{"id":7556,"date":"2022-10-30T14:14:41","date_gmt":"2022-10-30T13:14:41","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=7556"},"modified":"2026-10-11T17:10:44","modified_gmt":"2026-10-11T16:10:44","slug":"buchempfehlung-endspiel-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/buchempfehlung-endspiel-europa\/","title":{"rendered":"Buchempfehlung: Endspiel Europa"},"content":{"rendered":"<div class=\"highlight-teaser\">\n<p><strong>Europa wird wieder geteilt und damit zuru\u0308ck ins 20. Jahrhundert katapultiert \u2013 aber diesmal ohne Marshall-Plan. Mit den USA als Ordnungsmacht kann Europa keinen Frieden auf dem Kontinent finden \u2013 und ohne die sibirischen Rohstoffe und den chinesischen Markt keinen dauerhaften Wohlstand. So die Analyse von Ulrike Gu\u00e9rot und Hauke Ritz in ihrem neuen Buch \u201eEndspiel Europa\u201c, aus dem Multipolar Ausz\u00fcge ver\u00f6ffentlicht. Die beiden Autoren schildern darin auch detailliert, wie der aktuelle Krieg von westlichen Akteuren minuti\u00f6s und zielstrebig vorbereitet wurde.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><em><span class=\"date\">Von ULRIKE GU\u00c9ROT UND HAUKE RITZ<\/span><\/em><\/p>\n<p>Die a\u0308lteste Karte der Europa von 1534, <em>Europa Prima Pars Terre in Forma Virginis<\/em>, \u201eEuropa, erster Teil der Erde, in Gestalt einer Jungfrau\u201c, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Europa_Prima_Pars_Terrae_in_Forma_Virginis.jpg\">zeigt<\/a> eine majesta\u0308tische Frauenfigur, die den ganzen europa\u0308ischen Kontinent abbildet. Spanien ist der Kopf und tra\u0308gt die Krone. Francia ist die Brust, Germania das Herz, Gro\u00dfbritannia ha\u0308ngt lose am linken Arm, Italia ist der rechte Arm. Weiter im Bauch beziehungsweise im Unterleib der Europa befinden sich, lose angeordnet und ohne klare Grenzen, Polonia, Bulgaria, Albania, Rumania und Russia, die ganzen europa\u0308ischen Vo\u0308lker eben. Die Karte endet mit einem u\u0308ppig ausraffenden Kleid hinter Moskau im Norden und im Su\u0308den am Bosporus. Die Europa steht mit zwei Fu\u0308\u00dfen fest auf der russischen Landmasse, wa\u0308hrend sie ihren Kopf in den Atlantik neigt. Sicher hat man sich 1534 etwas bei dieser Karte gedacht, als man die Fu\u0308\u00dfe Europas nicht auf das Wasser des Atlantiks gestellt hat.<\/p>\n<p>Dieser Europa wird jetzt der Garaus gemacht. Die derzeitige Politik des Westens im Ukraine-Krieg zielt im Wesentlichen darauf, die ehemalige Mauer des Eisernen Vorhangs von 1989 rund 1500 Kilometer weiter o\u0308stlich wieder aufzubauen. Europa wird damit zuru\u0308ck ins 20. Jahrhundert katapultiert, aber diesmal ohne Marshall-Plan, sondern mit einem Abo auf das \u201eZwei-Prozent-Ziel\u201c der NATO, also der Verpflichtung fu\u0308r alle EU-Staaten, dauerhaft zwei Prozent ihres Haushaltes fu\u0308r die NATO aufzubringen. Das kommt de facto der endgu\u0308ltigen Beerdigung einer unabha\u0308ngigen europa\u0308ischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik gleich, die trotz jahrzehntelanger Vorsa\u0308tze seit dem Maastrichter Vertrag von 1992 stets nur eine Seifenblase geblieben ist.<\/p>\n<p>Um im Bild der Karte zu bleiben: Die Europa wird jetzt unterhalb ihres Bauchnabels, mitten im Leib, durchtrennt und wird gleichsam zu einem europa\u0308ischen Rumpf gemacht. Vom Baltischen Meer bis zum Schwarzen Meer wird wieder eine harte Grenze zwischen zwei Blo\u0308cken zementiert, die doch seit 1989 u\u0308berwunden geglaubt war. Diese von Russland und Asien abgetrennte europa\u0308ische Halbinsel wird im Wettbewerb der Ma\u0308chte keine Chance haben. Europa wird dann keine \u201ezweite Welt\u201c zwischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chimerica\">\u201eChimerica\u201c<\/a> werden, die der amerikanisch-pakistanische Autor Parag Khanna schon vor zehn Jahren als plausible europa\u0308ische Option <a href=\"https:\/\/www.penguinrandomhouse.com\/books\/92295\/the-second-world-by-parag-khanna\/\">skizziert<\/a> hat. Mit den USA als Ordnungsmacht kann Europa keine stabile politische Einheit werden und keinen konfo\u0308deralen Frieden auf dem Kontinent finden. Und ohne die sibirischen Rohstoffe und den chinesischen Markt gibt es auch keinen dauerhaften Wohlstand fu\u0308r Europa. Es geht hier nicht um eine Da\u0308monisierung der USA, sondern um europa\u0308ische Emanzipation. (&#8230;)<\/p>\n<h3>Lange vorbereiteter amerikanischer Stellvertreterkrieg<\/h3>\n<p>Wir zeichnen in drei Kapiteln jeweils fu\u0308r die 1990er, 2000er und 2010er Jahre mit groben Strichen nach, wie und warum Europa in den letzten drei\u00dfig Jahren das, was es eigentlich werden wollte, aus den Augen verloren hat und die EU als politisches Projekt spa\u0308testens seit der Jahrtausendwende keine Chance mehr hatte.<\/p>\n<p>Wir leiten aus amerikanischen Quellen her, dass der russisch-ukrainische Krieg ein lang vorbereiteter amerikanischer Stellvertreterkrieg ist, eine Apotheose jahrzehntelanger amerikanischer Geostrategie, deren eigentliches Ziel die Verfestigung der amerikanischen Dominanz in Europa ist. Europa soll von seinen wirtschaftlichen Adern im Osten abgeschnitten werden, jener Landmasse, auf der die Fu\u0308\u00dfe der Europa stehen. Es ist eine Politik der <em>\u201erestricted dammage\u201c<\/em>, der kontrollierten, aber bewussten wirtschaftlichen Scha\u0308digung, die vor allem die Kappung des deutschen Handelsu\u0308berschusses, der im Osten erwirtschaftet wird, zum Ziel hat. Europa wird wirtschaftlich und strategisch von den USA gebraucht, soll sich aber in amerikanischen Augen eben nicht emanzipieren und dadurch mo\u0308glicherweise zu einem Konkurrenten einer la\u0308ngst kra\u0308nkelnden Weltmacht werden, die ihren eigenen Untergang fu\u0308rchtet.<\/p>\n<p>Die hier vorgetragene Analyse entspringt dem Wunsch nach einem geeinten Europa und einer kontinentalen Friedensordnung, die wir im Schlussteil dieses Buches einer na\u0308heren Betrachtung unterziehen werden. Wir wollen mit diesem Essay dazu beitragen, Europa aus der Verdra\u0308ngung und Selbstablehnung des Eigenen herauszuholen: Es geht um die letzte Chance einer europa\u0308ischen Emanzipation! (\u2026)<\/p>\n<h3>Wer hat den Krieg begonnen?<\/h3>\n<p>Zu den ha\u0308ufigsten semantischen Setzungen seit Kriegsbeginn za\u0308hlt die Rede vom \u201erussischen U\u0308berfall\u201c oder dem \u201erussischen Angriffskrieg\u201c auf die Ukraine. Keine Nachrichtensendung kommt bis dato ohne diese Formulierung aus. Damit wird insinuiert, dass sowohl die Ukraine als auch der Westen vom Krieg u\u0308berrascht worden seien und ihn nicht haben kommen sehen, geschweige denn vorbereitet haben.<\/p>\n<p>Eine genaue Analyse der Vielzahl an milita\u0308rischen Aktivita\u0308ten, die Dutzende NATO-Staaten, aber insbesondere Gro\u00dfbritannien, die USA und Kanada, seit 2014 in der Ukraine entfaltet haben, zeigt indes deutlich, dass dem nicht so war. (\u2026) Im Grunde genommen mu\u0308sste die Frage, wer diesen Krieg wirklich begonnen hat, neu erforscht werden. Es geht eher um angelsa\u0308chsische \u2013 na\u0308mlich amerikanische, britische und kanadische \u2013 Kriegsvorbereitungen gegen Russland, die zwar nicht in den Medien besprochen wurden, aber doch durch o\u0308ffentliche Dokumente zuga\u0308nglich waren und sind. (&#8230;)<\/p>\n<p>Studiert man die westlichen Kriegsvorbereitungen im Detail, so wird deutlich, dass der Ukraine die Rolle zukam, stellvertretend fu\u0308r den Westen einen Krieg mit Russland zu beginnen, der dann milita\u0308risch und logistisch von NATO-Mitgliedstaaten unterstu\u0308tzt werden sollte, ohne die Allianz insgesamt direkt in den Krieg zu involvieren. Dieser Prozess sollte begleitet werden durch einen Wirtschaftskrieg (Sanktionen), Informationskriegsfu\u0308hrung (antirussische Propaganda) und eine nukleare Einkreisung Russlands, die vor allem durch das Raketenschild in Ruma\u0308nien und Polen sowie seegestu\u0308tzte Kr\u00e4fte, insbesondere Zersto\u0308rer der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arleigh-Burke-Klasse\">Arleigh-Burke-Klasse<\/a>, sichergestellt werden sollte. All diese Ma\u00dfnahmen entsprachen dem Streben der USA nach \u201eFull Spectrum Dominance\u201c und zielten darauf ab, die Russische Fo\u0308deration auf mehreren Ebenen so weit zu schwa\u0308chen, dass das Land sein Gleichgewicht verlieren und innere Konflikte zum Sturz der Regierung fu\u0308hren wu\u0308rden.<\/p>\n<h3>Westliche Man\u00f6ver und Kriegsvorbereitungen im Jahr 2021<\/h3>\n<p>Eine Beschreibung der Aktivita\u0308ten im letzten Jahr vor Kriegsbeginn du\u0308rfte ausreichen, die obige These zu erha\u0308rten:<\/p>\n<ul>\n<li>Am 24. <strong>Ma\u0308rz 2021<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.president.gov.ua\/documents\/1212021-37661\">verabschiedete<\/a> die Ukraine eine Milita\u0308rstrategie, die die Regierung dazu verpflichtet, alle notwendigen Ma\u00dfnahmen \u2013 einschlie\u00dflich milita\u0308rischer \u2013 zur Wiedereingliederung der Krim sowie der Republiken Donbass und Lugansk zu ergreifen.<\/li>\n<li>Ebenfalls im Ma\u0308rz 2021 <a href=\"https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/974661\/CP411_-Defence_Command_Plan.pdf\">erkla\u0308rte<\/a> das britische Verteidigungsministerium, seine Aktivita\u0308ten im Schwarzen Meer versta\u0308rken zu wollen. Noch im gleichen Monat begann die Milita\u0308ru\u0308bung \u201eDefender Europe 21\u201c an der 28 000 Soldaten aus 26 La\u0308ndern in unmittelbarer Nachbarschaft der Ukraine <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publications\/products\/aktuell\/2021A39_moskau_truppenverstaerkung.pdf\">teilnahmen<\/a>.<\/li>\n<li>Im <strong>April 2021<\/strong> vero\u0308ffentlichten die tu\u0308rkische und ukrainische Regierung eine gemeinsame <a href=\"https:\/\/www.president.gov.ua\/en\/news\/spilna-deklaraciya-devyatogo-zasidannya-strategichnoyi-radi-67909\">Stellungnahme<\/a>, in der die Tu\u0308rkei die Schritte zur Wiederherstellung der territorialen Integrita\u0308t der Ukraine unterstu\u0308tzte.<\/li>\n<li>Im Mai und <strong>Juni 2021<\/strong> kam es zu mehreren gemeinsamen Mano\u0308vern zwischen der Ukraine und westlichen La\u0308ndern: <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/173840.htm\">Steadfast Defender 2021<\/a> mit 9000 Soldaten aus 20 NATO La\u0308ndern.<\/li>\n<li>Im Juni <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/news\/uk-signs-agreement-to-support-enhancement-of-ukrainian-naval-capabilities\">einigten<\/a> sich ukrainische und britische Regierungsvertreter auch auf das \u201eNaval Capabilities Enhancement Programme\u201c, im Zuge dessen britische Kriegsschiffe an die Ukraine verkauft werden sollten.<\/li>\n<li>Ebenfalls im Juni fand im Rahmen des Mano\u0308vers Defender Europe 21 die U\u0308bung <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/173840.htm\">\u201eNoble Jump\u201c<\/a> statt, an der im ukrainischen Nachbarland Ruma\u0308nien 13 Nationen und 4000 Soldaten teilnahmen.<\/li>\n<li>Beim NATO-Gipfeltreffen im gleichen Monat in Bru\u0308ssel <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/news_185000.htm\">erneuerten<\/a> die NATO-Mitgliedstaaten ihr 2008 in Bukarest gegebenes Bekenntnis zu einer zuku\u0308nftigen Mitgliedschaft der Ukraine.<\/li>\n<li>Vom 28. Juni bis 20. <strong>Juli 2021<\/strong> fand die Milita\u0308ru\u0308bung <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/gro%C3%9Fes-man%C3%B6ver-sea-breeze-im-schwarzen-meer\/a-58071044\">\u201eSea Breeze\u201c<\/a> unter amerikanisch-ukrainischer Fu\u0308hrung im Schwarzen Meer statt. An dieser U\u0308bung nahmen 32 Schiffe, 40 Flugzeuge und Hubschrauber sowie 5000 Soldaten aus 24 Nationen teil.<\/li>\n<li>Vom 12. bis 19. Juli 2021 fand die Milita\u0308ru\u0308bung <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/news_185879.htm?selectedLocale=en\">\u201eBreeze 2021\u201c<\/a> statt, an der 30 Schiffe und 2000 Soldaten teilnahmen.<\/li>\n<li>Am 7. Juli 2021 <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/TA-9-2021-0346_DE.html\">wies<\/a> das Europa\u0308ische Parlament in einem Beschluss darauf hin, dass die EU eine wichtige Rolle bei der Unterstu\u0308tzung der von der NATO verfolgten Politik ausu\u0308ben ko\u0308nnte.<\/li>\n<li>Ebenfalls im Juli 2021 fand die U\u0308bung <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/europe\/ukraine-holds-military-drills-with-us-poland-lithuania-2021-07-27\/\">\u201eThree Swords\u201c<\/a> mit 1200 ukrainischen, polnischen, litauischen und amerikanischen Soldaten statt. Au\u00dferdem fand im im gleichen Monat das ukrainisch-britische Mano\u0308ver <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/files\/f\/documents\/5\/a\/493255.pdf\">\u201eCossack Mace 2021\u201c<\/a> statt, an dem neben 900 ukrainischen auch 500 Soldaten verschiedener NATO-La\u0308nder teilnahmen.<\/li>\n<li>Am 23. <strong>August 2021<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/ukraine-krim-selenskyj-100.html\">nahm<\/a> der stellvertretende Generalsekreta\u0308r der NATO an der Auftaktveranstaltung der Krim-Plattform teil. Im gleichen Monat <a href=\"https:\/\/www.raf.mod.uk\/news\/articles\/raf-typhoons-join-ukraine-independence-day-celebrations-in-the-skies-over-kyiv\/\">u\u0308berflog<\/a> eine Formation britischer Kampfjets die ukrainische Hauptstadt Kiew anla\u0308sslich der Feierlichkeiten zum 30. Jahrestages der Loslo\u0308sung von der Sowjetunion.<\/li>\n<li>Im <strong>September 2021<\/strong> fand das von der Ukraine und den USA organisierte Mano\u0308ver <a href=\"https:\/\/www.army.mil\/article\/250444\/us_nato_ukraine_enhance_interoperability_with_rapid_trident_exercise\">\u201eRapid Trident 2021\u201c<\/a> mit 4000 ukrainischen und 2000 ausla\u0308ndischen Soldaten statt, die neben den USA, Kanada, sechs EU-Staaten sowie Georgien, Moldau, die Tu\u0308rkei, Jordanien und Pakistan mit einschlossen.<\/li>\n<li>Im September wurde auch eine <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/briefing-room\/statements-releases\/2021\/09\/01\/joint-statement-on-the-u-s-ukraine-strategic-partnership\/\">gemeinsame Erkla\u0308rung<\/a> zur US-amerikanisch-Ukrainischen strategischen Partnerschaft vero\u0308ffentlicht.<\/li>\n<li>Im <strong>Oktober 2021<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.eucom.mil\/article\/41698\/us-ukraine-aim-to-implement-strategic-defense-framework\">besuchte<\/a> US-Verteidigungsminister Lloyd Austin Kiew, um mit der Ukraine an der Umsetzung des Strategischen Verteidigungsabkommens zu arbeiten.<\/li>\n<li>Im Oktober fand zudem die britisch-ukrainische U\u0308bung <a href=\"https:\/\/www.raf.mod.uk\/news\/articles\/raf-personnel-arrive-in-ukraine-to-conduct-training-for-ukrainian-military\/\">Warrior Watchers<\/a> statt, bei der die Verteidigung von Flugpla\u0308tzen geu\u0308bt wurde.<\/li>\n<li>Im Oktober <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20211003064303\/https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/eu-ukraine-ausbildungsmission-101.html\">berichteten<\/a> Medien schlie\u00dflich von einem internen Arbeitspapier des Europa\u0308ischen Auswa\u0308rtigen Dienstes, in dem erwogen wurde, ob nicht auch die EU eine eigensta\u0308ndige milita\u0308rische Ausbildungsmission fu\u0308r die Ukraine einleiten ko\u0308nne.<\/li>\n<li>Im <strong>November 2021<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.mil.gov.ua\/en\/news\/2022\/01\/27\/parliament-ratified-ukrainian-british-agreement-on-development-of-ukrainian-navy-capabilities\/\">unterzeichneten<\/a> Gro\u00dfbritannien und die Ukraine ein Abkommen, im Zuge dessen die Ukraine 1,7 Milliarden britische Pfund fu\u0308r die Entwicklung seiner Marine erha\u0308lt.<\/li>\n<li>Am 10. November kam es zur Unterzeichnung der \u201eUS-amerikanischen-ukrainischen Charta der strategischen Partnerschaft\u201c. In dem Dokument <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/u-s-ukraine-charter-on-strategic-partnership\/\">hei\u00dft<\/a> es, dass \u201edie USA [&#8230;] nie die versuchte Annexion der Krim durch Russland akzeptieren [werden].\u201c<\/li>\n<li>Ebenfalls am 10. November <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/william-burns-antony-blinken-ukraine-europe-russia-92eecff683cef43a4bc8f24837d83ff2\">berichteten<\/a> amerikanische Medien u\u0308ber einen Aufmarsch der russischen Armee entlang der ukrainischen Grenze. Parallel dazu kam es auch zu einem <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/europe\/russia-says-ukraine-has-deployed-half-its-army-donbass-conflict-zone-2021-12-01\/\">Aufmarsch<\/a> ukrainischer Truppen entlang der Grenze zu den unabha\u0308ngigen Republiken Donezk und Lugansk sowie an der Grenze zur Krim. Es entstand eine U\u0308bermacht ukrainischer Milita\u0308reinheiten an der Grenze zu den beiden Republiken. Russland interpretierte den ukrainischen Aufmarsch als Kriegsvorbereitung.<\/li>\n<li>Am 8. <strong>Dezember 2021<\/strong> wurde in einem <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/publications\/uk-ukraine-joint-communique\/uk-ukraine-strategic-dialogue-joint-communique\">gemeinsamen Kommunique\u0301<\/a> zwischen Gro\u00dfbritannien und der Ukraine noch einmal der Status der Ukraine als \u201eNATO Enhanced Opportunities Partner\u201c unterstrichen.<\/li>\n<li>Am 14. Dezember <a href=\"https:\/\/www.loc.gov\/item\/global-legal-monitor\/2022-02-15\/ukraine-new-law-allows-bigger-presence-of-foreign-troops-in-ukrainian-territory\/\">verabschiedete<\/a> das ukrainische Parlament das Gesetz \u201eu\u0308ber die Zulassung bewaffneter Einheiten der Streitkra\u0308fte anderer Staaten auf dem Territorium der Ukraine im Jahr 2022\u201c. Das Gesetz bezieht sich auf die fu\u0308r das Jahr 2022 geplanten Mano\u0308ver Rapid Trident, Cossack Mace, Light Avalance, Silver Sabre, Sea Breeze, Riverine, Maple Arch und Viking und erlaubt die la\u0308ngere Pra\u0308senz ausla\u0308ndischer Truppen in der Ukraine.<\/li>\n<li>Um den 27. <strong>Januar 2022<\/strong> herum scheiterte der diplomatische Briefwechsel zwischen Moskau und den USA. Die USA <a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3245180\/\">lehnten<\/a> die russischen Kernforderungen wie den Verzicht auf die NATO-Osterweiterung, Ru\u0308ckbau der NATO-Pra\u0308senz gema\u0308\u00df NATO-Russland-Akte von 1997 sowie den Verzicht auf die Stationierung von Kurz- und Mittelstreckenraketen ab.<\/li>\n<li>Am 7. <strong>Februar 2022<\/strong> <a href=\"https:\/\/taz.de\/Aussenministerin-Baerbock-in-Kiew\/!5833410\/\">erkla\u0308rte<\/a> der ukrainische Au\u00dfenminister in einer Pressekonferenz mit der deutschen Au\u00dfenministerin Baerbock, dass \u201ees keinen direkten Dialog seiner Regierung mit den prorussischen Rebellen im Osten der Ukraine geben\u201c werde. Damit wurde o\u0308ffentlich zugegeben, das Minsker Abkommen nicht umsetzen zu wollen.<\/li>\n<li>Am 14. Februar 2022 <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/av\/world-europe-60373885\">sagte<\/a> der ukrainische Botschafter in Gro\u00dfbritannien, man erwa\u0308ge anstelle einer sofortigen NATO-Mitgliedschaft auch zusa\u0308tzliche bilaterale Abkommen mit den USA und Gro\u00dfbritannien.<\/li>\n<li>Ebenfalls am 14. Februar <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/usa-warnung-russland-ukraine-101.html\">a\u0308u\u00dferte<\/a> US-Pra\u0308sident Joe Biden, dass er mit einem Angriff Russlands auf die Ukraine am 16. Februar rechne. Tatsa\u0308chlich begann am 16. Februar 2022 ein immer sta\u0308rkerer Beschuss der Republiken Donezk und Lugansk durch die Ukraine. Am 18. Februar war der Beschuss gegenu\u0308ber dem 14. Februar bereits um das 34-Fache gestiegen. Fu\u0308r den Fall, dass die Ukraine selbst eine Offensive geplant ha\u0308tte, wa\u0308re zu erwarten gewesen, dass diese ganz a\u0308hnlich begonnen ha\u0308tte, na\u0308mlich mit massivem Artilleriebeschuss. In gewisser Weise ko\u0308nnte man deshalb ebenso den 16., 17. oder 18. Februar zum Tag des Kriegsbeginns erkla\u0308ren.<\/li>\n<li>Am 16. Februar kam es zu <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/special-monitoring-mission-to-ukraine\/512506\">591 Waffenstillstandsverletzungen<\/a> und 316 Explosionen, was eine Verachtfachung gegenu\u0308ber dem 14. Februar darstellte. Am 17. Februar kam es wiederum zu einer zu einer Verdoppelung des Beschusses, bei dem sich die Streitkra\u0308fte der Republiken Donezk und Lugansk deutlich in der Defensive befanden. Die OSZE registrierte <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/special-monitoring-mission-to-ukraine\/512605\">870 Waffenstillstandsverletzungen<\/a> und 654 Explosionen. Am 18. Februar zeigte sich das gleiche Bild. Nun registrierte die OSZE bereits <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/special-monitoring-mission-to-ukraine\/512629\">1566 Waffenstillstandsverletzungen<\/a> und 1413 Explosionen. Am Wochenende vom 19. und 20. Februar 2022 registrierte die OSZE sogar <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/special-monitoring-mission-to-ukraine\/512683\">3231 Waffenstillstandsverletzungen<\/a> und 2026 Explosionen.<\/li>\n<li>Am 19. Februar 2022 <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=c0dhJcTTQM0\">erkla\u0308rte<\/a> der ukrainische Pra\u0308sident Selenski auf der Mu\u0308nchner Sicherheitskonferenz, dass sein Land aus dem Budapester Memorandum aussteigen wu\u0308rde, sofern es keine festen Sicherheitsgarantien der fu\u0308nf sta\u0308ndigen Mitglieder des Sicherheitsrates, einschlie\u00dflich Deutschlands und der Tu\u0308rkei ga\u0308be. Damit ku\u0308ndigte der Pra\u0308sident indirekt an, Atomwaffen erwerben zu wollen.<\/li>\n<li>Am 21. Februar 2022 erkannte Moskau die Unabha\u0308ngigkeit der beiden unabha\u0308ngigen Republiken Donezk und Lugansk an. Die OSZE registrierte an diesem Tag <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/special-monitoring-mission-to-ukraine\/512842\">1927 Waffenstillstandsverletzungen<\/a> und 1481 Explosionen.<\/li>\n<li>Am 22. Februar 2022 kam es zu <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/special-monitoring-mission-to-ukraine\/512872\">1710 Waffenstillstandsverletzungen<\/a> und 1420 Explosionen. Die Republiken Donezk und Lugansk konnten dem milita\u0308rischen Druck von Seiten der Ukraine kaum noch standhalten und reichten eine Bitte um milita\u0308rische Hilfe bei der russischen Regierung ein.<\/li>\n<li>Der Bericht u\u0308ber den 23. Februar <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/special-monitoring-mission-to-ukraine\/512980\">spricht<\/a> nur noch von einer stark verschlechterten Sicherheitslage.<\/li>\n<li>Am 24. Februar u\u0308berschritten russische Truppen die Grenze zur Ukraine. (\u2026)<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Asymmetrische Abha\u0308ngigkeit<\/h3>\n<p>Die letztendliche Ursache dafu\u0308r, dass ein 1989 scheinbar geeintes, von zwei Weltkriegen zum Frieden bekehrtes Europa erneut an der Lunte des Krieges zu\u0308ndelt, liegt mithin in der unkritischen und nicht ausbalancierten transatlantischen Ausrichtung Europas begru\u0308ndet, die keine gleichberechtigte Partnerschaft ist, sondern eine asymmetrische Abha\u0308ngigkeit bedeutet. Daran mu\u0308sste sich etwas a\u0308ndern, damit sowohl die europa\u0308ische Einheit als auch eine friedliche Partnerschaft mit Russland auf dem Kontinent gesichert werden ko\u0308nnen. (&#8230;)<\/p>\n<p>In Europa ko\u0308nnte \u2013 so wie sich die Dinge mit Blick auf die Ukraine entwickeln \u2013 durch eine U\u0308bersprunghandlung zum dritten Mal ein Weltkrieg beginnen. Das Zeitgeschehen ist darum ein gleich dreifacher Verrat an Europa, ein Kulturbruch sondergleichen mit 70 Jahren Aufbauarbeit an Europa und Zivilita\u0308t!<\/p>\n<p>Die einzige und unmittelbare Verantwortung, die sich daraus fu\u0308r Europa ergibt, ist, sich mit all seinem politischen Gewicht, flankiert von UNO und OSZE, fu\u0308r einen sofortigen Waffenstillstand auszusprechen und Friedensverhandlungen anzuberaumen. In diesen Friedensverhandlungen muss es nicht nur um einen Friedensschluss fu\u0308r die Ukraine gehen, sondern um eine europa\u0308ische <em>Grand Strategy<\/em>, einen neuen, gro\u00dfen Entwurf fu\u0308r Europa im 21. Jahrhundert. Die USA sollten von diesen Verhandlungen eigentlich ausgeschlossen werden. Zwischen Europa und Russland mu\u0308sste es mo\u0308glich sein, sich auf eine neutrale Ukraine innerhalb einer fo\u0308deralen Ordnung zu einigen, damit zu den Zielen des Minsker Abkommens (Minsk II) zuru\u0308ckzukehren und zugleich eine Sicherheitsordnung anzustreben, in der keiner sich bedroht fu\u0308hlt. Dies wu\u0308rde genau der Idee einer kooperativen, fo\u0308deralen Ordnung fu\u0308r den gesamten Kontinent entsprechen, wie sie 1989 nach dem Mauerfall angestrebt wurde.<\/p>\n<p><em>Ulrike Gu\u00e9rot \/ Hauke Ritz, <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/endspiel-europa.html\">Endspiel Europa. Warum das politische Projekt Europa gescheitert ist und wie wir wieder davon tr\u00e4umen k\u00f6nnen<\/a>, Westend, 208 Seiten, 20 Euro<\/em><\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber die Autoren:<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Ulrike Gu\u00e9rot<\/strong>, Jahrgang 1964, studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie in Bonn, M\u00fcnster und Paris. Als Autorin, Aktivistin und Professorin arbeitet sie vor allem zu den Themen Europa und Demokratie, mit Stationen in Denkfabriken und an Universit\u00e4ten in Paris, Br\u00fcssel, London, Washington, Berlin und Wien. Seit 2021 ist sie Professorin f\u00fcr Europapolitik an der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms Universit\u00e4t Bonn.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Hauke Ritz<\/strong>, Jahrgang 1975, studierte an der FU und HU Berlin. Nach seiner Dissertation im Fach Philosophie mit dem Schwerpunkt Geschichtsphilosophie besch\u00e4ftigte er sich intensiv mit dem Ost-West-Konflikt, dessen Fortbestehen er seit 2008 im Zuge verschiedener Publikationen und seit 2014 durch regelm\u00e4\u00dfige Russlandreisen erforscht. Er hat an der Universit\u00e4t Gie\u00dfen, der MSU und RGGU in Moskau sowie der Universit\u00e4t Belgorod unterrichtet und war zuletzt f\u00fcr den DAAD in Moskau t\u00e4tig<\/em><\/p>\n<p>Rezension: <a href=\"https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/medien-plus\/7\">https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/medien-plus\/7<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_7556 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_7556')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_7556').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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