{"id":8496,"date":"2023-09-08T10:01:47","date_gmt":"2023-09-08T09:01:47","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=8496"},"modified":"2026-04-17T19:15:28","modified_gmt":"2026-04-17T18:15:28","slug":"der-oeffentlich-rechtliche-rundfunk-ist-am-ende-aber-ein-ende-ist-nicht-in-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/der-oeffentlich-rechtliche-rundfunk-ist-am-ende-aber-ein-ende-ist-nicht-in-sicht\/","title":{"rendered":"Rezension: \u201eDer \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk ist am Ende &#8211; Aber ein Ende ist nicht in Sicht&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eDer \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk ist am Ende &#8211; Aber ein Ende ist nicht in Sicht\u201c <\/strong><br \/>\n<strong>von Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0\u201eSagen, was ist\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u201eSagen, was ist\u201c \u00a0war das bekannteste Zitat des Spiegel- Gr\u00fcnders Rudolf Augstein und definiert die Aufgabe von Journalisten.<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u201eEiner Wahrheit ans Licht zu helfen, die unter der glatten Oberfl\u00e4che der Volksmeinung schlummert, diese notwendige Wahrheit unangreifbar zu fassen und bis in den hintersten Winkel auf die Reise zu schicken, sodass niemand mehr sagen kann, sie sei ihm nicht zug\u00e4nglich gewesen, eine Wahrheit, der die etablierten F\u00fchrer und Meinungsmacher aus Bequemlichkeit und Eigensucht bislang ausgewichen sind \u2013 das sei die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Journalisten, die Wirklichkeit zu ver\u00e4ndern: Er kann sagen, was ist.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>Auch wenn der Spiegel im zweiten Quartal 2023 mit einer verkauften Auflage von knapp 702.500 Exemplaren unter den gro\u00dfen deutschen Nachrichtenmagazinen am erfolgreichsten abschnitt, wird er die \u201ehintersten Winkel\u201c nicht erreichen.<\/p>\n<p>Diese Aufgabe k\u00e4me kraft seines Auftrages dem \u00d6ffentlich-rechtlichen Rundfunk zu. Er braucht keine Abonnenten oder milliardenschwere Sponsoren, denn seine Finanzen sind durch den gesetzlich verpflichtenden Rundfunkbeitrag gesichert und die Legitimierungserwartung ist entsprechend hoch. Die grundrechtliche Rundfunkfreiheit garantiert den in den Anstalten t\u00e4tigen Journalisten die Freiheit von staatlichem Zwang und die Unabh\u00e4ngigkeit von wirtschaftlichen Interessen Dritter. Sie k\u00f6nnen sagen, was ist. Zu jeder Zeit. Warum tun sie es nicht?<\/p>\n<p>Volker Br\u00e4utigam und Friedhelm Klinkhammer \u201esagen, was ist\u201c. Seit vielen Jahren, in zahlreichen B\u00fcchern, Artikeln, Vortr\u00e4gen und in direkter Kommunikation mit den Sendeanstalten in Form von Programmbeschwerden und -kritiken. Beide Autoren kennen das Innenleben des NDR noch aus einer Zeit, in der das Privatfernsehen den \u00d6ffentlich-rechtlichen Rundfunk noch nicht durch Quotenfixierung, Boulevardisierung und Verflachung zum nachhaltigen Identit\u00e4tsverlust verhalf. Sie kennen nicht nur das Innenleben von Redaktion und Verwaltung, sondern auch die defizit\u00e4re Rolle der \u201eAnw\u00e4lte des Publikums\u201c im Kontrollgremium Rundfunkrat.<\/p>\n<p>Ihr aktuelles Buch \u201eDer \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk ist am Ende\u201c ist eine thematische Fortsetzung der vorangegangenen B\u00fccher \u201eDie Macht um Acht\u201c und \u201eZwischen Feindbild und Wetterbericht\u201c und dokumentiert die Ergebnisse ihrer systematischen Programmbeobachtung der Angebote des Flaggschiffs der deutschen Nachrichtengebung, der Tagesschau.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher, so die Autoren, berichteten \u00f6\ufb00entlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehjournalisten, was die Oberen in Politik und Wirtschaft sagten. Heute vermitteln sie, was Sie zu denken haben. Die Nachrichten von heute sind ideologisch gesteuert.<\/p>\n<p><em>\u201eWas Ihnen die ARD-aktuell (oder ein anderer \u00f6ffentlich-rechtlicher Nachrichtenanbieter) garantiert nicht ins Wohnzimmer bringt, ist ein zweifelsfrei seri\u00f6ses Informationsangebot an durchweg sachlichen, um Objektivit\u00e4t bem\u00fchten Nachrichten. Betonung auf \u201edurchweg\u201c. Manchmal kommt es n\u00e4mlich vor, dass der Redaktion ARD-aktuell doch etwas halbwegs Brauchbares durch den transatlantisch-ideologischen Filter flutscht. Auch eine kaputte Uhr zeigt schlie\u00dflich zweimal am Tag die richtige Zeit an.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ein Grund daf\u00fcr ist die Exklusivit\u00e4t westlicher Nachrichtenagenturen, die daf\u00fcr sorgen, dass in den Nachrichten der Tagesschau immer nur eine Seite der Medaille gezeigt wird. Diese Selbstzensur ist fatal, denn sie widerspricht klar den Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrages, der \u201eeinen objektiven und umfassenden \u00dcberblick \u00fcber das internationale, europ\u00e4ische, nationale und l\u00e4nderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen\u201c vorschreibt. <!--more--><\/p>\n<p><em>\u201eDie Redaktion ARD-aktuell, zust\u00e4ndig f\u00fcr Tagesschau, Tagesthemen, Nachtmagazin, tagesschau.de und Tagesschau24, \u00fcbt \u00fcberdies schon seit vielen Jahren Selbstzensur. Sie verarbeitet n\u00e4mlich ausschlie\u00dflich Material der westlichen Nachrichtenagenturen: <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>\u00a0 \u2013 AP (Associated Press, USA, kommerziell, aber unter starker staatlicher Kontrolle) <\/em><br \/>\n<em>\u00a0 \u2013 TRI (Thomson Reuters, Kanada, kommerziell) <\/em><br \/>\n<em>\u00a0 \u2013 AFP (Agence France Presse, Frankreich, halbstaatlich) <\/em><br \/>\n<em>\u00a0 \u2013 dpa (Deutsche Presseagentur, kommerziell, kooperiert mit AP) <\/em><br \/>\n<em>\u00a0 \u2013 sid (Sport Informationsdienst, kommerziell). <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Nicht bezogen werden Agenturen aus Russland (ITAR-TASS, Interfax, APN), China, (Xinhua, CNS), Indien (Asian News International unter anderem), Afrika (SAPA unter anderem) und Lateinamerika (teleSUR unter anderem). Die Konsequenz: selbst verschuldete Einseitigkeit. Die Nachrichtengestaltung trieft vor eurozentristischer Arroganz und USA-h\u00f6riger Gefolgschaftstreue.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der \u00d6\ufb00entlich-rechtliche Rundfunk erweist sich nach Ansicht der Autoren als hoche\ufb00ektives Machtinstrument, mit dem \u201eherrschende Meinung\u201c hergestellt wird. Er gew\u00e4hrleiste unserer politischen F\u00fchrung und dem Geldadel die Deutungshoheit \u00fcber alles, was das Staatsvolk betri\ufb00t und bewegt. Er best\u00e4rke das \u201eWir-Gef\u00fchl\u201c, die Guten zu sein und immer auf der richtigen Seite zu stehen. Zweifel an dieser Schein-Realit\u00e4t lasse er nicht aufkommen.<\/p>\n<p>Die Kontrolleure des Ganzen, die Rundfunkr\u00e4te, werden \u201eausgekungelt in den Hinterst\u00fcbchen von allen m\u00f6glichen Vereinen und Kanzleien\u201c. Welche gesellschaftliche Gruppe \u201erelevant\u201c ist, bestimmen und beschlie\u00dfen die L\u00e4nderparlamente, gem\u00e4\u00df \u201eparteipolitischer Zweckm\u00e4\u00dfigkeits\u00fcberlegungen.<\/p>\n<p><em>\u201eDer Rundfunkrat, laut Gesetz das Kontrollgremium einer \u00f6\ufb00entlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, sollte sich aus Mitgliedern sogenannter \u201egesellschaftlich relevanter\u201c Gruppen zusammensetzen. Darunter werden in der Praxis die politischen Parteien verstanden (vorrangig CDU\/CSU und SPD), die DGB-Gewerkschaften, die Arbeitgeberorganisationen, die gro\u00dfen Kirchen, Heimat- und Sportverb\u00e4nde, Landfrauen, Umweltschutzorganisationen und ausgew\u00e4hlte Vereine. Mit einem Anteil von etwas mehr als 27 Prozent sind die staatsnahen Institutionen am besten bedient.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Mischung aus domestizierten, politisch einseitig veranlagten Journalisten, der einst von einer F\u00fchrungskraft als \u201eLaienspielgruppe\u201c verspotteten Kontroll-Gremien und einem Betriebsklima \u201eunter aller Sau\u201c, das anl\u00e4sslich einer Umfrage unter den Besch\u00e4ftigten des NDR diagnostiziert wurde, gebiert nach Ansicht der Autoren ein Angstprodukt, welches als veritabler Grund f\u00fcr die nicht enden wollende \u201emediale Massenverbl\u00f6dung\u201c (Peter Scholl-Latour) erachtet werden kann.<\/p>\n<p>Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam begn\u00fcgen sich nicht mit der Bestandsaufnahme, sie legen auch L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge vor, wie der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk wieder seinen Kernaufgaben gerecht werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Autoren widmen sich nach ihren Schilderungen der Unzul\u00e4nglichkeiten des \u00d6RR, in themengerecht gegliederten Rubriken, der Zensur (wozu auch die Selbstzensur geh\u00f6rt), den gebotenen journalistischen Grunds\u00e4tzen (sagen, was ist) und der mangelnden Distanz zu den M\u00e4chtigen innerhalb der Berichterstattung. In insgesamt 24 geharnischten <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewforum.php?f=76\">Programmkritiken<\/a> legen sie den Finger in die offene Wunde des angeschlagenen Apparates.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eWelchen Rundfunk h\u00e4tten Sie denn gerne?\u201c <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong>Diese Frage \u00fcberschreibt das Schlusskapitel und erinnert an die politisch orchestrierte Geschichte der \u00f6\ufb00entlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die inzwischen zu Hauptakteuren demokratiegef\u00e4hrdender Meinungsmache geworden sind.<\/p>\n<p><em>\u201eDie Diskrepanz zwischen dem, was berichtet wird, und dem, was ist, w\u00fcrde (und wird) bei Verbleib auf diesem Kurs immer gr\u00f6\u00dfer werden. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>Das aktuelle Buch von Buch von Volker Br\u00e4utigam und Friedhelm Klinkhammer ist neben der Kritik an den Institutionen eine unterhaltsame Gebrauchsanweisung zur Rezeption \u00f6ffentlich-rechtlicher Nachrichtenangebote, die seit geraumer Zeit von einer <em>\u201etr\u00fcgerischen Mixtur aus Halbwahrheiten, Weglassung und Sch\u00f6nf\u00e4rberei bis hin zu Falschmeldungen\u201c<\/em> durchsetzt sind.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche viel Vergn\u00fcgen und Erkenntnisgewinn bei der Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p>Maren M\u00fcller<\/p>\n<p>Vorsitzende St\u00e4ndige Publikumskonferenz<\/p>\n<div class=\"col-xs-12 col-sm-5 col-md-4 details-col-left\">\n<div class=\"picture popup-gallery\">=================================================================<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"col-xs-12 col-sm-4 col-md-5 details-col-middle\">\n<p><strong>Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk ist am Ende &#8211; Aber ein Ende ist nicht in Sicht<\/strong><\/p>\n<div id=\"attributes\">\n<ul class=\"attributes list-unstyled\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/nach-hersteller\/fifty-fifty\/\"> fifty-fifty <\/a><\/li>\n<li>Softcover, 24.00 \u20ac<\/li>\n<li>284 Seiten<\/li>\n<li>Artikelnummer 978-3-946778-45-5<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Buch von Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam\u00a0 kann <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/der-oeffentlich-rechtliche-rundfunk-ist-am-ende.html\">ab sofort<\/a> in <a href=\"https:\/\/www.buecher.de\/shop\/fachbuecher\/der-oeffentlich-rechtliche-rundfunk-ist-am-ende\/klinkhammer-friedhelmbraeutigam-volker\/products_products\/detail\/prod_id\/68493316\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.buecher.de\/shop\/fachbuecher\/der-oeffentlich-rechtliche-rundfunk-ist-am-ende\/klinkhammer-friedhelmbraeutigam-volker\/products_products\/detail\/prod_id\/68493316\/\">Deutschland<\/a> und auch in der <a href=\"https:\/\/www.exlibris.ch\/de\/buecher-buch\/deutschsprachige-buecher\/friedhelm-klinkhammer\/der-oeffentlich-rechtliche-rundfunk-ist-am-ende\/id\/9783946778455\/\">Schweiz<\/a> im <a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/klinkhammer-braeutigam-oeffentlich-rechtliche-rundfunk-ende\/product\/36161656\">guten<\/a> <a href=\"https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/books\/detail\/-\/art\/friedhelm-klinkhammer-der-oeffentlich-rechtliche-rundfunk-ist-am-ende\/hnum\/11556023\">Buchhandel<\/a> bezogen werden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><em>Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang\u00a01944, Jurist. 1975 bis 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes\u00a0sowie Referent einer Funkhausdirektorin.<\/em><\/p>\n<p><em>Volker Br\u00e4utigam, Jahrgang 1941, Redakteur. 1975 bis 1996 Mitarbeiter des NDR, zun\u00e4chst in der Tagesschau, von 1992 an in der Kulturredaktion f\u00fcr N3. Danach Lehrauftrag an der Fu-Jen-Universit\u00e4t\u00a0in Taipeh.<\/em><\/p>\n<p>==========================================================================<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_8496 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_8496')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_8496').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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