{"id":9149,"date":"2024-04-27T08:56:48","date_gmt":"2024-04-27T07:56:48","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=9149"},"modified":"2026-07-21T11:58:46","modified_gmt":"2026-07-21T10:58:46","slug":"china-kann-nicht-uebergangen-mehr-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/china-kann-nicht-uebergangen-mehr-werden\/","title":{"rendered":"China kann nicht mehr \u00fcbergangen werden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die umfangreiche westliche Reisediplomatie deutet auf umfangreichen Gespr\u00e4chsbedarf hin. Die wirtschaftlichen Probleme des politischen Westens sind ohne Entgegenkommen Chinas nicht zu l\u00f6sen und ohne dessen Hilfe kommt man offensichtlich auch keinen Schritt weiter bei der Bew\u00e4ltigung der weltweiten Krisen.<\/strong><\/p>\n<p><em>Kommentar von R\u00fcdiger Rauls<\/em><\/p>\n<p><strong>Westliche Werte<\/strong><\/p>\n<p>All das w\u00e4re ausreichend Grund, den Chinesen Honig um den Bart zu schmieren, um sie gewogen zu stimmen. Stattdessen scheint man es vorzuziehen, ihnen ans Schienbein zu treten, wo es nur geht. Das entspricht einem Denken vieler Kr\u00e4fte im politischen Westen, das noch in der Kolonialzeit verhaftet ist: &#8222;Wir haben es nicht n\u00f6tig, um Hilfe zu bitten. Es ist eine Auszeichnung, uns gef\u00e4llig sein zu d\u00fcrfen&#8220;. Ein \u00e4hnlich \u00fcberhebliches Denken liegt der Vorstellung von moralischer \u00dcberlegenheit zu Grunde, die sich auf die sogenannten westlichen Werte st\u00fctzt.<\/p>\n<p>Doch hilft dieses Denken nicht weiter, wenn es um die Beilegung der Krisen in der Welt geht. Denn egal ob in der Ukraine oder im Nahen Osten, \u00fcberall wird deutlich, dass man ohne die Hilfe Chinas nicht mehr auskommt. Aber statt es sich einzugestehen, stellt man \u00fcberrascht, ja sogar emp\u00f6rt fest: Den &#8222;Bitten westlicher Staatschefs zu Chinas Russland Politik \u2026 ist Peking nicht gefolgt. \u2026 von seiner strategischen Partnerschaft mit Putin r\u00fcckt Xi nicht ab&#8220;(1). Aber kl\u00fcger wird man anscheinend aus diesen Feststellungen nicht.<\/p>\n<p>Unbelegte Behauptungen und &#8222;Vorw\u00fcrfe des Westens, dass Russland aus China Hilfe f\u00fcr seinen Krieg bekommt&#8220;(2), sollen vergessen machen, dass die gr\u00f6\u00dften Mengen an Geld und Waffen aus dem politischen Westen nach Kiew flie\u00dfen. Egal wie man zu diesem Krieg steht, so ist doch eine Haltung weltfremd, dass nur eine Seite berechtigt ist, die eigenen Favoriten zu unterst\u00fctzen. Moralische Emp\u00f6rung dar\u00fcber, dass die Gegenseite genau so handelt wie man selbst, f\u00fchrt nicht zum Ende des Konflikts.<br \/>\nBelehrungen westlicher Politiker wie Janet Yellen erwecken den Eindruck, dass sie den Chinesen weismachen wollen, deren Interessen besser zu kennen als jene selbst. Und sie scheinen zu glauben, dass sie diese mit hochm\u00fctigem Auftreten \u00fcber die eigene Schw\u00e4che hinwegt\u00e4uschen k\u00f6nnten. Denn nicht nur in der Ukraine versuchen sie, die Chinesen auf ihre Seite zu ziehen. Auch im Nah-Ost-Konflikt machen sie deutlich, dass sie auf Chinas Unterst\u00fctzung angewiesen sind. Nicht in der Lage, die Situation selbst zu bereinigen, hat der amerikanische Au\u00dfenminister Anthony Blinken &#8222;China aufgefordert, seinen Einfluss in Teheran geltend zu machen&#8220;(3) \u2013 nat\u00fcrlich im Interesse der USA.<\/p>\n<p>Es ist kein Wunder, dass der Westen mit einem solchen Auftreten Sympathien nicht nur in China verspielt, sondern auch sie bei den V\u00f6lkern im Nahen Osten inzwischen weitgehend verloren hat. In solchen Aussagen offenbart sich eine Einstellung, die den Interessen anderer V\u00f6lker und Staaten keine Bedeutung beimisst. Die Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber den Sicherheitsinteressen Russlands war es ja gerade, die in den Krieg in der Ukraine hineinf\u00fchrte, und \u00e4hnlich ist es bei den Interessen der Pal\u00e4stinenser.<\/p>\n<p><strong>Materielle Werte<\/strong><\/p>\n<p>Zu den politischen und diplomatischen Einflussverlusten des politischen Westens kommen jene im wirtschaftlichen Bereich hinzu, aber auch auf dem Gebiet der Wissenschaft und der technologischen Entwicklung. Die lauthals verk\u00fcndete \u00dcberlegenheit der eigenen Werte bringt die Schlagseiten in den Handelsbilanzen nicht ins Gleichgewicht. Wenn sich auch besonders die USA noch so gro\u00dfe M\u00fche geben, so gelingt es trotz aller Exportkontrollen nicht, Chinas Entwicklung aufhalten. Denn die ideellen westlichen Werte k\u00f6nnen schon gar nicht die Abh\u00e4ngigkeit von materiellen Werten wie der chinesischen Industrieprodukte und Rohstoffe aufheben.<br \/>\nDie derzeitigen Behinderungsversuche gegen\u00fcber China sind eine Reaktion auf die chinesischen Fortschritte in Wissenschaft, Technologie, Produktion und Welthandel. Die Phase der Globalisierung hat nicht nur dem Westen neue Absatzm\u00e4rkte erschlossen, sie hat auch sehr stark zur Entwicklung der chinesischen Wirtschaft beigetragen. Westliche Unternehmen k\u00f6nnen in vielen Technologiebereichen mit diesem neuen Konkurrenten nicht mehr mithalten und haben inzwischen Marktanteile und Umsatz an diesen verloren.<\/p>\n<p>In manchen Wirtschaftsbereichen wie der Batterieherstellung haben die Chinesen eine marktbeherrschende Stellung erreicht, sodass westliche Unternehmen dort nur schwer Fu\u00df fassen k\u00f6nnen. Die nun stattfindende Gegenbewegung zur Globalisierung hatte US-Pr\u00e4sident Donald Trump eingeleitet, der Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Mobilfunk-Unternehmen Huawei und ZTE auf dem US-Markt erlie\u00df unter dem Vorwand einer nationalen Bedrohung f\u00fcr die USA.<\/p>\n<p>Damit aber nicht genug weiteten amerikanische Regierungen ihre nationalen Ma\u00dfnahmen gegen die chinesische IT-Industrie auch auf &#8222;politische Verb\u00fcndete und Handelspartner in aller Welt&#8220;(4) aus. US-Sanktionslisten verbieten Herstellern und Zulieferern der gesamten westlichen Chipindustrie &#8222;unter Strafandrohung, bestimmte Produkte oder spezielle Ausr\u00fcstungen ins Reich der Mitte zu liefern&#8220;(5). Das bekannteste Beispiel ist die niederl\u00e4ndische ASML, der weltweit f\u00fchrende Hersteller von Chipmaschinen. Die niederl\u00e4ndische Regierung beugte sich dem Diktat der USA und verbot dem eigenen Unternehmen die Ausfuhr seiner Produkte nach China.<\/p>\n<p>Solche Ma\u00dfnahmen treffen aber nicht nur China sondern schw\u00e4chen auch die westliche Wirtschaft selbst. Denn einerseits ergreift Peking Gegenma\u00dfnahmen, die die eigene Chipindustrie f\u00f6rdern zum Schaden besonders der amerikanischen. Die Ank\u00fcndigung der chinesischen Regierung, bis 2027 amerikanische und westliche Chips durch chinesische zu ersetzen, &#8222;lie\u00dfen die Aktien von Intel und AMD am Freitag um 1,5 Prozent zum Vortag&#8220;(6) einbrechen. Schon am 22.3. dieses Jahres hatten die beiden Wertverluste an den B\u00f6rsen von vier Prozent hinnehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Andererseits haben neue &#8222;Exportbeschr\u00e4nkungen der amerikanischen Regierung&#8220;(7) die Ums\u00e4tze von Nvidia, dem f\u00fchrenden Hersteller von Chips f\u00fcr die K\u00fcnstliche Intelligenz um &#8222;25 bis drei\u00dfig Prozent&#8220; sinken lassen. Diese Auflagen gelten nicht nur f\u00fcr Ausfuhren nach China sondern auch in andere L\u00e4nder. Das bedeutet aber, dass Nvidia Umsatz in H\u00f6he von etwa einem Viertel seiner Produktionskapazit\u00e4ten verloren geht. 2022 hatte China ausl\u00e4ndische Computer aus seinen Beh\u00f6rden verbannt. Als dasselbe gegen Apples iPhones verh\u00e4ngt wurde, b\u00fc\u00dfte der Konzern &#8222;daraufhin 200 Milliarden Dollar an B\u00f6rsenwert ein&#8220;(8).<br \/>\nAm diesen prominenten, aber nicht einzigen Beispielen wird deutlich, dass diese Politik der Eind\u00e4mmung Chinas auf Kosten der Unternehmen im Westen geht. Man will den amerikanischen Technologievorsprung erhalten. Damit aber schw\u00e4cht man die Unternehmen, die man vor chinesischer Konkurrenz sch\u00fctzen will. Umsatz und Wirtschaftlichkeit sinken, denn es gibt keinen Ersatz f\u00fcr die entgangenen Gewinne, womit die Innovationskraft der Unternehmen behindert wird. Zudem ist der Erfolg dieser Politik der Behinderung bisher nicht sehr erfolgreich.<\/p>\n<p><strong>Wertzuwachs<\/strong><\/p>\n<p>Wie die Ank\u00fcndigung seiner Regierung zeigte, nimmt China den Kampf im Chipkrieg auf und stellt seinen Unternehmen die notwendigen Mittel zur Verf\u00fcgung. Die Aufregung im Westen \u00fcber die chinesischen Subventionen ist \u00e4hnliche Augenwischerei wie die Aufregung \u00fcber dessen angebliche Waffenlieferungen an Russland. Auch im Westen flie\u00dfen Hunderte von Milliarden in den Auf- und Ausbau von Chip-, Batterie- und sonstigen modernen Industrien oder in die Kauff\u00f6rderung von E-Autos.<br \/>\nDaran wird aber auch deutlich, dass die chinesischen Subventionen eine h\u00f6here Wirkung erzielen als die westlichen, weil chinesische Unternehmen die westlichen M\u00e4rkte erobern, was den westlichen trotz Subventionen in China nicht gelingt. Angesichts der geringen Auslandsverschuldung und der hohen R\u00fccklagen stehen China zudem gen\u00fcgend finanzielle Mittel zur Verf\u00fcgung, um seinen Unternehmen f\u00fcr diese Aufgabe das n\u00f6tige Kapital bereit zu stellen.<\/p>\n<p>Gerade die weitere Entwicklung des sanktionierten Huawei-Konzern zeigt sehr deutlich, dass die westlichen Versuche, Chinas Aufstieg zu verhindern, zum Scheitern verurteilt sein d\u00fcrften. Ende M\u00e4rz meldete der Telekommunikationsriese einen Umsatzzuwachs von fast 10 Prozent, und der Nettogewinn stieg sogar um 140 Prozent. Der Pr\u00e4sident von Huawei, Ken Hu, erkl\u00e4rte den Erfolg seines Unternehmens trotz Sanktionen und Behinderungen: &#8220; \u2026 mit einer Herausforderung nach der anderen haben wir es geschafft zu wachsen&#8220;(9).<\/p>\n<p>Viel wichtiger aber als diese Zahlen sind die Hintergr\u00fcnde dieser Entwicklung, die vermutlich stellvertretend sein d\u00fcrften f\u00fcr die gesamte chinesische Entwicklung und die Erfolgsaussichten der westlichen Behinderungen. Bereits im Sommer 2023 hatte Huawei Aufsehen erregt mit seinem neuen Handy Mate 60. Darin war ein Chip verbaut, &#8222;der den Chinesen wegen bestehender Technologiesanktionen der USA bisher nicht zugetraut worden war&#8220;(10). Damit macht Huawei sogar dem Konkurrenten Apple schwer zu schaffen. So sanken &#8222;in China die Umsatzzahlen f\u00fcr das iPhone, w\u00e4hrend die von Huawei kr\u00e4ftig gewachsen sind&#8220;.(11)<\/p>\n<p>Das Bemerkenswerte daran ist, dass es sich dabei nicht um ein Zufallsergebnis handelt oder um erfolgreiche Spionage. Huawei ist es gelungen, die amerikanischen Sanktionen zu umgehen, indem es ein neues Verfahren entwickelt und patentiert hat, das &#8222;die Herstellung modernster Chips mit gar nicht mal so modernen Anlagen erlauben soll&#8220;(12). Das bedeutet, dass die chinesische Chipindustrie vielleicht schon bald gar nicht mehr auf westliche Chips und Maschinen zu deren Herstellung angewiesen ist. Je nachdem wie die Entwicklung verl\u00e4uft, k\u00f6nnte China auch anderen Staaten diese Verfahren in Lizenz zur Verf\u00fcgung stellen, womit die westliche Chipindustrie erheblich an Bedeutung verlieren d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Huawei ist kein Einzelfall. Es steht f\u00fcr eine technologische Aufholjagd, die die gesamte Breite einer Gesellschaft von 1,4 Milliarden gebildeten Menschen erfasst hat, die zudem &#8222;weit technologieafiner ist als im Westen&#8220;(13). Das macht sich bei den Patentanmeldungen bemerkbar, wo der Vorsprung Deutschlands nicht nur schrumpft, sondern demgegen\u00fcber sich die Anmeldungen &#8222;aus China seit 2018 sogar mehr als verdoppelt&#8220;(14) haben. Gegen diesen Erfindergeist k\u00f6nnen Sanktionen und Embargos wenig ausrichten.<\/p>\n<p>(1) Frankfurter Allgemeine Zeitung(FAZ) vom 14.4.2024: Am Puls von Xi Jinping<br \/>\n(2) ebenda<br \/>\n(3) ebenda<br \/>\n(4) FAZ 13.4.2024: Neuer Schlagabtausch im Chipkrieg.<br \/>\n(5) ebenda<br \/>\n(6) ebenda<br \/>\n(7) FAZ vom 23.2.2024: Nvidia ist nicht zu bremsen<br \/>\n(8) FAZ vom 26.3.2024: Peking-Bann: US-Riesen b\u00fc\u00dfen 40 Milliarden Euro an Wert ein.<br \/>\n(9) FAZ vom 30.3.2024: Huawei sehr robust<br \/>\n(10) ebenda<br \/>\n(11) ebenda<br \/>\n(12) FAZ vom 27.3.2024: Huawei umgeht Embargo<br \/>\n(13) FAZ vom 13.3.2024: Kalte Dusche f\u00fcr Chinas K-Tr\u00e4ume<br \/>\n(14) FAZ vom 19.3.2024: China verringert den Patentabstand zu Deutschland.<\/p>\n<p>R\u00fcdiger Rauls ist Buchautor und betreibt den Blog Politische Analyse<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_9149 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_9149')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_9149').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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