{"id":9033,"date":"2024-03-17T16:18:53","date_gmt":"2024-03-17T15:18:53","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=9033"},"modified":"2024-03-17T16:19:57","modified_gmt":"2024-03-17T15:19:57","slug":"tv-rezension-die-musiklegende-howard-carpendale-bei-maischberger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/tv-rezension-die-musiklegende-howard-carpendale-bei-maischberger\/","title":{"rendered":"TV-Rezension: Die Musiklegende Howard Carpendale bei Maischberger"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Musiklegende Howard Carpendale bei Maischberger.<\/strong><\/p>\n<p><em>Eine TV-Rezension von Benjamin Kradolfer<\/em><\/p>\n<p>Da schaut man nach Jahren ARD-Abstinenz mal wieder kurz rein in Maischberger \u2013 und schon hat man wieder solchen \u00c4rger, dass man sich hinterher hinsetzt und einen 10-seitigen Protest schreibt. Wie bei einem trockenen Alkoholiker: es gibt ja solche, die werden schon r\u00fcckf\u00e4llig, wenn sie Fusel bloss riechen! Etwa so hat mich am Abend des 5. M\u00e4rz 2024 die blosse Ansage \u201eSeit \u00fcber 50 Jahren auf der B\u00fchne!\u201c in Versuchung gef\u00fchrt, und schon wollte ich mir unbedingt reinziehen, was mein Showgesch\u00e4ft-Kollege, der \u201eS\u00e4nger und Entertainer\u201c <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=azmwbBJVNbs\">Howard Carpendale<\/a> im Hinblick \u201eauf seine zweite Heimat, die USA\u201c zu bieten hat. Das hat man davon, wenn man 30 Jahre lang auf bundesdeutschen Stadt- und Staatstheaterb\u00fchnen als Schauspieler gearbeitet hat. Das wirkt noch mehr als zehn Jahre dar\u00fcber hinaus nach, wenn man l\u00e4ngst wieder in der Schweiz lebt.<\/p>\n<p><strong>1. Vorgepl\u00e4nkel<\/strong><\/p>\n<p>Bevor es aber dazu kommt, dass mein ber\u00fchmter Branchenkollege sich zur spannenden, mich wirklich interessierenden Frage auslassen darf, \u201ewas in den Vereinigten Satten los ist\u201c, \u201eerkl\u00e4ren, kommentieren und diskutieren\u201c zun\u00e4chst mal drei gestandene und offenbar genau deshalb von der Redaktion auserw\u00e4hlte Mainstream-Medien-Worker dies und das, was den Zuschauer in der n\u00e4chsten Stunde erwartet \u2013 offenbar ein inzwischen obligatorischer Nach- bzw. Vorhilfe-Unterricht in Interpretation von medial zu konsumierender Innenpolitik. Ich nehme an: das hat den Zweck, solche wie mich zu bef\u00e4higen, dass sie die Welt als anst\u00e4ndiges <em>zoon politicon<\/em> im w\u00fcnschenswerten Rahmen einordnen. Weil ich es aber vorziehe, solches in eigener Regie zu bewerkstelligen und die Welt zu sehen, wie es mir beliebt (nicht \u201esie\u201c: \u201ees\u201c!), und zwar in R\u00fcckgriff auf die sechseinhalb Jahrzehnte Zeit, die mir bislang hier auf Erden gegeben waren, h\u00f6re ich nur mit halbem Ohr hin. Allerdings h\u00f6rt die h\u00f6rende H\u00e4lfte immer noch genug, um zu checken, dass mir da der gleich zu erwartende erste Gast als m\u00f6glicher Kanzlerkandidat der Konservativen angepriesen wird \u2013 nu ja! sag ich mir: In \u00dcbersee toben ja auch bereits die wildesten Wahlkampfschlachten ums White House, da kann sich Deutschland nat\u00fcrlich nicht lumpen lassen und f\u00e4ngt auch schon mindestens anderthalb Jahre, bevor&#8217;s dann wirklich ans Eingemachte geht, mit der kanzler-k\u00fcrenden Kaffeesatz-Leserei an.<\/p>\n<p>Und auch diesem Kanzleramt-W\u00fcrdigen, dem nordrhein-westf\u00e4lischen Ministerpr\u00e4sidenten Hendrik W\u00fcst, mag ich nicht volle Aufmerksamkeit schenken, zumal er der Moderatorin gleich als allererstes \u201eals der politische Mensch\u201c, der er ist, verraten soll, von wem er lieber ein s\u00fcsses Herzchen auf seine Regierungsbank geritzt bekommt \u2013 von den Gr\u00fcnen oder der CSU? (So viel schon mal zur Koalitionsfrage, die im \u00fcbern\u00e4chsten Herbst ansteht&#8230;) Und auch als es danach etwasweniger s\u00fcss weitergeht und er 20 Minuten lang zu allen Themen, die in Deutschland gerade innenpolitische Wellen schlagen, lauter Erwartbares \u00e4ussern darf, geht mir die Frage, wer n\u00e4chstes Jahr den Scholz als Bundes-Kanzler abl\u00f6sen soll \u2013 der S\u00f6der oder der Merz oder ein anderer? \u2013, ebenso am Arsch vorbei wie ihre Beantwortung. Wobei dieser mein Arsch immer noch aufnahmef\u00e4hig genug ist, um zu merken, dass man mir verklickern will, dass der W\u00fcst von denobigen drei andern doch eigentlich der beste w\u00e4re. (Ist bei mir schon deswegen verlorene<br \/>\nLiebesm\u00fch, weil ich als Schweizer gar nicht mitw\u00e4hlen darf. Und wenn ich d\u00fcrfte, w\u00fcrde ich nicht wollen. Und es auch nicht tun.)<\/p>\n<p><strong>2. Der Hauptact<\/strong><\/p>\n<p>Dann aber endlich: \u201edie Musiklegende\u201c Howard Carpendale, der wahl-US-amerikanische Deutsche s\u00fcdafrikanischer Herkunft \u2013 allein diese Melange verspricht doch schon viel mehr als blossen, deutsch-biederen Polit-Talk. Und tats\u00e4chlich \u00fcbertrifft sein 20-min\u00fctiger Auftritt die vorhergehenden Darbietungen an dramaturgischen \u00dcberraschungs-Effekten und an gedanklicher Artistik um L\u00e4ngen. Ich nehme es hier gleich vorweg: Der K\u00fcnstler Carpendale, auch er ein hoch politischer Mensch, wie alle seine Vorredner, vollbringt an diesem Abend, assistiert von seiner Gastgeberin, Frau Maischberger, das Kunstst\u00fcck, die Frage, was eigentlich los ist in den Vereinigten Staaten, zun\u00e4chst mit niederschmetternden Einsichten zur h\u00f6chst bedenklichen Lage der US-amerikanischen Nation (State of the Nation, wie man es in \u00dcbersee nennt) zu beantworten, diesaber gleichzeitig in einer Kernaussage gipfeln zu lassen, die eindeutig auf Putins Russland zielt und im Grunde Europa dazu aufruft, dringend milit\u00e4risch aufzur\u00fcsten. Na, wenn das kein h\u00f6chst \u00fcberraschend und kunstvoll hergestellter Zusammenhang ist! Weil der US-Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf n\u00e4mlich so spannend ist und man ja noch nicht weiss, ob der Biden bleibt oder der Trump wiederkommt, bekennt Carpendale:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch weiss nicht, ob es eine Sucht ist, aber ich will wissen, wie diese Story weitergeht. Es macht mir auch viel Sorgen, ich hab auch sehr viel Angst f\u00fcr meine Kinder, meine Enkel, f\u00fcr meine ganze Familie: Dieser Mann (Trump) hat vor kurzem erkl\u00e4rt, er w\u00fcrde Putin sagen: Mach, was du willst mit den L\u00e4ndern, die nicht genug&#8230;\u201c (\u201e&#8230;die nicht zahlen\u201c, springt die Interviewerin in die Bresche \u2013 sprich: mit den europ\u00e4ischen Nato-L\u00e4ndern) \u201e&#8230;bezahlen \u2013 das ist schon ein Satz, da k\u00f6nnte man andere Worte daf\u00fcr nehmen, dann klingt es ziemlich grausam.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Was uns der Alt-Meister da also ans Herz legt, ist, dass die einzige Gefahr f\u00fcr Demokratie und Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in der Welt keinesfalls von Seiten der maroden Supermacht in atlantischer \u00dcbersee droht, die noch dazu ein massives Problem mit ihren anstehenden demokratischen Wahlen hat, sondern aus den Weiten des russischen Imperiums des b\u00f6sen Mannes Putin. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, oder etwa nicht?<\/p>\n<p>Um sich aber das Ausmass an Raffinesse, um nicht zu sagen: anheimelnder Sch\u00f6nheit, mit der uns die beiden Plauderer diese \u00fcberw\u00e4ltigende Einsicht pr\u00e4sentieren, angemessen zu w\u00fcrdigen, lohnt es, sich den ganzen Verlauf des Gespr\u00e4chs ein wenig zu vergegenw\u00e4rtigen.<\/p>\n<p><strong>3. State of the Nation Adress<\/strong><\/p>\n<p>Die Musiklegende, immer wieder mit den richtigen Stichworten seiner Souffleuse Maischberger bedient, belehrt uns also zun\u00e4chst \u00fcber den Zustand der amerikanischen Gesellschaft im Wahljahr 2024:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eViele Leute, die noch nie in America waren, haben eine falsche Vorstellung, wie America wirklich ist. Vielleicht denkt man, es ist alles Glitter und Glanz und Las Vegas. America ist ein sehr marodes Land. Wenn man von der K\u00fcste wegf\u00e4hrt \u2013 mein Sohn wohnt mitten in America, und da bin ich \u00f6fter mal hingefahren \u2013 es ist unvorstellbar. Lass einen kleinen Sturm aufkommen, da sind eine Million gleich unter Strom. Es ist ein Land, das wirklich in der Mitte, oder sagen wir: diese sogenannte \u201efly-over-zone\u201c&#8230; (\u201e&#8230;von der Westk\u00fcste zur Ostk\u00fcste oder umgekehrt&#8230;\u201c, erg\u00e4nzt Maischberger) &#8230;das ist verw\u00fcstet, das ist vergessen und verlassen. Die Menschen hier f\u00fchlen sich auch so, die f\u00fchlen sich verlassen, und ich meine: davon hat jeder sechste keine Versicherung. Ich hab im Krankenhaus gesessen mal, und was man da erlebt \u2013 es ist traurig! Es ist wirklich ein Land, das einen Mann braucht, oder eine Frau vorne!, dem man vertrauen kann. (&#8230;) 70% aller Amerikaner wollen beide Herren nicht, weder Trump noch Biden. Ich meine, das ist schon keine gute Zukunft, wenn man einen von den beiden kriegt, und 70% wollen&#8217;s gar nicht. Es ist eine schwierige Situation. (&#8230;) Es ist sehr, sehr schwer vorauszusagen, wie das ausgeht. (&#8230;) Was mich am meisten st\u00f6rt: es gibt keine gute L\u00f6sung&#8230;&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Uff! So happige Zweifel an den USA ? Das gibt&#8217;s doch kaum noch in Europas Qualit\u00e4tsmedien! Und \u201emarode\u201c nennt er sie! Als redete er von der DDR in ihrem Endstadium! Ist das nicht nahezu Gottesl\u00e4sterung?! \u2013<!--more--><\/p>\n<p><strong>4. Aussetzer<\/strong><\/p>\n<p>\u2013 Doch oh Wunder: keinerlei Widerspruch von Seiten der Moderatorin! Da sieht der Mann null positive Zukunft f\u00fcr die einzig legitime F\u00fchrungsmacht der Welt, macht recht eigentlich einen auf echt miese Stimmung im Karton, ein richtiger Spielverderber, wenn man ihn beim Wort nimmt \u2013 und dennoch weist sie Frau Maischbergeri ihn nicht als Schwurbler zurecht, nicht als Verschw\u00f6rungstheoretiker oder Fake-News-Verbreiter oder Antisemit, oder was auf dem Markt an Todesurteilen f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Ruf eines Dissidenten sonst noch alles umsonst zu haben ist! Nein, nur zu einer klitzekleinen Richtigstellung dr\u00e4ngt es sie an dieser Stelle, nur zu einer gewissermassen spezifizierenden Differenzierung oder differenzierenden Spezifizierung:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDarf ich da einmal ganz kurz, weil: es wird immer dar\u00fcber geredet, dass Biden derjenige ist mit den Aussetzern, \u00e4hm, nur damit wir da mitgenommen sind, Sie haben das erw\u00e4hnt: es gab einen Aussetzer, den Donald Trump sich geleistet hat, er hat tats\u00e4chlich Obama und Biden miteinander verwechselt gerade&#8230;\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>\u2013 &#8230;und so werden wir von der passenden Einspielung genau so mitgenommen, wie&#8217;s ihr Team oder die Redaktion oder wer auch immer abgesprochen und vorbereitet hat, und wir h\u00f6ren und sehen einen von Trumps \u00fcblichen Dreckschleuder-W\u00fcrfen, der in der Aussage \u201eThe President is a fool\u201c gipfelt, und tats\u00e4chlich ist vom Wortlaut her der Fool kein Weisser wie Biden, sondern der Schwarze, der nach Ansicht Trumps nicht einmal Amerikaner ist. F\u00fcr die Psychologin Maischberger ist gem\u00e4ss der Freud&#8217;schen Versprecher-Theorie der Fall klar: \u201eDa steckt so viel drin&#8230;! also klar: Biden und Obama zu verwechseln&#8230; das k\u00fcmmert die W\u00e4hler gar nicht, n\u00f6?\u201c, und Carpendale erl\u00e4utert:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWas mir ein bisschen Sorgen macht: der Trump ist 77, der Biden 81, und ich liege genau dazwischen&#8230;\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8230;und wie Carpendale nun diese Pointe an den Mann bringt, so absolut souver\u00e4n, so supercool und ohne mit der Wimper zu zucken, und Kopf und Augen genau im richtigen Augenblick und nur f\u00fcr eine Sekunde in Richtung Publikum \u2013 das erwartungsgem\u00e4ss Heiterkeit bekundet \u2013 und wieder zur\u00fcck zu Maischberger schweifen l\u00e4sst, um sich den Lacher im Saal-Publikum abzuholen: das beweist eindr\u00fccklich, welch alter Show-Hase er doch ist und wie hochprofessionell er seine hochintelligente Witzischkeit (kennt keine Grenzen!) an den Mann zu bringen weiss, und selbst diebmit allen Wassern gewaschene Moderations-Profi*in kann nicht da anders und muss einfach lachen! Aber nicht, dass der alte Polit-Hase es beim Scherz bewenden liesse, o nein! Zu so was hat schon noch Ernsteres zu bieten:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e&#8230;da ist ein grosser Unterschied: Die Aussetzer, die ein Trump macht, fordern schon ein bisschen Wissen \u00fcber Politik, das haben aber viele Amerikaner nicht. Die sehen aber Biden, wie er vom Fahrrad f\u00e4llt, und das ist viel schlimmer als ein Aussetzer. Das ist schwierig zu verstehen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist ist so ungeheuer schwierig zu verstehen, dass ein Versuch, es uns zu erkl\u00e4ren, offenbar f\u00fcr alle beide (oder eigentlich: f\u00fcr alle vier, n\u00e4mlich sowohl die beiden Psychologen wie die beiden Polit-Analysten) nicht lohnt. Und tats\u00e4chlich w\u00e4re es ja auch in jeder Hinsicht m\u00fcssig, verstehen zu wollen, was passieren w\u00fcrde, wenn Biden z.B. mitten im Grossmacht-Gipfel von der B\u00fchne fallen oder, bei einer allf\u00e4lligen Angriffs-Order an seine US-Army, Russland mit China verwechseln w\u00fcrde oder so \u2013 an seiner pr\u00e4sidialen Zurechnungsf\u00e4higkeit jedenfalls k\u00f6nnen nur zutiefst \u00dcbelgesinnte zweifeln. Ganz im Unterschied zu Trump.<\/p>\n<p><strong>Freie Kritik an Washington<\/strong><\/p>\n<p>Und so verlassen wir f\u00fcr den Moment das Thema Trump und kommen zu Carpendales fundierter Regierungskritik:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eBiden gibt sich auch nicht gut, muss ich sagen. Er hat sicherlich keine schlechte Politik gemacht die drei Jahre, aber die Art und Weise wie er sich gibt&#8230; America ist ein Macho-Land: die wollen jemanden, der St\u00e4rke zeigt, der fit ist. (&#8230;) Die Amerikaner wissen erst mal gar nicht, wo das Ausland liegt, das ist wirklich wahr \u2013 ich rede jetzt von einzelnen L\u00e4ndern, also: Ukraine \u2013 ich wette: 80% der Amerikaner fragen: Wo liegt das? und es ist kein Wunder, dass sie ihr Geld nicht gerne an ein Land geben wollen, wo sie selber grosse finanzielle Schwierigkeiten haben. Sie suchen eigentlich nach jemandem, der von ausserhalb dieses Systems kommt, und das ist Trump.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Sch\u00f6n bl\u00f6d f\u00fcr die Macho-Amis: Da wollen sie unbedingt einen starken Mann und haben auch die freie Wahl, aber nur zwischen einem Tattergreis und einem Grossmaul, die sie beide nicht haben wollen, w\u00e4hrend die Russen, wie wir ja wissen, ihren starken Mann alle nicht wollen, aber keine Wahl haben und dennoch in der Mehrheit nichts dagegen haben, vom starken Putin regiert zu werden! Das alles ist so ungeheuer kompliziert, dass selbst Experten wie Carpendale und Maischberger, die in solchen Dingen kaum je um Worte verlegen sind, es offenbar f\u00fcr sinnlos erachten, es uns zu erkl\u00e4ren, ausser dass es sich freilich von selbst versteht, dass der ganze Schlamassel ein absolut triftiger Grund ist f\u00fcr die demokratischen Machos in \u00dcbersee und in Europa, den Krieg in der Ukraine m\u00f6glichst lange, d.h. bis zum Endsieg weiter zu f\u00fchren, und deshalb haben auch die Ukrainer sicher alle w\u00e4rmstes Verst\u00e4ndnis und nehmen gerne in Kauf, dass ihr Land und sie selbst dabei vor die Hunde gehen, erst recht, wo in Ami-Land ja kaum jemand eine Ahnung hat, wo auf der Weltkarte die \u00fcberhaupt zuhause sind.<\/p>\n<p><strong>Das Treffen der Giganten<\/strong><\/p>\n<p>\u2013 Und damit wieder zur\u00fcck zu Trump: Als DIE Spezial-Sensation schon zu Anfang angek\u00fcndigt war Carpendales pers\u00f6nliches Zusammentreffen mit dem im Grunde von Anfang an feststehenden Republikaner-Kandidaten, und an dieser Stelle nun erl\u00f6st uns die Interviewerin endlich und l\u00e4sst den Countdown auf \u201eZero\u201c ablaufen, und los geht&#8217;s:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch sa\u00df mit drei Freunden im Club-Haus im Donald-Trump-Golf-Platz, und er kam mit einem Hubschrauber geflogen und landete vorm Club-Haus und hat am Tisch gesessen direkt neben uns, Hamburger und Cola-Light hat er gegessen und getrunken. Und dann kam er zu uns r\u00fcber auf einmal, legte seine Hand auf meine Schulter und sagte zu den andern Jungs: Er ist schon ein super Golfer! und ging dann weg. Und da haben wir uns alle angekuckt, und ich habe gesagt: Ich glaube, er hat mich verwechselt.\u201c <em>(Tosender Applaus und Jubel.)<\/em> \u201eMeine Familie wirft mir ein bisschen vor in den letzten zwei, drei Jahren, dass ich viel zu viel BBC-World und CNN kucke \u2013 ich weiss nicht, ob man das jemandem erkl\u00e4ren kann, aber wenn dudiese unmittelbare Begegnung gehabt hast und du stellst fest, dieser Mann ist dann ein paar Monate sp\u00e4ter der m\u00e4chtigste Mann der Welt geworden&#8230; Ich weiss nicht, ob es eine Sucht ist, aber ich will wissen, wie die Story weitergeht&#8230;\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8230;weiter im Text: siehe oben. \u2013 Ein bisschen stocke ich da ja schon: Ist der Trump denn jetzt der m\u00e4chtigste Mann der Welt auch schon vor den Wahlen geworden, so wie Republikaner-Kandidat? Aber sei&#8217;s, wie&#8217;s ist \u2013 wir lernen: Was mit den Vereinigten Staaten los ist und wie die Story mit Trump und Biden weitergeht, und dass es dabei \u201ekeine gute L\u00f6sung gibt\u201c, das alles ist ganz wichtig in Bezug auf die Ukraine, Russland und Putin, aber \u00fcberhaupt nicht in Bezug auf den Nahen Osten und den Gazakrieg oder sonst etwas Ausl\u00e4ndisches. Der K\u00fcnstler und USA-Spezialist aus eigener Erfahrung richtet sein politisches Augenmerk bestimmt nicht ohne Grund ausschliesslich auf die Ukraine, wenn&#8217;s nicht mehr nur um America, sondern auch um die Welt geht, und auch seine Einfl\u00fcsterin sieht keinerlei Bedarf, zu Israel und den Pal\u00e4stinensern auch nur ein einziges Wort zu verlieren oder zu China und den Taiwanesen oder zu allen andern Orten auf Erden, an denen der Washingtoner Teufel los ist \u2013 Hauptsache: Biden hat zwar jede Menge Aussetzer, aber \u201esicherlich keine schlechte Politik gemacht die drei Jahre.\u201c<\/p>\n<p><strong>S\u00fcdafrika in der 1940-60ern: Erlebnis Rassismus und Liebe zu Politik<\/strong><\/p>\n<p>Und so leitet Frau Maischberger auf einen neuen, ganz wichtigen Aspekt der Pers\u00f6nlichkeit Howard Carpendale \u00fcber: \u201eWie stark war das Elternhaus politisch gepr\u00e4gt? (&#8230;) in S\u00fcdafrika geboren, und der Grossvater war B\u00fcrgermeister von Durban, und der Vater war auch als Abgeordneter in der Provinz Natal engagiert&#8230;\u201c<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir haben viel \u00fcber Politik geredet, meine Liebe zu Politik ist da gewachsen. Ich bin in einem Land aufgewachsen, das, was Rassismus angeht&#8230;\u201c (\u201e&#8230;an der Spitze war&#8230;\u201c, souffliert Maischberger) \u201e&#8230;an der Spitze war, und das einzige, was ich dazu sagen kann zu diesem Problem, da ich es wirklich in meiner eigenen Entwicklung erlebt habe: es wird Generationen dauern, bis dieses Problem wirklich weg ist. Wir d\u00fcrfen uns da keine Tr\u00e4ume machen. Jeder muss versuchen, sich daran zu erinnern und v.a. Menschen kennenzulernen, wo man Probleme mit gewissen Hautfarben hat.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Von einem so Erfahrenen w\u00fcrde man ja schon gerne ein bisschen mehr wissen wollen \u00fcber \u201edieses Problem\u201c, z.B. \u00fcber seine Erfahrungen damit in den USA, ob es vielleicht da Parallelen zu Apartheid-S\u00fcdafrika gibt oder eher nicht, oder ob er vielleicht als die Musiklegende, die er ist, auch mal mit Nelson Mandela zusammengetroffen ist in irgend einem exklusiven Club&#8230;? Und tats\u00e4chlich hakt Frau Maischberger hier auch nach, bloss: an Afrika und Afrikanern oder Afroamerikanern ist sie weniger interessiert als an der Staatsangeh\u00f6rigkeit ihres Publikums:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e&#8230;mit 20 nach Deutschland gekommen, 1966, das war eine Zeit, wo man aufmachte, wo&#8217;s eigentlich \u00fcberhaupt keine grossen Vorbehalte gab \u2013 wie sind Sie aufgenommen worden? War&#8217;s eine Willkommens-Kultur? Mussten Sie m\u00f6glichst schnell den Sprachkurs machen?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8230;und der K\u00fcnstler erz\u00e4hlt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNein, kein Sprachkurs, weil Afrikaans hatte ich ja auf der Schule gelernt, das hat sehr viel \u00c4hnlichkeit mit Deutsch: &#8218;Ek het jou lief&#8216; \u2013 heisst: &#8218;Ich hab dich lieb&#8216;.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Daf\u00fcr erntet der Star nun wieder so tosenden Applaus, dass man sich fragt, ob das Saal-Publikum wirklich spontan auf dieses Liebeserkl\u00e4rung reagiert, oder nicht doch eher auf irgendein den Kameras verborgenes Schild, auf welchem geschrieben steht, welche von den Publikums-Reaktionen gerade gew\u00fcnscht ist, die bekanntlich in zahlreichen Live-TV-Sendungen jeweils vor der Aufzeichnung und zur allgemeinen Stimmungs-Hebung einge\u00fcbt werden, unter Anleitung von professionellen Animateuren. Aber wie auch immer:<\/p>\n<p>Frau Maischberger jedenfalls unterl\u00e4sst jede Nachfrage, mit welcher Art politischen Engagements f\u00fcr welche der verschiedenen Arten S\u00fcd-Afrikaner Grosspapa und Papa Carpandale klein Howards \u201eLiebe zu Politik\u201c im Apartheid-Staat denn so fr\u00fch in seinem Leben haben wachsen lassen. Also helfe ich mir selbst: Eine Wikipedia-Suche ergibt zur Stadt Durban&#8230;<\/p>\n<p>\u2013 erstens: \u201eDurch den Kolonialstatus stieg Durban zum wichtigen Hafen- und Handelsplatz im s\u00fcdlichen Afrika auf. Ab 1860 brachten die Briten Tausende indische Landarbeiter nach Natal, die \u00fcber den Hafen Durban einwanderten. Sie erlangten nach und nach einen deutlichen Einfluss auf die Stadt und deren Nachkommen machen heute einen betr\u00e4chtlichen Teil der Bev\u00f6lkerung dieser Metropole aus. W\u00e4hrend seines Aufenthalts in S\u00fcdafrika von 1893 bis 1915 arbeitete Mahatma Gandhi f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit als Anwalt in Durban\u201c \u2013 aber nix da mit Carpendales.<br \/>\n\u2013 und zweitens: eine \u201eListe von Pers\u00f6nlichkeiten der Stadt Durban\u201c, mit 81 Namen aus dem ganzen 20. Jahrhundert, exakt von 1900 bis 2000, ganz \u00fcberwiegend aus dem Bereich Sport, wobei unter der Handvoll genannter K\u00fcnstler bzw. f\u00fcr die 1940er Jahrg\u00e4nge tats\u00e4chlich auch ein \u201eHoward Carendale (*1946), deutscher Schlagers\u00e4nger und -komponist\u201c genannt wird; andere verdienstvolle Carpendales mit fr\u00fcherem Geburtsjahr hingegen finde ich keine \u2013 nun ja: Howards Grossvater ist h\u00f6chstwahrscheinlich noch im 19. Jahrhundert geboren, also Grund genug, dass er auf dieser Liste nicht zu finden ist, sogar wenn er sich irgendwelche \u201eden Kolonialstatus\u201c der Stadt \u00fcberragenden Verdienste erworben haben sollte. \u2013 Aber was ist mit seinem Papa? Nun, kann ja sein, dass der \u00e4lter war als 46, als Carpendale Sohn zur Welt; kann aber auch sein, dass es im Apartheid-Staat von vor 1940 einfach keine \u201ePers\u00f6nlichkeiten\u201c dieses Namens gab, \u201edie mit Durban in S\u00fcdafrika in Verbindung stehen\u201c und sich aus heutiger Sicht politisch besonders verdient gemacht h\u00e4tten, und wenn sie sich hingegen aus Apartheid-Sicht verdient gemacht haben, dann tauchen sie aus irgendeinem unerfindlichen Grund in dieser Liste nicht auf.<\/p>\n<p>Aber es gibt ja noch eine dritte Chance: Die \u201eProvinz Natal\u201c. Aber auch dazu hat Wikipedia leider gar nichts Carpendale&#8217;sches zu vermelden, ja: \u00fcberhaupt nur derart Sp\u00e4rliches, dass man sich wundert, dass da \u00fcber den paar Zeilen \u00fcberhaupt eine Kapitel-\u00dcbersicht prangt: zu \u201eNatur\u201c 7 Zeilen und zu \u201eGeschichte\u201c 7, wobei die letzteren sich beim Lesen auch noch als eher \u201eAdministratives\u201c herausstellen, und das war&#8217;s dann schon fast. Am interessantesten vielleicht: \u201eDer Name wird als &#8218;Weihnachtsland&#8216; \u00fcbersetzt, da es am Weihnachtstag, dem &#8218;dies natalis&#8216;, 1497 von Vasco da Gama entdeckt wurde.\u201c \u2013 Ha: war also der ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte und damals gerade mal 28-j\u00e4hrige Jung-Portugiese seinerzeit sowas wie der Weihnachtsmann f\u00fcr all die Neger, die dort schon seit ungez\u00e4hlten Generationen lebten, ohne je auf die Idee zu kommen, dass sie ihr Land zur Abwechslung ja auch mal mit einer Entdeckung begl\u00fccken k\u00f6nnten&#8230;<\/p>\n<p>Vielleicht aber ist Carpendale jr. ja nicht nur ein politisch versierter und historisch erfahrener K\u00fcnstler, sondern auch ein schlichterdings so bescheidener Charakter, dass er die Verdienste seiner Vorv\u00e4ter bei der Befreiung der Menschheitsfamilie von oberdummen Vorurteilen und Hass und Unterdr\u00fcckung einfach erw\u00e4hnen mag, weil das zu prahlerisch r\u00fcberk\u00e4me. Jedenfalls fasst er den fraglichen Sachverhalt folgendermassen zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch wollte nur sagen: ich bin vielleicht ein bisschen s\u00fcchtig nach diesen Kriegen und politischen Problemen, es ist wie eine neue Reality-Show. (&#8230;) Ich komme aus dem Show-Gesch\u00e4ft, und Politik und Showgesch\u00e4ft haben gewisse \u00c4hnlichkeiten. Ich hab gerade mein Team gefragt: Wer ist der junge Mann, der hier rein gekommen ist? Herr W\u00fcst \u2013 fand ich schon mal: ein Lichtblick!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser \u00dcbergang ist freilich sehr abrupt und ich stocke etwas: Von seiner ungekl\u00e4rten \u201eLiebe zu Politik\u201c unter Apartheid-Bedingungen und seiner \u201eSucht nach diesen Kriegen und politischen Problemen\u201c so unvermittelt zu Deutschlands Hoffnungstr\u00e4ger und k\u00fcnftiger Lichtgestalt? L\u00e4sst uns unsere rassismus-erfahrene Musiklegende tats\u00e4chlich einfach dastehen und -sitzen mit der simplen Erkenntnis, dass wir die Zeiten, in denen Rassismus \u201eweg\u201c ist, sicher nie erleben werden und jedem von uns nur das Erinnern daran bleibt und die Bekanntschaft mit praktizierenden Rassisten? Und nicht einmal, ob wir dabei den Kontakt zu den Menschen \u201emit gewissen Hautfarben\u201c eher meiden sollten oder suchen, brauchen wir zu wissen? \u2013 Offenbar ja, und auch Frau Maischberger scheint da mit ihm vollkommen \u00fcbereinzustimmen, Genaueres jedenfalls will sie dazu von ihm nicht wissen.<\/p>\n<p><strong>Der Lieblings-Kanzlerkandidat<\/strong><\/p>\n<p>Aber bestimmt ist es einfach so, dass ihn die Sache mit den \u201eProblemen mit gewissen Hautfarben\u201c ganz spontan daran erinnert hat, dass es in dieser Sendung ja auch schon um die Migrationsfrage in Deutschland gegangen ist und um ihre L\u00f6sung aus dem Munde des nordrhein-westf\u00e4lischen Kanzleramt-W\u00fcrdigen, und dass er deshalb mal eben schnell seine Assoziation mit dem Lichtblick zum Besten gab, und dass sich deshalb das ganze Thema Rassismus v\u00f6llig absichtslos einfach mal so eben verfl\u00fcchtigt hat, wie&#8217;s einem eben manchmal passiert beim angeregtem Plaudern, nicht wahr?<\/p>\n<p>Jedenfalls ist dieser \u201eLichtblick\u201c inform des \u201ejungen Manns\u201c Hendrik W\u00fcst \u2013 auch das erfahre ich aus Wikipedia, denn jetzt, wo mein ber\u00fchmter Berufskollege f\u00fcr ihn Werbung macht, will ich es doch genauer wissen \u2013 49-j\u00e4hrig, \u201everheiratet, seit 2021 Vater einer Tochter und seit 2007 Inhaber eines Jagdscheins und passionierter J\u00e4ger sowie u.a. Kurator der in Essen ans\u00e4ssigen Brost-Stiftung\u201c, die sich u.a. \u201estark macht f\u00fcr kritischen, couragierten Journalismus (&#8230;) \u2013 &#8218;Ideen mit Wirkung f\u00fcr das Ruhrgebiet und weit \u00fcber die Grenzen hinaus. Das ist unser Anspruch.&#8217;\u201c, sowie \u201eVorsitzender der Jerusalem Foundation Deutschland\u201c, und das ist \u2013 wiederum laut Wikipedia \u2013 eine \u201eweltweit operierende, unabh\u00e4ngige, \u00fcberparteiliche und gemeinn\u00fctzige Organisation mit Hauptsitz in Jerusalem\u201c und \u201eagiert als Vermittlerin zwischen Juden, Christen und Muslimen in der f\u00fcr alle drei monotheistischen Weltreligionen wichtigen Stadt.\u201c Soweit ich mein Ohr den Verlautbarungen dieses Lichtblickes Frau Maischberger gegen\u00fcber \u00fcberhaupt geliehen habe, ist mir nichts aufgefallen, was irgendwie mit Jerusalem und der Weltgegend, in der es liegt, zu tun gehabt h\u00e4tte \u2013 aber klar: schliesslich hat er sich ja nicht mal zur Ukraine und Putin ge\u00e4ussert, es ging da wirklich ausschliesslich um die Innenpolitik, die man von einem Jung-Kanzler W\u00fcst allenfalls zu erwarten h\u00e4tte, nicht um seine weltweite Vernetztheit oder seinen Anspruch und seine Wirkung weit \u00fcber die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus. Nein: auf diesen kommenden \u201ejungen Mann\u201c setzt der politisch hoch gebildete und weise gewordene alt-K\u00fcnstler ganz einfach deshalb, weil es ihm um folgendes geht:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch glaube: In aller Welt m\u00fcssen wir weg von Menschen in meinem Alter und m\u00fcssen zur\u00fcck zu einer Generation, die zumindest diese schwierigen Zeiten \u00fcberleben werden, und nicht Leute, die f\u00fcr sich selber nicht unbedingt die Motivation haben.\u201c Zu letzteren, so f\u00fchrt er aus, geh\u00f6rt auch Bundeskanzler Scholz: der \u201ekommuniziert nicht gut. Ich kann nur nochmals sagen: Man steht auf einer B\u00fchne, und man muss die Menschen erreichen, und das ist etwas, was man \u00fcber Jahre lernt. Und ich hab wirklich das Gef\u00fchl, dass ich da nicht ein Teil davon bin, ich f\u00fchl mich als Aussenseiter, wenn ich ihn reden h\u00f6re.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Uff! Mumm hat der Mann! Kritisiert den Kanzler Scholz! Das wagen l\u00e4ngst nicht mehr alle in den deutschen Qualit\u00e4tsmedien! Aber wir sind ja hier schliesslich nicht in Russland, und Frau Maischberger, Vertreterin des \u201ekritischen, couragierten Journalismus\u201c im deutschen Fernsehen, und ihr Team haben dazu h\u00f6chst passend einen Trailor vorbereitet und spielen ihn nun ein. Und so werden wir mitgenommen ins bundesdeutsche Wahlkampfjahr 1992 und in eine halbe Minute von Carpendales seinerzeitigen O-Ton, denn schon anno dazumal liess sich unser Superstar, gerade mal 46 Jahre jung und ebenso bequem ins Studio-Fauteuil gefl\u00e4tzt wie heute, folgendermassen vernehmen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch habe \u00fcberhaupt keine Lust, eine von den drei Parteien zu w\u00e4hlen, und ich w\u00e4re sofort an der Wahl, wenn ein Mann da w\u00e4re, wo ich sage: &#8218;Das ist etwas, wo ich sage, da steh ich zu!&#8216; Im Moment fehlt mir auf dem Wahlzettel eine Partei &#8218;MKE&#8216;, das steht drauf: &#8218;MKE&#8216;, und das heisst: mit keinem einverstanden.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Was nun wiederum Carpendales O-Ton 2024 kommentiert:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch bin auch ein bisschen \u00e4lter geworden, aber es ist ein Problem, das es \u00fcberall gibt. Wenn man sich umschaut in unserer Welt, in Europa: Da ist nicht jemand da, wo ich sagen kann: das lohnt sich, da einen neuen Anfang zu machen&#8230;\u201c <em>(\u201eIch bin immer milde\u201c, wirft hier Frau Maischberger ein, \u201eund sage: die Probleme sind vielleicht zu gross geworden.\u201c)<\/em> \u201eDie Probleme h\u00e4ngen erst mal miteinander zusammen, es ist ein Knoten von Problemen im Moment, die wir einfach nicht angehen, wie wir&#8230; Ich habe auch keine L\u00f6sung&#8230; Es ist eine Welt im Moment, die&#8230; also: wenn wir bis 2034 kommen, dann, \u00e4h, w\u00e4r ich schon sehr gl\u00fccklich!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Hoffen wir also in den n\u00e4chsten zehn Jahren auf einen starken Mann, wie einst Alexander der Grosse (356-323 v.Chr.) einer, der seinerzeit als \u201eder junge Mann\u201c, der er zeitlebens blieb (nicht mal 33 ist er geworden), den Gordischen Knoten von lauter Problemen,\u00a0 die allesamt \u201evielleicht zu gross geworden\u201c waren, gel\u00f6st hat, indem er ihn der damaligen Waffentechnik entsprechend ganz einfach mit seinem Schwert mitten hindurch entzwei, -drei, -vier, -f\u00fcnf, -zehn, -hundert, -tausend etc. haute (die Zahl der \u00fcbriggebliebenen\u00a0 Fitzelchen ist nicht \u00fcberliefert)! Und m\u00f6ge dieser Erl\u00f6ser \u2013 mit Gottes Hilfe \u2013 aus den \u00fcberseeischen Macho-Landen kommen und nicht aus den Weiten Russlands oder aus dem Reich der Mitte oder weiss der Teufel sonst woher! Und gross und stark muss er sein! Aber solches sagen uns unsere beiden Polit-Plauderer nat\u00fcrlich nicht vor, sondern \u00fcberlassen \u2013 hart aber fairerweise \u2013 das Urteil ganz ihrem m\u00fcndigen Publikum. F\u00fcr Deutschland jedenfalls gen\u00fcgt f\u00fcrs erste \u2013 also: ab n\u00e4chstem (Wahl-)Jahr jetzt \u2013 ein Jung- Kanzler wie W\u00fcst.<\/p>\n<p><strong>Altersweisheit und pers\u00f6nlicher Ausklang<\/strong><\/p>\n<p>Wenden wir uns also zum guten Ende der musikalischen und pers\u00f6nlichen Seite des Herrn Carpendale zu. \u201eOkay!\u201c, beginnt Maischberger, der K\u00fcnstler habe \u201egerade angek\u00fcndigt: ein letztes Album, keine Studio-Touren, nur noch Singles, nur noch kleinere Konzerte&#8230; Es ist aber kein Abschied von der B\u00fchne, oder?\u201c \u2013 \u201eNein.\u201c \u2013 Und damit wendet sich die Moderatorin nun direkt an die Kamera, das heisst: an ihr \u201ePublikum zuhause\u201c:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eF\u00fcr alle, die&#8217;s nicht mitbekommen haben: Danach gab&#8217;s &#8217;nen Umzug in die USA, es gab die tiefe Depression&#8230;\u201c, und sie verweist uns dringend auf \u201eein fantastisches Interview bei Harald Schmidt \u00fcber die Frage der Depression und wie schwer es wirklich war, weil es wirklich den Gedanken auch gab an Suizid. Und dann kommt jemand und sagt: Eigentlich musst du zur\u00fcck auf die B\u00fchne \u2013 das heisst: Sie haben lebensl\u00e4nglich! K\u00f6nnen Sie nur noch auf der B\u00fchne sein, oder Sie fallen in ein tiefes Loch?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Oh, der alt-K\u00fcnstler ist nicht nur politisch und historisch hoch erfahren, nein: er ist auch privat und pers\u00f6nlich immer weiser geworden:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas wird mir nicht wieder passieren, weil ich das inzwischen verstehe. Ich verstehe auch den Moment, wo ich aus dieser Depression raus gekommen bin, und das war, als ich per Zufall \u2013 und nat\u00fcrlich nicht Zufall f\u00fcr mich, aber f\u00fcr mein Team! \u2013 gemerkt hab, dass ich neue Wege gehen muss, einfach alles, um mich neu&#8230; anfangen, und das war der entscheidende Moment, wo ich pl\u00f6tzlich wieder diese Motivation sp\u00fcrte, voll und mit aller m\u00f6glichen Kraft dabei zu sein. Die B\u00fchne war nie mein Problem (&#8230;). Die B\u00fchne werd ich solange machen, wie ich kann. Der Schallplattenmarkt hat sich dermassen gewaltig ver\u00e4ndert, seit ich mit 4-Spur-Technik angefangen habe, und jetzt sind wir bei Streaming \u2013 das ist eine andere Welt, und eine, die mir&#8230; ich tu mich im Moment damit sehr schwer.\u201c \u2013<\/p><\/blockquote>\n<p>Wo er uns solche Lebensweisheiten anvertraut, hat Maischberger wie eine Mustersch\u00fclerin aufgepasst und fasst nun den Lernstoff zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch nehme das mit: Wenn man in einem tiefen Loch ist, muss man sich neu erfinden. Das gelingt ja nicht jedem.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und Carpendale pr\u00e4zisiert:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNicht jeder hat auch die Chance dazu. Aber wir hatten die Chance, und es war eine Sekunde in meinem Leben, wo alles, was ich f\u00fcnf\u00a0 Jahre lang gesp\u00fcrt hab, explodiert ist, und es war pl\u00f6tzlich weg. Und das war einfach, weil ich erkannte, dass: Ganz neue T\u00fcren gehen auf!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das gilt, so darf nach dem weltl\u00e4ufigen Verlauf des Gespr\u00e4chs doch wohl angenommen werden, wenn auch nicht f\u00fcr jeden einzelnen Menschen, so doch bestimmt auch f\u00fcr die ganze Menschheit, selbst wenn sie m\u00f6glicherweise vorerst und vielleicht durch lange Jahre und ein tiefes Loch hindurch noch so einiges zu sp\u00fcren bekommen wird, bis es dann in einer Sekunde gl\u00fccklich explodiert und einfach weg ist und ganz neue T\u00fcren aufgehen und sie sich neu erfinden kann.<\/p>\n<p><strong>Schlussbouquet<\/strong><\/p>\n<p>Und weil ein gutes Gespr\u00e4ch im Fernsehen immer auf eine gute Pointe hinauslaufen muss, will nun zu guter Letzt die Frau Maischberger von dem Herrn Carpendale doch noch wissen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWer spielt besser Golf: du, Herr Carpendale, oder Trump?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Spannung steigt nochmals sp\u00fcrbar, w\u00e4hrend der weise alt-K\u00fcnstler ein, zwei Sekunden \u00fcberlegt und dann furz-trocken serviert:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMan sagt, er pfuscht.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Daf\u00fcr gibt&#8217;s abermals tosenden Applaus. Doch die Moderatorin hat noch nicht genug und will es jetzt ganz genau wissen: <em>\u201eOkay! was heisst das denn?\u201c<\/em> \u2013 Und hierauf Carpendale, voller Altersmilde:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch nehm&#8217;s ihm nicht \u00fcbel, aber es steht in vielen B\u00fcchern. Das will ich nicht mit seiner Politik irgendwie vergleichen, aber&#8230; Es ist eine lange Geschichte&#8230;\u201c <em>(\u201e&#8230;Er pfuscht!&#8230;\u201c, souffliert Maischberger.)<\/em> \u201e&#8230;er pfuscht \u2013 was heisst das denn? Golf bedeutet ja wenig. Nein&#8230;! ja gut&#8230;! Man \u00e4h&#8230;\u201c <em>(\u201e&#8230;behauptet was, was man nicht kann&#8230;?\u201c, souffliert Maischberger erneut)<\/em> \u201e&#8230;naja, wenn ein Wahlkampf ganz schlecht liegt, k\u00f6nnte man mit dem Fuss diesen machen&#8230;\u201c <em>(&#8230;entsprechende Geste &amp; Gel\u00e4chter im Live-Publikum&#8230;)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der Applaus verschafft dem ein bisschen in die Klemme geratenen alt-Talker ein wenig Raum zum Schweigen und \u00dcberlegen, und siehe da: punktgenau zum Applausende findet er den Dreh und l\u00e4sst gekonnt cool die absolute End-Pointe fallen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs gibt tausend M\u00f6glichkeiten zu pfuschen!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dazu kann auch ich nur noch sagen: Wo er recht hat, hat er recht. \u2013 Folgt die \u00fcbliche Verdankung f\u00fcrs tolle Gespr\u00e4ch, Tsch\u00fcss und begeisterter Applaus!<\/p>\n<p>* * *<br \/>\nTja, das war ja dann wohl wieder mal die volle Dosis! Obwohl ich ja eigentlich bei Maischberger &amp; Cons. schon lange nicht mehr konsumiere! Aber ich weiss nicht: war&#8217;s der Neid, der mich beim Schlafittchen packte und mich das ganze mir einverleiben liess, oder was? \u2013 Jedenfalls muss ich zugeben: Meine Kunstfertigkeit wie ein Carpendale in solche weltbewegenden H\u00f6hen zu katapultieren,\u00a0 und daf\u00fcr von der ganzen TV-Nation mit tosendem Applaus bedacht zu werden \u2013 davon konnte ich immer nur tr\u00e4umen, geschafft hab ich es nie!<\/p>\n<p>Aber sagen Sie selbst, lieber Leser: War&#8217;s nicht ein Volltreffer ins Aller-Schw\u00e4rzeste, was deutscher Polit-Talk zu bieten hat? Geradezu berauschend?<\/p>\n<p>\u00a9 Benjamin Kradolfer, Bellach CH, 15. M\u00e4rz 2024<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_9033 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_9033')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_9033').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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