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Schlachtfeld Syrien. Die Welt schaut zu

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Maren

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Schlachtfeld Syrien. Die Welt schaut zu

BeitragSa 18. Mär 2017, 22:16

ARTE Deutschland
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Programmbeschwerde

ARTE „Thema“ - „Schlachtfeld Syrien. Die Welt schaut zu.“, 07.03.2017 20:15 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 07.03.2017 sendeten Sie einen Beitrag der Rubrik „Thema“ mit dem Titel „Schlachtfeld Syrien. Die Welt schaut zu.“
Im Film wurde der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura in der Zeit von August 2016 bis Februar 2017 durch das Filmteam begleitet.

Der Film hatte den Anspruch, einen Überblick über die Arbeit von Herrn Mistura und seiner Mitarbeiter bei der UNO geben zu wollen. Aus Sicht des Autors dieser Beschwerde wurde der Film diesem Anspruch nicht gerecht.

Der Beitrag hatte einen sehr einseitigen Blickwinkel auf die Geschehnisse und legte in erstaunlicher Deutlichkeit bloß, dass Herr de Mistura nicht unparteiisch vermittelt, sondern westliche Interessen vertritt.

Im Film wurden Aussagen getroffen wie:

„Russland hat jetzt freie Bahn, seinen Verbündeten Syrien zu unterstützen.“
„Die russisch-syrische Allianz ist altbewährt.“
„Im Rahmen dieser langjährigen Allianz engagiert sich Russland seit September 2015 in dem Konflikt.“

Jedoch kein Wort dazu, was eigentlich vor September 2015 passierte, welche Kriegsparteien es gab und gibt. Kein Wort dazu, wer diese Kriegsparteien unterstützte und finanzierte.

Gar nicht berücksichtigt wurde, wie die „Rebellen“ 2012 / 2013 gewaltsam nach Aleppo eingedrungen sind. Dabei wurde unter anderem das damals größte und modernste Krankenhaus Syriens zerstört. Weiterhin wurde nicht berücksichtigt, welche fatalen Auswirkungen auf die Versorgung mit Medikamenten und medizinischer Ausrüstung von den Sanktionen westlicher Länder gegen Syrien ausgehen.

Kein Wort dazu, dass die „Rebellen“ Krankenhäuser und Schulen als Basis nutzten, und dass russische Kampfmittelbeseitiger ausgerechnet in solchen öffentlichen Gebäuden größere Mengen Munition aus westlicher Produktion, und sogar Material zur Herstellung chemischer Kampfstoffe fanden.

Verschwiegen wurde, dass die „Rebellen“ die Zivilisten im Westteil Aleppos an der Flucht aus dem umkämpften Stadtteil hinderten, indem sie auf Flüchtende schossen.

Im Film entstand der Eindruck, dass Herr de Mistura angeblich keine Hintergrundinformationen besitzt, sondern angeblich den Großteil seiner Informationen aus der Presse bezieht, deren Quelle wiederum die wenig unabhängige „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ ist (Anmerkung: die „Beobachtungsstelle“ ist ein Kleiderhändler im britischen Coventry). Wenn Herr de Mistura sich tatsächlich so einseitig informierte und sich so wenig für die anderen Kriegsparteien in Syrien interessierte wie es der Film nahelegte, dann ist nicht verwunderlich, dass sein Handeln ergebnislos blieb.

Im Film wurden mehrfach Grafiken eingeblendet „x Tage bis zum Fall von Aleppo“. Fall oder Befreiung, dazu haben die friedlichen Einwohner von Aleppo sicherlich eine andere Meinung als die Journalistin, welche fern vom Geschehen den Film zusammenstellte.

Es wurden Bilder von „Weißhelmen“ gezeigt, welche aus Großbritannien finanziert werden. Dass von diesen mehr als einmal gestelltes Bildmaterial verbreitet wurde gemäß Feststellung unterschiedlicher Nachrichtenagenturen, blieb natürlich unerwähnt. Wie kommt es eigentlich, dass solche Gruppen in einem doch so leidenden Stadtteil über beste Kamera-Ausstattung und beste Internetverbindung verfügen?

Der als bombardierter UN-Hilfskonvoi dargestellte ausgebrannte LKW-Konvoi war ein übrigens tatsächlich ein Konvoi des Syrischen Arabischen Halbmondes.

Die einzige Terrororganisation, welche im Film genannt wurde, war Al Nusra. Völlig verschwiegen wurde das Wirken von anderen in der Provinz Aleppo tätigen islamistischen Organisationen wie z. B. Dschabat al-Schamiyah (sowohl von westlichen Staaten als auch von Saudi-Arabien unterstützt laut Reuters) und Nura al-Din al-Zinki (finanziell und mit Waffen von den USA ausgestattet laut Jamestown Foundation). Oder die Northern Division, welche zu den Söldner-Truppen gehört, welche von der CIA bewaffnet und unterstützt werden (die CIA hatte die Gruppe unter anderem mit Panzerabwehrwaffen beliefert, berichtete The Daily Mail).

In diesem Zusammenhang möchte ich eindringlich darauf hinweisen, dass Anfang Oktober 2016 das Stuttgarter Oberlandesgericht geurteilt hat, dass die Organisation Ahrar al Sham (ehemals Al Nusra) eine terroristische Organisation ist. Die Absicht, gegen die syrische Armee zu kämpfen, mache die Rebellenformationen nicht minder verantwortlich für „Gewalt gegen Zivilisten, die Belagerung von Städten und die Geiselhaft von Bürgern“ erklärte der Senatsvorsitzende Richter Hartmut Schnelle. Schnelle beschrieb die Organisation als „ausländische terroristische Vereinigung“, die sich als Teil der „gemäßigten Opposition“ in Syrien darstellt. (Quelle: Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien, Programmkritik „Ahrar al Sham ist terroristische Vereinigung“ vom 10.10.2016).

Das Schlusswort des Filmes war dann: „Der Syrienkrieg wird in der Geschichte der Vereinten Nationen ein unauslöschlicher Schandfleck bleiben“.

Dafür, dass die Autorin selbst keinen Kontakt mit der Bevölkerung von Aleppo hatte, zog sie wirklich recht kühne Schlussfolgerungen.

Dem Film folgte in Ihrem Abendprogramm eine kurze Diskussion mit der Autorin des Films, in der die Sichtweisen des Films bekräftigt wurden. Danach folgte ein Propagandafilm in welchem eine junge Journalistin eine Dschihadistengruppe in der Zeit 2012 / 2013 im Stadtteil Yamuk von Damaskus begleitete, und die Ereignisse vollständig aus der Sicht der handelnden Dschihadisten kommentierte. Es wurde auch gar kein Hehl daraus gemacht, dass es sich um islamistische Kämpfer handelte.

Einseitige Berichterstattung ist das Hauptmerkmal von Propaganda. Arte ist mit der Ausstrahlung dieses Werkes auf ein Niveau abgesunken, welches mit dem Wort Journalismus nicht mehr viel zu tun hat.

Im Interesse der Transparenz werden diese Programmbeschwerde und weiterführender Schriftverkehr auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen
Jens Köhler

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