{"id":833,"date":"2015-09-01T17:13:17","date_gmt":"2015-09-01T16:13:17","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=833"},"modified":"2017-04-16T18:54:50","modified_gmt":"2017-04-16T17:54:50","slug":"einrichtung-von-ombudsstellen-im-zdf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/einrichtung-von-ombudsstellen-im-zdf\/","title":{"rendered":"Einrichtung von Ombudsstellen im ZDF"},"content":{"rendered":"<p>Am Rande der <a href=\"https:\/\/netzwerkrecherche.org\/termine\/konferenzen\/jahreskonferenzen\/nr15\/programm\/programm-raster\/\">15. Jahreskonferenz  von Netzwerk Recherche<\/a> hatte ich die Gelegenheit, mit dem zweiten Chefredakteur des ZDF, Elmar Theve\u00dfen, innerhalb eines Panels zum Umgang der Sender mit Programmbeschwerden zu diskutieren. Herr Theve\u00dfen machte f\u00fcr k\u00fcnftige Beanstandungen den Vorschlag, Hinweise auf  vermeintliche und offensichtliche Fehler im Programm k\u00fcnftig direkt an die Redaktion zu senden, da diese ja im Falle einer Verfehlung oder eines Programmversto\u00dfes schnell reagieren m\u00fcssten und nicht erst Wochen oder gar Monate sp\u00e4ter. <\/p>\n<p>Das Problem mit Mitteilungen dieser Art an Redaktionen oder Publikumsstellen liegt allerdings (bei allen Anstalten) in der ziemlich lapidaren Behandlung von Publikumsanliegen in Form von Versenden diverser Mails in Textbaustein-Weise und eben gerade nicht in einer Verbesserung der Kritikkultur oder gar einer Korrektur beanstandeter Inhalte im Programm. <\/p>\n<p>Das Verfahren der formalen Programmbeschwerde stellt dagegen sicher, dass sich sowohl Intendant, als auch Gremien in ihrer Eigenschaft als \u201eAnw\u00e4lte des Publikums\u201c mit Publikumsanliegen auseinandersetzen bzw. Kenntnis dar\u00fcber erlangen. Leider ist das Verfahren f\u00fcr beide Seiten \u00fcber die Ma\u00dfen aufw\u00e4ndig und nicht zielf\u00fchrend. Was fehlt, ist eine niedrigschwellige Form des Beschwerdemanagements, die sowohl z\u00fcgiger vonstatten geht, als auch erfolgversprechender in Hinblick auf zu erwartende Korrekturen ist, ohne in die Programmautonomie der Sender einzugreifen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das ZDF hat vor einiger Zeit innerhalb seines Onlineangebotes eine <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/zdf-in-eigener-sache-korrekturen-37527168.html\">Korrektur-Rubrik<\/a> eingef\u00fchrt, die mitunter unfreiwillig komisch anmutet, da die korrigierten Inhalte teilweise aussehen wie Alibi-Reaktion auf eigens daf\u00fcr platzierte Banalit\u00e4ten. Der Hinweis darauf, dass das ZDF die Rubrik nach dem Vorbild der New York Times einrichtete, entbehrt auch nicht einer gewissen Komik. Hatte doch die <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.new-york-times-korrektur-nach-161-jahren.d6fd435c-0a9f-4ed3-be1d-e4012850483d.html\">\u201eNew York Times\u201c einst einen Fehler korrigiert<\/a>, den jemand aus der Redaktion vor 161 Jahren gemacht hatte. <\/p>\n<p>Der Bezug auf ausgerechnet die NYT ist auch deshalb etwas merkw\u00fcrdig, weil so ziemlich alle deutschen Presseerzeugnisse Korrekturspalten anbieten, <a href=\"http:\/\/www.dwdl.de\/nachrichten\/7266\/ein_tropfen_auf_dem_bild_fhrt_korrekturspalte_ein\/\">selbst die BILD f\u00fchrt eine solche bereits seit 2006.<\/a> Chefredakteur Diekmann begr\u00fcndet den Schritt damals mit der Schnelligkeit der Berichterstattung und menschlichen Makeln. Aufgrund eines riesigen Netzwerks von rund tausend Journalisten lie\u00dfen sich Fehler nicht vermeiden.<\/p>\n<p> <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/\">Das Bildblog<\/a> hat allerdings noch immer reichlich zu tun.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum ZDF:<br \/>\nDie Rubrik Korrekturen ist zumindest ein Anfang auf dem steinigen Weg zu Transparenz gegen\u00fcber dem Publikum und zur Verbesserung der internen Fehlerkultur, obwohl der letzte selbstkritische Beitrag inzwischen auch schon knapp 4 Wochen zur\u00fcck liegt. Wir haben die Einrichtung nach dem Vorschlag von Herrn Theve\u00dfen auch schon <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/zdf-in-eigener-sache-korrekturen-37527168.html\">erfolgreich getestet<\/a> und den <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=44&#038;t=850&#038;p=3118#p3050\">Beschwerdef\u00fchrer \u00fcber das Resultat informiert.<\/a> <\/p>\n<p>Der Denkfehler allerdings, welcher der Einrichtung der Rubrik \u201eKorrekturen\u201c im Onlineangebot eines Fernsehsenders zu Grunde liegt, ist schwer auszur\u00e4umen: Es nutzt den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ZDF#Zuschauer\">zumeist betagteren Zuschauern des ZDF<\/a> nicht viel, wenn sie fehlerhafte Meldungen in Echtzeit rezipieren, die Richtigstellung der Meldung jedoch an einem f\u00fcr sie unbekannten Ort im Netz stattfindet. Man k\u00f6nnte nun dar\u00fcber spekulieren, welche Zielgruppe sich f\u00fcr die Rubrik regelm\u00e4\u00dfig interessiert und aus welchem Grund. Vielleicht w\u00fcrde es auch gen\u00fcgen, die Ungereimtheiten innerhalb der urspr\u00fcnglichen Intention zu sortieren.<\/p>\n<p>Wenn das ZDF diese Art der Transparenz f\u00fcr das \u201ebeste Gegenmittel gegen Verschw\u00f6rungstheorien und Manipulationsvorw\u00fcrfe\u201c erachtet, dann kann jedenfalls ohne zu z\u00f6gern widersprochen werden. Verschw\u00f6rungstheorien entstehen immer nur dann, wenn nebul\u00f6s, unvollst\u00e4ndig, tendenzi\u00f6s oder schlicht falsch berichtet wird und die Menschen im Unklaren \u00fcber bestimmte Sachverhalte oder Begebenheiten gelassen werden. Selbstverst\u00e4ndlich wird dann spekuliert und vor diesem Reflex ist erwiesenerma\u00dfen auch das Personal \u00f6ffentlich-rechtlicher Anstalten nicht gefeit.<\/p>\n<p>Das System des Beschwerdemanagements im ZDF ist nicht optimal, es ist weder transparent noch publikumsnah. Formale Beschwerden werden zumeist, unter weidlicher Ausnutzung der im Staatsvertrag festgelegten Fristen, \u00e4hnlich lapidar und qualitativ fragw\u00fcrdig  beantwortet wie einfache Publikumsanliegen. Die Befassung  und Beurteilung durch den ZDF-Fernsehrat ist weder sachlich noch personell fassbar, eine Begr\u00fcndung f\u00fcr Ablehnungen findet \u2013 im Gegensatz zur Praxis des WDR \u2013 nicht statt. Absurd sind nordkoreanisch anmutende einstimmige Voten, selbst bei Themen, die vorab in der \u00d6ffentlichkeit durch Vertreter bestimmter gesellschaftlich relevanter Gruppierungen deutlich abweichend vom Urteil des Gremiums diskutiert wurden.<br \/>\n\u00dcber die Zuschauerredaktion wird keinerlei Feedback \u00fcber Art und Umfang der Beanstandungen gegeben.  Das Publikum als Ganzes wird lediglich dann in die Information und Beurteilung von Beschwerden einbezogen, wenn eine \u00f6ffentliche Dokumentation der Vorg\u00e4nge erfolgt, so wie wir das <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewforum.php?f=30\">auf unserer Seite<\/a> anbieten. <\/p>\n<p>Die Publikumskonferenz m\u00f6chte zur Verbesserung der Transparenz ein niedrigschwelliges Verfahren zur Behandlung von Programmbeschwerden anregen. Das Verfahren sollte qualitativ zwischen der bislang \u00fcblichen Kommunikation mit dem Zuschauerservice und dem Procedere der formalen Programmbeschwerde angesiedelt sein.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich unseres Panels bei der nr15 war unter den interessierten Zuschauern auch ein Vertreter der <a href=\"http:\/\/www.ubi.admin.ch\/de\/dokumentation_entscheide.htm\">Unabh\u00e4ngigen Beschwerdeinstanz der Schweiz (UBI).<\/a> Er erl\u00e4uterte, wie in der Schweiz mit Ombudsstellen ein Vorverfahren bzw. eine Vermittlung stattfindet, welches der Unabh\u00e4ngigen Beschwerdeinstanz vorgeschaltet ist. In jeder der vier Schweizer Sprachregionen gibt es <a href=\"http:\/\/www.ubi.admin.ch\/de_dokumente\/Adressen_Ombudsstellen.pdf\">eine Ombudsstelle.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>\u201eJede Person kann innerhalb 20 Tagen nach Ausstrahlung eine Sendung oder allenfalls mehrere Sendungen eines schweizerischen Veranstalters bei der zust\u00e4ndigen Ombudsstelle schriftlich beanstanden. Bei einer Ablehnung eines Gesuchs um Zugang zu einem Programm, sei es zum redaktionellen Teil oder zur Werbung, betr\u00e4gt die Frist f\u00fcr eine Beanstandung ebenfalls 20 Tage. Die Ombudsstelle pr\u00fcft die Angelegenheit und vermittelt zwischen den Beteiligten. Die Ergebnisse ihrer Abkl\u00e4rungen fasst sie in einem Bericht zusammen. Wer mit den Ergebnissen der Ombudsstelle nicht einverstanden ist oder einen rechtskr\u00e4ftigen Entscheid erwirken m\u00f6chte, kann Beschwerde bei der UBI erheben.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr das ZDF w\u00e4re die Einrichtung von Ombudspersonen als dezentrale Ansprechpartner in den einzelnen Bundesl\u00e4ndern (eventuell in den ZDF- Landesstudios) sicherlich von Vorteil, da diese \u00f6ffentlichkeitswirksam als Ansprechpartner f\u00fcr Publikumsbelange ein Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Beitragszahlenden und Anstalten herstellen und sowohl Kritik als auch Anregungen b\u00fcndeln, auswerten und an die Programmverantwortlichen in Mainz weiterleiten k\u00f6nnten. Die Ver\u00f6ffentlichung der Publikumsanliegen sowie die Dokumentation deren Befriedung k\u00f6nnte transparent auf den Webseiten der <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/laenderspiegel\/zdf-landesstudios-inland-korrespondenten-36960082.html\">Landesstudios<\/a> oder auf einer (zu etablierenden) Plattform der Ombudsstelle vorgenommen werden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/zdf-rechtsgrundlagen-und-vorschriften-25105566.html\">Der ZDF-Staatsvertrag<\/a> verbietet eine freiwillige Einrichtung von Ombudspersonen nicht.<\/p>\n<p>Wir werden einen entsprechenden Vorschlag an die Programmverantwortlichen beim ZDF herantragen.<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_833 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_833')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_833').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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