{"id":8254,"date":"2023-07-26T10:20:58","date_gmt":"2023-07-26T09:20:58","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=8254"},"modified":"2023-07-31T18:44:40","modified_gmt":"2023-07-31T17:44:40","slug":"die-broeckelnde-vierte-saeule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/die-broeckelnde-vierte-saeule\/","title":{"rendered":"Die br\u00f6ckelnde \u201evierte S\u00e4ule\u201c \/Teil 1"},"content":{"rendered":"<header class=\"header-normal\">\n<div class=\"header-content\">\n<p><em>Quelle Beitragsbild: Andrey_Popov\/Shutterstock.com<\/em><\/p>\n<p><strong>Die \u00d6ffentlich-Rechtlichen sind l\u00e4ngst keine St\u00fctzen der Demokratie mehr \u2014 anstatt ihre Abschaffung zu fordern, sollten wir darauf bestehen, dass sie ihren Job machen. Teil 1\/2.<\/strong><\/p>\n<div class=\"article-meta\">\n<p><em>Beitrag von Dieter Korbely und Beate Strehlitz<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"article-teaser\">\n<p><strong>Nachdem wir die Weiterentwicklung des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks zu einer \u00f6ffentlich-rechtlichen Medienplattform in dem Artikel \u201eGEZ, ARD, ZDF abschaffen? Nein, neu erfinden!\u201c (1) vorgeschlagen haben, sprachen sich viele in den Kommentaren f\u00fcr die Abschaffung der \u201eZwangsgeb\u00fchren\u201c oder die Zerschlagung des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks aus. Nur selten wurden Vorschl\u00e4ge gemacht, wie der gemeinwohlorientierte \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk in einer besseren Zukunft funktionieren k\u00f6nnte. Im Folgenden fragen wir anhand einer Reihe von Beispielen, ob die bisher diskutierten Reformbem\u00fchungen ausreichen werden, den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk wieder zu der starken vierten S\u00e4ule der Demokratie zu machen, die er sein sollte. Das Modell des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks ist ein tragf\u00e4higes Konzept f\u00fcr die Zukunft, wenn es seinem Sinn entsprechend ausgestaltet wird.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/header>\n<div class=\"article\">\n<div class=\"article-content\">\n<p>Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein Rundfunkmodell, genauso wie die parlamentarische Demokratie ein Gesellschaftsmodell ist. Es gibt den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk als Rechtsform, und es gibt die ARD mit ihren neun Landesrundfunkanstalten sowie das ZDF, die lediglich die Sendeanstalten des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunksystems sind. Das ist ein wesentlicher Unterschied.<\/p>\n<p>Die Existenz des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks ist durch das gesetzlich verankerte duale Rundfunksystem abgesichert (2), die Existenz bestimmter Sendeanstalten des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkmodells dagegen nicht. Das duale Rundfunksystem stellt die Beziehung zwischen \u00f6ffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk dar, die sich im Wesentlichen in der Finanzierung unterscheiden: gemeinschaftsfinanziert und zu gesellschaftlichem Nutzen verpflichtet versus werbefinanziert und kommerziell. Die \u00f6ffentlich-rechtlichen Anstalten m\u00fcssen die \u00f6ffentliche Aufgabe der Grundversorgung durch Sicherung der Meinungsvielfalt, inhaltliche Standards und allgemeine Empfangbarkeit wahrnehmen (2).<\/p>\n<p>Die gemeinschaftliche Finanzierung durch die B\u00fcrger sichert die Unabh\u00e4ngigkeit des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks als Voraussetzung f\u00fcr Multipolarit\u00e4t und Staatsferne. Eine Steuerfinanzierung, wie k\u00fcrzlich in Frankreich eingef\u00fchrt, w\u00fcrde die Unabh\u00e4ngigkeit und Staatsferne begraben.<\/p>\n<blockquote><p>F\u00fcr eine funktionierende demokratische Gesellschaft brauchen wir aber unabh\u00e4ngige Medien als Voraussetzung f\u00fcr den breiten gesellschaftlichen Diskurs. Deshalb muss das System des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks erhalten bleiben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ob die Sendeanstalten noch das Potenzial f\u00fcr eine Reform haben, die sie zur Erf\u00fcllung ihres Auftrags nach Medienstaatsvertrag bef\u00e4higen kann, oder ob eine Zerschlagung und Neugr\u00fcndung erforderlich ist, steht zur Debatte. Das ist auch davon abh\u00e4ngig, wie die im \u00f6ffentlich-rechtlichen Mediensystem besch\u00e4ftigten Menschen agieren werden.<\/p>\n<p><strong>Mitarbeiter und Beitragszahler haben ein Mitspracherecht<\/strong><\/p>\n<p>Forderungen nach Ver\u00e4nderung der \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien wurden in den vergangenen Jahren immer lauter. Seit kurzer Zeit kommen sie auch aus dem Inneren der Medienh\u00e4user, von den Mitarbeitern. Sp\u00e4testens seit der Rede des ehemaligen ARD-Intendanten Tom Buhrow Anfang November im \u00dcbersee-Club Hamburg (3) ist die dringende Notwendigkeit der Reform der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender ein breit diskutiertes Thema. Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Reformen werden von vielen Seiten pr\u00e4sentiert und reichen von der Einsparung am Programmbudget \u00fcber die Begrenzung der Anzahl an Sendern bis zur Umgestaltung der Sender in Medien-Plattformen. Allerdings greift die gesamte Diskussion bis jetzt noch viel zu kurz, da sie lediglich auf Budget- und Strukturver\u00e4nderungen zielt.<\/p>\n<p>So pr\u00e4sentierte Buhrows Nachfolger Kai Gniffke in einem Interview im Medientage Mitteldeutschland Podcast #114 (4) ausschlie\u00dflich Ideen zu Einsparungen im Programm, indem Sendungen zu bestimmten Themenfeldern der dritten Programme \u2014 zum Beispiel Verbraucherschutz und Gesundheit \u2014 zentral produziert werden, oder zur Einsparung von Verwaltungskosten, indem beispielsweise Reisekostenabrechnungen zentral an einer Stelle f\u00fcr alle ARD-Anstalten erledigt werden. Zur journalistischen Qualit\u00e4t sieht er keine Notwendigkeit einer Reform, allerdings wurde dies vom Interviewer auch nicht thematisiert. <!--more--><\/p>\n<p>Die Beitragszahler und die Mitarbeiter in den Sendeanstalten werden bisher noch gar nicht in die Reform-Debatte einbezogen. Im vergangenen Herbst entzogen beispielsweise 96 NDR-Mitarbeiter der F\u00fchrungsspitze ihrer Sendeanstalt das Vertrauen, als sie in einem Offenen Brief im Rahmen der Diskussion um politische Einflussnahme das Vorhandensein von Filtern bei der Berichterstattung beklagten. Sie warfen ihren F\u00fchrungskr\u00e4ften vor, sich wie die Pressesprecher der Ministerien zu benehmen (5). Dass dieser Vorgang im NDR zu verzeichnen war, ist interessant, denn der Sender produziert die Tagesschau. Aber hat der Offene Brief zu Konsequenzen gef\u00fchrt? Hat sich die journalistische Qualit\u00e4t der Tagesschau-Berichterstattung verbessert?<\/p>\n<p>Ein Zukunftsrat f\u00fcr ARD und ZDF wurde von den Bundesl\u00e4ndern eingesetzt, um sich Gedanken zur Reform des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks zu machen. Aber weder eine Mitarbeitervertretung noch Vertreter der Beitragszahler sind darin vertreten. F\u00fcr den Dialog mit den B\u00fcrgern bieten sich Runde Tische als bew\u00e4hrtes Instrument der Demokratie an. Sie werden allerdings von Kai Gniffke, der zum Jahreswechsel 2022\/23 das Amt des ARD-Intendanten von Tom Buhrow \u00fcbernahm, einfach abgelehnt (6).<\/p>\n<blockquote><p>Solange es keine Gespr\u00e4che auf Augenh\u00f6he zwischen den B\u00fcrgern, den Verantwortlichen der Sendeanstalten und deren Mitarbeitern gibt, und solange die \u201eReform\u201c-Bem\u00fchungen nur an der Oberfl\u00e4che kratzen, verlieren die Sender des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks immer mehr Vertrauen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ihr Ansehen ist in der Bev\u00f6lkerung schon sehr besch\u00e4digt. So sprachen sich 35 Prozent der Befragten einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos im November 2022 f\u00fcr eine vollst\u00e4ndige Abschaffung des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland aus. F\u00fcr Einsparungen durch Zusammenlegung von ARD und ZDF stimmten ebenfalls 35 Prozent. Nur 30 Prozent erwarten wie bisher je ein eigenst\u00e4ndiges Fernseh- und Online-Programm der beiden Sender (7).<\/p>\n<p>Das Stimmungsbild der Ipsos Umfrage ist nicht verwunderlich, wenn man an die im vergangenen Jahr vor allem aus dem RBB und dem NDR publik gewordenen Skandale denkt, die G\u00fcnstlingswirtschaft, horrende Honorare und Sondergeh\u00e4lter zutage f\u00f6rderten. Finanzielle Bereicherung auf Kosten der Geb\u00fchrenzahler, legal oder illegal, passiert schon lange. So wird \u00fcber Auftr\u00e4ge an Produktionsfirmen oder das Outsourcing ganzer Sendeformate in gro\u00dfem Umfang Geld aus dem System gezogen. Beispielsweise kostete eine Sendung der Talkrunde Anne Will, produziert durch die Will Media GmbH, im Jahr 2019 145.140 Euro. Gleichzeitig betrug der Bilanzgewinn der Will Media GmbH f\u00fcr das Jahr 2019 1.646.134 Euro (8). Wie ist es m\u00f6glich, dass externe Firmen Gewinn aus Produktionen f\u00fcr den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk generieren, auf Kosten der Geb\u00fchrenzahler?<\/p>\n<p><strong>Externe Produktionsfirmen und Altersversorgung ziehen Geld aus dem System<\/strong><\/p>\n<p>Das Modell der Beauftragung externer Produktionsfirmen nutzte der fr\u00fchere Produktionsleiter des Kinderkanals KiKa Marco Kirchhof in besonders krasser illegaler Weise, indem er \u00fcber zehn Jahre lang fingierte Rechnungen schreiben lie\u00df. Geb\u00fchrengelder in H\u00f6he von fast 10 Millionen Euro flossen in seine eigene Tasche, um seine Spielsucht zu befriedigen. Im Gegenzug sorgte er daf\u00fcr, dass die Produktionsfirmen weiterhin Auftr\u00e4ge beim KiKa bekamen, aber ein betr\u00e4chtlicher Teil des Geldes floss an ihn zur\u00fcck (9). Er flog im Jahr 2010 auf und sa\u00df viereinhalb Jahre im Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Jetzt brachte er ein Buch mit dem Titel \u201eWo ist das Geld nur geblieben?\u201c (10) heraus, in dem er sein Vorgehen und sein Leben mit dem Betrug beschreibt. Er deckt damit Schwachstellen im System der \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien als systemisches Problem auf, in dem es kein funktionierendes Kontrollsystem gibt. Er nutzte die Schwachstellen des Systems mit krimineller Energie aus. Explizit erw\u00e4hnt er die starren Hierarchien und die Kultur des Wegschauens (9). Dass diese \u00fcber Jahrzehnte eingeschliffenen, praktisch in die DNA der Sender des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks eingebauten Fehler sich nicht so einfach heilen lassen, zeigen die aktuellen Skandale der veruntreuten Gelder zum Beispiel beim RBB. Sie werden sich mit den bisherigen Reformvorschl\u00e4gen nicht \u00fcberwinden lassen; hier sind einschneidendere Ver\u00e4nderungen erforderlich.<\/p>\n<p>Ein \u201ehei\u00dfes Eisen\u201c ist in diesem Sinne der immer wieder kritisierte hohe Anteil der Rundfunkgeb\u00fchren, der f\u00fcr die betriebliche Altersversorgung verwendet wird. Selbst die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) weist in ihrem im Jahr 2022 erschienenen 23. Bericht f\u00fcr die Jahre 2021 bis 2024 nach, dass 8,2 Prozent vom gesamten Rundfunkbeitrags-Aufkommen in die betriebliche Altersvorsorge in den Sendern flie\u00dft (11). Vom Geld der Beitragszahler soll das Programm finanziert werden, f\u00fcr die Altersversorgung der Mitarbeiter sind nicht die Beitragszahler zust\u00e4ndig. Das wurde von der KEF schon mehrfach kritisiert (12). Gegen\u00fcber dem Zeitraum von 2017 bis 2020 ist der Bedarf f\u00fcr die Altersvorsorge im Zeitraum 2021 bis 2024 sogar noch angestiegen (11).<\/p>\n<p>Dies ist insbesondere auf die Deckungsl\u00fccke durch niedrige Zinsen in dem Zeitraum f\u00fcr die Deckungsst\u00f6cke der Vorsorgewerke, wo das Geld f\u00fcr die betriebliche Altersversorgung der Mitarbeiter angelegt ist, zur\u00fcckzuf\u00fchren. Diese von der KEF bem\u00e4ngelte Deckungsstockl\u00fccke erfordert h\u00f6here R\u00fccklagen. Dadurch werden die bisherigen Reformbem\u00fchungen der Sendeanstalten zur Senkung der Altersvorsorgekosten unwirksam. Neu abgeschlossene Tarifvertr\u00e4ge sehen weniger Betriebsrente f\u00fcr neue Mitarbeiter vor. Inwieweit die au\u00dfertariflichen Vertr\u00e4ge der F\u00fchrungsetagen in diese Reform einbezogen sind, bleibt unklar. Dort flie\u00dfen noch erheblich h\u00f6here Pensionsbez\u00fcge und Ruhegeh\u00e4lter als bei den tariflichen Mitarbeitern.<\/p>\n<p>So bezifferte die Ende Oktober aus ihrem Amt scheidende MDR-Intendantin Karola Wille bereits 2016 ihre kommende monatliche Rente mit 17.187 Euro. Maximal 75 Prozent ihres letzten Grundgehaltes st\u00fcnden ihr als Rente zu (12). Zum Vergleich: Das Niveau der von der Deutschen Rentenversicherung gezahlten Rente liegt nach 45 Arbeitsjahren bei circa 48 Prozent (13). Die Bez\u00fcge von Karola Wille sind hier nur ein Beispiel; Intendanten der westlichen Sendeanstalten wie WDR, BR, NDR, SWR und HR erhalten noch mehr Geld und entsprechend h\u00f6here Altersbez\u00fcge.<\/p>\n<p>Die KEF hat jedoch auch generell den \u201edeutlichen Verg\u00fctungsvorsprung aller Anstalten gegen\u00fcber dem \u00f6ffentlichen Sektor\u201c kritisiert (12). Das hei\u00dft, beim geb\u00fchrenfinanzierten \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk werden noch deutlich h\u00f6here Geh\u00e4lter bezahlt als beim steuerfinanzierten \u00f6ffentlichen Dienst. Die KEF ist diesem Umstand bei ihrer letzten Entscheidung ein wenig entgegengetreten und hat den von den Rundfunkanstalten gemeldeten Finanzbedarf f\u00fcr Personal f\u00fcr die Jahre 2021 bis 2024 um 60,3 Millionen Euro gek\u00fcrzt.<\/p>\n<p><strong>Journalismus oder PR f\u00fcr die Politik \u2014 beides gleichzeitig geht nicht<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Meldungen \u00fcber Journalisten aus den \u00f6ffentlich-rechtlichen Sendern, die Zahlungen aus Ministerien erhielten, sind ein pikantes Thema. Dabei ging es unter anderem um Moderatoren-T\u00e4tigkeiten. Einerseits kann es durchaus sinnvoll sein, bei einer Diskussionsrunde prominenter Entscheidungstr\u00e4ger einen professionellen Journalisten als Moderator zu verpflichten, andererseits d\u00fcrfen solche Situationen nicht systematisch werden. Es sollte sich dabei nicht um \u00f6ffentlich-rechtliche Journalisten handeln, die wiederholt solche Auftr\u00e4ge annehmen, aber ihre eigene Staatsferne betonen, und besonders im Fokus der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit stehen (14).<\/p>\n<blockquote><p>Das Bundespresseamt besch\u00e4ftigt 480 eigene Mitarbeiter, verpflichtet aber immer wieder Journalisten aus den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien, um beispielsweise Videobeitr\u00e4ge zu produzieren, die f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeitsarbeit der Regierung verwendet werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Solche Videobeitr\u00e4ge sind PR f\u00fcr die Politiker und haben mit journalistischer Arbeit als Kontrollinstanz staatlichen Handelns nichts zu tun. Ein Beispiel daf\u00fcr ist ein ZDF-Journalist, der Filme \u00fcber die Auslandsreisen von Angela Merkel, ein Portr\u00e4t des Bundespresseamts und einen Bericht \u201eImpfschutz f\u00fcr die Pflege\u201c produziert hat (15). Der Journalist erhielt daf\u00fcr in einem Zeitraum von knapp drei Jahren 32.367 Euro (16).<\/p>\n<p>Die Frage ist, inwieweit die journalistische Unabh\u00e4ngigkeit beeintr\u00e4chtigt wird, wenn der Journalist unabh\u00e4ngig und staatsfern f\u00fcr einen \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender arbeiten soll, und gleichzeitig f\u00fcr die Politik, die er zu kritisieren und zu kontrollieren hat, PR-Auftr\u00e4ge ausf\u00fchrt, in denen er seine Auftraggeber im besten Licht erscheinen lassen muss. Das ist zumindest ein Interessens-, ganz sicher aber ein Gewissenskonflikt.<\/p>\n<p>Neben dem Bundespresseamt gibt es in den einzelnen Ministerien eigene Presseabteilungen, die seit geraumer Zeit massiv aufgestockt werden. Ihre Aufgabe ist unter anderem, die Meldungen aus den Ministerien, die unter die Leute gebracht werden sollen, den Journalisten fertig aufbereitet \u201eauf dem Silbertablett zu pr\u00e4sentieren\u201c, so dass diese gar nicht mehr selbst recherchieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In dem Zusammenhang muss auch an die Fortschritte bei der Entwicklung von KI-Textgeneratoren gedacht werden. Beide Entwicklungen haben zun\u00e4chst nichts miteinander zu tun, bergen aber beide die Gefahr, dass in Zukunft noch weniger Journalisten gebraucht werden. Es sei denn, die journalistischen Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche werden dem Pressekodex und Medienstaatsvertrag entsprechend wieder durchgesetzt. Diese erforderliche Qualit\u00e4t kann nicht durch Weiterreichen der Regierungsverlautbarungen und KI-Texte erreicht werden. Daf\u00fcr wird der denkende Mensch mit seinem ethischen Handeln ben\u00f6tigt.<\/p>\n<hr>\n<p><strong>Quellen und Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n<p>(1) Free 21, Beate Strehlitz, Volkmar Krei\u00df und Dieter Korbely \u201eGEZ, ARD, ZDF abschaffen? Nein, neu erfinden!\u201c, am 01.11.2022, <a href=\"https:\/\/free21.org\/gez-ard-zdf-abschaffen-nein-neu-erfinden\/\">https:\/\/free21.org\/gez-ard-zdf-abschaffen-nein-neu-erfinden\/<\/a> | Rubikon, Dieter Korbely, Volkmar Krei\u00df und Beate Strehlitz \u201eDie Neuerfindung der \u00d6ffentlich-Rechtlichen\u201c, am 16.11.2022, <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/die-neuerfindung-der-offentlich-rechtlichen\">https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/die-neuerfindung-der-offentlich-rechtlichen<\/a> | Apolut, Dieter Korbely, Volkmar Krei\u00df und Beate Strehlitz \u201eDie Neuerfindung der \u00d6ffentlich-Rechtlichen\u201c, am 19.11.2022, <a href=\"https:\/\/apolut.net\/die-neuerfindung-der-oeffentlich-rechtlichen-von-dieter-korbely-volkmar-kreiss-beate-strehlitz\/\">https:\/\/apolut.net\/die-neuerfindung-der-oeffentlich-rechtlichen-von-dieter-korbely-volkmar-kreiss-beate-strehlitz\/<\/a><br \/>\n(2) Wikipedia \u201e4. Rundfunk-Urteil, zuletzt bearbeitet am 04.10.2022, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/4._Rundfunk-Urteil\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/4._Rundfunk-Urteil<\/a><br \/>\n(3) Frankfurter Allgemeine, Michael Hanfeld \u201eTom Buhrow ruft die Revolution aus\u201c, am 02.11.2022, <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/zur-zukunft-von-ard-und-zdf-chef-tom-buhrow-fuer-grosse-reform-18431654.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/zur-zukunft-von-ard-und-zdf-chef-tom-buhrow-fuer-grosse-reform-18431654.html<\/a><br \/>\n(4) Medientage Mitteldeutschland Podcast #114 \u201eWie sieht die Zukunft der ARD aus, Kai Gniffke?\u201c, am 14.04.2023, <a href=\"https:\/\/feeds.podcastproduzenten.de\/medientage-mitteldeutschland\/114-wie-sieht-die-zukunft-der-ard-aus-kai-gniffke\/\">https:\/\/feeds.podcastproduzenten.de\/medientage-mitteldeutschland\/114-wie-sieht-die-zukunft-der-ard-aus-kai-gniffke\/<\/a><br \/>\n(5) Moin.de, Redaktion \u201eNDR: Rund 100 Mitarbeiter verfassen Brief \u2014 was drinsteht, ist hochbrisant\u201c, am 24.09.2022, <a href=\"https:\/\/www.moin.de\/norddeutschland\/ndr-kiel-vorwuerfe-hefredakteur-norbert-lorentzen-joachim-knuth-a-id300006418.html\">https:\/\/www.moin.de\/norddeutschland\/ndr-kiel-vorwuerfe-hefredakteur-norbert-lorentzen-joachim-knuth-a-id300006418.html<\/a><br \/>\n(6) Horizont, HORIZONT Online \/ dpa \u201eWarum der neue ARD-Chef eine Fusion mit dem ZDF ablehnt\u201c, am 01.01.2023, <a href=\"https:\/\/www.horizont.net\/medien\/nachrichten\/kai-gniffke-warum-derneue-ard-chef-eine-fusion-mit-dem-zdf-ablehnt-205115\">https:\/\/www.horizont.net\/medien\/nachrichten\/kai-gniffke-warum-derneue-ard-chef-eine-fusion-mit-dem-zdf-ablehnt-205115<\/a><br \/>\n(7) Ipsos, \u201eRundfunkreform: Nur Minderheit der Deutschen f\u00fcr eigenst\u00e4ndigen Fortbestand von ARD und ZDF\u201c, am 14.11.2022, <a href=\"https:\/\/www.ipsos.com\/de-de\/rundfunkreform-nur-minderheit-der-deutschen-fur-eigenstandigen-fortbestand-von-ard-und-zdf\">https:\/\/www.ipsos.com\/de-de\/rundfunkreform-nur-minderheit-der-deutschen-fur-eigenstandigen-fortbestand-von-ard-und-zdf<\/a><br \/>\n(8) Herbert von Halem Verlag, Alexis von Mirbach \u201eMedientr\u00e4ume\u201c 12.01.2023, S. 141, <a href=\"https:\/\/www.halem-verlag.de\/produkt\/medientraeume\/\">https:\/\/www.halem-verlag.de\/produkt\/medientraeume\/<\/a><br \/>\n(9) Business Insider, Tobias Fuchs \u201eGr\u00f6\u00dfter Betrugsskandal bei ARD und ZDF: Ex-Herstellungsleiter des Kika erz\u00e4hlt, wie er den Sender um Millionen brachte \u2014 und alles verzockte\u201c, am 22.04.2023, <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/kika-marco-kirchhof-uber-den-millionen-betrug-bei-ard-und-zdf\/\">https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/kika-marco-kirchhof-uber-den-millionen-betrug-bei-ard-und-zdf\/<\/a><br \/>\n(10) Thalia, Marco Kirchhof \u201c Wo ist das Geld nur geblieben?\u201c, 24.04.2023, <a href=\"https:\/\/www.thalia.de\/shop\/home\/artikeldetails\/A1068060829\">https:\/\/www.thalia.de\/shop\/home\/artikeldetails\/A1068060829<\/a><br \/>\n(11) Versicherungsbote \u201eRundfunkbeitrag: Welcher Anteil f\u00fcr die Altersvorsorge reserviert ist\u201c, am 07.03.2023, <a href=\"https:\/\/www.versicherungsbote.de\/id\/4909766\/Rundfunkbeitrag-Welcher-Anteil-fur-die-Altersvorsorge-reserviert-ist\/\">https:\/\/www.versicherungsbote.de\/id\/4909766\/Rundfunkbeitrag-Welcher-Anteil-fur-die-Altersvorsorge-reserviert-ist\/<\/a><br \/>\n(12) Versicherungsbote \u201eRundfunkbeitrag: Welche Rolle Altersversorgung und Niedrigzins spielen\u201c, am 10.12.2020, <a href=\"https:\/\/www.versicherungsbote.de\/id\/4900219\/Rundfunkbeitrag-Welche-Rolle-Altersversorgung-und-Niedrigzins-spielen\/#post_chapter_all\">https:\/\/www.versicherungsbote.de\/id\/4900219\/Rundfunkbeitrag-Welche-Rolle-Altersversorgung-und-Niedrigzins-spielen\/#post_chapter_all<\/a><br \/>\n(13) Allianz \u201eRentenniveau einfach erkl\u00e4rt\u201c, <a href=\"https:\/\/www.allianz.de\/vorsorge\/rente\/rentenniveau\/\">https:\/\/www.allianz.de\/vorsorge\/rente\/rentenniveau\/<\/a><br \/>\n(14) Tichys Einblick, Marco Gallina \u201e1,5 Millionen Euro f\u00fcr Journalisten auf der staatlichen Lohnliste\u201c, am 07.03.2023, <a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/daili-es-sentials\/15-millionen-euro-fuer-journalisten-auf-der-staatlichen-lohnliste\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/daili-es-sentials\/15-millionen-euro-fuer-journalisten-auf-der-staatlichen-lohnliste\/<\/a><br \/>\n(15) Tagesspiegel, Jost M\u00fcller-Neuhof \u201eAuftrag aus dem Bundespresseamt: ZDF-Mitarbeiter produzierte Merkels Reisefilme\u201c, am 13.03.2023, <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/auftrag-aus-dem-bundespresseamt-zdf-mitarbeiter-produzierte-merkels-reisefilme-9479147.html\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/auftrag-aus-dem-bundespresseamt-zdf-mitarbeiter-produzierte-merkels-reisefilme-9479147.html<\/a><br \/>\n(16) Deutscher Bundestag, Drucksache 20\/5822 \u201eAntwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Martin Erwin Renner, Dr. Marc Jongen, Dr. G\u00f6tz Fr\u00f6mming, Beatrix von Storch und der Fraktion der AfD \u2014 Drucksache 20\/5437 \u2014 Zahlungen von Bundesministerien an Journalisten des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks und privatrechtlicher Medien\u201c, S. 15, Journalist 102, am 27.02.2023, <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/058\/2005822.pdf\">https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/058\/2005822.pdf<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_8254 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_8254')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_8254').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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Beitrag von Dieter Korbely und Beate Strehlitz Nachdem wir die Weiterentwicklung &hellip;<\/p>\n<p class=\"read-more\"> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/die-broeckelnde-vierte-saeule\/\"> <span class=\"screen-reader-text\">Die br\u00f6ckelnde \u201evierte S\u00e4ule\u201c \/Teil 1<\/span> Weiterlesen &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8256,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[5,168,101,86,248,173,246,20],"class_list":["post-8254","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news","tag-ard","tag-deutschlandradio","tag-gez","tag-oeffentlich-rechtliche-anstalten","tag-programmauftrag","tag-rundfunkbeitrag","tag-rundfunkstaatsvertrag","tag-zdf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8254","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8254"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8254\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8283,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8254\/revisions\/8283"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8256"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}