{"id":7454,"date":"2022-09-27T19:08:24","date_gmt":"2022-09-27T18:08:24","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=7454"},"modified":"2022-09-27T19:17:30","modified_gmt":"2022-09-27T18:17:30","slug":"die-medien-epidemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/die-medien-epidemie\/","title":{"rendered":"Die Medien-Epidemie"},"content":{"rendered":"<h4>Journalismus, Corona und die neue Realit\u00e4t<\/h4>\n<p>von Michael Meyen, <em>erschienen in: <\/em>Hannes Hofbauer, Stefan Kraft (Hrsg.): Herrschaft der Angst. Von der Bedrohung zum Ausnahmezustand. Wien: Promedia 2021, S. 99-115<\/p>\n<h4>1. Die Definitionsmacht der Leitmedien<\/h4>\n<p>Angst kann nur dann in eine Gesellschaft einsickern, wenn sie alle f\u00fchlen. Die Angst um die N\u00e4chsten, die Angst um den Job, die Angst um das eigene Leben: All das betrifft zun\u00e4chst nur uns allein. Wer gr\u00f6\u00dfere Menschengruppen in Angst versetzen und mit dieser Waffe regieren will, braucht die Leitmedien \u2013 die Plattformen, die gro\u00dfe Gruppen erreichen und die dort registriert werden, wo es darauf ankommt. Im Rathaus und in der Staatskanzlei, in der Chefetage, in der Hochschulleitung, in der Vereinsspitze. Die Wucht der Leitmedien entspringt einer Projektion. Wir glauben, dass \u203aalle\u2039 wissen, was da gemeldet wurde. Das w\u00e4re noch nicht bedenklich, aber dieser Glaube hat eine zweite Komponente: Leitmedien sind m\u00e4chtig. Fragen Sie Nachbarn, die irgendwann in der Zeitung standen, oder Menschen in Spitzenpositionen. Warum sollten Ministerinnen zur\u00fccktreten, Bundesligatrainer, VW-Manager, wenn sie nicht bef\u00fcrchten w\u00fcrden, dass negative Berichte etwas machen mit ihrem Ansehen, mit ihrem Handlungsspielraum? Wir nehmen an, dass Medieninhalte in die K\u00f6pfe gehen \u2013 nicht bei uns (wir sind schlie\u00dflich aufgekl\u00e4rt), aber bei den anderen. Ob das stimmt, spielt keine Rolle. Es spielt auch keine Rolle, was die Wissenschaft zu diesem Thema sagt. Entscheidend ist, dass wir an solche Wirkungen glauben. Das Thomas-Theorem: \u203aIf men define situations as real, they are real in their consequences\u2039. Wir selbst machen aus den Leitmedien eine Realit\u00e4t erster Ordnung (vgl. Meyen 2020).<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die <em>Tagesschau<\/em> in Deutschland so ein Leitmedium. In den letzten Vor-Corona-Jahren jeden Abend im Durchschnitt zehn Millionen Zuschauer und 2020 noch einmal gut zwei Millionen mehr. Das sind nicht \u203aalle\u2039, aber darauf kommt es nicht an. Es gen\u00fcgt, dass diese Sendung in jeder Redaktion registriert und dort zum Anker f\u00fcr die eigene Arbeit wird. Das gilt so auch f\u00fcr den <em>Spiegel<\/em>, f\u00fcr <em>Bild<\/em>, f\u00fcr die <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>. Wenn Journalisten Wirte w\u00e4ren, dann s\u00e4\u00dfen am Stammtisch die Kollegen. Leitmedien gibt es nicht nur auf der nationalen Ebene, sondern auch in der Region oder in Gruppen, die sich f\u00fcr ein ganz bestimmtes Thema interessieren. Die Lokalausgabe der <em>Ostsee-Zeitung<\/em> auf meiner Heimatinsel R\u00fcgen oder der Podcast <em>Abteilung Basketball<\/em>, Untertitel (leicht gek\u00fcrzt): \u00bbAlles Wichtige und Unwichtige zum einzig wahren Hallensport\u00ab. Hier wie dort muss man wenigstens so tun, als ob man die Inhalte kennt, um als R\u00fcganer durchzugehen oder als Basketballfan. \u203aSagen, was ist\u2039: Das Motto von <em>Spiegel<\/em>-Gr\u00fcnder Rudolf Augstein bekommt in diesem Licht einen ganz neuen Dreh, der nichts mit journalistischer Qualit\u00e4t zu tun hat. Leitmedien definieren, was ist und was sein darf. Was irgendwo im Internet steht (auch auf <em>Twitter<\/em> oder <em>Instagram<\/em> und selbst mit tausend Likes), wird erst dann zu einer Realit\u00e4t, die niemand ignorieren kann, wenn es in die Leitmedien springt. Das Video <em>Die Zerst\u00f6rung der CDU<\/em> von Rezo hat daf\u00fcr im Mai 2019 etliche Millionen Klicks gebraucht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9874\" src=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2021\/04\/Ulrich-Beck.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"283\">Wer Zugang zu den Leitmedien hat, kann bestimmen, wovor wir Angst haben. Die symbolische Macht der Leitmedien ist eine Verf\u00fchrung f\u00fcr alle, die \u00fcber das n\u00f6tige Kleingeld verf\u00fcgen oder \u00fcber andere Daumenschrauben. Ulrich Beck, der gro\u00dfe Soziologe aus M\u00fcnchen, hat \u00bbHerrschaftsverh\u00e4ltnisse\u00ab in seinem letzten Buch als \u00bbDefinitionsverh\u00e4ltnisse\u00ab beschrieben. Macht: Das hei\u00dft heute, Risiken sichtbar machen oder buchst\u00e4blich verschwinden lassen zu k\u00f6nnen. Das hei\u00dft auch, Risiken gegeneinander auszuspielen. Der Finanzmarkt ist wichtiger als das Klima, der Terrorismus ist wichtiger als Transparenz im Netz, die Gesundheit aller ist wichtiger als meine ganz pers\u00f6nliche Freiheit, ver\u00f6ffentlichen zu d\u00fcrfen, was ich f\u00fcr richtig halte. Regierungen und nationale Apparate, sagt Ulrich Beck, haben ein Interesse an Relativierung und Unsichtbarkeit, weil globale Risiken nicht nur unser Leben und unsere Selbstbestimmung bedrohen, sondern auch den Nationalstaat. \u00bbDas impliziert: Die Politik der Unsichtbarkeit ist eine erstklassige Strategie zur Stabilisierung staatlicher Autorit\u00e4t und zur Reproduktion der sozialen und politischen Ordnung, f\u00fcr die es darauf ankommt, die Existenz globaler Risiken\u00ab zu leugnen (Beck 2017: 129, 134).<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass Ulrich Beck mit dem Wissen von heute ein Verb erg\u00e4nzen w\u00fcrde: Staatliche Autorit\u00e4t kann Risiken auch erzeugen, wenn die Leitmedien mitspielen. Man muss dazu nur an die Menschen denken, die bei Waldspazierg\u00e4ngen Masken tragen, sich angewidert abwenden, wenn sie im Niemandsland zwei Paaren begegnen, obwohl sich gerade nur drei Erwachsene treffen d\u00fcrfen, und die Polizei rufen, sobald der Ger\u00e4uschpegel nebenan auf ein Kaffeekr\u00e4nzchen hindeutet. Corona hat Ulrich Becks Diagnose von der <em>Metamorphose der Welt<\/em> best\u00e4tigt, aber ganz anders als von ihm gedacht. Ja: Es gab \u00bbFernsehbilder allt\u00e4glichen Entsetzens\u00ab und sogar so etwas wie eine \u00bbWeltkommunikation\u00ab (Beck 2017: 32, 170), das Internet aber und die digitalen Plattformen waren in dieser Geschichte allenfalls Nebendarsteller. Die Regierenden haben \u00fcber die Leitmedien ein \u00bbKillervirus\u00ab im Ged\u00e4chtnis der Gesellschaft platziert, ein \u00bbNarrativ\u00ab (man k\u00f6nnte auch sagen: ein M\u00e4rchen) mit vier \u00bberz\u00e4hlerischen Grundelementen\u00ab: erstens \u00bbeine einzigartige Ausnahmesituation\u00ab (ein \u00bbt\u00f6dlicher Erreger\u00ab, der mit anderen Viren nicht vergleichbar ist), zweitens \u00bbdas l\u00fcckenlose Kontaktverbot\u00ab als Gegenmittel, drittens die Verleumdung von allen, die nicht an eins und zwei glauben (\u00bbunsolidarisch, zynisch oder unmoralisch\u00ab), und viertens die Impfung als \u00bbeinziger Ausweg aus der Krise\u00ab (Arvay 2020: 55f.).<\/p>\n<p>Jetzt wissen wir (und haben es schon vorher l\u00e4ngst geahnt), dass die \u00bbM\u00e4chtigen\u00ab (eine gro\u00dfe Koalition \u00bbaus Experten, Industrie, Staat, Parteien und etablierten Massenmedien\u00ab) auch das steuern k\u00f6nnen, was Ulrich Beck \u00bbNebenfolgen\u00f6ffentlichkeiten\u00ab nennt \u2013 die Orte, wo die Probleme angesprochen und diskutiert werden k\u00f6nnen, die der \u00bbMainstream der national organisierten Fortschritts\u00f6ffentlichkeit produziert\u00ab (Beck 2017: 172f.). Was immer Wolfgang Wodarg, Sucharit Bhakdi, Bodo Schiffmann, Thomas Berthold oder weniger prominente Stimmen seit dem Fr\u00fchjahr 2020 gegen das Killervirus-Narrativ einzuwenden hatten, wurde in den Leitmedien entweder ignoriert oder l\u00e4cherlich gemacht. Mehr noch: Mit dem Gewicht der Argumente sowie mit dem Ansehen und der Position der \u00dcberbringer stieg die Wahrscheinlichkeit von Attacken gegen die Person oder (wenn das nicht geholfen hat) von nackter Gewalt. <em>YouTube<\/em> l\u00f6schte willk\u00fcrlich Kan\u00e4le und Videos, <em>Facebook<\/em> entfernte Inhalte, <em>Instagram<\/em> sperrte Accounts (Michael Wendler, Attila Hildmann), und selbst ein US-Pr\u00e4sident wurde \u00fcber Nacht von seinen Followern auf <em>Twitter<\/em> getrennt.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-9740\" src=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2020\/11\/Arvay-189x300.jpeg\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" srcset=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2020\/11\/Arvay-189x300.jpeg 189w, https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2020\/11\/Arvay.jpeg 265w\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\">Bei Vortr\u00e4gen habe ich immer wieder gemerkt, dass es gut ist, diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit klarzustellen: Nein, die Nachrichten sind kein Spiegel der Wirklichkeit, nicht einmal ein schlechter. Wenn wir Leitmedien nutzen, dann beobachten wir Definitionsmachtverh\u00e4ltnisse. Wer bringt seine Themen, seine Sicht der Dinge in die \u00d6ffentlichkeit? Wen kann ich gefahrlos zitieren, auf wen oder was kann oder muss ich mich berufen? Welche Begriffe sind angemessen und welche nicht? Wenn die Leitmedien sagen, dass es einen Virus und eine Krankheit gibt, vor denen ich Angst haben sollte, dann muss ich das ernst nehmen, weil es die ernst nehmen, die \u00fcber mein Leben entscheiden. Ich kann zwar das Gegenteil behaupten und die Definitionsmacht attackieren, muss dann aber damit rechnen, jede Reputation zu verlieren (Wendler, Hildmann), versetzt zu werden (wie Friedrich P\u00fcrner, bis November 2020 Leiter des Gesundheitsamtes im Kreis Aichach-Friedberg) oder aus wichtigen Gremien zu fliegen (wie Christoph L\u00fctge im Februar 2021 aus dem bayerischen Ethikrat), ohne dass es \u00f6ffentlichen Widerstand gibt.<\/p>\n<p>Ich werde in diesem Beitrag zeigen, dass die Leitmedien (auch) beim Thema Corona den \u00bbAuftrag\u00ab \u00d6ffentlichkeit nicht erf\u00fcllt haben, und erkl\u00e4ren, wie das passieren konnte. Der \u00bbAuftrag\u00ab \u00d6ffentlichkeit wurzelt im Pluralismusmodell: In der Gesellschaft gibt es viele und zum Teil gegens\u00e4tzliche Meinungen und Interessen, die prinzipiell gleichberechtigt sind (die Interessen von Einzelpersonen und Au\u00dfenseitern genauso wie die Interessen, die in Parteien oder Verb\u00e4nden organisiert sind). Feld der Verst\u00e4ndigung ist die \u00d6ffentlichkeit: \u00bbPrinzipiell darf keine soziale Gruppe, ja nicht einmal ein Individuum, aber auch kein Gegenstand, kein Thema, kein Problem von ihr ausgeschlossen sein\u00ab (P\u00f6ttker 1999: 219f.). Stattdessen haben die Leitmedien im Zusammenspiel mit der Politik ab Anfang 2020 eine Realit\u00e4t geschaffen, die viele bis heute f\u00fcr so real halten, dass die Welt in Namen der Angst vor einem Virus komplett umgebaut werden konnte.<\/p>\n<h4>2. Corona in der Realit\u00e4t der Leitmedien<\/h4>\n<p>Es ist zu fr\u00fch, um an dieser Stelle eine Synopse der Medieninhaltsforschung pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. Wissenschaft ist langsamer als die Angst, erst recht, wenn ein Narrativ wie das vom Killervirus weite Teile der Universit\u00e4tslandschaft paralysiert. Ich werde die wenigen Studien zum Thema sowie die zahlreichen Beobachtungen, die auf digitalen Plattformen sowie auf dem Sachbuchmarkt ver\u00f6ffentlicht wurden, in drei Thesen b\u00fcndeln und diese Thesen jeweils mit Beispielen veranschaulichen und belegen.<\/p>\n<blockquote><p><em>These 1:<\/em> Das Thema Corona ist seit Anfang 2020 omnipr\u00e4sent und hat seitdem nahezu alle anderen relevanten Fragen aus der \u00d6ffentlichkeit verdr\u00e4ngt. Dazu geh\u00f6ren auch andere Bedrohungen und Risiken \u2013 andere Krankheiten, der Hunger auf der Welt, die Umwelt. Alles Dinge, die wir diskutieren m\u00fcssen. Au\u00dferdem wurde und wird nicht zwischen dem Virus und den \u203aMa\u00dfnahmen\u2039 der Politik unterschieden. Das hei\u00dft: Die Berichterstattung entzieht staatliches Handeln und die entsprechenden Akteure jeder Kritik.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der letzte Punkt dieser These ist wahrscheinlich selbsterkl\u00e4rend. In der Realit\u00e4t der Leitmedien sind K\u00fcnstlerinnen, Wirte oder Sportvereine Opfer von Corona und nicht von politischen Entscheidungen. Dabei ist keine dieser Entscheidungen alternativlos. Wie sehr die Gleichsetzung von Virus und Ma\u00dfnahmen inzwischen von vielen internalisiert worden ist, habe ich bei der Evaluation meiner Wintervorlesung im Februar 2021 gesehen. Da es um Forschungsmethoden ging, hatte ich darauf hingewiesen, dass Zahlen zun\u00e4chst einmal Zahlen sind und nicht die \u203aWirklichkeit\u2039 (dazu gleich mehr) und dass wir es einzig und allein der bayerischen Regierung zuzuschreiben haben, wenn wir uns nicht im H\u00f6rsaal sehen k\u00f6nnen, sondern nur auf einem Bildschirm. Das Echo aus dem virtuellen Raum war verheerend. Ich sei respektlos gegen\u00fcber den Opfern und habe vor allem die vom \u203aStoff\u2039 der Vorlesung abgelenkt, die in den letzten Monaten ihre Gro\u00dfeltern verloren haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-9741\" src=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2020\/11\/Schreyer_Corona-202x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 202px) 100vw, 202px\" srcset=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2020\/11\/Schreyer_Corona-202x300.jpg 202w, https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2020\/11\/Schreyer_Corona.jpg 336w\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"300\">Zur Omnipr\u00e4senz von Corona in der Realit\u00e4t der Leitmedien gibt es erste Zahlen. In der Schweiz hatten rund um den ersten Lockdown 70 Prozent aller Beitr\u00e4ge einen Bezug zu Corona. Zum Vergleich: Klima (vorher das Thema Nummer eins) kam selbst in Spitzenzeiten lediglich auf einen Maximalwert von zehn Prozent. Das Forscherteam verteidigt diesen Zustand zwar als \u00bbAusdruck von Relevanz\u00ab (Eisenegger et al. 2020: 22), gegen dieses Argument spricht aber, dass die Berichterstattung bereits zu einem Zeitpunkt einsetzte, als es noch nicht einmal in China eine nennenswerte Zahl an Toten mit der Diagnose COVID-19 gab (vgl. Schreyer 2020: 113f.). ARD und ZDF haben ab der zweiten M\u00e4rzh\u00e4lfte bis zum Juni 2020 nach den Hauptnachrichten nahezu t\u00e4glich eine Corona-Sondersendung gebracht. <em>ZDF Spezial<\/em> zum Beispiel kam 2019 insgesamt auf zw\u00f6lf Ausgaben. In den zwei Monaten von Mitte M\u00e4rz bis Mitte Mai 2020 waren es 42. Die Literaturwissenschaftler Martin Hennig und Dennis Gr\u00e4f haben folgerichtig von einer \u00bbVerengung der Welt\u00ab gesprochen und diesen Befund auch damit begr\u00fcndet, dass es in den Sondersendungen von ARD und ZDF so gut wie keine Kritik an der Politik gab. Pr\u00e4sentiert wurden stattdessen eine \u00bbGesellschaft in der Krise\u00ab (und zwar ohne jedes Licht am Ende des Tunnels) sowie ein Journalismus, der im Gleichschritt mit der Politik marschiert (vgl. Gr\u00e4f\/Hennig 2020).<\/p>\n<blockquote><p><em>These 2:<\/em> In der Realit\u00e4t der Leitmedien dominieren Einzelschicksale, eine \u00fcberschaubare Zahl von Expertenstimmen, die den Regierungskurs unterst\u00fctzen (Virologen als Wahrsager), sowie Zahlen, die nicht hinterfragt und auch nicht eingeordnet werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da wir gezwungen sind, die Realit\u00e4t der Leitmedien zu beobachten (weil wir die Definitionsmachtverh\u00e4ltnisse kennen m\u00fcssen, um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen), haben wir in den vergangenen Monaten medizinisches und virologisches Spezialwissen sowie die entsprechenden Begriffe lernen d\u00fcrfen. Verdoppelungsraten, R-Wert, 7-Tage-Inzidenz, Intensivbetten (Kapazit\u00e4t und Auslastung), Verbreitung von Aerosolen, Mindestabst\u00e4nde, Funktionsweise von Masken. Die Politik hat die Bezugsgr\u00f6\u00dfen und damit die Legitimationsgrundlage f\u00fcr ihre Entscheidungen permanent ge\u00e4ndert, ohne dass das von den gro\u00dfen Redaktionen thematisiert oder kritisiert wurde. Mehr noch: Zahlen sind in der Realit\u00e4t der Leitmedien genau wie Grenzwerte (35, 50, 100) zu einer Realit\u00e4t geworden, die nicht mehr hinterfragt wird, obwohl es weder repr\u00e4sentative Stichproben gibt (die einzig verl\u00e4ssliche Basis, wenn man auf \u203aalle\u2039 schlie\u00dfen will) noch irgendeinen Beleg f\u00fcr die Sinnhaftigkeit etwa der Inzidenzen.<\/p>\n<p>Es gibt auch keine \u203aFakten\u2039 ohne einen Menschen. Die Sprache hat das nicht vergessen. Im Wort \u203afactum\u2039 stecken \u203amachen\u2039, \u203atun\u2039 und \u203ahandeln\u2039. Lateinisch: facere. Manufaktur. Handarbeit. Auch eine Zahl ist eine Zahl und nicht die Wirklichkeit. Was immer wir messen, wird sozial hergestellt. Menschen legen fest, dass sie Schritte z\u00e4hlen, um ihre Existenz zu beweisen (zehntausend am Tag!). Menschen legen fest, nach welchem Virus sie suchen und was passieren muss, damit sie \u203aGefunden!\u2039 rufen d\u00fcrfen. Hinter jeder Zahl steht ein Interesse, und sei es nur das eines Herstellers, der seinen Test oder seine Ger\u00e4te loswerden will (vgl. Mau 2017).&nbsp; Daraus folgt immer: Es h\u00e4tte auch anders sein k\u00f6nnen. Das klingt banal, ist es aber ganz offenkundig nicht. Sonst w\u00fcrde der Journalismus der Leitmedien nicht behaupten, \u203aFakt\u2039 und \u203aMeinung\u2039 trennen zu k\u00f6nnen. Sonst h\u00e4tten wir ab M\u00e4rz 2020 nicht beobachten k\u00f6nnen, wie Zahlen alles umbauen, was wir vorher kannten. Wir haben gelernt: Zahlen und \u203aFakten\u2039 sind nicht die Wirklichkeit. Sie erzeugen sie erst.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-9876\" src=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2021\/04\/Rossum.jpg\" alt=\"\" width=\"182\" height=\"277\">Es ist bekannt, dass Zahlen im Kampf um Aufmerksamkeit helfen (vgl. Meyen 2018). Deshalb verwundert es nicht, dass sich in der bereits zitierten Schweizer Studie jeder vierte Beitrag um \u00bbZahlen und Statistiken\u00ab drehte (Eisenegger et al. 2020: 20). Ich habe das wie viele andere an mir selbst beobachtet: Eine Zeitlang wollte ich jeden Morgen wissen, wie viele positive PCR-Tests das Robert Koch-Institut meldet. Das Problem: In den Nachrichten wurden daraus oft \u00bbInfizierte\u00ab (sogar: \u00bbNeu-Infizierte\u00ab, eine Art wei\u00dfer Schimmel), \u00bbKranke\u00ab oder \u00bbCorona-F\u00e4lle\u00ab. Und: Wir haben st\u00e4ndig absolute Zahlen geh\u00f6rt, ohne jede Einordnung (vgl. van Rossum 2021: 27-51). Was misst dieser Test \u00fcberhaupt? Taugt er etwas? Wie viele Tests gab es? Wer wurde getestet? Wie viele Menschen mit einem positiven Test werden tats\u00e4chlich krank? Viele wissen nicht, dass jeden Tag in Deutschland 2500 Menschen sterben oder jedes Jahr 20.000 an Krankenhauskeimen. Ein Journalismus, der das nicht einordnet, sch\u00fcrt Angst und erzeugt damit Handlungsdruck. Das gilt auch f\u00fcr einen Journalismus, der behauptet, dass Menschen ohne Symptome (und damit alle) ansteckend sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Einige wenige Medienforscher haben all das sehr fr\u00fch kritisiert. Otfried Jarren (2020) zum Beispiel sprach schon Ende M\u00e4rz 2020 mit Blick auf das \u00f6ffentlich-rechtliche Fernsehen von einer \u00bbbesonderen Form der Hofberichterstattung\u00ab sowie von \u00bbSystemjournalismus\u00ab (\u00bbExekutive, Experten und Journalistenkollegen als Eigenexperten unter sich\u00ab). Zitat: \u00bbDie \u00f6ffentlichen Medien st\u00fctzen sich nicht nur immer auf die gleichen wissenschaftlichen Expertinnen und Experten, sondern auch die Exekutive argumentiert mit Experten und st\u00fctzt sich auf diesen Kreis. Schlimmer noch, sie begr\u00fcndet das, was sie unterl\u00e4sst wie tut, mit wissenschaftlichen Positionen. Der Bezug auf wissenschaftliche Expertise ist so richtig wie begr\u00fcndet, aber vor dem Hintergrund der Tiefe der Ma\u00dfnahmen bedarf es hier deutlich mehr Transparenz. Daf\u00fcr sollten die Medien sorgen. Selbst Dienststellen der Exekutive, so die besagten Bundesinstitute, kommen im Eifer des Gefechts in den Medien als unabh\u00e4ngige wissenschaftliche Expertisetr\u00e4ger vor\u00ab.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich: Es gab und gibt immer wieder Perlen, gerade im Regionaljournalismus. Die Kolumnen und Auftritte von Heribert Prantl, von der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> l\u00e4ngst in Rente geschickt (vgl. Prantl 2021), die Beitr\u00e4ge von Simone Schamann im <em>Nordkurier<\/em> in Neubrandenburg, ein Interview mit Karina Rei\u00df und Sucharit Bhakdi in der <em>Fuldaer Zeitung<\/em>, Interviews mit dem Historiker Ren\u00e9 Schlott. Namen und Medientitel stehen hier pars pro toto, sind wichtig in Sachen Pluralismus \u2013 und trotzdem Ausnahmen. Genau das (Ausnahmen) haben die Leitmedien genutzt, um die Angst vor Virus und Krankheit zu sch\u00fcren. Der junge Mann, der noch nach Monaten nicht arbeitsf\u00e4hig ist, die Leistungssportlerin und der Mannschaftsarzt, die es erwischt hat. Fallbeispiele, auch das wei\u00df die Forschung, lenken unsere Wahrnehmung weit effektiver als Statistiken (vgl. Brosius\/Bathelt 1994). Angst haben wir nicht vor einer Kurve oder einem Balken, sondern weil wir jemanden gesehen haben, der so \u00e4hnlich ist wie wir und trotzdem erwischt wurde.<\/p>\n<blockquote><p><em>These 3:<\/em> Gegenstimmen und \u00f6ffentliche Proteste werden in den Leitmedien entweder unterdr\u00fcckt oder delegitimiert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Um das zun\u00e4chst mit einer Beobachtung zu illustrieren: Selbst in der Sportberichterstattung wird jede Abweichung von den \u203aRegeln\u2039 skandalisiert. Die Kamera reagiert sofort, wenn im Stadion eine Maske verrutscht oder dort zehn Menschen zusammensitzen wie im September 2020 beim Bundesligaspiel Bayern gegen Schalke, obwohl das seinerzeit im Biergarten erlaubt war. Bei <em>Magentasport<\/em> kam keine \u00dcbertragung von Spielen der Basketball-Euroleague aus Russland ab dem November 2020 ohne den Hinweis aus, dass es unm\u00f6glich sei, Publikum in die Hallen zu lassen, und dass die Maskenpflicht in Moskau und St. Petersburg unfassbar lax gehandhabt werde. Die Leitmedien tragen so zur Spaltung der Gesellschaft bei. Sie machen Einzelne f\u00fcr die Ausbreitung einer Krankheit verantwortlich. Menschen, die feiern oder aus dem Urlaub kommen, Menschen, die keine Maske tragen d\u00fcrfen. Mich pers\u00f6nlich st\u00f6rt auch der Zeigefinger. Ich m\u00f6chte nicht gesagt bekommen, was ich zu tun habe, sondern abw\u00e4gen k\u00f6nnen und dann selbst eine Entscheidung treffen. Bei den gro\u00dfen August-Demos 2020 in Berlin h\u00e4tte ich gern mehr \u00fcber die Motive der Teilnehmer erfahren. Stattdessen ging es um Reichsb\u00fcrger und Rechtsextremisten.<\/p>\n<p>Ende November 2020 durfte ich an einem <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/9747\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Treffen<\/a> teilnehmen, dass die ARD-Spitze arrangiert hatte, um auf eine Petition von Bastian Barucker zu reagieren. Das Anliegen: eine Corona-Sondersendung zur besten Sendezeit, die Bef\u00fcrworter und Kritiker der Regierungslinie zusammenbringt. Drosten, Wieler, Lauterbach vs. Wodarg, Bhakdi, Homburg. Eine faire Debatte, in der es um den PCR-Test geht, um Ansteckungsgefahr und Herdenimmunit\u00e4t, um das Impfen und um Masken. Um das gro\u00dfe Ganze also. Ein Gespr\u00e4ch, bei dem alle Argumente auf den Tisch kommen und Zuschauerfragen zugelassen sind, frei und unzensiert, versteht sich. \u00dcber 63.000 Menschen haben das im Sommer unterschrieben. Den f\u00fcnf Chefredakteuren und Spitzenjournalistinnen auf dem Bildschirm war das egal. Es gab das Gespr\u00e4ch und am Ende eine klare Absage, die nach einer zweiten Petition im Januar 2021 wiederholt wurde.<\/p>\n<p>Die Leitmedien haben wichtige Gegenstimmen nicht nur ignoriert, sondern regelrechte Hexenjagden veranstaltet. Der Wachhund der Macht (vgl. Donohue et al. 1995) hat im M\u00e4rz 2020 Wolfgang Wodarg verbissen. Im Rudel. MDR, SWR, tagesschau.de, <em>Welt<\/em>, <em>Spiegel<\/em>, <em>Tagesspiegel<\/em>, <em>Focus<\/em>, <em>n<\/em>\u2013<em>tv<\/em>, <em>taz<\/em>, und nat\u00fcrlich der \u203aFaktenfuchs\u2039 vom BR, alle am 19. und 20. M\u00e4rz 2020, nachdem das \u203aRecherchezentrum\u2039 <em>Correctiv<\/em> einen Tag vorher den Takt vorgegeben hatte (vgl. Schwab 2020). Auf seiner Webseite behauptet <em>Correctiv<\/em>, \u00bbtagt\u00e4glich Falschinformationen, Ger\u00fcchte und Halbwahrheiten aufzudecken\u00ab. Das Geld daf\u00fcr kommt auch aus dem Staatshaushalt. In den Chor gegen den Teufel Wodarg hat am 24. M\u00e4rz 2020 dann auch das ZDF-Satireformat <em>Die Anstalt<\/em> eingestimmt. Noch ein zweites Beispiel aus einer langen Liste: \u00bbWilde Behauptungen, keine Belege\u00ab durfte Stefan Homburg, Direktor des Instituts f\u00fcr \u00d6ffentliche Finanzen an der Leibniz Universit\u00e4t Hannover, in der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> \u00fcber sich lesen, nachdem er auf einer Demo in Stuttgart gesprochen und mit Zweifeln an den Statistiken des Robert Koch-Instituts auf <em>YouTube<\/em> ein Millionenpublikum erreicht hatte. \u00dcberschrift in der Realit\u00e4t der Leitmedien: \u00bbProf. Dr. Verschw\u00f6rung\u00ab (Brinkmann 2020). Der Asta forderte die Universit\u00e4tsleitung umgehend auf, dem Professor die \u00bbLehrverantwortung\u00ab zu entziehen, und verwies dabei auch auf die \u00bbAufmerksamkeit des verschw\u00f6rungsideologischen Spektrums rund um <em>KenFM<\/em>, Attila Hildmann und andere Narzissten\u00ab (Blog vom 25. Mai 2020).<\/p>\n<p>Bastian Barucker, der Initiator der ARD-Petition, hat dieses Kapitel bei besagtem Bildschirmtreffen sehr gut zusammengefasst und zugleich eine \u00dcberleitung f\u00fcr den n\u00e4chsten Abschnitt geliefert. Barucker erz\u00e4hlte zun\u00e4chst von monatelangen Recherchen und davon, wie sehr sich seine Ergebnisse von dem unterschieden haben, was er im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk fand. Und nicht nur das. Die Experten, auf die sich seine Quellen st\u00fctzen, wurden diffamiert. Wolfgang Wodarg, John Ioannidis. Koryph\u00e4en auf ihren Gebieten. Die ARD macht Angst, sagte er. Die ARD macht krank. Barucker hat nicht angeklagt. Er wollte verstehen. Warum sprechen die Menschen, denen er vertraut, im \u00f6sterreichischen Privatfernsehen (<em>Servus TV<\/em>) und nicht bei uns, im <em>Ersten<\/em>? Warum werden dort Demonstranten verunglimpft? M\u00fcssten nicht gerade die Programme, die wir \u00fcber Pflichtbeitr\u00e4ge finanzieren, vorangehen und ein Beispiel setzen f\u00fcr einen fairen Umgang mit Menschen, die nicht so denken wie man selbst? F\u00fcr einen Dialog, der Frieden stiftet und verhindert, dass die Lager weiter auseinanderdriften?<\/p>\n<h4>3. Journalismus, kommerzielle Medienlogik und Medialisierung<\/h4>\n<p>Warum erf\u00fcllt der Journalismus den Auftrag \u00d6ffentlichkeit im Moment nicht? F\u00fcr eine ausf\u00fchrliche Antwort verweise ich auf meine aktuellen Publikationen (Meyen 2020). An dieser Stelle beschr\u00e4nke ich mich auf drei Trends, die den Spielraum der Redaktionen erheblich einschr\u00e4nken (eine Medienlogik, die dem Imperativ der Aufmerksamkeit folgt, Medialisierung sowie die N\u00e4he des Journalismus zu Entscheidungstr\u00e4gern), und folge dabei John Dewey (1927: 169f., 182), der schon vor fast einhundert Jahren \u00fcber den Zustand der Kan\u00e4le geklagt hat, die eigentlich f\u00fcr die Vermittlungsleistung pr\u00e4destiniert seien (in Kurzform: nichts als Sensationen), und daf\u00fcr \u00bbpublicity agents\u00ab genauso verantwortlich gemacht hat wie die geradezu religi\u00f6se Aura und damit die Tabus, die einmal etablierte Institutionen sch\u00fctzen (etwa den Nationalstaat). John Dewey war allerdings auch P\u00e4dagoge \u2013 ein Mensch, f\u00fcr den Gesellschaft aus Versuch und Irrtum besteht, und jemand, der an die Wissenschaft, an Aufkl\u00e4rung und an das journalistische Berufsethos glaubte. Wenn man den Reportern nur erlauben w\u00fcrde, frei zu arbeiten, w\u00fcrden die Nachrichten ganz anders aussehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-292\" src=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2017\/06\/dewey-197x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px\" srcset=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2017\/06\/dewey-197x300.jpg 197w, https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2017\/06\/dewey.jpg 328w\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"300\">Dass die Konstruktion der Medienrealit\u00e4t heute nicht dieses Ideal bedient, sondern dem Imperativ der Aufmerksamkeit folgt (vgl. Karidi 2017), hat mit den drei Medienrevolutionen der j\u00fcngsten Vergangenheit zu tun. Durch kommerzielle Fernseh- und Radioanbieter, durch das Internet und vor allem durch die digitalen Plattformen hat sich zum einen die Zahl der Akteure vervielfacht, die um Zuwendung konkurrieren. Zum anderen arbeiten viele der neuen Mitbewerber unter ganz anderen Bedingungen als Tages- und Wochenzeitungen oder \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunkprogramme. Wenn ich Spieler im System habe, die nur Aufmerksamkeit maximieren m\u00fcssen und Pressegesetze oder Rundfunkstaatsvertr\u00e4ge genauso ignorieren k\u00f6nnen wie die \u00f6ffentliche Aufgabe der Medien, dann hat das Folgen f\u00fcr alle anderen \u2013 auch deshalb, weil die Ressourcen schwinden (geteilte Aufmerksamkeit, geteilte Einnahmen) und Premiuminhalte zugleich teurer werden. Das hei\u00dft: Heute m\u00fcssen Journalisten viel schneller und mit viel weniger Geld viel mehr Inhalt produzieren als ihre Lehrmeister. Man recherchiert weniger vor Ort, man schreibt mehr voneinander ab. Die digitalen Plattformen sind dabei nicht nur Konkurrenten im Kampf um Aufmerksamkeit, sondern inzwischen zugleich Stofflieferanten und einer der wichtigsten Verbreitungswege f\u00fcr Journalismus.<\/p>\n<p>Das alles erkl\u00e4rt, warum die Leitmedien heute nicht nur weniger \u00fcber Politik berichten als vor 30 oder 40 Jahren, sondern auch anders \u2013 mit einem Fokus auf das Au\u00dfergew\u00f6hnliche (Superlative, Einmaliges, Exklusives), Prominente und Konflikte (vgl. Karidi 2017, Meyen 2018). Anders ausgedr\u00fcckt: Kriterien f\u00fcr die Selektion, Pr\u00e4sentation und Interpretation von Inhalten, die sich aus der \u00f6ffentlichen Aufgabe der Massenmedien ableiten lassen und zur normativen Logik des Mediensystems geh\u00f6ren (vgl. Landerer 2013), haben gegen\u00fcber der kommerziellen Logik an Bedeutung verloren. Corona war aus dieser Perspektive eine Versuchung, der keine Redaktion widerstehen konnte. Neu. Eine Sache, die es so noch nicht gab. Permanent \u203aErgebnisse\u2039, viel besser als im Fu\u00dfball. Drei Infizierte, 15, 200. Tom Hanks. Der erste Bundestagsabgeordnete. Der erste Zweitligaspieler. Der erste Trainer. Tom Hanks aus dem Krankenhaus entlassen. Und jetzt auch noch Thomas M\u00fcller. Ein Nachrichtenstrom, der ohne jede Recherche von selbst flie\u00dft und immer wieder Goldklumpen ansp\u00fclt \u2013 Menschen wie Karl Lauterbach oder die Virologin Melanie Brinkmann, die mit jedem ihrer S\u00e4tze den Imperativ der Aufmerksamkeit bedienen.<\/p>\n<div id=\"attachment_9796\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9796 size-medium\" src=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2021\/01\/Bild_Amazon1-300x169.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" srcset=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2021\/01\/Bild_Amazon1-300x169.jpg 300w, https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2021\/01\/Bild_Amazon1-500x281.jpg 500w, https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2021\/01\/Bild_Amazon1-768x432.jpg 768w, https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2021\/01\/Bild_Amazon1-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/files\/2021\/01\/Bild_Amazon1-2048x1152.jpg 2048w\" alt=\"\" aria-describedby=\"caption-attachment-9796\" width=\"300\" height=\"169\"><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-9796\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot: Bild-Doku von Amazon<\/p>\n<\/div>\n<p>Dieser Trend wird verst\u00e4rkt durch ressourcenstarke Akteure, die nach \u00f6ffentlicher Legitimation suchen, den Imperativ der Aufmerksamkeit internalisiert haben und es deshalb schaffen, entweder f\u00fcr positive Berichterstattung zu sorgen oder Berichterstattung zu verhindern. Was ich Medialisierung nenne, meint zum einen die Aufr\u00fcstung der Apparate, die sich um die Au\u00dfendarstellung von Beh\u00f6rden, Parteien, Unternehmen oder Universit\u00e4ten k\u00fcmmern (etwa: Pressestellen, PR- und Werbeagenturen, Corporate Publishing), und zum anderen eine Anpassung an die Selektionskriterien kommerzieller Medien, die von entsprechenden Events oder Geb\u00e4uden \u00fcber die Besetzung von Spitzenpositionen und Medientraining bis zur internen Organisation und zur Ausbildung von PR-Bewusstsein beim Personal reicht (vgl. Meyen 2018). In der <em>Amazon<\/em>-Doku \u00bb<a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/9791\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bild. Macht. Deutschland?<\/a>\u00ab sehen wir, wie Chefredakteur Julian Reichelt im April 2020 zu Horst Seehofer gerufen wird. Ein Schlag gegen die Hisbollah. <em>Bild<\/em> darf bei dem Polizeieinsatz im Morgengrauen dabei sein (PR f\u00fcr den Innenminister), aber vorher nicht dar\u00fcber schreiben. Eine Hand w\u00e4scht die andere. Wir sehen in dieser Doku auch, wie sich die Bosse der Fu\u00dfball-Bundesliga heimlich im Springer-Hochhaus treffen und dann die Plattform <em>Bild<\/em> nutzen, um ihre Pl\u00e4ne f\u00fcr einen schnellen Neustart durchzusetzen. Das Konzept von Ulrich Beck, \u00bbHerrschaftsverh\u00e4ltnisse als Definitionsverh\u00e4ltnisse\u00ab zu verstehen, wird hier greifbar: Tendenziell eher schrumpfende Redaktionen, die auch durch die technischen M\u00f6glichkeiten weit mehr Aufgaben zu bew\u00e4ltigen haben als fr\u00fcher, m\u00fcssen sich mit PR-Maschinen auseinandersetzen, die genau wissen, wonach der Journalismus sucht, und die besten K\u00f6pfe im Zweifelsfall auch kaufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese ersten beiden Probleme (kommerzielle Medienlogik, Medialisierung) wurzeln auch in der Art und Weise, wie wir Journalismus im Moment organisieren \u2013 einerseits abh\u00e4ngig von kommerziellem Erfolg (etwa in Presseverlagen) und andererseits abh\u00e4ngig vom Wohlwollen der Politik (im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk, der sich zudem schon deshalb nicht aus dem Reichweitenwettbewerb verabschieden darf, weil mit jedem gr\u00f6\u00dferen Verlust sofort die Existenzfrage gestellt werden w\u00fcrde). Diese Abh\u00e4ngigkeiten werden durch eine hegemoniale Berufsideologie verschleiert, die \u00fcber Volontariate, Journalistenschulen und zum Teil auch von der Medienforschung reproduziert wird und dem Publikum suggeriert, dass Journalismus ein Handwerk sei, das erlernbaren Regeln folgt und weitgehend unabh\u00e4ngig von den handelnden Personen ist. Die entsprechenden Stichworte: Objektivit\u00e4t, Neutralit\u00e4t, Unparteilichkeit.<\/p>\n<p>Dieses Versprechen wird von einer Medienrealit\u00e4t ad absurdum gef\u00fchrt, die den Imperativ der Aufmerksamkeit bedient und von medialisierten Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder Wissenschaft auch deshalb gepr\u00e4gt werden kann, weil der Journalismus durch seine Produktionsroutinen auf offizielle Quellen angewiesen ist, so oft nur den Elitendiskurs spiegelt (vgl. Bennett 1990) und zur\u00fcckgepfiffen wird, wenn doch einmal etwas anderes durchrutscht.&nbsp; Herman und Chomsky (1988: 26-28) sprechen von \u00bbFlak\u00ab oder St\u00f6rfeuer und meinen damit, dass Regierungsvertreter in Redaktionen anrufen, Medien selbst \u00f6ffentlich angreifen oder Experten damit beauftragen. Der Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist eine der Ursachen f\u00fcr den Glaubw\u00fcrdigkeitsverlust der Leitmedien und den Bedeutungsgewinn von Internetplattformen, die einen anderen Zugang zur Wirklichkeit bieten (vgl. Kr\u00fcger 2016).<\/p>\n<p>Dazu kommen die Rekrutierung, die Zusammensetzung und die Strukturen in den Redaktionen der Leitmedien, ihre engen Verbindungen zu Entscheidungstr\u00e4gern in den schon genannten sozialen Funktionssystemen sowie die starke Orientierung am eigenen Berufsstand, die durch digitale Plattformen wie <em>Twitter<\/em> noch einmal verst\u00e4rkt worden ist. Die Form eines Sachbuchbeitrags bringt es mit sich, dass ich mich auch hier beschr\u00e4nken und auf Differenzierungen oder Relativierungen verzichten muss. Deshalb in Schlagworten: Das journalistische Feld der Gegenwart ist sozial homogen (wei\u00dfe Akademiker, an der Spitze oft m\u00e4nnlich) und wird vom \u00bbHabitus der Mittelschicht\u00ab dominiert \u2013 \u00bbauf Anpassung ausgerichtet\u00ab und auf \u00bbdie Akzeptanz der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse\u00ab (Kl\u00f6ckner 2019: 33). Man kommt aus \u00e4hnlichen Verh\u00e4ltnissen wie andere Entscheider, man besucht die gleichen Universit\u00e4ten, man lebt ganz \u00e4hnlich und sieht die Welt dann auch nicht sehr viel anders.<\/p>\n<p>Dass das so bleibt, wird \u00fcber Ausbildung, Auswahl und N\u00e4he gesichert: \u00bbDie Eliten suchen sich ihre Journalisten aus\u00ab, f\u00fcttern sie dann mit Zuwendung und Exklusivem und erzeugen so das, was Uwe Kr\u00fcger (2016: 84, 105) \u00bbVerantwortungsverschw\u00f6rung\u00ab nennt: Journalisten wissen, was gut ist und was schlecht (so ziemlich das gleiche, was die Herrschenden gut oder schlecht finden), und glauben, dass sie Einfluss auf die Menschen haben. Also wird die Wirklichkeit \u00bbum die Teile\u00ab reduziert, \u00bbdie nicht zur Haltung passen\u00ab, und das betont, was dem gew\u00fcnschten Ziel zu helfen scheint (Meinhardt 2020: 87). So entstehen \u00bbRepr\u00e4sentationsl\u00fccken\u00ab (Patzelt 2015), die von anderen Plattformen gef\u00fcllt werden \u2013 erst recht, wenn zur \u203aHaltung\u2039 der Leitmedien geh\u00f6rt, Gegenstimmen zu delegitimieren (zum Beispiel als \u203aVerschw\u00f6rungstheorie\u2039 oder als \u203aFake News\u2039, Schreyer 2018: 33) und so den Auftrag \u00d6ffentlichkeit auch f\u00fcr jeden sichtbar zu verweigern.<\/p>\n<h4>4. Ausblick<\/h4>\n<p>Guter Journalismus kostet Geld. Alle Themen, Perspektiven, Meinungen zu ver\u00f6ffentlichen und so f\u00fcr einen Ausgleich der Interessen zu sorgen oder wenigstens daf\u00fcr, dass die gesellschaftlichen Konflikte friedlich ausgetragen werden, kostet Geld. Eine Medienrealit\u00e4t, die \u00c4ngste nimmt und nicht erzeugt, kostet Geld. Wir brauchen gr\u00f6\u00dfere Redaktionen und dort in jeder Hinsicht mehr Diversit\u00e4t und Autonomie. Und wir m\u00fcssen diskutieren, was der Journalismus leisten soll, was wir hier f\u00fcr Qualit\u00e4t halten und was wir uns das dann kosten lassen wollen.<\/p>\n<p>Corona zeigt: Die digitalen Plattformen m\u00f6gen wichtig sein, die Realit\u00e4t aber wird nach wie vor von den Leitmedien gesetzt. Die Macht liegt bei denen, die es schaffen, ihre Version der Wirklichkeit in der <em>Tagesschau<\/em> zu platzieren, in der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em>, im <em>Spiegel<\/em>, in der <em>Zeit<\/em>, in der <em>Bild-Zeitung<\/em>. Wir haben gesehen, was passiert, wenn die Pressemitteilungen der Regierung zur Medienrealit\u00e4t werden, die gro\u00dfen Leitartikler mit den Politikern heulen und ihre kleinen Gefolgsleute jeden Abweichler im Netz als Verschw\u00f6rer und Gesundheitsfeind brandmarken. Zustimmungsraten wie in Nordkorea.<\/p>\n<p>Es gibt einen Aufsatz von Elisabeth Noelle-Neumann mit dem feinen Titel \u00bbKumulation, Konsonanz und \u00d6ffentlichkeit\u00ab. Sie k\u00f6nne einfach nicht glauben, schreibt Noelle-Neumann vor fast einem halben Jahrhundert, dass Medien keine Wirkung haben sollen oder nur so schwache, wie sie die Forschung bisher nachgewiesen hat. Das neue Paradigma, das sie mit diesem Text etablieren will, klingt im Titel an. Noelle-Neumann sagt: Ihr habt \u00bbdie Omnipr\u00e4senz\u00ab der Medien vergessen und ihre \u00bbkumulative Wirkung als Folge der Periodizit\u00e4t\u00ab. Starrt nicht nur auf die Empf\u00e4nger der Botschaft, sondern schaut euch auch die Kommunikatoren an, \u00bbderen berufliches Verhalten \u00c4hnlichkeit erzeugt\u00ab. Und vergesst den \u00bbFaktor \u00d6ffentlichkeit\u00ab nicht. Noelle-Neumann (1973) meint damit die \u00bbkritische Instanz\u00ab soziale Kontrolle, die jeder sp\u00fcrt, der von dem abweicht, was die anderen f\u00fcr die Meinung der Mehrheit halten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Als Noelle-Neumann diesen Text geschrieben hat, war es \u00fcblich, dass sich die Spitzenleute der Parteien im deutschen Bundestag angebr\u00fcllt haben. Damals gen\u00fcgte es, die vier wichtigsten Bl\u00e4tter im Land zu untersuchen, wenn man das politische Spektrum abbilden wollte. Wie w\u00fcrde man das heute machen, wenn die Opposition schweigt und \u00fcberall das gleiche steht \u2013 vor allem nichts anderes als in den Bulletins der Staatskanzleien? Kumulation, Konsonanz, \u00d6ffentlichkeit. Corona-Tote auf allen Kan\u00e4len und Journalisten, die Schiedsrichter spielen im Streit der Experten. Wenn es nicht so ernst w\u00e4re, k\u00f6nnte man nach dem Videobeweis rufen und fragen, woher die Pfeifen in ihren \u203aFakten-Checks\u2039 wissen, dass die staatliche Beh\u00f6rde immer Recht hat. Die Wirkungen haben wir alle. Ich sehe in M\u00fcnchen Menschen, die sich entsetzt abwenden, wenn ihnen zwei Jogger entgegenkommen, und h\u00f6re, wie Menschen zurechtgewiesen werden, denen ihre Maske verrutscht.<\/p>\n<p>Wo es um Geld geht (wie in kommerziellen Verlagen), werden die Redaktionen vom Imperativ der Aufmerksamkeit regiert und von einem Sparzwang, der die Abh\u00e4ngigkeit von offiziellen Quellen noch gr\u00f6\u00dfer macht, als sie ohnehin schon immer war. Und wo es um die Gunst der Politik geht (wie im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk und auch bei den Privaten, die ja immer eine Lizenz brauchen), bestimmen die Parteien, wer Chefin oder Chef sein darf, und haben mit Aufsichtsbeh\u00f6rden und Kontrollgremien einen zus\u00e4tzlichen Hebel, wenn irgendetwas nicht nach Plan l\u00e4uft. Der Journalismus will uns weismachen, dass er unabh\u00e4ngig ist, neutral und objektiv, dass er immer auf Distanz bleibt zu den Herrschenden und nach Vielfalt strebt. Ein Wolkenkuckucksheim, das ganz am Anfang stehen muss, wenn es um eine Zukunft nach Corona geht. Der Journalismus braucht einen neuen Kompass, der auf uns zeigt, auf die Gesellschaft, und nicht auf das Geld, auf den Staat und auf seine Verweser. Wir brauchen Redaktionen, die den Auftrag \u00d6ffentlichkeit ernst nehmen. Alle Themen, alle Perspektiven. Wenn das dann unbedingt noch kommentiert werden muss: meinetwegen. Aber eigentlich will ich nicht wissen, wie Claus Kleber die Welt sieht, sondern erfahren, was in der Welt so l\u00e4uft, und mir dann selbst eine Meinung bilden. Wie dieser Kompass sonst aussehen k\u00f6nnte? Ganz oben auf meiner Liste: Transparenz (offenlegen, wie die Inhalte entstehen und wie sie verbreitet werden), Perspektivenvielfalt (ein Punkt, der bei der Rekrutierung f\u00fcr den Beruf beginnt) und Reflexion (wer schreibt oder sendet hier und wem k\u00f6nnte das am Ende nutzen). Dann m\u00fcssten wir keine Angst mehr haben, um den Journalismus nicht und auch sonst.<\/p>\n<p><em>Literaturangaben<\/em><\/p>\n<p>Clemens G. Arvay: <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/9738\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wir k\u00f6nnen es besser. Wie Umweltzerst\u00f6rung die Corona-Pandemie ausl\u00f6ste und warum \u00f6kologische Medizin unsere Rettung ist<\/a>. K\u00f6ln: Quadriga 2020<\/p>\n<p>Ulrich Beck: <a href=\"https:\/\/resilienz.hypotheses.org\/1220\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Metamorphose der Welt<\/a>. Berlin: Suhrkamp 2017<\/p>\n<p>W. Lance Bennett: Toward a theory of press-state relations. In: Journal of Communication 40. Jg. (1990), Nr. 2, S. 103-125<\/p>\n<p>Bastian Brinkmann: Prof. Dr. Verschw\u00f6rung. In: S\u00fcddeutsche Zeitung vom 14. Mai 2020<\/p>\n<p>Hans-Bernd Brosius, Anke Bathelt: The Utility of Exemplars in Persuasive Communications. In:&nbsp;Communication Research 21. Jg. (1994), Nr. 1, S. 48-78<\/p>\n<p>John Dewey: <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/291\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">The Public and its Problems<\/a>. New York: Holt 1927<\/p>\n<p>George A. Donohue, Phillip Tichenor, Clarice N. Olien: A Guard Dog Perspective on the Role of the Media. In: Journal of Communication 45. Jg. (1995), Nr. 2, S. 115-132<\/p>\n<p>Mark Eisenegger, Franziska Oehmer, Linards Udris, Daniel Vogler: <a href=\"https:\/\/www.foeg.uzh.ch\/dam\/jcr:b87084ac-5b5b-4f76-aba7-2e6fe2703e81\/200731_Studie%20Leitmedien%20Corona.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Qualit\u00e4t der Medienberichterstattung zur Corona-Pandemie<\/a>. Universit\u00e4t Z\u00fcrich: Forschungszentrum \u00d6ffentlichkeit und Gesellschaft 2020<\/p>\n<p>Dennis Gr\u00e4f, Martin Hennig: <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/343736403_Die_Verengung_der_Welt_Zur_medialen_Konstruktion_Deutschlands_unter_Covid-19_anhand_der_Formate_ARD_Extra_-Die_Coronalage_und_ZDF_Spezial\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Verengung der Welt<\/a>. Zur medialen Konstruktion Deutschlands unter Covid-19 anhand der Formate <em>ARD Extra \u2013 Die Coronalage<\/em> und <em>ZDF Spezial.<\/em> Universit\u00e4t Passau, August 2020<\/p>\n<p>Edward S. Herman, Noam Chomsky: Manufacturing Consent. The Political Economy of the Mass Media. New York: Pantheon 1988<\/p>\n<p>Otfried Jarren: <a href=\"https:\/\/www.zora.uzh.ch\/id\/eprint\/186723\/1\/jarren_corona.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Das \u00f6ffentlich-rechtliche Fernsehen in Zeiten von Corona<\/a>. In: epd-Medien vom 27. M\u00e4rz 2020<\/p>\n<p>Maria Karidi: Medienlogik im Wandel. Wiesbaden: Springer VS 2017<\/p>\n<p>Marcus B. Kl\u00f6ckner: <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/6685\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sabotierte Wirklichkeit. Oder: Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird<\/a>. Frankfurt am Main: Westend 2019<\/p>\n<p>Uwe Kr\u00fcger: <a href=\"https:\/\/medialogic.hypotheses.org\/671\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mainstream. Warum wir den Medien nicht mehr trauen<\/a>. M\u00fcnchen: C.H. Beck 2016<\/p>\n<p>Nino Landerer: Rethinking the logics: A conceptual framework for the mediatization of politics. In: Communication Theory 23. Jg. (2013), S. 239-258<\/p>\n<p>Steffen Mau: <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/521\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Das metrische Wir. \u00dcber die Quantifizierung des Sozialen<\/a>. Berlin: Suhrkamp 2017<\/p>\n<p>Birk Meinhardt: <a href=\"https:\/\/medienerbe.hypotheses.org\/2201\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wie ich meine Zeitung verlor. Ein Jahrebuch<\/a>. Berlin: Das Neue Berlin 2020<\/p>\n<p>Michael Meyen: Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand. Wie uns die Medien regieren. Frankfurt am Main: Westend 2018<\/p>\n<p>Michael Meyen: <a href=\"https:\/\/journalistik.online\/ausgabe-03-2020\/die-leitmedien-als-problem\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Leitmedien als Problem. Warum der Gegendiskurs dem Journalismus helfen k\u00f6nnte<\/a>. In: Journalistik 3. Jg. (2020), S. 262-273<\/p>\n<p>Elisabeth Noelle-Neumann: Kumulation, Konsonanz und \u00d6ffentlichkeitseffekt. Ein neuer Ansatz zur Analyse der Wirkung der Massenmedien. In: Publizistik 18. Jg. (1973), S. 26-55<\/p>\n<p>Werner Patzelt: Repr\u00e4sentationsl\u00fccken im politischen System Deutschlands? Der Fall PEGIDA. In: Zeitschrift f\u00fcr Staats- und Europawissenschaften 13. Jg. (2015), Nr. 1, S. 99-126<\/p>\n<p>Horst P\u00f6ttker: \u00d6ffentlichkeit als gesellschaftlicher Auftrag. Zum Verh\u00e4ltnis von Berufsethos und universaler Moral im Journalismus. In: R\u00fcdiger Funiok, Udo Schm\u00e4lzle, Christoph Werth (Hrsg.): Medienethik \u2013 die Frage der Verantwortung. Bonn: Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 1999, S. 215-232<\/p>\n<p>Heribert Prantl: Not und Gebot. Grundrechte in Quarant\u00e4ne. M\u00fcnchen: C. H. Beck 2021<\/p>\n<p>Walter van Rossum: Meine Pandemie mit Professor Drosten. Vom Tod der Aufkl\u00e4rung unter Laborbedingungen. Neukirchen: Rubikon 2021<\/p>\n<p>Paul Schreyer: <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/1451\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Angst der Eliten. Wer f\u00fcrchtet die Demokratie?<\/a> Frankfurt am Main: Westend 2018<\/p>\n<p>Paul Schreyer: Chronik einer angek\u00fcndigten Krise. Wie ein Virus die Welt ver\u00e4ndern konnte. Frankfurt am Main: Westend 2020<\/p>\n<p>Martin Schwab: <a href=\"https:\/\/clubderklarenworte.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Prof.-Schwab-zu-Wodarg.pdf\">Meinungsfreiheit und wissenschaftlicher Diskurs in der Corona-Krise<\/a>. Zugleich in Sachen Transparency International Deutschland: Eine Erwiderung auf den Bericht der Untersuchungskommission im Fall Wolfgang Wodarg, S. 51-132. In: Corona Transition vom 26. Oktober 2020<\/p>\n<p><em>Titelbild<\/em>: Screenshot ARD<\/p>\n<p>Michael Meyen: Die Medien-Epidemie.Journalismus, Corona und die neue Realit\u00e4t. In:&nbsp;Hannes Hofbauer, Stefan Kraft (Hrsg.): Herrschaft der Angst. Von der Bedrohung zum Ausnahmezustand. Wien: Promedia 2021, S. 99-115<\/p>\n<p class=\"bio-desc\">Michael Meyen ist seit 2002 Professor f\u00fcr Allgemeine und Systematische Kommunikationswissenschaft an der LMU M\u00fcnchen.<\/p>\n<section class=\"linkAnnotation\" data-annotation-id=\"11R\"><\/section>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_7454 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_7454')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_7454').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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