{"id":8912,"date":"2024-02-02T09:55:13","date_gmt":"2024-02-02T08:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=8912"},"modified":"2024-02-02T09:55:47","modified_gmt":"2024-02-02T08:55:47","slug":"besuch-beim-mdr-rundfunkrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/besuch-beim-mdr-rundfunkrat\/","title":{"rendered":"Besuch beim MDR-Rundfunkrat"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Hoffnung stirbt zuletzt<\/strong><\/p>\n<p>Der MDR-Rundfunkrat <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/mdr-rundfunkrat\/aufgaben\/tagesordnung-themen-sitzung-januar-zweitausendvierundzwanzig-100.html\">tagte am 29. Januar 2024<\/a> in Leipzig. Nach dem Trubel um einen UMSCHAU-Beitrag im Dezember, der kurz nach seinem Erscheinen wieder aus der Mediathek genommen wurde, wollten wir wissen, wie das Thema dort behandelt wird.<\/p>\n<p><em>Ein Beitrag von Beate Strehlitz und Dieter Korbely<\/em><\/p>\n<p>Im MDR-Magazin UMSCHAU l\u00e4uft am 12. Dezember 2023 ein <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?p=10311#p10311\">Beitrag \u00fcber DNA-Verunreinigungen in Corona-\u201eImpf\u201c-Stoffen<\/a>. Der Bericht l\u00f6st gro\u00dfe Resonanz aus. Kurz darauf wurde der Beitrag jedoch aus der Mediathek des Senders entfernt. Das weckte unsere Neugier und wir beschlossen, nach vierj\u00e4hriger Abstinenz der Rundfunkratssitzung wieder einmal als Besucher beizuwohnen. Das kostete uns einige \u00dcberwindung, denn nach der ersten \u00f6ffentlichen Sitzung am 23. September 2019 waren wir v\u00f6llig desillusioniert und abgeschreckt von der Konformit\u00e4t und der Passivit\u00e4t der meisten Rundfunkratsmitglieder. Bis zur Ausrufung der Pandemie hatten wir die Sitzung mehrmals verfolgt, jedoch keinen Sinn in der Veranstaltung erkannt. Den Rundfunkrat betrachteten wir als zahnlosen Tiger.<\/p>\n<p><strong>Emp\u00f6rung \u00fcber Beschwerden<\/strong><\/p>\n<p>Um es vorwegzunehmen: Das Thema des UMSCHAU-Beitrags wurde nur am Rande erw\u00e4hnt und war nicht Gegenstand der Tagesordnung. Lediglich im Bericht des Programmausschusses Leipzig wurde eine Menge an Programmbeschwerden erw\u00e4hnt, die nun bearbeitet werden m\u00fcssten. Zur n\u00e4chsten Sitzung im M\u00e4rz will der Programmausschuss Leipzig dar\u00fcber berichten. Zum Abschluss der Sitzung brachte beim Tagesordnungspunkt \u201eAnfragen und Meinungen\u201c ein Rundfunkrat dieses Thema nochmals zur Sprache. Er emp\u00f6rte sich, dass er auf seinem privaten Account eine Beschwerde erhalten hatte und fragte die Runde, ob andere ebenfalls E-Mails auf ihren privaten oder dienstlichen Accounts erhalten h\u00e4tten. Das wurde von einigen best\u00e4tigt \u2013 auch sie fanden das emp\u00f6rend. Schlie\u00dflich wurde eine Zahl von 50 Beschwerden in den Raum geworfen, die der Rundfunkrat erhalten h\u00e4tte, und die alle in das (langwierige) Procedere der Programmbeschwerden flie\u00dfen w\u00fcrden. An dieser Stelle h\u00e4tten wir gerne das Wort ergriffen und die Rundfunkratsmitglieder darauf hingewiesen, dass eine <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/mdr-rundfunkrat\/mitglieder\/index.html\">Kontaktm\u00f6glichkeit<\/a> auf der MDR-Webseite der Rundfunkratsmitglieder nicht vorgesehen ist, weder f\u00fcr die einzelnen Mitglieder noch f\u00fcr den gesamten Rundfunkrat. Was soll der B\u00fcrger anderes tun, als nach einer Adresse zu suchen, \u00fcber die er sein Anliegen an die Person bringen kann? Allerdings haben Besucher der Rundfunkratssitzung kein Rederecht.<\/p>\n<p><strong>Dekadenz und Schein-Diskussionen<\/strong><\/p>\n<p>Ansonsten war die Veranstaltung sehr langatmig. Neun Besucher sa\u00dfen unter der strengen Bewachung eines Mannes vom Werkschutz und eines weiteren Mannes mit Knopf im Ohr hinter einer Absperrung. Die Sitzung war gekennzeichnet von weitschweifenden Redepassagen mit viel Selbstlob sowie Diskussionen \u00fcber irrelevante Themen. Zum Beispiel \u00fcber die Planung des Standorts der Er\u00f6ffnungsveranstaltung des \u201eMDR-Musiksommers\u201c. Die drei L\u00e4nder des MDR (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen) wollen gleichberechtigt ber\u00fccksichtigt werden. Der Streit gipfelte jedoch in Differenzen zwischen Sangerhausen als gew\u00e4hltem Standort des Er\u00f6ffnungskonzerts vs. Mansfeld-S\u00fcdharz, das sich hintergangen f\u00fchlt \u2013 allerdings liegen beide Standorte in Sachsen-Anhalt. Als Besucher sp\u00fcrte man die Dekadenz des Rundfunkrats, der sich diesem Thema sehr umfangreich widmet, aber die grundlegenden Fragen \u00fcber die Erf\u00fcllung des Programmauftrags nicht im Entferntesten auch nur ansatzweise behandelt.<\/p>\n<p><strong>Zentrales Thema: Bericht des Zukunftsrats<\/strong><\/p>\n<p>Ein wichtiger Punkt war der k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/rundfunkkommission.rlp.de\/fileadmin\/rundfunkkommission\/Dokumente\/Zukunftsrat\/ZR_Bericht_18.1.2024.pdf\">Bericht des Zukunftsrats<\/a>. Sowohl der Rundfunkratsvorsitzende Dietrich Bauer als auch der Intendant Ralf Ludwig gingen in ihren Berichten auf dieses Thema ein, ohne sich an eine abschlie\u00dfende Beurteilung zu wagen. Die Diskussion dar\u00fcber stehe erst am Anfang. Die Politik solle die Rahmenbedingungen zur Umsetzung der vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen erstellen und die Anstalten w\u00fcrden diese dann pflichtgem\u00e4\u00df umsetzen. \u201eWir werden abwarten, wie es weitergeht\u201c, so Ludwig. Man versteht sich als Objekt, nicht als Subjekt. Einhellig sehe man sich in den schon in Angriff genommenen Reformbem\u00fchungen best\u00e4tigt. Es wurde betont, dass man sich schon immer dem Medienstaatsvertrag verpflichtet f\u00fchlt. Insbesondere die Ausgewogenheit der Berichterstattung sei nat\u00fcrlich gegeben. Skeptisch betrachtet wird die angedachte Struktur\u00e4nderung der ARD-Anstalt mit zentraler Leitung und die vorgeschlagene \u00c4nderung der Finanzierung mit einer am Ma\u00dfstab der Auftragserf\u00fcllung ausgerichteten nachgelagerten Bewertung. Bei den \u201eMedientagen Mitteldeutschland\u201c am 17. und 18. April 2024 in Leipzig soll es eine Podiumsdiskussion zum Bericht des Zukunftsrats geben. Der Besucher fragt sich sogleich, ob dort auch den Betroffenen, den Beitragszahlern und den Mitarbeitern, ein Podium geboten werden wird? Bis jetzt sind beide Gruppen \u00fcberhaupt noch nicht einbezogen.<\/p>\n<p>Die stellvertretende Vorsitzende des Rundfunkrats Prof. Dr. Gabriele Schade berichtete von der GVK-Konferenz (GVK: Gremien-Vorsitzenden-Konferenz) und deren Positionierung zum Papier des Zukunftsrats. Die Mehrheit der GVK sehe das Papier positiv und sei froh, dass keine \u201epopulistischen Forderungen\u201c \u00fcbernommen worden seien. Die GVK sieht ihre Rolle darin, bei der Reform mitzuwirken und sie voranzutreiben und will in Austausch gehen mit der Rundfunkkommission als Auftraggeber des Zukunftsrats. Man sei offen f\u00fcr die Vorschl\u00e4ge des Zukunftsrats und wolle sich bei der Umsetzung aktiv einbringen. F\u00fcr eine abschlie\u00dfende Bewertung ist es allerdings auch der GVK noch zu fr\u00fch. Die Konferenz will bei der Umsetzung der Ma\u00dfnahmen eng mit der Politik zusammenarbeiten. Verwiesen wurde gleichzeitig auf die Zust\u00e4ndigkeit der Politik zur Umsetzung der Vorschl\u00e4ge. Die Kritik an einer ausgewogenen Berichterstattung wurde zur Kenntnis genommen und man sprach sich f\u00fcr eine St\u00e4rkung der investigativen Berichterstattung aus. Gabriele Schade verweist auf die <a href=\"https:\/\/www.ard.de\/die-ard\/organisation-der-ard\/gremien\/gvk-pressemitteilungen\/2024-01-23-Stellungnahme-der-ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz-zu-den-Empfehlungen-des-Zukunftrats-100\/\">Pressemitteilung der GKV.<\/a><\/p>\n<p><strong>Bericht des Intendanten: Von der aktuellen Berichterstattung \u00fcber hastige Einsparversuche bis zur \u00fcblichen Lobhudelei<\/strong><\/p>\n<p>Intendant Ralf Ludwig ging in seinem Bericht besonders auf die Berichterstattung zum Hochwasser um die Weihnachtszeit ein. So h\u00e4tte der MDR eine schnelle und umfangreiche Berichterstattung geliefert und sehr gute Gefahrenhinweise gegeben. Er dankte allen Beteiligten ausdr\u00fccklich f\u00fcr ihr Engagement. Der Besucher fragt sich allerdings, ob dies nicht die selbstverst\u00e4ndlichen, ureigenen Aufgaben des MDR sind? Kurz ging Ludwig auf die Berichterstattung zu den Bauernprotesten ein, die der MDR eng begleitet h\u00e4tte. Ausf\u00fchrlich berichtete er \u00fcber eine Kundgebung am 25. Januar vor dem Landesfunkhaus des MDR in Erfurt. 400 Personen sowie viele Fahrzeuge aus Landwirtschaft und Handwerk h\u00e4tten dort ihre Kritik an der Ampelregierung, den Coronama\u00dfnahmen und den Medien vorgebracht. Der Th\u00fcringer Bauernverband h\u00e4tte sich von der Veranstaltung distanziert. Die Arbeit des MDR war nicht behindert, allerdings waren die Mitarbeiter verunsichert. Ludwig bemerkte, dass es keine Zwischenf\u00e4lle und personellen Angriffe gab und nichts weiter passiert sei.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend berichtete der Intendant von der KEF-Konferenz. Er ging dabei auf die geplante Geb\u00fchrenerh\u00f6hung von 58 Cent pro Monat ein und verwies auf bestehende Widerst\u00e4nde einiger Parlamente der Bundesl\u00e4nder. Danach f\u00fchrte er aus, dass die ARD-Reformagenda Einsparungen von mindestens 40 Millionen Euro beim MDR erfordert. Wenn die Beitragserh\u00f6hung nicht kommt, werden die notwendigen Einsparungen auf 60 Millionen Euro gesch\u00e4tzt. Programmeinschnitte im H\u00f6rfunk sind zur Erreichung der Einsparungen vorgesehen. So seien f\u00fcr die Abendstunden \u201ePool-L\u00f6sungen\u201c vorgesehen. Das bedeutet zum Beispiel f\u00fcr den Sender MDR Aktuell, dass ab 20 Uhr ein zentrales Programm aus einem ARD-Sender aufgeschaltet wird und lediglich die spezifischen MDR-Nachrichten bis 22 Uhr erhalten bleiben.<\/p>\n<p>Diese vorgesehene Programm\u00e4nderung wurde nachfolgend \u00f6fter angesprochen und verschiedentlich leidenschaftlich diskutiert. So \u00e4u\u00dferten die Rundfunkr\u00e4te Heiko Hilker und Andreas Nowak, dass diese Ma\u00dfnahme dem Vorschlag des Zukunftsrats zu mehr Regionalisierung entgegenlaufe. Denn wenn der H\u00f6rer ab 20 Uhr seinen regionalen Sender einschalte und dann ein Programm aus Hamburg h\u00f6re, sei er zu Recht irritiert. Das sei ein Verlust f\u00fcr Sachsen, f\u00fcr den Osten und f\u00fcr den MDR. Hilker fragte, ob die Radioprogramme nicht eher regional ausgebaut werden m\u00fcssten?<\/p>\n<p>Intendant Ludwig stellte in seinem Bericht die weiteren geplanten Einsparungen beim H\u00f6rspiel, im Klassikangebot von MDR Kultur und beim Jugendsender MDR Jump vor, die schrittweise bis 2025 eingef\u00fchrt werden sollen. Die Einsparpotenziale wurden genannt und bewegten sich jeweils bei einigen Zehntausend Euro. Da fragt sich der Besucher, wie auf diesem Weg die erforderlichen Einsparungen von mindestens 40 Millionen Euro erreicht werden sollen. Den Rundfunkr\u00e4ten scheint die Diskrepanz nicht aufzufallen. Zumindest gab es keine Wortmeldungen in diesem Zusammenhang.<\/p>\n<p>Der MDR hat zum Jahresanfang das ARD-Mittagsmagazin vom RBB \u00fcbernommen. Es sei ein furioser Start gewesen, wof\u00fcr den Beteiligten \u00fcberschw\u00e4nglich und mit einem Empfang gedankt worden sei. Das Mittagsmagazin aus Leipzig soll f\u00fcr mehr Sichtbarkeit von ostdeutschem Leben sorgen. Schlie\u00dflich wird sich der MDR im Jahr 2024 zum Jubil\u00e4um \u201e100 Jahre Rundfunk aus Mitteldeutschland\u201c geb\u00fchrend feiern, zusammen mit dem Jubil\u00e4um seiner beiden Ensembles MDR-Sinfonieorchester und MDR-Rundfunkchor.<\/p>\n<p><strong>Diskussion: Lebendig wie noch nie<\/strong><\/p>\n<p>Es folgte eine \u2013 zumindest f\u00fcr Rundfunkrats-Verh\u00e4ltnisse \u2013 lebhafte Diskussion. Sie entz\u00fcndete sich an den geplanten \u00c4nderungen zum Geldsparen. Als Beispiel wurde immer wieder auf den Sender MDR Aktuell und seine \u00c4nderung im Abendprogramm zur\u00fcckgegriffen. Heiko Hilker legte dar, dass die vom Intendanten vorgetragene Entscheidung der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Diskussion im Rundfunkrat vorgreife. Damit w\u00fcrde dem Staatsvertrag \u00a717 Abs. 2 widersprochen, der eine Beteiligung des Rundfunkrats an Programmentscheidungen vorsehen w\u00fcrde.<br \/>\nDer juristische Direktor des MDR, Prof. Dr. Jens-Ole Schr\u00f6der, zitierte daraufhin Passagen aus dem Staatsvertrag, die die Handlungsweise der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung st\u00fctzen sollten. Nach seiner Meinung h\u00e4tte der Rundfunkrat nach \u00a717 Abs. 2 nur eine Beratungsfunktion in allgemeinen Programmangelegenheiten. Er h\u00e4tte lediglich Entscheidungskompetenz bei Programmbeschwerden und k\u00f6nne Beratung leisten, Verst\u00f6\u00dfe zuk\u00fcnftig zu unterlassen. Daraufhin f\u00fchrten aber weitere Rundfunkratsmitglieder an, dass damit die Funktion des Rundfunkrats untergraben wird, und verlangten eine Einbeziehung des Rundfunkrats in Programmentscheidungen der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung. Der Rundfunkrat m\u00f6chte proaktiv mitarbeiten und nicht die Entscheidungen der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung nur im Nachhinein abnicken oder folgenlos kritisieren.<br \/>\nW\u00e4hrend ein Rundfunkratsmitglied sich der Position von Schr\u00f6der ausdr\u00fccklich anschloss, meldeten sich mehrere andere Rundfunkr\u00e4te zu Wort und betonten, dass der Rundfunkrat seiner beratenden Funktion gar nicht nachkommen kann, wenn er erst nach der Entscheidung informiert wird. Der Rundfunkrat braucht neben der Information \u00fcber geplante Programm\u00e4nderungen aber auch die Angabe der finanziellen Auswirkungen. In diesem Zusammenhang weist Rundfunkrat Hilker darauf hin, dass die ARD kein Aufsichtsgremium hat und demzufolge dem Rundfunkrat hier entsprechende Verantwortung obliegen muss. Schlie\u00dflich ruderte Intendant Ludwig tats\u00e4chlich zur\u00fcck und versprach, bei der ARD um zus\u00e4tzliche Zeit zu bitten f\u00fcr die Beratung der geplanten Programm\u00e4nderungen in den Programmaussch\u00fcssen des Rundfunkrats.<\/p>\n<p><strong>Qualit\u00e4tsrichtlinien<\/strong><\/p>\n<p>Hier ging es um die Beschlussfassung des MDR-Rundfunkrats \u00fcber eine Qualit\u00e4tsrichtlinie f\u00fcr die ARD-Gemeinschaftsangebote gem\u00e4\u00df \u00a731 Abs. 4 Medienstaatsvertrag. Rundfunkrat Hilker brachte eine wesentliche \u00c4nderung in den Text ein: \u201eQualit\u00e4tsrichtlinien sollen ber\u00fccksichtigt werden &#8230;\u201c wird auf seinen Antrag hin ge\u00e4ndert in: \u201eQualit\u00e4tsrichtlinien sind zu ber\u00fccksichtigen&#8230;\u201c. Trotz dieser von ihm durchgesetzten \u00c4nderung k\u00fcndigte er an, mit \u201enein\u201c zur Annahme der Qualit\u00e4tsrichtlinie zu stimmen. Denn er vertritt die Meinung, dass Qualit\u00e4tsrichtlinien von der Unternehmensleitung festgelegt werden sollten, nicht von einem Beratungsorgan wie dem Rundfunkrat. Dem kann man nur zustimmen. Hier zeigt sich wieder ein Beispiel des unternehmerischen Chaos im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk.<\/p>\n<p><strong>Abstimmen: Z\u00e4hlen ist nicht so einfach<\/strong><\/p>\n<p>Sehr bemerkenswert war die Art und Weise, in der eine ganze Reihe von Abstimmungen durchgef\u00fchrt wurden. Bei der oben beschriebenen Entscheidung zur Qualit\u00e4tsrichtlinie waren 43 stimmberechtigte Personen anwesend. Die Abstimmung erfolgte per Handzeichen. Vier Menschen z\u00e4hlten die Stimmen. Als Ergebnis wurde bekanntgegeben: 38 x Ja, 2 x Nein und 2 x Enthaltung. Dass eine Stimme irgendwo verschwunden ist, hat niemanden gest\u00f6rt \u2013 oder hat es niemand bemerkt? \u00c4hnlich verlief die Abstimmung \u00fcber die Frage, ob die Rundfunkratssitzungen zuk\u00fcnftig per Live-Stream \u00fcbertragen werden sollen. Hierf\u00fcr waren 42 Stimmberechtigte im Raum. Ergebnis der Abstimmung waren 21 x Ja, 18 x Nein und 1 x Enthaltung. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit w\u00e4re erforderlich gewesen, um zuk\u00fcnftige Rundfunkratssitzungen per Live-Stream erleben zu k\u00f6nnen. Diese w\u00e4re auch mit den beiden \u201everschwundenen\u201c Stimmen nicht erreicht worden. Schade f\u00fcr die Geb\u00fchrenzahler. Wovor f\u00fcrchtet sich der Rundfunkrat? Auf einen bedauernden Kommentar hin meinte jemand: \u201eAber wir haben doch \u00d6ffentlichkeit!\u201c und verwies auf uns wenige Besucher. Dass wir uns daf\u00fcr einen Tag freinehmen m\u00fcssen, wof\u00fcr wir keine Aufwandsentsch\u00e4digung bekommen wie die Rundfunkratsmitglieder, hat er sicher nur zuf\u00e4llig nicht gewusst. Und Menschen aus entfernteren Regionen der Drei-L\u00e4nder-Anstalt haben es noch viel schwerer, zum Sitzungsort zu kommen. Sie w\u00e4ren sicherlich dankbar, die Sitzung am heimischen PC verfolgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es schlossen sich noch eine Reihe weiterer Abstimmungen an, \u00fcber deren Inhalt auf der Internet-Seite des MDR-Rundfunkrats nachzulesen sein wird. Bemerkenswert war, dass der Vorsitzende Bauer von der Ausz\u00e4hlung der Stimmen zu einer \u201eaugenscheinlichen\u201c Feststellung des Abstimmungsergebnisses wechselte. Auch wenn sein Augenschein sicher nicht trog, da es regelm\u00e4\u00dfig nur ganz wenige Gegenstimmen oder Enthaltungen gab, stellt sich doch die Frage, ob sein Vorgehen korrekt ist. Man will im MDR die digitale Welt erobern, scheitert aber an der Verwendung eines zeitgem\u00e4\u00dfen Abstimmungstools. Oder wie w\u00e4re es wenigstens mit farbigen Abstimmungsk\u00e4rtchen? Der WDR macht\u2018s vor.<\/p>\n<p><strong>Die wunderbare Welt der Rundfunkr\u00e4te<\/strong><\/p>\n<p>Laut neuester Umfrage des \u201eSachsenmonitor\u201c haben nur noch zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung Vertrauen in die Medien. Das war aber kein Thema der Rundfunkratssitzung. Das verwundert auch nicht, wenn man das Gremium sowie F\u00fchrungspersonen des MDR erlebt. Eine ganze Reihe von Rundfunkr\u00e4ten kam zu sp\u00e4t. Nachdem bereits die H\u00e4lfte der Sitzung vorbei war, erschien als letzter der Vertreter des Migrantenverbands Sachsen. Er sowie sehr viele weitere der 50 Rundfunkr\u00e4te f\u00fchlten sich nicht bem\u00fc\u00dfigt, Wortbeitr\u00e4ge zu leisten. Die Diskussion sowie die Antr\u00e4ge wurden von einigen wenigen Vertretern des Rundfunkrats getragen. Worin sehen die anderen wohl ihre Aufgabe, beziehungsweise sehen sie \u00fcberhaupt eine Aufgabe?<\/p>\n<p>Interessant auch die Auffassung von Rundfunkrat Sandro Witt, der auf die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle in Frankreich und Deutschland verwies. In Frankreich wurde die Rundfunkgeb\u00fchr abgeschafft und eine Staatsfinanzierung eingef\u00fchrt. Dadurch bekommen die \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender Frankreichs sechs Prozent mehr Geld. Demgegen\u00fcber steht das KEF-Modell von Deutschland, das derzeit trotz Beitragserh\u00f6hungen Einsparungen bei den Sendern erfordert. Witt riet den Rundfunkratsmitgliedern, auf diese Ungleichheit in der Finanzierung hinzuweisen, \u201ewenn wir politisch mit den Menschen drau\u00dfen reden\u201c. Ist das die Aufgabe eines Rundfunkratsmitgliedes?<\/p>\n<p><strong>Fazit und Ausblick<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben uns bereits in mehreren Texten und einem <a href=\"https:\/\/www.halem-verlag.de\/produkt\/medientraeume\/\">Buchkapitel<\/a> mit Reformvorschl\u00e4gen f\u00fcr einen besseren \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk ge\u00e4u\u00dfert. Publikumsr\u00e4te sind eine Minimal-Vorstellung, um der Stimme der Geb\u00fchrenzahler in den Sendeanstalten Geh\u00f6r zu verschaffen. Wenn jedoch der Rundfunkrat noch darum k\u00e4mpfen muss, seine Beratungsfunktion bei Programmentscheidungen \u00fcberhaupt ausf\u00fchren zu k\u00f6nnen, brauchen wir noch lange nicht an Publikumsr\u00e4te zu denken. Wir haben den Aufbau einer <a href=\"https:\/\/free21.org\/gez-ard-zdf-abschaffen-nein-neu-erfinden\/\">\u00f6ffentlich-rechtlichen Medienplattform<\/a> vorgeschlagen, in der der Nutzer im Mittelpunkt steht und aktiv werden kann. Selbst Vertreter des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks wie Prof. Karola Wille und Dr. Kai Gniffke brachten eine Medienplattform in die Diskussion ein. Dieser Vorschlag scheint aber in der Versenkung verschwunden zu sein. Wir sehen uns nach dem Erlebnis der MDR-Rundfunkratssitzung wieder in unserem <a href=\"https:\/\/apolut.net\/oeffentlich-rechtliche-medien-fuer-das-zeitalter-der-wahrhaftigkeit\/\">letzten Vorschlag<\/a> best\u00e4tigt, die Sendeanstalten des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks abzuwickeln, weil sie nicht reformf\u00e4hig sind. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt \u2013 aber sie stirbt. Nichtsdestotrotz wollen wir das Prinzip des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks erhalten, in der Ausgestaltung einer Medienplattform, mit der umfassende Information und Kommunikation aller Menschen einfach m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag:<\/strong> Mittlerweile wurde das Thema DNA-Verunreinigungen in den &#8222;Impf&#8220;-Stoffen, das uns in die MDR-Rundfunkratssitzung f\u00fchrte, auch in der WDR-Sendung Lokalzeit am 18. Januar 2024 aufgegriffen. Im Gegensatz zum MDR-Beitrag ist dieser Bericht weiterhin in der Mediathek abrufbar. Die MDR-Rundfunkr\u00e4te scheinen davon keine Kenntnis zu haben. Die n\u00e4chste Rundfunkratssitzung des WDR findet am 22. Februar 2024 in K\u00f6ln statt. Es w\u00e4re spannend zu erfahren, ob es auch dort zu Programmbeschwerden gekommen ist.<\/p>\n<p><em>Beate Strehlitz und Dieter Korbely haben am Kompaktkurs Journalismus an der <a href=\"https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/\">Freien Akademie<\/a> f\u00fcr Journalismus &#038; Medien teilgenommen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_8912 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_8912')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_8912').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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