{"id":9052,"date":"2024-03-23T19:39:38","date_gmt":"2024-03-23T18:39:38","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=9052"},"modified":"2026-04-17T19:39:58","modified_gmt":"2026-04-17T18:39:58","slug":"propaganda-statt-journalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/propaganda-statt-journalismus\/","title":{"rendered":"Propaganda statt Journalismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Quelle Beitragsbild: Getmilitaryphotos\/Shutterstock.com<\/em><\/p>\n<p><strong>In einer Twitter-Debatte zu den Maidanmorden offenbaren ARD-Korrespondenten ihre ideologische Motivation.<\/strong><\/p>\n<p>In einer Diskussion beim Kurznachrichten-Medium Twitter zwischen Rubikon-Autor Paul Schreyer, Maidanforscher Ivan Katchanovski und mehreren ARD-Journalisten offenbaren die \u00f6ffentlich-rechtlichen Korrespondenten eine \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdige Berufseinstellung.<\/p>\n<p><em>Beitrag von Stefan Korinth<\/em><\/p>\n<p>Wer sich schon mal gefragt hat, warum die ARD nicht \u00fcber die Maidanmorde berichtet (1), konnte nun bei Twitter ungewollte Antworten darauf lesen. Die ARD-Moskau-Korrespondenten Udo Lielischkies und Golineh Atai sowie die freie Journalistin Silvia St\u00f6ber, die f\u00fcr den Faktenfinder der Tagesschau schreibt, lieferten sich dort eine entlarvende Debatte mit Rubikon-Autor Paul Schreyer und dem ukrainisch-kanadischen Politikwissenschaftler Ivan Katchanovski, der das Maidan-Massaker in einer materialreichen Studie untersucht hat.<\/p>\n<p>Vorsicht: Wer noch an ein journalistisches Berufsethos und Aufkl\u00e4rungsinteresse dieser ARD-Leute geglaubt hat, wird erschrecken, wie dogmatisch, realit\u00e4tsfern und uneinsichtig die Reporter ihre Sicht vertreten. Bitte lesen Sie zuerst selbst:<\/p>\n<p>Debatte mit Atai, Schreyer und Katchanovski (Englisch) Debatte mit Schreyer, St\u00f6ber und Lielischkies (Deutsch)<\/p>\n<p><strong>Vorwissen: Fragw\u00fcrdige Ermittlungen<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt sehr viel zu hinterfragen an den Ermittlungen der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft (GPU). Diese weigert sich seit vier Jahren offiziell anzuerkennen, dass w\u00e4hrend des Massakers am 20. Februar 2014 in Kiew auch aus Geb\u00e4uden geschossen wurde, die unter Kontrolle des Maidan standen. Und das obwohl \u00fcberw\u00e4ltigende Beweise daf\u00fcr existieren. Es gibt Gest\u00e4ndnisse, Filmaufnahmen, Zeugenaussagen, ballistisch-forensische Untersuchungen und vieles mehr.<\/p>\n<p>So hat etwa der Maidank\u00e4mpfer Ivan Bubentschik mehrmals \u00f6ffentlich einger\u00e4umt, an diesem 20. Februar zwei Polizisten mit einer Kalaschnikow erschossen zu haben. Mittlerweile f\u00fcnf georgische Staatsb\u00fcrger haben ausgesagt, dass sie und noch weitere Sch\u00fctzenteams mit Waffen ausger\u00fcstet und angestiftet wurden, um an diesem Tag auf Polizisten und Demonstranten zu feuern.<\/p>\n<p>Ein ZDF-Kamerateam filmte, wie Maidank\u00e4mpfer aus dem ZDF-Hotelzimmer in Richtung der Todeszone feuerten. Das Team der BBC filmte, wie es aus dem Hotel Ukraina beschossen wurde. Der britische Sender interviewte auch Augenzeugen und einen weiteren allerdings anonymen Sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Dutzende Augenzeugen haben bereits vor Gericht und\/oder in anderer Form \u00f6ffentlich ausgesagt, vom Hotel Ukraina oder von weiteren Maidangeb\u00e4uden aus beschossen worden zu sein oder dort Sch\u00fctzen gesehen zu haben. Viele dieser Zeugen sind selbst Maidank\u00e4mpfer, die von den Sch\u00fctzen verwundet wurden. Die Schusswunden der meisten Todesopfer deuten auf erh\u00f6hte Sch\u00fctzenpositionen seitlich oder hinter ihnen \u2013 w\u00e4hrend die angeklagten Polizisten vor den Maidank\u00e4mpfern an einer Barrikade postiert waren.<\/p>\n<p>Das sind nur einige der Fakten zu dem Massaker, die in Ivan Katchanovskis Studie und in anderen Quellen aufgelistet sind und nachgepr\u00fcft werden k\u00f6nnen. Dass es Sch\u00fctzen im Hotel Ukraina gab, ist eine Tatsache, die eindeutig belegt wurde. Wer jetzt meint, dies w\u00e4re ein berichtenswerter Umstand f\u00fcr die ARD \u2013 denn dieser Fakt k\u00f6nnte immerhin die in der Ukraine und im Westen vorherrschende Theorie von Janukowitsch und seiner mordl\u00fcsternen Spezialtruppe als Todessch\u00fctzen umwerfen \u2013 der hat die Rechnung ohne Golineh Atai gemacht.<\/p>\n<p><strong>Sch\u00fctzen im Hotel? Eine \u201eObsession\u201c aus Moskau!<\/strong><\/p>\n<p>\u201eThis \u201esniper from Hotel Ukraina\u201c thing is a Moscow id\u00e9e fixe and obsession\u201c \u2013 zu Deutsch: \u201eDiese \u201aScharfsch\u00fctzen im Hotel Ukraina\u2018-Sache ist eine fixe Idee und Zwangsvorstellung aus Moskau\u201c, schrieb Atai nun bei Twitter. Diese \u00f6ffentlich vorgetragene Realit\u00e4tsverweigerung der preisgekr\u00f6nten Korrespondentin macht erstmal sprachlos. Jeder, der sich mit dem Fall n\u00e4her befasst hat, wei\u00df, es w\u00e4re kaum absurder, sich um 20 Uhr ins Tagesschau-Studio zu stellen und affirmativ in die Kamera zu rufen: \u201eDie Erde ist eine Scheibe, basta!\u201c<\/p>\n<p>Man muss sich das einmal klarmachen: Es geht hier nicht darum, wer diese Sch\u00fctzen waren, wer sie beauftragt hat oder auf wen sie schossen. Atai weigert sich bereits anzuerkennen, dass es \u00fcberhaupt Sch\u00fctzen im Hotel gab. Dabei ist es nicht entscheidend, ob die Sch\u00fctzen Auftragskiller mit professionellen Scharfsch\u00fctzengewehren oder Barrikadenk\u00e4mpfer mit Kalaschnikows und Jagdgewehren waren.<\/p>\n<p>Ohne sich gro\u00dfe M\u00fche zu machen, b\u00fcgelt Atai im folgenden Tweet Ivan Katchanovski und seine Studie ab. Er sei nur ein Professor in Anf\u00fchrungsstrichen und auch noch einer aus Kanada. Diese Hochn\u00e4sigkeit ist sachlich nicht nachvollziehbar. Zum journalistischen Berufsethos, das Unparteilichkeit und Aufkl\u00e4rungsanspruch mit einschlie\u00dft, passt diese grundlos ablehnende Haltung ebenfalls nicht. Normalerweise w\u00e4re es ihre Pflicht, sich mit der Studie auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Golineh Atais Adleraugen<\/strong><\/p>\n<p>Daraufhin schaltete sich Ivan Katchanovski in die Debatte ein, und kommentierte, diese Zur\u00fcckweisung einer wissenschaftlichen Arbeit sei bemerkenswert. Zudem fragt er Atai, ob sie seine Studie \u00fcberhaupt gelesen und deren Videoanh\u00e4nge angeschaut habe. Eine Antwort erhielt er darauf nicht.<\/p>\n<p>Weiter schreibt Atai: Statt Katchanovskis Erkenntnisse zu beachten , sei sie selbst nach Kiew gefahren und habe dort mit dem GPU-Sonderermittler Gorbatiuk gesprochen und tagelang in der Gerichtsverhandlung verbracht \u2013 es ist unbekannt, in welcher Dokumentation sie diese Recherchen verarbeitet hat. Und sie erl\u00e4utert ihre \u00dcberzeugung weiter: \u201eIch glaube, meine eigenen Augen bel\u00fcgen mich nicht. Ich war direkte Zeugin.\u201c<\/p>\n<p>Was sie konkret gesehen hat, wo sie w\u00e4hrend des Massakers \u00fcberhaupt war, schreibt sie nicht. Doch das ist auch gar nicht entscheidend. Selbst wenn Atai todesmutig das ganze Blutbad stundenlang am offenen Fenster aufmerksam verfolgt haben sollte \u2013 sie konnte nicht gleichzeitig sehen, was in allen Zimmern des Hotels vonstattenging. Erst recht konnte sie von ihrer Zeugenposition nicht alle entsprechenden D\u00e4cher und Fenster im Kiewer Stadtzentrum beobachten. Schon gar nicht konnten ihre Augen abgefeuerte Kugeln in der Luft verfolgen und die Schussbahn berechnen. Und wer die Sch\u00fctzen beauftragt hat, kann man vom Hotelfenster aus am allerwenigsten beurteilen.<\/p>\n<p>ZDF-Korrespondentin Britta Hilpert, sagte mir in einem Telefoninterview, dass sie w\u00e4hrend der Schie\u00dferei die Vorh\u00e4nge im Hotelzimmer zugezogen hatte, aus Angst selbst erschossen zu werden. Ein nachvollziehbares Verhalten. Nur ab und zu habe sie einen kurzen Blick hinausgewagt und die Maidank\u00e4mpfer hinter B\u00e4umen kauernd gesehen. Hilpert gab zu, dass man mit diesem Wissen nicht beurteilen kann, wer unten auf der Stra\u00dfe von wem erschossen wurde. Golineh Atai meint offenbar, alles Relevante gesehen zu haben. Deshalb haben vier Jahre akribischer Materialsammlung von Katchanovski in Atais Adleraugen keinen Wert.<br \/>\nAtai soll nicht urteilen, sondern berichten<\/p>\n<p>Doch was soll das eigentlich? Ihre journalistische Aufgabe ist es nicht, sich als gro\u00dfe Bescheidwisserin aufzuspielen, sondern dem deutschen Fernsehpublikum, \u00fcber alle relevanten Entwicklungen f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung des Maidan-Massakers zu berichten und diese kritisch zu analysieren.<\/p>\n<p>Dazu h\u00e4tte beispielsweise schon am Tag des Massakers selbst geh\u00f6rt, \u00fcber die Sch\u00fctzen im ZDF-Zimmer zu berichten. Das tat Atai aber genauso wenig wie ihre Kollegen von ARD und ZDF und das obwohl sie damals in unz\u00e4hligen Live-Schalten die M\u00f6glichkeit hatte. Klar ist, solche Informationen h\u00e4tten das Narrativ von den mordenden Polizisten vom ersten Tag an stark in Frage gestellt (2). Dazu geh\u00f6rt auch \u00fcber Katchanovskis Studie zu berichten, die Atai aus ungenannten Gr\u00fcnden ablehnt. So verbohrt ist man nicht mal in der Ukraine, wo der Universit\u00e4tslehrer aus Ottawa in TV-Nachrichten und in Diskussionssendungen befragt wird. Dazu geh\u00f6ren aber auch Berichte und kritische Recherchen zu den Aussagen der f\u00fcnf Georgier die behaupten, von hochrangigen ukrainischen und georgischen Maidanaktivisten zum Massenmord angestiftet und ausger\u00fcstet worden zu sein.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend freie Journalisten bei Alternativmedien nur von den Ressourcen tr\u00e4umen k\u00f6nnen, die ARD- und ZDF-Journalisten potenziell f\u00fcr Recherchen zu dem Massaker zur Verf\u00fcgung stehen, bleiben Atai und ihre Kollegen unt\u00e4tig. Weil? Ja, weil jede weitere Besch\u00e4ftigung damit die \u201eObsession Moskaus\u201c bedienen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>\u201eMoskau\u201c hat seine Leute eben \u00fcberall<\/strong><\/p>\n<p>Doch was hei\u00dft hier eigentlich Moskau? Keiner der genannten Akteure ist Russe. Ivan Katchanovski ist Kanadier und Ukrainer (und zwar Westukrainer) und arbeitet seit Jahrzehnten an nordamerikanischen Universit\u00e4ten. Der gest\u00e4ndige Maidansoldat Ivan Bubentschik ist Ukrainer und k\u00e4mpft in einem nationalistischen Bataillon im Donbass. Die anderen vermeintlich Gest\u00e4ndigen sind Georgier. Zuerst \u00fcber diese Georgier berichtet haben italienische und mazedonische, zuletzt israelische Journalisten. Wie nennt man es, wenn jemand in allem und jedem den Feind sieht?<\/p>\n<p>Auch die ukrainische Nationalistin und Ex-Soldatin Nadja Savchenko, die zwei Jahre in einem russischen Gef\u00e4ngnis sa\u00df, steht nicht im Verdacht, Moskau zuzuarbeiten. In einem Interview mit der taz bezeichnete sie Putin gerade erst als Feind des ukrainischen Volkes und forderte harte Ultimaten gegen Moskau.<\/p>\n<p>Doch selbst diese Putin-Feindin und Maidananh\u00e4ngerin hatte k\u00fcrzlich ausgesagt, dass es mit Sergej Pashinsky ein Maidan-Mann war, der die Sch\u00fctzen ins Hotel Ukraina f\u00fchrte. Golineh Atai ficht das nicht an. Der freie Journalist und Buchautor Paul Schreyer (\u201eWir sind die Guten\u201c) hatte sie bei Twitter gefragt, wann die ARD denn endlich \u00fcber die Aussage der Ex-Soldatin Nadja Savchenko berichten wolle.<\/p>\n<p>Doch Atai ist genauso wenig bereit, diesen wie all die anderen Hinweise anzuerkennen, geschweige denn dazu selbst zu recherchieren. Savchenko sei \u201enotorisch unzuverl\u00e4ssig\u201c, schrieb die Reporterin bei Twitter. Damit war sie fertig. Einen Bericht wird es also nicht geben. Als Savchenko aus dem russischen Gef\u00e4ngnis zur\u00fcckkehrte, h\u00f6rte sich Atais Beurteilung auch noch etwas anders an: Statt als Soldatin oder Nationalistin bezeichnete sie Savchenko damals unkritisch als \u201eHeldin und Widerstandsk\u00e4mpferin f\u00fcr viele Ukrainer\u201c.<\/p>\n<p><strong>Medienkrieg mit \u201eMoskau\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Nach diesen Tweets ist klar, was viele Kritiker auch vorher schon vermuteten: Atai ist eine \u00dcberzeugungst\u00e4terin. Sie ist davon \u00fcberzeugt, dass \u201eMoskau\u201c (Putin und der Kreml) ihr Gegner ist. Ihre Beurteilung der Realit\u00e4t h\u00e4ngt deshalb davon ab, wie \u201eMoskau\u201c zu der Sache steht. Atai sieht sich anscheinend in einer Art medialem Krieg gegen \u201eMoskau\u201c. Das wird auch an ihrem Videostatement zur Russland-Wahl deutlich (3).<\/p>\n<p>Mit dieser Haltung w\u00fcrde sie sicherlich gut zum Springer-Verlag passen aber nicht zu einem \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender, in dessen Rundfunkstaatsvertrag von internationaler Verst\u00e4ndigung sowie von Objektivit\u00e4t und Unparteilichkeit (\u00a711) die Rede ist. Atais Tweets sind nicht nur ein journalistisches Armutszeugnis, sondern auch Ausdruck transatlantischer Verblendung, die in \u201eMoskau\u201c nichts anderes sehen will als den Feind. Nimmt man den Rundfunkstaatsvertrag ernst, ist Golineh Atai fehl am Platz.<\/p>\n<p>Es braucht auf diesem Posten Menschen, die an der Wahrheit interessiert sind und Dinge nicht allein deshalb ablehnen, weil sie \u201eMoskau\u201c n\u00fctzen k\u00f6nnten. Doch mit dieser Haltung ist Atai nicht allein.<\/p>\n<p><strong>Faktenfinder kommt selektiv zum Einsatz<\/strong><\/p>\n<p>Immerhin ganz unerw\u00e4hnt blieb der Fall der vermeintlichen georgischen Gest\u00e4ndigen bei der ARD nicht. Im Webangebot der Tagesschau wurde er zwei Wochen nach Bekanntwerden kritisch von der Faktenfinder-Autorin Silvia St\u00f6ber aufgegriffen. V\u00f6llig zu Recht klopfte sie die Aussagen der M\u00e4nner in der italienischen Reportage auf Schwachpunkte ab; beziehungsweise sammelte die kritischen Analysen anderer Medien (4). Doch mehr geschah nicht.<\/p>\n<p>Weder berichtete die ARD grunds\u00e4tzlich \u00fcber die Existenz der Aussagen und weitere Entwicklungen noch gingen St\u00f6ber und Kollegen dem Fall mit eigenen Recherchen nach. Beides w\u00e4re aus journalistischer Sicht durchaus angebracht gewesen, denn es handelte sich um relevante, aktuelle Entwicklungen in einem weltpolitisch wichtigen Fall (5) \u2013 auch wenn dieser von den ARD-Leuten seit Jahren durch Nichtbeachtung heruntergespielt wird. Statt ihre offenbar guten Kontakte nach Georgien zu nutzen, um N\u00e4heres zu dem Fall in Erfahrung zu bringen, richtete St\u00f6ber ihre kritischen Fragen bei Twitter an Paul Schreyer.<\/p>\n<p>In ihrem Faktenfinder-Artikel kritisierte sie, das Fehlen jeglicher Belege f\u00fcr die Aussagen der Georgier. Als die M\u00e4nner in sp\u00e4teren Reportagen ihre Flugtickets von Tiflis nach Kiew vorlegten, folgte jedoch kein Bericht von St\u00f6ber. Auch deren Angaben \u00fcber ihre Armeezugeh\u00f6rigkeit sind \u00fcberpr\u00fcfbare Belege.<\/p>\n<p>Bei Twitter forderte St\u00f6ber nun, dass der russische Sender \u201eSputnik\u201c in der Pflicht sei, die Echtheit der Tickets zu belegen. Ja, das k\u00f6nnte Sputnik tun. Doch dies ist ein russischer Staatssender. Warum sollte er an einer Geschichte r\u00fctteln, die \u201eMoskau\u201c so gut passt? Nein, genau das ist die Aufgabe seri\u00f6ser unabh\u00e4ngiger Medien. Ich habe das im Rahmen meiner bescheidenen M\u00f6glichkeiten als freier Journalist in Deutschland versucht. Georgian Airways ignorierte meine Anfragen genau wie ukrainische und georgische Beh\u00f6rden. Silvia St\u00f6ber hingegen h\u00e4tte mit der ARD im R\u00fccken gro\u00dfe Ressourcen zur Verf\u00fcgung, doch bei Twitter windet sie sich so gut es geht darum, ihrer Arbeit nachzukommen.<\/p>\n<p><strong>Eigene Arbeitsverweigerung sch\u00f6nreden<\/strong><\/p>\n<p>Zuletzt bringt sie das Kostenargument: \u201eHalten Sie es f\u00fcr richtig, Geb\u00fchrengelder f\u00fcr die aufwendige \u00dcberpr\u00fcfung jeder fragw\u00fcrdigen Behauptung von Sputnik und angeschlossener Medien auszugeben?\u201c<\/p>\n<p>Ja, Frau St\u00f6ber, ich pers\u00f6nlich f\u00e4nde es absolut begr\u00fc\u00dfenswert, wenn ARD, ZDF und Co. mehr Geld f\u00fcr solche Recherchen ausgeben w\u00fcrden, als f\u00fcr teure Sport\u00fcbertragungsrechte (die auch private Sender gern \u00fcbernehmen w\u00fcrden) oder f\u00fcr Sensationshonorare von Nachrichtensprechern und Talkshowmoderatoren. Aber warum verteidigen sie eigentlich die merkw\u00fcrdige Ausgabenpolitik dieser Sender, unter der Sie doch auch leiden m\u00fcssten?<\/p>\n<p>Davon ganz abgesehen: Richtig w\u00e4re es, im Fall der Georgier nach journalistischen Kriterien zu handeln. Also nicht zu schauen, ob eine Behauptung aus Silvia St\u00f6bers Sicht \u201efragw\u00fcrdig\u201c ist (=k\u00f6nnte Moskau nutzen), sondern ob die Behauptung objektiv wichtig f\u00fcr den Fall ist. K\u00f6nnte man Sputnik widerlegen, w\u00e4re das doch ein gefundenes Fressen f\u00fcr die ARD.<br \/>\n\u201eKonspirative St\u00f6ckchen\u201c<\/p>\n<p>Mit Udo Lielischkies beteiligte sich ein weiterer ARD-Moskau-Korrespondent an der Debatte. Dieser erkl\u00e4rte die Weigerung der ARD \u00fcber die Georgier zu berichten damit, dass man nicht \u201e\u00fcber jedes konspirative St\u00f6ckchen\u201c springen wolle.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdig, in anderen F\u00e4llen, von der Vergiftung Skripals \u00fcber russische Verbrechen in Syrien bis hin zu den vermeintlich russischen Hackern berichtet die ARD immer wieder sofort \u00fcber Vorw\u00fcrfe gegen Russland. Auch wenn diese v\u00f6llig unbelegt sind. Was Moskau schadet, wird gern vermeldet \u2013 ganz ohne Faktenfinder.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens in solchen F\u00e4llen kommt Lielischkies dann auch gern selbst nach Deutschland und diskutiert in der TV-Talkshow von Sandra Maischberger. Es muss eben nur das richtige \u201ekonspirative St\u00f6ckchen\u201c sein, \u00fcber das man dann sehr gern immer und immer wieder springt.<\/p>\n<p>Bitte, liebe ARD-Osteuropajournalisten, h\u00f6rt auf bei Twitter und in Talkshows herum zu spekulieren und macht einfach Eure Arbeit als Berichterstatter! Nutzt Eure Ressourcen, recherchiert zu wichtigen Entwicklungen unabh\u00e4ngig davon, wem es n\u00fctzt. Das Publikum wird Euch dankbar sein, und \u00fcbrigens bezahlt es Euch genau daf\u00fcr.<\/p>\n<p><strong>Quellen und Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n<p>(1) Zuletzt hatte das ARD-Magazin Monitor im Mai 2014 kritisch \u00fcber den Fortgang der Ermittlungen zum Maidan-Massaker berichtet. <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/daserste\/monitor\/videos\/video-todesschuesse-in-kiew-wer-ist-fuer-das-blutbad-vom-maidan-verantwortlich-100.html\">https:\/\/www1.wdr.de\/daserste\/monitor\/videos\/video-todesschuesse-in-kiew-wer-ist-fuer-das-blutbad-vom-maidan-verantwortlich-100.html<\/a><\/p>\n<p>(2) Das ZDF berichtete https:\/\/www.facebook.com\/ivan.katchanovski\/videos\/vb.100000596862745\/989716864391533 tats\u00e4chlich ein einziges Mal und zwar zwei Wochen nach dem Blutbad in einem vorabendlichen ZDF-Spezial zur Krim auch nebenbei \u00fcber die Sch\u00fctzen im Hotelzimmer am Maidan. Folgen f\u00fcr die Berichterstattung oder gar ein Interesse an eigenen Recherchen zu diesem Vorfall l\u00f6ste dies bei den \u00f6ffentlich-rechtlichen Sendern aber nicht aus. Selbst die kritische Monitor-Recherche bezog sich in ihrem Beitrag auf Bilder von RT, dass die Szenerie im ZDF-Zimmer ebenfalls gefilmt hatte. Dabei w\u00e4re doch eine Nachfrage bei den ZDF-Kollegen, die das alles und wahrscheinlich noch einiges mehr ebenfalls auf Band hatten, sehr leicht gewesen.<\/p>\n<p>(3) In diesem Statement https:\/\/twitter.com\/mittagsmagazin\/status\/974585859004649472 fasst Atai unter anderem die Bilanz Putins als russischer Pr\u00e4sident seit 2000 zusammen. Sie ist dabei nicht willens, auch nur eine einzige minimal positive Aussage zu machen. Selbst viele von Putins Gegnern erkennen an, dass er das Land, das unter Jelzin in den 1990er Jahren unter Hyperinflation, Staatszerfall, Massenarbeitslosigkeit und Mafiakriegen litt, seitdem stabilisiert hat. Atai erkennt das nicht an. Das spricht nicht f\u00fcr einen sachlichen Blick. Zudem spricht sie in dem Spot \u00fcber die verhinderten Herausforderer Putins bei der Wahl. \u201eEs gibt keine Herausforderer. Die sind tot oder im Ausland oder verboten.\u201c Eingeblendet werden dazu: Boris Beresowski (Oligarch, tot seit 2013), Boris Nemzow (liberaler Politiker, tot seit 2015) und Michail Chodorkowski (Oligarch). Niemand davon war in seiner Karriere jemals ein ernsthafter Anw\u00e4rter auf das Pr\u00e4sidentenamt. Keiner von denen ist auch nur jemals zu einer Pr\u00e4sidentenwahl angetreten. W\u00e4hrend die Oligarchen immer versuchten, hinter den Kulissen die Strippen zu ziehen, zog Nemzow 2008 zur\u00fcck. \u201eSie h\u00e4tten auch nie die Chance gehabt in diesem System zu den wahren Herausforderern eines Feudalherren zu werden\u201c, sagt Atai weiter. Da kann man nur noch ungl\u00e4ubig mit dem Kopf sch\u00fctteln. Wenn Putin ein Feudalherr ist, wie kann Atai ausgerechnet oligarchische Multimilliard\u00e4re, also die Feudalherren der 90er Jahre, als Alternativen der Herzen verkaufen?<\/p>\n<p>(4) Darunter auch einen verschw\u00f6rungstheoretischen Artikel der Pro-Maidan-Propagandaseite \u201eStopFake\u201c. St\u00f6ber wies nicht auf die Parteilichkeit und Unseriosit\u00e4t von \u201eStopFake\u201c hin.<\/p>\n<p>(5) Das Scharfsch\u00fctzenmassaker war ein weltpolitisch wichtiges Ereignis, denn es war der Wendepunkt auf dem Maidan, der zum Sturz von Pr\u00e4sident Janukowitsch f\u00fchrte. Erst dieses Ereignis erm\u00f6glichte Janukowitschs raschen Verlust von R\u00fcckhalt unter seinen Anh\u00e4ngern. Die verfassungswidrige Absetzung des Pr\u00e4sidenten nur zwei Tage sp\u00e4ter sowie die Macht\u00fcbernahme der pro-westlichen Maidanpolitker f\u00fchrten zum russischen Milit\u00e4reinsatz auf der Krim und zu den Protestbewegungen in der Ostukraine gegen die Kiew mit milit\u00e4rischer Gewalt vorging. Massaker und Staatsstreich sind negative Meilensteine im heutigen Konflikt zwischen Russland und dem Westen.<\/p>\n<p><em>Stefan Korinth, Jahrgang 1983, ist freiberuflicher Journalist. Er lebt und arbeitet als Autor und Redakteur in Hannover. Dort studierte er Politikwissenschaften und Soziologie. F\u00fcr seine Abschlussarbeit forschte er in der Ukraine. Seine journalistischen Arbeitsschwerpunkte sind politische und historische Themen sowie der Ukraine-Konflikt. Er schreibt f\u00fcr mehrere unabh\u00e4ngige Online-Medien und eine Nachrichtenagentur. Gemeinsam mit Ulrich Teusch und Paul Schreyer gr\u00fcndete er das Magazin Multipolar.<\/em><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_9052 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_9052')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_9052').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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