engagement der Unternehmen sei beim globalen Wettbewerbsdruck unzumutbar, um die Arbeitslosen m\u00fcssten sich andere k\u00fcmmern.\u00ab (Ebd.: 13).<br \/>\nEs liegt sehr nahe, dass auf den Bilderberg-Konferenzen \u00e4hnlich Grundlegendes vorgetragen wird. Darauf verweisen die Themen, die auf der Agenda stehen: \u00bbDie Zukunft der Demokratie\u00ab (2012), \u00bbK\u00f6nnen die USA und Europa schneller [wirtschaftlich] wachsen und neue Arbeitspl\u00e4tze schaffen?\u00ab, \u00bbDie Politik der Europ\u00e4ischen Union\u00ab (2013), \u00bbDie Zukunft der Demokratie und die Falle der Mittelklasse\u00ab, \u00bbDie neue Architektur des Mittleren Ostens\u00ab, \u00bbWas kommt als N\u00e4chstes, Europa?\u00ab (2014), \u00bbeurop\u00e4ische Strategie\u00ab, \u00bbGlobalisierung\u00ab, oder die \u00bbNATO\u00ab (2015).<\/p>\n<p>M\u00fcsste angesichts solcher zentraler Themen nicht das journalistische Interesse an der Konferenz geweckt werden? Der aufmerksame Leser mag feststellen: Einige der Themen auf den Bilderberg-Konferenzen sind als Fragen formuliert. Wer Fragen stellt, m\u00f6chte auch Antworten erhalten. Ist es aus demokratischer Sicht nicht unabdingbar f\u00fcr die B\u00fcrger, zu erfahren, zu welchen Antworten Eliten und Machteliten kommen, wenn sie mehrere Tage hinter verschlossenen T\u00fcren konferieren?<br \/>\nUwe Kr\u00fcger hat f\u00fcr den Zeitraum von 1993 bis 2007 \u00fcber 40 Medienvertreter aus den USA, Kanada, Gro\u00dfbritannien und Deutschland gez\u00e4hlt, die sich zur Bilderberg-Konferenz eingefunden haben. Dazu geh\u00f6ren Auserw\u00e4hlte der New York Times, des Wall Street Journal, der Times oder der Nachrichtenagentur Reuters (Kr\u00fcger 2007: 57). Am Ende dieser Ausf\u00fchrungen zur Frage, warum Bilderberg \u00fcber viele Jahre kein Thema in den Medien war, ist also auch festzustellen: Es h\u00e4tte von denjenigen, die \u00fcber die Konferenz Bescheid wussten und ganz besondere Einblicke in diesen Zirkel einer informellen Elitenmacht erlangen konnten, berichtet werden k\u00f6nnen. Aber sie haben es nicht getan. Sie haben der \u00d6ffentlichkeit keinen Zugang zu diesem Teil der machtpolitischen Realit\u00e4t verschafft.<\/p>\n<h3>3. Bilderberg: Medien-Erwachen im Zeitlupentempo<\/h3>\n<p>\u00dcber Jahrzehnte haben Medien \u00fcber die Bilderberg-Konferenz so gut wie nicht berichtet. Doch durch das Internet wurden zu Beginn der 2000er Jahre immer mehr Informationen zu Bilderberg \u00f6ffentlich verf\u00fcgbar. Private Blogs, alternative Formate und Plattformen (Medosch 2000) erfuhren von dem \u00bbomin\u00f6sen Zirkel\u00ab und trugen Informationen aus allen Richtungen zusammen.<\/p>\n<p>Festgestellt werden kann: Mehr und mehr war Bilderberg ein festes Thema im Internet geworden und zunehmend h\u00e4uften sich Kommentare von Lesern, die die Frage stellten, wo eigentlich die gro\u00dfen Medien sind, wenn Bilderberg zusammenkommt. Eine legitime Frage. Und dennoch dauerte es gut ein weiteres Jahrzehnt, bis aus den vereinzelten Beitr\u00e4gen gro\u00dfer Medien pl\u00f6tzlich ein Medieninteresse an Bilderberg entstand, das, zumindest im Vergleich zu fr\u00fcher, breiter wurde.<br \/>\nBj\u00f6rn Wendt hat sich im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeit zur Bilderberg-Gruppe ebenfalls mit der Frage der Berichterstattung auseinandergesetzt und festgestellt, dass die Berichterstattung in den deutschsprachigen Medien insbesondere im Jahr 2010 deutlich zugenommen hat (Wendt 2015: 58). F\u00fcr den Zeitraum bis 2010 analysierte er insgesamt \u00bb33 Artikel sowie zwei Fernsehbeitr\u00e4ge\u00ab gro\u00dfer Medien, in denen die Bilderberg-Konferenz eine Rolle spielte.<\/p>\n<p>Bereits dieser Datensatz mit \u00bbbegrenzter Reichweite\u00ab verweist darauf, dass Medien trotz eines zunehmenden Wissens \u00fcber Bilderberg (gerade auch im Vergleich etwa zur Berichterstattung \u00fcber das World Economic Forum oder die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz) sich schwer damit tun, \u00fcber die Konferenz zu berichten. Wendt, der alle gesichteten Artikel auch inhaltsanalytisch ausgewertet hat, stellt dabei fest, dass die Berichterstattung von einer relativen Eindimensionalit\u00e4t gekennzeichnet ist. H\u00e4ufig berufen sich die Berichte auf dieselben Pressemitteilungen, die nahezu identisch kopiert werden (Wendt 2015: 66). Vor allem, so sein Ergebnis, werden Agenturmeldungen zu Bilderberg oft einfach nur kopiert und leicht modifiziert. Die Presseagenturen h\u00e4tten, so Wendt weiter, demnach eine wichtige Gatekeeperfunktion: werden keine Agenturmeldungen zu Bilderberg produziert, kommt das Ereignis oder genauer: die Bilderberg-Konferenz auch nicht auf den Radar der Journalisten.<\/p>\n<p>Zur inhaltlichen Ausrichtung der Medienbeitr\u00e4ge zur Bilderberg-Konferenz bemerkt Wendt (2015: 70), dass es eine \u00bbVerkn\u00fcpfung von Verschw\u00f6rungstheorien und Spekulation\u00ab gibt und diese \u00bbwiederholt durch ironisierende Darstellung der Macht der Gruppe erg\u00e4nzt\u00ab wird. Er verweist auf einen Bericht des ORF in dem diejenigen, die sich f\u00fcr eine Berichterstattung \u00fcber die Konferenz starkmachen, als \u00bbHobbyhistoriker, Investigativquerulanten, allerlei Aufdecker\u00ab und \u00bbAdebais der Paranoia-Szene\u00ab betitelt werden (Wendt 2015: 70). Fragen der Macht und Herrschaft, so Wendt, weiter, werden in der Berichterstattung kaum genauer behandelt. Zwar werde durchaus auch einmal einger\u00e4umt, dass aufgrund der Hochrangigkeit der Konferenzteilnehmer \u00bbMacht\u00ab mit im Spiel ist, aber zugleich werde diese Macht immer wieder rasch relativiert, indem \u00bbauf den reinen Spekulationscharakter der verschw\u00f6rungstheoretischen Machtthese verwiesen wird\u00ab (Wendt 2015: 108).<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Obwohl Bilderberg als Thema langsam vom Radar der gro\u00dfen Medien erfasst wurde, kam kaum eine dem Thema gerecht werdende Berichterstattung zustande; stattdessen finden sich Artikel, die \u00fcber Bilderberg mit einem \u00bbAugenzwinkern\u00ab sprechen und zu verstehen geben, dass an der gro\u00dfen Weltverschw\u00f6rung, die bei Bilderberg angeblich stattfinden soll, nichts dran ist, und somit auch keiner weiteren journalistischen Aufmerksamkeit bedarf. Einen Einblick dar\u00fcber, wie schwer sich das journalistische Feld mit Bilderberg tut, zeigte auch eine Anfrage von Telepolis im Fr\u00fchjahr 2011 an Journalistenschulen. Telepolis wollte von Verantwortlichen der Schulen wissen, wie sie Bilderberg journalistisch einordnen. Die Reaktion war verhalten: Einige lehnten die Interviewanfrage \u00bbaus Zeitgr\u00fcnden\u00ab ab, ein Leiter einer Journalistenschule sagte in einem Telefonat, das Thema sei \u00bbverschw\u00f6rungstheoretisch\u00ab (und somit nicht relevant). Immerhin \u00e4u\u00dferten sich zwei Verantwortliche der Ausbildungsst\u00e4tten. Leonhard Ottinger, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der RTL-Journalistenschule, erkl\u00e4rte, dass sich \u00bbPolitiker, F\u00fchrungskr\u00e4fte und Journalisten [&#8230;] in unterschiedlichsten Konstellationen immer wieder zu Hintergrundgespr\u00e4chen, vertraulichen Runden [\u2026] [treffen]\u00ab. Und Ottinger weiter:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbWenn die Beteiligten sich darauf verst\u00e4ndigen, dass Gespr\u00e4chsinhalte nicht sofort an die \u00d6ffentlichkeit getragen werden sollen, ist dies eine nicht un\u00fcbliche Verabredung.\u00ab (Kl\u00f6ckner 2011) Verwundert zeigte sich der Leiter der Evangelischen Journalistenschule Oscar Tiefenthal. Einerseits, so erkl\u00e4rte er, seien \u00bbHintergrundinformationen und Kontakte [&#8230;] f\u00fcr Journalisten Schwarzbrot. [\u2026] So lange die Kollegen sich nicht instrumentalisieren oder korrumpieren lassen, ist das in Ordnung.\u00ab Dennoch merkte er auch an: \u00bbNat\u00fcrlich sollte \u00fcber eine solche Konferenz berichtet werden, und ich bin \u00fcber die bisher eher sp\u00e4rliche Berichterstattung etwas verwundert. Gerade eine geschlossene Gesellschaft mit Schweigepakt ist doch geradezu eine Einladung zu gr\u00fcndlicher Recherche.\u00ab (Kl\u00f6ckner 2011).<\/p><\/blockquote>\n<p>In den vergangenen f\u00fcnf Jahren hat sich allerdings durchaus einiges in Sachen Berichterstattung \u00fcber den Elitezirkel getan. Der Bayerische Rundfunk (2015) berichtete in der Sendung \u00bbkontrovers\u00ab \u00fcber die Zusammenkunft der Bilderberger im Juni 2015, in der auch die Gegendemonstranten (siehe Labner in diesem Band) und der Journalismusforscher Uwe Kr\u00fcger zu Wort kamen. Spiegel Online ver\u00f6ffentlichte gar zwei unterschiedliche Meinungsbeitr\u00e4ge zu der Konferenz (B\u00f6cking 2015, Kwasniewski 2015).<\/p>\n<p>Doch auch wenn sich langsam die Erkenntnis in den Medien durchsetzt, dass die Bilderberg-Konferenz aus journalistischer Sicht \u00bbein Thema\u00ab ist: Eine Sichtung der Ver\u00f6ffentlichungen zu den Bilderberg-Konferenzen der letzten f\u00fcnf Jahre vermittelt den Eindruck, dass sich Journalisten noch immer schwer damit tun, mit dem Elitetreffen journalistisch angemessen umzugehen. Eine oberfl\u00e4chliche Berichterstattung, die oftmals von einem ironisierenden Stil gepr\u00e4gt ist, trifft zum Teil auf Berichte, die die Zusammenkunft der M\u00e4chtigen sachlich betrachten, den Mediennutzern Hintergrundwissen bieten und durchaus auch Bilderberg mit einem kritischen Blick beleuchten. F\u00fcr den Umgang der Medien mit Bilderberg gilt bis zum Jahr 2015: Sie sind noch in der Findungsphase.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Wenn Machteliten aus den zentralen gesellschaftlichen Teilbereichen zusammenkommen, wenn einflussreiche Akteure f\u00fcr drei bis vier Tage zu einer Konferenz hinter verschlossenen T\u00fcren zusammenfinden und \u00fcber die gro\u00dfen gesellschaftlichen und politischen Themen unserer Zeit sprechen, dann hat das f\u00fcr die Medien \u00bbein Thema\u00ab zu sein. Ein kritischer politischer Journalismus darf die Augen vor den elit\u00e4ren Interaktionsmustern der M\u00e4chtigen nicht verschlie\u00dfen. Wenn Medien \u00fcber das World Economic Forum oder \u00fcber die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz berichten, aber eine Elitenzusammenkunft wie Bilderberg aus der Berichterstattung ausklammern, blenden sie einen Teil der politischen Wirklichkeit aus. Der Teil, den sie ausblenden, verweist darauf, dass sich au\u00dferhalb der demokratischen Institutionen und der f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit einsehbaren Wege ein politischer Formierungsprozess von Machteliten abspielt, der f\u00fcr die Demokratie bedenklich ist.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde, warum Bilderberg nie wirklich vom Radar der gro\u00dfen Medien erfasst wurde, sind in diesem Beitrag dargelegt. Ein blinder Fleck, der auch im Zusammenhang mit der Zusammensetzung des journalistischen Feldes verstanden werden muss, verhindert, dass ein Thema wie Bilderberg \u00fcberhaupt wahrgenommen wird. Die vorherrschenden Wahrnehmungs- und Denkschemata der Medienakteure sind sich oft zu \u00e4hnlich, eine Begrenzung des Blicks entsteht. Es wird nur ein Teil der Wirklichkeit wahrgenommen. Und wenn ein Thema wie Bilderberg dann doch einmal wahrgenommen wird, dann nur unzureichend, weil Medien es als \u00bbverschw\u00f6rungstheoretisch\u00ab betrachten und sich generell etwas schwer tun, wenn es darum geht, den Schleichwegen der Eliten hinterher zu sp\u00fcren. Hinzu kommt: Viele Top-Journalisten, die aufgrund ihrer Stellung im Mediensystem die T\u00fcr zu einem Thema wie Bilderberg weit aufsto\u00dfen k\u00f6nnten, machen davon keinen Gebrauch, da sie sich selbst in diversen Thinktanks bewegen (siehe Kr\u00fcger in diesem Band) und wohl \u00fcberhaupt kein Problem darin sehen, wenn Konsensschmieden der subtilen politischen Macht um eine gewisse Diskretion bitten. Im Zweifelsfall hilft man lieber, die T\u00fcr noch ein St\u00fcckchen weiter zuzumachen, anstatt sie zu \u00f6ffnen. Die Entwicklungen der vergangenen f\u00fcnf Jahre lassen aber erkennen, dass es ein zunehmendes Wissen in den Medien \u00fcber die Existenz von Bilderberg gibt.<\/p>\n<p>Wichtig ist es nun, dass Medien sich davon l\u00f6sen, das Thema Bilderberg aus einer ironisierenden Perspektive zu betrachten. Bilderberg ist gewiss keine \u00bbgeheime Weltregierung\u00ab, wie der ein oder andere, der von dem Zirkel h\u00f6rt, glauben mag. Mancher Medienvertreter sieht in diesen verschw\u00f6rungstheoretischen Deutungen der Bilderberg-Konferenz eine gelungene Steilvorlage, um sich \u00fcber \u00bbalternative Vorstellungen\u00ab von Wirklichkeit zu am\u00fcsieren. Doch dieser Journalismus geht am Thema vorbei. Informieren, nicht ironisieren, sollte die Maxime in Sachen Berichterstattung zu Bilderberg lauten. Einsichten einer kritischen Elite- und Machtstrukturforschung sind vorhanden. Man muss nur auf sie zugreifen.<\/p>\n<p><strong>Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus dem im VSA-Verlag erschienenen Buch &#8222;<a href=\"http:\/\/www.vsa-verlag.de\/nc\/detail\/artikel\/wie-eliten-macht-organisieren\/\">Wie Eliten Macht organisieren<\/a>&#8222;, das von Bj\u00f6rn Wendt, Marcus B. Kl\u00f6ckner, Sascha Pommrenke und Michael Walter herausgegeben wurde. Das Buch reflektiert den aktuellen Stand der Eliten- und Machtstrukturforschung und behandelt den Einfluss von Wirtschaftseliten und Lobbyorganisationen auf politische Prozesse.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>Bilderberg (2016a): Participants 2015. Online: <a href=\"http:\/\/www.bilderbergmeetings.org\/participants.html\">www.bilderbergmeetings.org\/participants.html<\/a> (letzter Zugriff: 2.3.2016).<br \/>\nBilderberg (2016b): Latest conferences. Online: <a href=\"http:\/\/www.bilderbergmeetings.org\/latest-conferences.html\">www.bilderbergmeetings.org\/latest-conferences.html<\/a> (22.2.2016).<br \/>\nBittorf, Wilhelm (1975): Ein Politb\u00fcro f\u00fcr den Kapitalismus. Online: <a href=\"http:\/\/magazin.spiegel.de\/EpubDelivery\/spiegel\/pdf\/41389590\">http:\/\/magazin.spiegel.de\/EpubDelivery\/spiegel\/pdf\/41389590<\/a> (letzter Zugriff: 20.2.2016).<br \/>\nB\u00f6cking, David (2015): Geheimtreffen: Was an der Bilderberg-Konferenz wirklich bedenklich ist. Online: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/bilderberg-konferenz-fuehrt-zu-problematischen-begegnungen-a-1038167.html\">www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/bilderberg-konferenz-fuehrt-zu-problematischen-begegnungen-a-1038167.html<\/a> (letzter Zugriff: 20.2.2016).<br \/>\nBourdieu, Pierre (1998): \u00dcber das Fernsehen, Frankfurt a.M.<br \/>\nBayerischer Rundfunk (2015). Bilderberg-Konferenz: Umstrittenes Gipfeltreffen. Online: <a href=\"http:\/\/www.br.de\/fernsehen\/bayerisches-fernsehen\/sendungen\/kontrovers\/bilderberg-konferenz-deomo-100.html\">www.br.de\/fernsehen\/bayerisches-fernsehen\/sendungen\/kontrovers\/bilderberg-konferenz-deomo-100.html<\/a> (letzter Zugriff: 20.2.2016).<br \/>\nKl\u00f6ckner, Marcus (2011): \u00bbEinen \u203aSchweigepakt\u2039 kann ich mir nur schwer vorstellen.\u00ab Telepolis. Online: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/34\/34928\/1.html\">www.heise.de\/tp\/artikel\/34\/34928\/1.html<\/a> (letzter Zugriff: 20.2.2016).<br \/>\nKl\u00f6ckner, Marcus (2012). \u00bbIst es nicht eine echte Sauerei, dass in einer Demokratie Interessen verfolgt werden.\u00ab Telepolis. Online: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/37\/37059\/1.html\">www.heise.de\/tp\/artikel\/37\/37059\/1.html<\/a> (letzter Zugriff: 20.2.2016).<br \/>\nKl\u00f6ckner, Marcus (2014). Leitartikler und Machteliten. Telepolis. Online: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/41\/41841\/1.html\">www.heise.de\/tp\/artikel\/41\/41841\/1.html<\/a> (letzter Zugriff: 20.2.2016).<br \/>\nKr\u00fcger, Uwe (2013): Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten \u2013 eine kritische Netzwerkanalyse, K\u00f6ln.<br \/>\nKr\u00fcger, Uwe (2007): Alpha-Journalisten embedded? In: Message \u2013 Internationale Zeitschrift f\u00fcr Journalistik, 3, S. 55-61. Online: <a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/download\/Message_Bilderberg.pdf\">https:\/\/www.lobbycontrol.de\/download\/Message_Bilderberg.pdf<\/a> (letzter Zugriff: 23.2.2016).<br \/>\nKwasniewski, Nicolai (2012): Verschw\u00f6rungstheorien: Bilderberg \u2013 das Kartell der Macht. Online: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/die-verschwoerungstheorie-ueber-die-bilderberg-konferenzen-a-862961.html\">www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/die-verschwoerungstheorie-ueber-die-bilderberg-konferenzen-a-862961.html<\/a> (letzter Zugriff: 20.2.2016).<br \/>\nKwasniewski, Nicolai(2015): Bilderberg-Konferenz: M\u00e4chtig \u00fcbersch\u00e4tzt. Online: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/bilderberg-konferenz-die-wahre-macht-sitzt-woanders-a-1038202.html\">www.spiegel.de\/wirtschaft\/bilderberg-konferenz-die-wahre-macht-sitzt-woanders-a-1038202.html<\/a> (letzter Zugriff: 20.2.2016).<br \/>\nLueg, Klarissa (2012): Habitus, Herkunft und Positionierung: Die Logik des journalistischen Feldes, Wiesbaden.<br \/>\nLuhmann, Niklas (1996): Die Realit\u00e4t der Massenmedien, Opladen.<br \/>\nMedosch, Armin (2000): Keine Angst vor den globalen Eliten. Online: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/4\/4258\/1.html\">www.heise.de\/tp\/artikel\/4\/4258\/1.html<\/a> (letzter Zugriff: 20.2.2016).<br \/>\nMills, Charles Wright (1962): Die amerikanische Machtelite. Gesellschaft und Macht in den Vereinigten Staaten, Hamburg.<br \/>\nSchumann, Harald\/Martin, Hans-Peter (1996): Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand, Hamburg.<br \/>\nSchreyer, Paul (2014): Neue Feindsender. Online: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/41\/41588\/1.html\">www.heise.de\/tp\/artikel\/41\/41588\/1.html<\/a> (letzter Zugriff: 2.3.2016).<br \/>\nShoup, Laurence H.\/Minter, William (1981): Kulissenschieber e.V. Der Council on Foreign Relations &amp; die Au\u00dfenpolitik der USA, Berlin.<br \/>\nVan der Pijl, Kees (1996): Vordenker der Weltpolitik, Opladen.<br \/>\nWeischenberg Siegfried\/Malik, Maja\/Scholl, Armin (2006): Die Souffleure der Mediengesellschaft. Report \u00fcber die Journalisten in Deutschland, Konstanz.<br \/>\nWendt, Bj\u00f6rn (2015): Die Bilderberg-Gruppe. Wissen \u00fcber die Macht gesellschaftlicher Eliten, G\u00f6ttingen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_7196 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_7196')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_7196').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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