{"id":8799,"date":"2023-12-25T13:40:22","date_gmt":"2023-12-25T12:40:22","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=8799"},"modified":"2023-12-25T13:40:22","modified_gmt":"2023-12-25T12:40:22","slug":"die-russen-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/die-russen-kommen\/","title":{"rendered":"Die Russen kommen!"},"content":{"rendered":"<p><em>Bildquelle: Netzfund<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Russen kommen!<\/strong><\/p>\n<p><strong>An der Front in der Ukraine kommen die Russen, denn die ukrainische Armee weicht immer weiter zur\u00fcck. Der politische Westen rechnet beim Fall der Ukraine damit, dass der Russe kommt, um weitere NATO-L\u00e4nder anzugreifen. F\u00fcr den Rest der Welt au\u00dferhalb des politischen Westens kommen die Russen als politische oder wirtschaftliche Partner, als Investoren oder als Vermittler in Konflikten.<\/strong><\/p>\n<p><em>Beitrag von R\u00fcdiger Rauls.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ein Ruf wie Donnerhall<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Satz beinhaltet verschiedene Aussagen. Generationen von Deutschen fuhr der Schrecken in die Glieder bei dem Ruf: \u201eDie Russen kommen!\u201c Dieser Aufschrei des Entsetzens kam aber nur, wenn deutsche Invasoren von russischem Gebiet vertrieben wurden, nachdem sie das Land bis nach Moskau verw\u00fcstet und seine Menschen get\u00f6tet hatten. W\u00e4re der Deutsche zu Hause geblieben, w\u00e4re der Russe auch nicht gekommen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Deutsche das nie hatte sehen wollen oder k\u00f6nnen. Vermutlich ist er zu sehr verblendet durch ein wirres Weltbild, das ihm \u00fcber Generationen in den Fr\u00fchst\u00fcckbrei ger\u00fchrt worden war.<\/p>\n<p>Im Moment stehen die Russen noch in der Ostukraine. Aber entgegen allen Voraussagen der sogenannten Experten, steht er nicht mehr sondern setzt sich langsam in Bewegung Richtung Dnjepr. Der Gegenoffensive, die den Ukrainern die strategische Wende bringen sollte, hat er standgehalten. Auch die westlichen Waffenlieferungen hatten ihm nicht viel anhaben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich erging es den Sanktionen, die nach Sicht der Vertreterinnen feministischer Politik die russische Wirtschaft ruinieren (Baerbock) sollten. Aber auf welche Tatsachen st\u00fctzt von der Leyen, Baerbocks Schwester im feministischen Geiste, die Behauptung: \u201cDie Sanktionen fressen sich Woche f\u00fcr Woche tiefer in die russische Wirtschaft\u201d (1)? Von welchem Realit\u00e4tssinn zeugt die Weissagung: \u201cRusslands Staatsbankrott ist nur eine Frage der Zeit\u201d (2)?<\/p>\n<p>Alles vollmundige und voreilige \u00c4u\u00dferungen, getrieben von Wunschdenken und ohne Bezug zu den wirklichen Verh\u00e4ltnissen. Im Triumph von der Leyens: \u201edie russische Wirtschaft ist in Fetzen, sage ich, in Fetzen\u201c (3) dr\u00fcckt sich abgrundtiefe Geh\u00e4ssigkeit aus, die anscheinend schon allzu lange darauf hatte warten m\u00fcssen, endlich von der Kette gelassen zu werden.<\/p>\n<p>Der blinde Glaube an die eigene Propaganda und westliche \u00dcberlegenheit scheint grenzenlos und macht zudem z\u00fcgellos. Aber wieder einmal haben russische Bodenst\u00e4ndigkeit und Besonnenheit deutschen Hochmut besiegt. Die deutschen F\u00fchrungskr\u00e4fte scheinen nicht dazu zu lernen, und nun zittern sie wieder davor, dass die Russen kommen k\u00f6nnten, n\u00e4her an deutsches Kernland.<\/p>\n<p>Nach fast zwei Jahren Krieg ist die strategische Wende nicht eingetreten. Die immer h\u00e4ufiger beschworene Pattsituation an der Front stellt sich zunehmend als das verzweifelte Klammern an einen letzten Rest Hoffnung heraus, mit gro\u00dfen Worten die Tatsachen verschleiern zu k\u00f6nnen. Was aussah wie ein Patt, war die beharrliche Vorbereitung auf die Verst\u00e4rkung des milit\u00e4rischen Drucks.<\/p>\n<p>Dieser scheint nun zu wirken. Immer h\u00e4ufiger teilen nun auch westliche Meinungsmacher ihrem Publikum mit, dass die Front der Ukrainer zunehmend unter dem Mangel an Munition und Soldaten br\u00f6ckelt. Aber sie schw\u00e4chelt auch unter der nachlassenden Unterst\u00fctzung der sogenannten Freunde im politischen Westen. Der R\u00fcckhalt Selenskyjs im eigenen Volk schwindet, die Geschlossenheit der ukrainischen F\u00fchrungskr\u00e4fte zerf\u00e4llt.<!--more--><\/p>\n<p>Der Erfolg hat viele V\u00e4ter, sagt man, aber dem Misserfolg muss einer zum Fra\u00df vorgeworfen werden. Immer offener wird in den westlichen Medien \u00fcber Selenskijs Fehler berichtet, \u00fcber seine Abl\u00f6sung und etwaige Nachfolger spekuliert. Gleichzeitig versuchen Regierungsvertreter im politischen Westen weiterhin, Geld f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Ukraine zusammenzukratzen.<\/p>\n<p>Aber auch dort werden die Widerst\u00e4nde gr\u00f6\u00dfer, je teurer und aussichtsloser das ukrainische Abenteuer wird. Vollmundige Beteuerungen und Durchhalteparolen bestimmen die politischen Auftritte. Das ist besonders auff\u00e4llig bei jenen, die noch vor nicht allzu langer Zeit naseweis \u00fcber die Nibelungentreue der Deutschen w\u00e4hrend des Weltkrieges den Kopf gesch\u00fcttelt hatten. Verstehen sie es heute besser, wo sie sich genau so verhalten?<\/p>\n<p><strong>Das gro\u00dfe Zittern<\/strong><\/p>\n<p>Man scheint im politischen Westen zu ahnen, dass sich der Wind dreht. Immer \u00f6fter wird dar\u00fcber spekuliert, ob Putin sich schon weitere Opfer aus der NATO-Riege ausgesucht hat. Wen wird er als n\u00e4chsten kassieren, wenn die Ukraine nicht mehr in der Lage ist, unsere Freiheit zu verteidigen? Wer soll dann noch da und bereit sein, f\u00fcr die Freiheit des politischen Westens zu sterben?<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise sind die NATO-F\u00fchrer wenigstens bisher noch so nah an der Wirklichkeit, dass sie nicht der Ukraine mit eigenen Truppen glauben zur Hilfe eilen zu m\u00fcssen oder gar zu k\u00f6nnen. Solch gro\u00dfe Opfer scheint man dann doch nicht f\u00fcr die eigene Freiheit bringen zu wollen. Hoffentlich bleibt es so. Unter diesen Umst\u00e4nden scheint den Meinungsmachern, die bisher ihre V\u00f6lker im Westen auf den Sieg der Ukraine und den Untergang Russlands eingeschworen hatten, die Zuversicht ausgegangen zu sein.<\/p>\n<p>Immer \u00f6fter werden Gedankenspiele angestellt, wer denn als n\u00e4chster auf Putins Speisezettel stehen k\u00f6nnte. Denn anders k\u00f6nnen es sich die Einpeitscher im Westen nicht vorstellen, dass Russland \u2013 \u00e4hnlich wie sie selbst \u2013 r\u00fccksichtslos seinen Vorteil \u00fcber die Leichenberge anderer V\u00f6lker hinweg suchen wird. Der politische Westen kennt es nicht anders, als jenen den eigenen Willen notfalls mit Gewalt aufzuzwingen, die zu eigenwillig sind, sich zu unterwerfen, und zu schwach, sich zu wehren.<\/p>\n<p>Die Meinungsmacher aus Medien und Politik sowie die Experten, die ihnen nach dem Munde reden, bef\u00fcrchten nun, dass Russland gerade das macht, was sie selbst Russland in Aussicht gestellt hatten: Zerst\u00fcckelung und Unterwerfung. So wie der politische Westen das Riesenreich hatte dekolonialisieren wollen, um den \u201eUnterdr\u00fcckten\u201c die westliche Vorstellung von Freiheit zu bringen, so bef\u00fcrchten sie nun, dass Russland dieses westliche Vorgehen kopieren und sich nach und nach einzelne Teile einer geschw\u00e4chten EU unter den Nagel rei\u00dfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dass Putin und Russland immer wieder etwas anderes gesagt haben, kommt bei ihnen nicht an. Sie scheinen zu denken, dass man den Worten der Russen genau so wenig vertrauen kann, wie sie es von sich selbst nicht anders kennen, wenn es darum geht, zum eigenen Vorteil Wortbruch zu begehen. Denn nicht zuletzt die Wortbr\u00fcche in Bezug auf die NATO-Osterweiterungen und die Minsker Abkommen haben zu dieser Situation gef\u00fchrt, die der Westen und in seinem Schlepptau die Ukraine nun ausbaden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Verblendung und gro\u00dfe Irrt\u00fcmer<\/strong><\/p>\n<p>Aber weder die Russen noch die Chinesen sind so verblendet wie der politische Westen selbst und nicht so dumm, wie er es von diesen beiden annimmt. Russen und Chinesen wissen aus eigener Erfahrung, dass die milit\u00e4rische Unterwerfung fremder V\u00f6lker selten auf Dauer erfolgreich, aber auf Dauer teuer ist. Die Russen haben es als Sowjetunion im gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg unter Beweis gestellt, indem sie unter gewaltigen Opfern die deutschen Eindringlinge zur\u00fcckgeschlagen und letztlich sogar auch vernichtend besiegt haben.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist das Verh\u00e4ltnis der Chinesen zur Fremdherrschaft. Sie selbst waren immer deren Leidtragende, haben aber durch ihren antikolonialen Kampf die Erfahrung gemacht, dass selbst \u00fcberm\u00e4chtig erscheinende Fremdherrschaft durch den geeinten Kampf eines Volkes unter besonnener F\u00fchrung \u00fcberwunden werden kann. Aus dieser Erfahrung heraus betont China immer wieder, keine Fremdherrschaft \u00fcber andere V\u00f6lker anstreben zu wollen.<\/p>\n<p>Jedoch bei den F\u00fchrern im politischen Westen kommen weder die russischen noch die chinesischen Erkl\u00e4rungen an. Sie sind zu sehr verfangen in ihren eigenen Vorstellungen davon, wie die Welt auszusehen und in welche Richtung sie sich zu entwickeln hat. Sie wollen die Wirklichkeit nicht wahrhaben und scheinen unf\u00e4hig, Entwicklungen zu analysieren. Sie sind zu sehr beherrscht von dem Glauben, dass die anderen V\u00f6lker und M\u00e4chte der Welt nach denselben Gesichtspunkten Entscheidungen treffen wie sie selbst.<\/p>\n<p>Dabei sind die meisten dieser Sichtweisen nicht nur falsch sondern sogar sch\u00e4dlich f\u00fcr die eigenen Interessen. Abgesehen von der R\u00fcstungsindustrie haben alle anderen Wirtschaftszweige im Westen nur Nachteile vom Krieg in der Ukraine und den Sanktionen gegen Russland. Zwar steigen die Ums\u00e4tze und Aktienkurse der Waffenschmieden, aber die Exporte der restlichen Wirtschaft nach Russland haben sich f\u00fcr die deutsche Wirtschaft halbiert und f\u00fcr die europ\u00e4ische sieht es vermutlich auch nicht besser aus. Zudem hat sich durch den Anstieg der Energiepreise die Konkurrenzf\u00e4higkeit besonders der deutschen Industrie dramatisch verschlechtert.<\/p>\n<p>Die westliche Wirtschaftspolitik gegen\u00fcber China, die neuerlich gepr\u00e4gt ist von dem Wunsch, die Entwicklung des Landes zu behindern und sich selbst von chinesischen Lieferketten und Warenlieferungen unabh\u00e4ngig zu machen, haben zu einer Verdopplung des Defizits in der Handelsbilanz zwischen der EU und der Volksrepublik gef\u00fchrt. Die westliche Industrie darf immer weniger G\u00fcter nach China liefern, die auf einem hohen technischen Niveau liegen. Das ist nicht im Interesse der westlichen Wirtschaft.<\/p>\n<p>Au\u00dfer dem Wunsch, Russland zu schw\u00e4chen, ist kein Ziel in diesem Ukrainekrieg zu erkennen, das dem politischen Westen Vorteile bringen k\u00f6nnte. Im Gegenteil: Immer mehr Staaten wenden sich ab und finden sich in neuen Organisationen wie der BRICS+ und \u00e4hnlichen multipolar ausgerichteten zusammen. Wie wirklichkeitsbezogen sind die \u00dcberlegungen und Versuche, China eind\u00e4mmen zu wollen? Welchen Vorteil hatte der Krieg gegen den Terror bringen sollen? Die Ergebnisse sind niederschmetternd: Hunderttausende von Toten, zerfallene Staaten, Schuldenberge und ein gewaltiger Machtverlust der USA im Nahen Osten.<\/p>\n<p>Und nun kommt die n\u00e4chste Fehleinsch\u00e4tzung. Die Russen wollen \u00fcber die Ukraine hinaus in NATO-Gebiet ausgreifen. Nat\u00fcrlich wei\u00df keiner, was die Zukunft bringt. Aber alle Erkl\u00e4rungen und vorgetragene Kriegsziele Russlands sind andere. Man muss die Ansichten Putins nicht teilen oder gar richtig finden.<\/p>\n<p>Aber angesichts der Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs, angesichts des Vorr\u00fcckens der NATO an die Grenzen Russlands entgegen fr\u00fcheren Zusagen, angesichts der NATO-Pl\u00e4ne der Ukraine sind die russischen Kriegsziele, Entmilitarisierung der Ukraine und deren Neutralit\u00e4t, nachvollziehbar, und sie stellen sich auch zunehmend als erreichbar heraus.<\/p>\n<p>Nun ist der politische Westen in heller Panik, dass die untersch\u00e4tzten und bel\u00e4chelten Russen offensichtlich so stark sind, dass sie der geballten westlichen Milit\u00e4rmacht standhalten k\u00f6nnen. Die Russen hatten sich auf eine konventionelle Auseinandersetzung mit dem Westen vorbereitet, w\u00e4hrend dieser noch in islamischen Staaten Kriege f\u00fchrten gegen Bauernarmeen und verloren. Dementsprechend unterschiedlich war die milit\u00e4rische Ausstattung.<\/p>\n<p>Der Westen hatte die konventionelle R\u00fcstung vernachl\u00e4ssigt, weil man die Russen glaubte im Griff zu haben. Denn sie waren in ihren Augen nichts weiter als eine \u201eTankstelle mit Atomwaffen\u201c. Nun stellt sich heraus, dass die Russen mehr sind als das. Sie haben vor allen Dingen offensichtlich die Verh\u00e4ltnisse und Entwicklungen in der Welt klarer eingesch\u00e4tzt. Nun wei\u00df der Westen nicht, woher er die Produktionskapazit\u00e4ten und auch das Geld bekommen soll, um mit Russland in der konventionellen R\u00fcstung wieder gleichziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Russen kommen! Ob sie nach Europa kommen, kann keiner sagen. Aber dass sie in immer mehr Staaten der Welt willkommen sind als Handels- und Gesch\u00e4ftspartnern, als Investoren, als Planer und Entwickler von Infrastruktur und als Vermittler in Konflikten, kann nur schwer \u00fcbersehen werden. Sie sind nicht so isoliert, wie die Meinungsmacher uns glauben machen wollen. Darin gleichen sie den Chinesen mehr als den Staatenlenkern des politischen Westens.<br \/>\nQuellen<\/p>\n<p>(1) n-tv vom 17.4.2022 \u201cRusslands Staatsbankrott ist nur eine Frage der Zeit\u201d<br \/>\n(2) ebenda https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/77b29ae5bd23427a85a1a52ab1a96b9d<br \/>\n(3) https:\/\/krisenfrei.com\/la-republicca-draghi-soll-von-der-leyen-abloesen\/<br \/>\n(4) https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/<\/p>\n<p>R\u00fcdiger Rauls ist Buchautor und betreibt den Blog Politische Analyse (4)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_8799 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_8799')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_8799').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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