{"id":8027,"date":"2018-10-03T17:46:00","date_gmt":"2018-10-03T16:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=8027"},"modified":"2023-04-25T17:58:47","modified_gmt":"2023-04-25T16:58:47","slug":"nachbeten-ueber-altersarmut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/nachbeten-ueber-altersarmut\/","title":{"rendered":"Nachbeten \u00fcber Altersarmut"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nachbeten \u00fcber Altersarmut<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00d6sterreich, die Schweiz und (beispielsweise) die skandinavischen L\u00e4nder haben Rentensysteme, die den B\u00fcrgern ein weitgehend sorgenfreies Alter sichern. Auch Frankreich steht in dieser Hinsicht gut da. Nur in Deutschland geht angeblich nicht, was unseren Nachbarn m\u00f6glich ist. Unser System organisiert f\u00fcr Millionen k\u00fcnftige Rentner \u2013 Altersarmut. Das ist m\u00f6glich, weil sich Nachrichten-Anbieter wie die Tagesschau als gossenjournalistische Nachbeter bew\u00e4hren; sie stellen nicht infrage, was die Regierung und ihre parlamentarischen Kopfnicker im Sinne unserer Geldeliten als Zwangsfolge der \u201eAlterspyramide\u201c ausgeben. Lieber zehn reaktion\u00e4re \u201eExperten\u201c im O-Ton bringen, als einmal eine geistreiche Gegenrecherche zu veranstalten, hei\u00dft die Devise der ARD-aktuell.<\/strong><\/p>\n<p>Gemeinhin wird behauptet \u2013 und geglaubt \u2013, das Niveau der gesetzlichen Rente sei nur m\u00fchsam bei 48 Prozent des Durchschnittslohns zu halten, mehr sei keinesfalls drin. Der bundesweit bekannte Otto Normalverbraucher wird f\u00fcglich mit auf Flaschen gezogenem \u201eBerliner Trost\u201c besoffen gemacht: mit der Abf\u00fcllung \u201eCh\u00e2teau Scholz-Merkel\u201c. \u00dcberzeugen soll der vollmundige Geschmack nach \u201eOlaf 2040\u201c, im Abgang traniger Nachhall von \u201e\u00c4nschii 2025\u201c. Otto Normalverbraucher schluckt und ist froh, dass er sich \u00fcberhaupt was auf die Lampe gie\u00dfen kann \u2013 in unseren finsteren Zeiten. An seine Rentnerzukunft denkt er lieber nicht.<\/p>\n<p>Preisfrage: Wie nennt man das Talent, das miese Niveau der sogenannten Standardrente, n\u00e4mlich 48 Prozent des deutschen Durchschnittslohns, als sozialen Fortschritt zu verkaufen? Richtig. Diese sozialdemokratische Kunstform nennt man \u201eSchweineborsten weichquasseln\u201c.<\/p>\n<p>Reden wir vom Rundfunk-Informationsangebot \u00fcber die Rentenlage. Die Nachrichtenredakteure von ARD, ZDF und Deutschlandradio verweisen bedeutungsschwanger auf das Konstrukt einer Alterspyramide im Kopfstand. Sie zelebrieren ein Hochamt auf den Aberglauben, dass unsere demografische Entwicklung dazu zwinge, entweder die Rentenversicherungsbeitr\u00e4ge zu erh\u00f6hen oder die Lebensarbeitszeit zu verl\u00e4ngern oder das Rentenniveau abzusenken.<\/p>\n<p>Am besten gleich beides zusammen realisieren, was?? Weil einerseits die Deutschen immer l\u00e4nger leben und andererseits der Geburtenr\u00fcckgang &#8230; Kennen Sie den:<\/p>\n<p>\u201eImmer weniger Erwerbst\u00e4tige m\u00fcssen eine wachsende Zahl von Rentnern finanzieren.\u201c<\/p>\n<p>Erkennen Sie die Demagogie in dieser Argumentation? Sie verhindert, dass man dar\u00fcber nachdenkt, welche anderen Finanzierungsformen m\u00f6glich w\u00e4ren. \u00dcber Finanziers, die neben Arbeitnehmern und Arbeitgebern als Beitragszahler herangezogen werden k\u00f6nnten. Tagesschau, Tagesthemen &amp; Co kanalisieren und verengen die Diskussion von vornherein. Alternative Rentenmodelle spielen folglich kaum mehr eine Rolle. Im individuellen Denken nicht, im gesellschaftlichen Diskurs nicht, und in der politischen Praxis erst recht nicht.<\/p>\n<p>Tagesschau &amp; Co. veranstalten informationelle Armenspeisung, servieren eine so w\u00e4ssrige und fettarme Gedankensuppe, dass mehr Augen in sie hineinschauen als heraus.<\/p>\n<p>Unser sogenannter \u201eGenerationenvertrag\u201c zur Rentenfinanzierung dekretiert in aller Scheingerechtigkeit, dass die Erwerbst\u00e4tigen und ihre Arbeitgeber je zur H\u00e4lfte als Beitrag in die Rentenkassen einzahlen, was an die Alten ausgezahlt wird. Wobei hypothetisch bis 10 Prozent Arbeitnehmer-Bruttolohns der Arbeitnehmer selbst abdr\u00fcckt und gleichfalls 10 Prozent der Arbeitgeber. \u201eParit\u00e4tische Rentenfinanzierung\u201c wird das genannt, die zusammen 20 Prozent werden als Zumutbarkeitsgrenze ausgegeben.<\/p>\n<p>20 Prozent \u2013 derzeit tats\u00e4chlich nur 18,6 Prozent \u2013 wovon? Von den Brutto-Arbeitsl\u00f6hnen. Die Eink\u00fcnfte der Arbeitgeber bleiben bei dieser Berechnungsart schon mal au\u00dfen vor. Zudem gilt eine willk\u00fcrlich festgelegte obere Bemessungsgrenze: derzeit 6.500 Euro West- beziehungsweise 5.750 Euro Ost-Monatsgehalt.<\/p>\n<p>Oberhalb davon endet die Solidarit\u00e4t mit der Rentnergeneration.<\/p>\n<p>Der politische Hintergrund ist Ihnen klar? Von den Besserverdienern und von den Arbeitgebern durchg\u00e4ngig den gleichen prozentualen Solidarbeitrag einzuziehen, das vertr\u00fcge sich nicht mit unserer kapitalistischen Staatsreligion. Das r\u00f6che doch nach kommunistischer Gleichmacherei.<!--more--><\/p>\n<p>Ein Beispiel:<\/p>\n<p>Frank Witter, Mitglied des VW-Vorstands, erzielte auf Rang 9 in diesem Unternehmen im Jahr 2016 ein Gehalt von 1,1 Millionen Euro. Au\u00dferdem einen \u201eBonus\u201c von 1,9 Millionen Euro (1). M\u00fcssten er und seine Firma VW von diesen 3 Millionen Euro Witter-Jahreseinkommen tats\u00e4chlich 18,6 Prozent in die Rentenkasse zahlen, dann w\u00e4ren das 558.000 Euro. Und nicht blo\u00df 14.508 Euro, die Witter und VW je zur H\u00e4lfte tats\u00e4chlich abdr\u00fcckten, weil sein Verdienst oberhalb der 78.000 Euro pro Jahr beitragsfrei war.<\/p>\n<p>Schlussfolgerung: W\u00e4ren die \u201eBeitrags-Bemessungsgrenzen\u201c beseitigt und alle Gehaltsempf\u00e4nger prozentual gleich beitragspflichtig, dann k\u00f6nnten die Rentenbeitr\u00e4ge wesentlich niedriger als 18,6 Prozent sein, und die \u201eStandardrente\u201c k\u00f6nnte trotzdem weit h\u00f6her ausfallen als jetzt.<\/p>\n<p>\u201eLeistungstr\u00e4ger\u201c werden jedoch in unserem Gesellschaftssystem nicht st\u00e4rker als unvermeidlich belastet. Mit diesen Sensibelchen wird taktvoll umgegangen. So halten der Geldadel und seine Erf\u00fcllungsgehilfen im Parlament die obere Mittelschicht bei Laune \u2013 und das kapitalistische Gesamtsystem am Leben. Denn:<\/p>\n<p>Eine Beitrags-Obergrenze zum Schutz der <em>Bestensverdiener<\/em> gilt nicht nur hinsichtlich der Rentenversicherung, sondern in vergleichbarer Form auch f\u00fcr Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Wir reden hier von \u2013zig Milliarden Euro, die den Sozialkassen mittels der Beitrags-Obergrenze vorenthalten werden. Zum Nachteil unseres guten Otto Normalverbraucher und aller anderen sogenannten kleinen Leute.<\/p>\n<p>Die Tagesschau macht sich kritischer Informationen dazu nicht schuldig. Zu hei\u00df, das Eisen. Erst recht getraut sie sich nicht, die grunds\u00e4tzliche Schieflage des Rentenbeitrags-Systems anzusprechen und deren gewollte sozialpolitische Folgesch\u00e4den an simplen, fiktiven Beispielen darzustellen. Hier w\u00e4re eins:<\/p>\n<p>Die Semmelfabrik A erzielt mit 1.000 Besch\u00e4ftigten einen Jahresumsatz von 400 Millionen Euro. Sie zahlt daher tausend Einzelbeitr\u00e4ge in die Sozialkassen. Die Versandapotheke B mit vergleichbarer Lohnstruktur kommt ebenfalls auf 400 Millionen Euro Jahresumsatz, hat aber nur 100 Besch\u00e4ftigte. Sie zahlt deshalb auch nur hundert Beitr\u00e4ge. <strong><em>Bei v\u00f6llig gleichem Umsatz zahlt B zehnmal weniger Sozialbeitr\u00e4ge als A.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das Kriterium \u201eAnzahl der Arbeitspl\u00e4tze\u201c im fraglichen Betrieb bestimmt die H\u00f6he von dessen Rentenbeitrag, nicht seine wirtschaftliche Leistungskraft. Die Folge: Je weniger Arbeitspl\u00e4tze ein Unternehmen h\u00e4lt, desto besser seine Gewinnerwartung. Angestrengter Abbau von Arbeitspl\u00e4tzen dient dem Unternehmen. Und schadet der Gesellschaft. Das ist kennzeichnend f\u00fcr unser Wirtschaftssystem.<\/p>\n<p>Warum wird der Arbeitgeberanteil von der Zahl der Arbeitspl\u00e4tze abh\u00e4ngig gemacht \u2013 und nicht beispielsweise auf Basis des Jahresumsatzes der Firma berechnet?<\/p>\n<p>Warum ignorieren Tagesschau, Tagesthemen &amp; Co \u2013 im Gleichklang mit dem Interesse des Geldadels und seines Berliner Politpersonals \u2013 so krampfhaft das soziale Prinzip<\/p>\n<p><strong>\u201eProduktivit\u00e4tssteigerung erlaubt h\u00f6here Renten\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>Gucken wir mal auf das Brutto-Inlandsprodukt, abgek\u00fcrzt BIP, den Wert aller erzeugten Waren und Dienstleistungen. Warum wird dessen rasantes Wachstum nicht im Zusammenhang mit der unserer Rentenproblematik diskutiert? Antwort: Weil \u201ePressefreiheit\u201c in der als B\u00fcrgerdemokratie kost\u00fcmierten Plutokratie nur ein Popanz ist. Je mehr Albernheiten man von den Schwachmaten im Qualit\u00e4tsjournalisten-Habit serviert bekommt, desto stumpfer wird man. Man steckt immer mehr weg.<\/p>\n<p>Der Politikwissenschaftler Egbert Scheunemann stellt fest,<\/p>\n<p><em>&#8222;\u2026dass das deutsche BIP zwischen 1995 und 2015 von knapp 1,9 Billionen Euro auf \u00fcber 3 Billionen Euro gestiegen ist \u2013 also viel schneller als der Anteil der Rentner an der Gesamtgesellschaft oder auch nur in Relation zur Erwerbsbev\u00f6lkerung&#8230;\u201c<\/em>\u00a0(2).<\/p>\n<p>Und? Warum sollte das keine positive Wirkung auf das Rentenniveau haben?<\/p>\n<p>Seit Jahren wird der Rentendiskurs von ARD-aktuell und ZDF-<em>heute<\/em> nur selektiv und unter gr\u00f6\u00dfter R\u00fccksichtnahme auf neoliberale, neokonservative Interessen begleitet. Damit wird der Informationsanspruch der Rentenbezieher und der \u00d6ffentlichkeit insgesamt missachtet. Diese Redaktionslinie steht im deutlichen Widerspruch zu den Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrags. Der verpflichtet schlie\u00dflich zu objektiver und vollst\u00e4ndiger Information, die Nachrichtenkonsumenten jeden Bildungsstandes bef\u00e4higen soll, sich ein sachgerechtes eigenes Urteil zu bilden. Der geb\u00fchrenfinanzierte Qualit\u00e4tsjournalismus verweigert die daf\u00fcr n\u00f6tige Basisinformation jedoch hartn\u00e4ckig.<\/p>\n<p>Welch eine Gespensterdebatte: Verengt auf die von der SPD angesprochene Garantie eines Rentenniveaus von 48 Prozent \u2013 bei 45 Arbeits- und Beitragsjahren!<\/p>\n<p>48 Prozent sind der erb\u00e4rmliche Rest, den uns die \u201eAgenda-2010\u201c-Abbruchunternehmer Schr\u00f6der\/Steinmeier\/Riester\/Fischer von der einstmals ausk\u00f6mmlichen gesetzlichen Rente \u00fcbriggelassen haben (3). F\u00fcr wie lange soll diese Armseligkeit garantiert werden? Bis zum Jahr 2040? (Finanzminister Scholz). Oder doch nur bis 2025? (Kanzlerin Merkel).<\/p>\n<p>Und danach?<\/p>\n<p>Noch weniger?<\/p>\n<p>Eine infame Scheindebatte. Sie \u00fcbert\u00fcncht zudem, dass vom <em>Brutto<\/em>-Rentenniveau die Rede ist. Das <em>Netto<\/em>-Rentenniveau nimmt unabh\u00e4ngig davon ohnehin laufend weiter ab, weil die Einkommensteuer auf Renten steigt (4). Dieser Aspekt wird mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt aus der Diskussion herausgehalten.<\/p>\n<p>Und an dieser Gaunerei beteiligen sich Spitzen-Qualit\u00e4tsjournalisten.<\/p>\n<p>Bereits jetzt betr\u00e4gt der steuerfreie Anteil der Neu-Rente nur noch 24 Prozent. Bis zum Jahr 2025 sinkt er auf 15 Prozent, vom Jahr 2040 an entf\u00e4llt er ganz. SPD und Unionsparteien handeln in der Garantiezeit-Debatte wie Trickbetr\u00fcger. Tagesschau &amp; Co senden Werbung f\u00fcr falsche Fuffziger statt Aufkl\u00e4rung dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Unbeirrt verbreitet ARD-aktuell das m\u00fcde M\u00e4rchen, die demografisch bedingten Finanzierungsprobleme lie\u00dfen keine g\u00fcnstigere Regelung zu (5). Die regelm\u00e4\u00dfige Wiederholung macht zwar das M\u00e4rchen nicht wahrer.<\/p>\n<p>Im \u00f6ffentlich-rechtlichen Nachrichtenwesen wird nicht daran erinnert, dass der Abbau der gesetzlichen Rente unter F\u00fchrung der SPD organisiert wurde, dass sie es war, die den \u201eGenerationenvertrag\u201c entwertete und die Teilprivatisierung des Alterssicherungssystems betrieb.\u00a0F\u00fcglich gibt es auch keine Information dar\u00fcber, dass und wie die grunds\u00e4tzliche Fehlentwicklung im Rentensystem korrigierbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>ARD-aktuell \u00e4u\u00dfert sich ohnehin nie eigenst\u00e4ndig zur Rententhematik. Ihre Reporter werfen keine neuen Fragen auf. Die Redaktion bietet lediglich opportunen \u201eExperten\u201c ein Forum f\u00fcr frustrierend destruktive, antisoziale Darlegungen. Es sind Neoliberale, die sich hier austoben d\u00fcrfen, bekannt daf\u00fcr, dass sie Verschlechterungen im gesetzlichen Rentensystem das Wort reden. Verschlechterungen, die den privaten, kommerziellen Rentenversicherern Kunden zutreiben sollen, ganz im Sinne der Regierungspolitik.<\/p>\n<p>Negativ beeindruckend das tagesschau.de-Interview vom 24. August 2018 mit dem Finanzexperten Professor Jens Boysen-Hohgrefe vom Kieler Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung an (5). Er repr\u00e4sentiert die Linie der ber\u00fcchtigten Neocon-\u201eInitiative Neue Soziale Marktwirtschaft\u201c, INSM. Er lehnt nicht nur Rentenverbesserungen ab, sondern sieht auch die Pensionen \u201eexplodieren\u201c und kann nat\u00fcrlich der Erh\u00f6hung des Spitzensteuersatzes nichts abgewinnen.<\/p>\n<p>Boysen-Hohgrefes und seinesgleichen \u201eExpertisen\u201c in voller Schlagseite zu verbreiten, ist eine beliebte ARD-aktuell-Methode der Meinungsmache. Die vorgeblich absolute G\u00fcltigkeit einer doch blo\u00df konformistischen und individuellen Sichtweise soll mittels Berufung auf akademische Autorit\u00e4t unterstrichen werden.<\/p>\n<p>Wenn \u2013 wie gezeigt \u2013 die Expertenauswahl interessengeleitet erfolgt und wenn gegens\u00e4tzliche, von anderen Experten stammende Konzeptionen ignoriert werden, dann handelt es sich um blanke Scheinargumentation. Erg\u00e4nzt wird solch manipulativer Journalismus von Kommentatoren, die sozialfeindliche Absichten zur Rentenverschlechterung unterst\u00fctzen (6).<\/p>\n<p>Ein perfider Sprachgebrauch kennzeichnet dieser Elaborate, die unter der formal-legitimen Tarnkappe \u201efreie Meinungs\u00e4u\u00dferung eines Journalisten\u201c dem Publikum zugemutet werden.<\/p>\n<p>\u201eVorstellung des Rentenpakets, Heils Versprechen\u201c (7) hei\u00dft es anz\u00fcglich mit Bezug auf den Namen des Bundesarbeitsministers, und seine intellektuell und materiell ohnehin \u00e4u\u00dferst bescheidenen Verbesserungsvorschl\u00e4ge werden a priori als utopisch und l\u00e4cherlich abqualifiziert.<\/p>\n<p>Unser Mitleid mit ihm h\u00e4lt sich allerdings in Grenzen. Hubertus Heil hatte als SPD-Bundestagsabgeordneter zusammen mit anderen \u201eReformern\u201c des \u201eNetzwerks Berlin\u201c anno 2001 die Abrissbirne auf die angeblich \u201enicht mehr finanzierbare\u201c gesetzliche Rente fallen lassen: Die Rentenformel wurde umgestellt und die Standardrente amputiert. Als teure Prothese f\u00fcr Selbstzahler wurde die private \u201eRiesterrente\u201c angeboten (8). Wir sind daran gew\u00f6hnt, dass abweichende Informationen zur Rentengestaltung vom \u00f6ffentlich-rechtlichen Qualit\u00e4tsjournalismus so stiefm\u00fctterlich behandelt werden, dass sie das Publikum nicht als praktikable Alternative wahrnehmen kann (9). Viele sachkundige Analysen und Konzepte l\u00e4sst ARD-aktuell g\u00e4nzlich au\u00dfer Betracht, sie werden den Zuschauern systematisch vorenthalten. Albrecht M\u00fcller zeigt das regelm\u00e4\u00dfig in den \u201eNachDenkSeiten\u201c auf (10).<\/p>\n<p>Alternative Modelle zur Finanzierung einer guten Rente und einer gerechten, ausk\u00f6mmlichen Versorgung im Alter gibt es nicht nur in Form abgesicherter Konzepte der Sozialwissenschaft, sondern auch als gelebte Praxis. Wir sagten es eingangs schon. Aber: Was erfahren die Nachrichtenkonsumenten, Otto Normalverbraucher und seine Kollegen, schon \u00fcber die Rentenmodelle unserer Nachbarl\u00e4nder?<\/p>\n<p>D\u00e4nemark zum Beispiel: Eine steuerfinanzierte \u201eVolksrente\u201c von derzeit knapp 1.500 Euro monatlich, erg\u00e4nzt durch eine obligatorische Betriebsrente, auf die mehr als 90 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen Anspruch haben! Wundern Sie sich, dass die D\u00e4nen zu den gl\u00fccklichsten Menschen der Welt z\u00e4hlen \u2013 bei einer durchschnittlichen Rentenerwartung von weit mehr als 2.300 Euro monatlich?<\/p>\n<p>Warum kann \u00d6sterreich sich ein gut 30 Prozent h\u00f6heres Rentenniveau leisten als Deutschland?<\/p>\n<p>Auf Vorw\u00fcrfe \u00fcber die Mitverantwortlichkeit von ARD-aktuell an der weitverbreiteten Unkenntnis erwidert ARD-aktuell-Chefredakteur Doktor Gniffke mit der Behauptung:<\/p>\n<p><em>\u201e&#8230; dass ARD-aktuell \u00fcber die Rentenpolitik und ihre Probleme sowie \u00fcber L\u00f6sungsans\u00e4tze in den unterschiedlichsten Ausspielwegen auf vielf\u00e4ltige, formatgerechte Art berichtet hat, sowohl aktuell als auch hintergr\u00fcndig. Alle relevanten Positionen sind zu Wort gekommen, die grundlegenden Probleme sind korrekt dargestellt worden\u201c<\/em>\u00a0(11).<\/p>\n<p>So leugnet der Haupt-Verantwortliche der ARD-aktuell seine idiotologische Auftragslage. Denn was steckt in seiner Behauptung \u201eAlle relevanten Positionen sind zu Wort gekommen\u201c?<\/p>\n<p>Damit wird gesagt, das Publikum sei selbst dran schuld, dass sich das Zerrbild von unserer \u201ezwangsl\u00e4ufigen\u201c Rentennot \u2013 Kopfstand der Alterspyramide! \u2013 so festgesetzt hat. Es sei das Problem der Zuschauer, dass sie die angeblich vielen alternativen Tagesschau-Informationen einfach nicht bemerkten und kapierten. Motto: Der Nachrichtenempf\u00e4nger ist vernagelt, nicht der Nachrichtensender.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich nicht selber veralbern wollen, dann, das wissen Sie jetzt wenigstens genau, springt daf\u00fcr zuverl\u00e4ssig die Tagesschau ein und macht das mit Ihnen.<\/p>\n<p><strong>Quellen und Anmerkungen:<\/strong><br \/>\n(1)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/vorstandsgehaelter-so-viel-kassierten-die-vw-bosse-2016\/19356238.html?ticket=ST-5310719-0vncByebTz1O74IaVU3B-ap4\">https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/vorstandsgehaelter-so-viel-kassierten-die-vw-bosse-2016\/19356238.html?ticket=ST-5310719-0vncByebTz1O74IaVU3B-ap4<\/a><br \/>\n(2)\u00a0<a href=\"http:\/\/www.egbert-scheunemann.de\/Chronik-des-neoliberalen-Irrsinns-12.pdf\">http:\/\/www.egbert-scheunemann.de\/Chronik-des-neoliberalen-Irrsinns-12.pdf<\/a><br \/>\n(3) Anm.: Vor 40 Jahren lag das Rentenniveau noch bei 59.5%, s.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/zahlen-und-fakten\/soziale-situation-in-deutschland\/61842\/standardrentenniveau\">http:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/zahlen-und-fakten\/soziale-situation-in-deutschland\/61842\/standardrentenniveau<\/a><br \/>\n(4)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.deutsche-rentenversicherung.de\/\">https:\/\/www.deutsche-rentenversicherung.de\/<\/a><br \/>\n(5)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/rentenpaket-103.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/rentenpaket-103.html<\/a><br \/>\n(6)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/politikimradio\/audio-59449.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/politikimradio\/audio-59449.html<\/a><br \/>\n(7)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/rentenpaket-groko-101.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/rentenpaket-groko-101.html<\/a><br \/>\n(8)\u00a0<a href=\"https:\/\/wipo.verdi.de\/++file++582ebf38f1b4cd68ffa3cbdf\/download\/Wipo_Gutes-Leben-im-Alter.pdf\">https:\/\/wipo.verdi.de\/++file++582ebf38f1b4cd68ffa3cbdf\/download\/Wipo_Gutes-Leben-im-Alter.pdf<\/a><br \/>\n(9)\u00a0<a href=\"http:\/\/www.fr.de\/wirtschaft\/chronik-20-jahre-rentenreform-a-1178924\">http:\/\/www.fr.de\/wirtschaft\/chronik-20-jahre-rentenreform-a-1178924<\/a><br \/>\n(10)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42133\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42133<\/a><br \/>\n(11)\u00a0<a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=44&amp;t=1637\">https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=44&amp;t=1637<\/a><\/p>\n<ul>\n<li><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_8027 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_8027')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_8027').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. Schon beim Aktivieren werden Daten an Dritte \\u00fcbertragen - siehe <em>i<\\\/em>.\",\"perma_option\":\"off\",\"action\":\"like\",\"language\":\"de_DE\"},\"twitter\":{\"reply_to\":\"\",\"tweet_text\":\"%20Nachbeten%20%C3%BCber%20Altersarmut%20%C2%BB%20St%C3%A4ndige%20Publikumskonferenz%20der%20...\",\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Twitter senden. Schon beim Aktivieren werden Daten an Dritte \\u00fcbertragen - siehe <em>i<\\\/em>.\",\"perma_option\":\"off\",\"language\":\"de\",\"referrer_track\":\"\"}},\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/publikumskonferenz.de\\\/blog\\\/nachbeten-ueber-altersarmut\\\/\",\"post_id\":8027,\"post_title_referrer_track\":\"Nachbeten+%C3%BCber+Altersarmut\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachbeten \u00fcber Altersarmut Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam \u00d6sterreich, die Schweiz und (beispielsweise) die skandinavischen L\u00e4nder haben Rentensysteme, die den B\u00fcrgern ein weitgehend sorgenfreies Alter sichern. Auch Frankreich steht in dieser Hinsicht gut da. Nur in Deutschland geht angeblich &hellip;<\/p>\n<p class=\"read-more\"> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/nachbeten-ueber-altersarmut\/\"> <span class=\"screen-reader-text\">Nachbeten \u00fcber Altersarmut<\/span> Weiterlesen &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6791,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-8027","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8027"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8027\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8029,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8027\/revisions\/8029"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6791"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}