{"id":8204,"date":"2023-07-08T22:26:33","date_gmt":"2023-07-08T21:26:33","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=8204"},"modified":"2023-08-17T16:51:16","modified_gmt":"2023-08-17T15:51:16","slug":"eritrea-ein-stern-in-der-nacht-afrikas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/eritrea-ein-stern-in-der-nacht-afrikas\/","title":{"rendered":"Eritrea \u2013 ein Stern in der Nacht Afrikas"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Hintergr\u00fcnde zu globaler Armut und Flucht. Interview mit dem Dokumentarfilmer Fulvio Grimaldi.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>von Bernd Duschner<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Auffassung von Fulvio Grimaldi soll die besonders gro\u00dfz\u00fcgige Asylgew\u00e4hrung Italiens f\u00fcr Eritreer das Land gezielt seiner jungen Generation berauben und es in seiner Entwicklung behindern. Eine vergleichbare Politik verfolgen EU und Bundesregierung nach Auffassung des italienischen Journalisten und Dokumentarfilmers Fulvio Grimaldi gegen\u00fcber Eritrea. Die s\u00e4kulare Regierung des Landes, in dem neun verschiedene Ethnien, Christen und Moslems friedlich zusammenleben, sieht sich wegen ihrer eigenst\u00e4ndigen Politik seit Jahren mit Wirtschaftssanktionen und Aggressionen durch das benachbarte und von den USA dabei unterst\u00fctzte \u00c4thiopien konfrontiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Asylpolitik ist integraler Bestandteil der Gesamtpolitik der Bundesregierung. Sie wird nicht von humanit\u00e4ren \u00dcberlegungen bestimmt, sondern richtet sich nach den Zielen, die die Bundesregierung gegen\u00fcber den jeweiligen Herkunftsl\u00e4ndern verfolgt. Das wichtigste Kriterium f\u00fcr die Beh\u00f6rden, wie schnell der Antrag eines Fl\u00fcchtlings auf Asyl zu bearbeiten und wie er zu entscheiden ist, ob und wie schnell der Fl\u00fcchtling Zugang zu notwendigen Qualifizierungsma\u00dfnahmen und dem Arbeitsmarkt erh\u00e4lt, ist deshalb sein Herkunftsland.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesregierung wei\u00df genau, dass der Verlust vieler gut ausgebildeter Arbeitskr\u00e4fte zur Destabilisierung eines Landes beitragen und seine Entwicklung verhindern kann. Von dieser Erkenntnis hat sie sich bei ihrer Politik gegen\u00fcber der ihr verhassten fr\u00fcheren DDR stets leiten lassen. Sie hat deshalb daf\u00fcr gesorgt, dass DDR-B\u00fcrgern aus ihrer Flucht in die Bundesrepublik keine materiellen Nachteile entstanden, beispielsweise wegen Beitr\u00e4gen f\u00fcr ihre Altersversorgung, die sie in der DDR geleistet und nicht in die westdeutschen Rentenkassen eingezahlt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge Ende 2014 beschloss, Asylverfahren von syrischen Antragstellern \u201eab sofort priorit\u00e4r in einem vereinfachten Verfahren\u201c ohne m\u00fcndliche Anh\u00f6rung nur auf der Grundlage eines Fragebogens in einer \u201eangestrebten Verfahrensdauer von 11 Tagen\u201c zu bearbeiten (1) und schlie\u00dflich die Bundeskanzlerin im August 2015 entschied, das Dublin-Verfahren zeitweise und ausschlie\u00dflich f\u00fcr Syrer auszusetzen, lagen \u00e4hnliche Motive vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Zusage, syrischen Fl\u00fcchtlingen ohne Einzelfallpr\u00fcfung in k\u00fcrzester Zeit die Anerkennung als Asylbewerber mit Anspruch auf Familienzusammenf\u00fchrung, notwendiger Weiterqualifizierung und Zugang zum Arbeitsmarkt in Deutschland zu geben, sollte dem syrischen Staat in einer \u00e4u\u00dferst kritischen Phase Zehntausende an gut ausgebildeten Fachkr\u00e4ften und dringend ben\u00f6tigten Rekruten entzogen und sein Zusammenbruch beschleunigt werden (3).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine vergleichbare Politik verfolgen EU und Bundesregierung nach Auffassung des italienischen Journalisten und Dokumentarfilmers Fulvio Grimaldi gegen\u00fcber Eritrea. Die s\u00e4kulare Regierung des Landes, in dem neun verschiedene Ethnien, Christen und Moslems friedlich zusammenleben, sieht sich wegen ihrer eigenst\u00e4ndigen Politik seit Jahren mit Wirtschaftssanktionen und Aggressionen durch das benachbarte und von den USA dabei unterst\u00fctzte \u00c4thiopien konfrontiert.<\/p>\n\n\n\n<p><p>Nach Auffassung von Fulvio Grimaldi soll die besonders gro\u00dfz\u00fcgige Asylgew\u00e4hrung f\u00fcr Eritreer das Land gezielt seiner jungen Generation berauben und es in seiner Entwicklung behindern. Nachfolgend das Interview mit dem Titel \u201eEritrea \u2013 wozu Italien der Mut fehlt\u201c(4), das Grimaldi dem italienischen Journalisten Cesare Germoglio im Juli 2017 gegeben hat. Grimaldi kennt das Land bereits seit 1971. Damals hat er K\u00e4mpfer der eritreischen Befreiungsfront zur Zeit der \u00e4thiopischen Besatzungsmacht \u00fcber Monate hinweg begleitet. Im Sp\u00e4therbst m\u00f6chte er mit seinem neuen Film \u201eEritrea, a star in the night of Africa\u201c nach Deutschland kommen.<\/p><p><!--more--><\/p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Interview<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Herr Grimaldi, worin besteht die Sonderstellung Eritreas innerhalb Afrikas und insbesondere hinsichtlich seiner Beziehungen zum Westen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich mit der Situation in Eritrea auseinandersetzt, sollte man immer die Gesamtentwicklung auf dem afrikanischen Kontinent im Auge haben. Afrika erlebt derzeit massive Angriffe vieler M\u00e4chte, die erkannt haben, dass sich dort f\u00fcr die Zukunft ein gro\u00dfes \u00f6konomischen Potential und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr unsch\u00e4tzbare Bereicherung befinden. Afrika hat eine ganze Reihe korrupter Regierungen, die einem neuen Kolonialismus die T\u00fcren ge\u00f6ffnet haben. Deshalb bestehen auch unter politischen und sozialen Gesichtspunkten die Voraussetzungen, Einfluss zu nehmen und davon zu profitieren. Dieser neue Kolonialismus wird mit erneuter Kraft im Wesentlichen von den alten fr\u00fcheren Kolonialm\u00e4chten vorangetrieben. Zus\u00e4tzlich sind jetzt noch die USA in der ersten Reihe ganz vorne mit dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dieser allgemeinen Entwicklung setzt sich Eritrea ein wenig ab. Es nimmt eine Sonderrolle ein, unterscheidet sich von der Mehrheit der afrikanischen Staaten, indem es sich dem Diktat der internationalen politischen und Finanzinstitutionen nicht unterwirft. Das hat dem Land nat\u00fcrlich die Feindschaft der westlichen M\u00e4chte gebracht, die von einer massiven feindseligen Medienkampagne begleitet wird. Der Grund: Dieses Land entspricht nicht der gew\u00fcnschten Vorstellung, dass sich die Regierungen der s\u00fcdlichen Welt unterzuordnen haben. Als einziges afrikanisches Land neben Zimbabwe akzeptiert es keinerlei milit\u00e4rische Pr\u00e4senz der USA auf dem eigenen Territorium. Das Klima, das sich gegen Eritrea gebildet hat, hatte verschiedene Folgen: unter anderem die Sanktionen, die die UN 2009 beschlossen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie kritisch ist aktuell die politische und wirtschaftliche Situation Eritreas?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Sanktionen von 2009 haben die Lage mit Sicherheit verschlechtert. Bei der Beurteilung der Lage darf man allerdings nicht vergessen, dass Eritrea einen Befreiungskrieg hinter sich hat, der \u00fcber 30 Jahre angedauert hat. Die Sanktionen erschweren es Eritrea, f\u00fcr andere L\u00e4nder zu einem Wirtschaftspartner zu werden, ohne dass diese ihrerseits sanktioniert und isoliert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch sieht die Realit\u00e4t anders aus, als die Medien mit ihrer Propaganda sie uns verkaufen wollen: Ein Land, das Geisel einer Diktatur sei. Diese w\u00e4re die Ursache f\u00fcr extreme Armut, der die Bev\u00f6lkerung auf jegliche Weise zu entfliehen versuche. Die Sozialpolitik des Landes ist auf eine gleichm\u00e4\u00dfige Verteilung des Reichtums ausgerichtet, so dass Hunger und Elend beseitigt werden. Es handelt sich um ein Modell sozialer und \u00f6kologischer Gerechtigkeit (5). Wegen seiner Ausstrahlungskraft kann dieses Modell aus der Sicht der r\u00e4uberischen Interessen des neuen Kolonialismus nur Hass hervorrufen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Ursachen hat der gro\u00dfe Zufluss von Fl\u00fcchtlingen aus Eritrea nach Europa?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr sind wirtschaftliche und nicht politische Probleme entscheidend. Die internationalen\u00a0Sanktionen haben die Entwicklung erheblich behindert. In den Jahren nach der Befreiung 1991 bis zur \u00e4thiopischen Aggression 1998\u20132000 (6), die im Auftrag der USA erfolgte, geh\u00f6rten die Wachstumsraten Eritreas zu den h\u00f6chsten in Afrika.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe Eritrea wiederholt bereist. Extremes Elend und Hunger, die man in vielen anderen L\u00e4ndern auf dem Kontinent findet, habe ich nicht angetroffen. Das ist das Verdienst der Regierung. F\u00fcr sie hat die eigenst\u00e4ndige Versorgung und die Unabh\u00e4ngigkeit von den internationalen Organisationen absolute Priorit\u00e4t (7). Das ist Ergebnis einer Politik, die die Grundversorgung der Bev\u00f6lkerung an die oberste Stelle setzt und wodurch es folglich nur geringe Ungleichheiten gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl das Land mit schwierigen Problemen konfrontiert ist, mit Angriffskriegen, wirtschaftlicher und diplomatischer Isolierung, dem Mangel an Handelsaustausch \u2013 au\u00dfer mit einigen arabischen L\u00e4ndern, die sich um die internationalen Sanktionen nicht k\u00fcmmern (8) \u2013, ist in allen Teilen Eritreas keine extreme Armut zu sehen. Diese Isolierung des Landes verhindert jedoch, dass der Arbeitsmarkt der jungen Generation ausreichend Arbeitspl\u00e4tze zur Verf\u00fcgung stellen kann und hat einen beachtlichen Strom an Auswanderern geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Statistiken wird die Emigration zudem durch einen zus\u00e4tzlichen Faktor aufgebl\u00e4ht. Weil die Kolonialm\u00e4chte das Land seiner besten Kr\u00e4fte berauben wollen, wird Fl\u00fcchtlingen aus Eritrea \u2013 und nur ihnen \u2013 in Europa automatisch Asyl gew\u00e4hrt (9). Deshalb behaupten auch viele Fl\u00fcchtlinge aus den Nachbarl\u00e4ndern \u00c4thiopien, Ghibuti und Somalia, die gro\u00dfe ethnische, sprachliche und kulturelle N\u00e4he aufweisen, die eritreische Staatsb\u00fcrgerschaft zu besitzen. Sie m\u00f6chten dadurch Rechte erhalten, die ihnen andernfalls nicht gew\u00e4hrt w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Faktor ist der nat\u00fcrliche Wunsch nach Familienzusammenf\u00fchrung mit der ersten Generation eritreischer Fl\u00fcchtlinge, die in unser Land [gemeint ist Italien; Red.] vor allem in den 70er Jahren gekommen sind. Sie waren vor den Bombardierungen und der Repression durch das Regime in \u00c4thiopien geflohen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Der eritreische Au\u00dfenminister hat vor kurzem gro\u00dfes Interesse an der Intensivierung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen und der Beziehungen zu Unternehmen der fr\u00fcheren italienischen Kolonialmacht gezeigt. Er hat in unserem Land allerdings kein aufmerksames Geh\u00f6r gefunden. Sollte es tats\u00e4chlich so sein: welche Chancen verspielen wir damit?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist mit Sicherheit so. Das ist eine gro\u00dfe historische Schande f\u00fcr Italien, das gegen\u00fcber Eritrea eine gewaltige Schuld hat. Wir waren eine ausgepr\u00e4gt r\u00e4uberische Kolonialmacht, ziemlich r\u00fccksichtslos und mit einer Politik, die an die Apartheid in S\u00fcdafrika erinnert. Sicher haben wir auch zu einer gewissen Entwicklung des Landes im Bereich St\u00e4dtebau, Landwirtschaft und der Leichtindustrie beigetragen, aber immer und in erster Linie zum Nutzen der b\u00fcrgerlichen italienischen Klassen, die die Kolonialisierung betrieben haben. Die einheimische Bev\u00f6lkerung hatte keinen Zugang zu h\u00f6heren Bildung, sie durfte keine h\u00f6here als die 4. Klasse der Grundschule besuchen, sie hatte innerhalb der eigenen Ghettos zu bleiben und nur Zugang zu den niedrigsten Arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Regierungen der Nachkriegszeit sind daf\u00fcr verantwortlich, dass Eritrea die ihm geschuldeten und auch n\u00fctzlichen Beziehungen von Freundschaft und Zusammenarbeit verweigert wurden. Angesichts der gro\u00dfen geostrategischen und geo\u00f6konomischen M\u00f6glichkeiten, die Eritrea mit seiner zentralen strategischen Lage am Roten Meer und der Meeresenge von Bab-el-Mandeb bietet, ist eine solche Politik gegen unsere eigenen Interessen gerichtet. Bab-el-Mandeb \u00f6ffnet den Weg nach dem Osten, ist eine Art Br\u00fccke zwischen dem Mittleren Osten, Asien, Europa und Afrika. Abgesehen davon ist Eritrea reich an nat\u00fcrlichen Ressourcen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil wir uns den multinationalen Konzernen und westlichen Machtzentren unterwerfen, haben wir nicht den Mut und die Kraft gehabt, unsere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine privilegierte Partnerschaft mit einem Land wahrzunehmen, das eine Schl\u00fcsselrolle am Horn von Afrika spielt, und daraus Vorteile zu ziehen. Es sind das die gleichen Kr\u00e4fte, die den Sturz von Ghaddafi in Libyen verursacht haben, einem anderen Land, mit dem Italien privilegierte wirtschaftliche Beziehungen, vor allem im Energiebereich, hatte. Indem wir uns dem Vernichtungskrieg, den Frankreich, USA und Nato in Gang gesetzt hatten, angeschlossen haben, haben wir nicht nur den Frieden in unserer Region und die weitere Existenz dieses gro\u00dfen Landes in Gefahr gebracht, sondern auch unseren eigenen Interessen einen Schaden zugef\u00fcgt, der vielleicht nie mehr gut zu machen ist. Unsere Positionen haben andere \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Italien und Eritrea w\u00fcrde doch gut zu der bekannten Forderung des \u201eHelfen wir Ihnen zuhause vor Ort\u201c passen. Wie stark k\u00f6nnte sie zur Eind\u00e4mmung der Migrationsstr\u00f6me beitragen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bereits die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen w\u00fcrde die Migration junger Eritreer nach Europa auf eine vernachl\u00e4ssigbare Gr\u00f6\u00dfe reduzieren. Deshalb sollten wir aufh\u00f6ren, zu versuchen, anderen L\u00e4ndern unsere Modelle politischer und institutioneller Ordnung aufzuzwingen. Die Geschichte zeigt, dass der Westen unter diesem Vorwand und mit dem Vorwand, die Menschenrechte zu verteidigen, mehrfach ein Desaster angerichtet hat, anstatt Probleme zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Kern: Um ihnen zu Hause zu helfen, um zu verhindern, dass Eritrea und Afrika ihrer jungen Generationen, ihrer besten Kr\u00e4fte, ihrer Zukunft beraubt werden und damit sich die afrikanischen L\u00e4nder nicht schutzlos f\u00fcr die koloniale Auspl\u00fcnderung zur Verf\u00fcgung stellen m\u00fcssen, m\u00fcsste man nur aufh\u00f6ren, ihnen diktieren zu wollen, was sie zu tun haben. Ihre Unabh\u00e4ngigkeit und Entscheidungsfreiheit muss respektiert werden. Zusammenarbeit unter Respektierung ihrer Unabh\u00e4ngigkeit und Entscheidungsfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkungen des \u00dcbersetzers:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Mit seinem Beschluss http:\/\/www.frsh.de\/fileadmin\/beiboot\/BB20\/BB-20-6-Anlage.pdf. ist das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge der Entscheidung der Innenminister von Bund und L\u00e4nder vom 17.10.2014 nachgekommen, die Bearbeitung von Asylantr\u00e4gen von Fl\u00fcchtlingen aus \u201eextrem unsicheren Herkunftsl\u00e4ndern\u201c zu beschleunigen, weil diese \u201egrunds\u00e4tzlich und m\u00f6glichst schnell ihre Anerkennung erhalten sollen\u201c. Erhellend ist in diesem Zusammenhang auch der Artikel \u201eAnsturm auf die Botschaft\u201c in Spiegel Online vom 14.8.2015 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-138148066.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-138148066.html<\/a>.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Seit 2011 hat die deutsche Bundesregierung auf EU-Ebene umfassende Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen Syrien durchgesetzt. Sie sollen erkl\u00e4rterma\u00dfen die Wirtschaft dieses Landes lahmlegen und seine Bev\u00f6lkerung ins Elend und zum Aufstand gegen die eigene Regierung treiben. Ihre Wirkung auf Energie- und Lebensmittelversorgung, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen wird durch gezielte Angriffe auf lebenswichtige Versorgungseinrichtungen durch ISIS und Al Nusra noch verst\u00e4rkt. Trotz der Not der syrischen Bev\u00f6lkerung und obwohl die Sanktionen selbst die Arbeit von Hilfsorganisationen weitgehend verhindern, weigert sich die Bundesregierung bis heute, die Sanktionen aufzuheben. Auch daran wird deutlich, dass es ihr zum keinen Zeitpunkt um eine Verbesserung der Lebensbedingungen der syrischen Bev\u00f6lkerung ging.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Nach dem Fall von Idleb im M\u00e4rz und von Palmyra im Mai 2015 schien der Zusammenbruch des v\u00f6llig ersch\u00f6pften syrischen Staates nur noch eine Frage von wenigen Wochen zu sein. Der Korrespondent Christoph Ehrhardt \u00fcberschrieb seinen Bericht in der FAZ vom 19.9.2015 jubelnd: \u201eAssads Armee gehen die M\u00e4nner aus\u201c. Wolfgang Ischinger, Chef der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz, wollte die durch Bewaffnung von Terrorgruppen und Sanktionen von den Nato-Staaten selbst verursachte Fl\u00fcchtlingswelle analog wie 1999 im Kosovo zum Vorwand f\u00fcr ein milit\u00e4risches Eingreifen der Bundeswehr nehmen. \u201eWer sich dazu nicht aufrafft, darf sich nicht wundern, wenn weitere hunderttausende oder Millionen Fl\u00fcchtlinge bei uns landen.\u201c (Spiegel Online, 15.9.2015). Das Eingreifen der russischen Luftwaffe seit dem am 30. September 2015 hat den Pl\u00e4nen f\u00fcr einen \u201eregime-change\u201c in Damaskus einen Strich durch die Rechnung. Seitdem nimmt die Bundesregierung ihre \u201eGro\u00dfz\u00fcgigkeit\u201c gegen Fl\u00fcchtlingen aus Syrien schrittweise zur\u00fcck.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Das Original-Interview findet sich auf dem Blogg von Fulvio Grimaldi: <a href=\"http:\/\/fulviogrimaldi.blogspot.de\/2017\/07\/eritrea-la-dove-litalia-non-ha-coraggio.html\">http:\/\/fulviogrimaldi.blogspot.de\/2017\/07\/eritrea-la-dove-litalia-non-ha-coraggio.html<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Laut dem UN Health Milennium Development Goals Report von 2014 hat Eritrea seit seiner Unabh\u00e4ngigkeit beeindruckende Erfolge im Gesundheitswesen erreicht: Die Kindersterblichkeit bei unter 5-J\u00e4hrigen konnte von 150 (1990) auf 50 (2013), die M\u00fcttersterblichkeit von 1700 auf 380 bei 100.000 Geburten reduziert werden. Au\u00dfergew\u00f6hnliche Erfolge hat das Land bei der Bek\u00e4mpfung von HIV, Tuberkulose und Malariaerkrankungen vorzuweisen. In seinem Film zu Eritrea verweist Fulvio Grimaldi auch auf folgende Zahlen: Durchschnittliche Lebenserwartung 68 Jahre (2016) gegen\u00fcber 49 Jahre 1993, Alphabetisierungsrate 82% (2016) gegen\u00fcber 20% (1991), Zugang zu sauberen Trinkwasser 80% (2014) gegen\u00fcber 30% 1991, Anbindung an das Stromnetz 38% (2014) gegen\u00fcber 20% (1991). \u00dcber gro\u00dfe Fortschritte in der Stellung und den Rechten der Frauen berichtet Eritrea-Kenner Hans-Ulrich Stauffer in seinem Buch \u201eEritrea \u2013 der zweite Blick\u201c: Klitorisbeschneidung wurde 2007 verboten und unter Strafe gestellt. Das Heiratsalter wurde auf 18 Jahre festgesetzt. Eine Ehe kann auf Antrag von Mann oder Frau geschieden werden. Der bezahlte Schwangerschaftsurlaub betr\u00e4gt mittlerweile 60 Tage. Der Schwangerschaftsabbruch bei Vergewaltigung und sowie Gef\u00e4hrdung der Gesundheit der Frau wurde legalisiert. Frauen besetzen inzwischen 3 von 17 Ministerposten (ebenda, Seite 191\/2)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>\u00c4thiopien weigert sich bis heute, die Grenzlinie zu Eritrea anzuerkennen und h\u00e4lt unver\u00e4ndert Teile seines Nachbarlandes besetzt, wie auch die regierungsnahe \u201eStiftung Wissenschaft und Politik\u201c best\u00e4tigt. Es gilt jedoch als enger Verb\u00fcndeter des Westens im \u201eKrieg gegen den Terror\u201c. \u201eBei Repressionen, Menschenrechtsverletzungen und antidemokratischen Ma\u00dfnahmen der Regierung dr\u00fcckt man zumeist ein Auge zu\u201c, so verst\u00e4ndnisvoll die Stiftung (SWP-Aktuell 64, Juli 2015).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wichtigster Handelspartner Eritreas ist heute die Volksrepublik China. Mit einem Gesamtexport von 424 Millionen und Importen von 342 Millionen Dollar wies das Land 2015 einen Handelsbilanz\u00fcberschuss aus (s. http:\/\/atlas.media.mit.edu\/en\/profile\/country\/eri\/). Laut deutschem Ausw\u00e4rtigen Amt nimmt die Volksrepublik China in dem Land, das es bereits w\u00e4hrend seines Befreiungskrieges unterst\u00fctzt hatte, eine politisch und wirtschaftlich (Bau-, Telekommunikations-, Gesundheits- und Bergbausektor) herausgehobene Stellung ein.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Eine zentrale Rolle beim Aufbau Eritreas spielt der Nationale Sozialdienst. Er dient der nationalen Verteidigung, der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und der Integration der Bev\u00f6lkerung mit ihren neun verschiedenen Ethnien. Er dauert insgesamt18 Monate. An eine milit\u00e4rische Ausbildung von 6 Monaten schlie\u00dft sich ein Zivildienst an, der u.a. bei staatlichen Bauprojekten, Bau von Staud\u00e4mmen, dem Anlegen von Brunnen, der Aufforstung, in Landwirtschaft und Bergbau, Gesundheits- und Bildungswesen geleistet wird. Angesichts der anhaltenden Bedrohungen durch das 15-fach bev\u00f6lkerungsreichere \u00c4thiopien kommt es auch zu wiederholten bzw. l\u00e4ngeren Einberufungen. Wegen seiner gro\u00dfen Bedeutung f\u00fcr den Aufbau des Landes, die aus eigener Kraft erfolgt, steht der Nationale Sozialdienst im Mittelpunkt der Verleumdungen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die \u201ebereinigte Gesamtschutzquote\u201c betrug 2016 in der Bundesrepublik Deutschland f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge aus Eritrea 99,3 %. Die besonders begehrte Rechtsstellung als Fl\u00fcchtling (\u00a7 3 Abs.1AsylG, Art. 16aGG) mit Aufenthaltsrecht f\u00fcr drei Jahre, unbegrenzten Arbeitsmarktzugang und Anspruch auf privilegierten Familiennachzug erhielten 81%. F\u00fcr Fl\u00fcchtlinge aus dem Kriegsland Afghanistan betrug die \u201ebereinigte Gesamtschutzquote zum Vergleich nur 60,5%. Die Rechtsstellung als Fl\u00fcchtling erhielten nur 22%. (siehe Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE, Bundesdrucksache Nr. 18 \u2013 11262 vom 21.02.2017).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><em>Bernd Duschner, Jahrgang 1951, studierte Volkswirtschaft und Italienisch. Bis zu seiner Pensionierung war er Firmenkundenbetreuer f\u00fcr eine gro\u00dfe Versicherungsgesellschaft. Seit Jahrzehnten ist er aktiv in der Friedensbewegung und leitet den Verein \u201eFreundschaft mit Valjevo e.V.\u201c in der bayerischen Kreisstadt Pfaffenhofen<\/em><\/p>\n\n\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_8204 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_8204')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_8204').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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