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Tendenzberichterstattung. AI-Berichte über Kriegsverbrechen in Syrien

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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Tendenzberichterstattung. AI-Berichte über Kriegsverbrechen in Syrien

BeitragMi 6. Jul 2016, 21:11

To: gremienbuero@ndr.de

Programmbeschwerde: Tendenzberichterstattung. AI-Berichte über Kriegsverbrechen in Syrien unterschiedlich gesichtet

- 5.5.2015 (Regierungsarmee)
- 5.7.2016 (Rebellen)


Sehr geehrte Damen und Herren des NDR-Rundfunkrates,

als Amnesty International am 5. Mai 2015 einen Report über Kriegsverbrechen und Gräueltaten der Syrischen Armee vorlegte, berichtete ARD-aktuell in den Hauptsendungen Tagesschau um 20 Uhr und Tagesthemen. Fortwährend und trotz unserer wiederholten Kritik pflegte ARD-aktuell hingegen das Bild von den „prowestlichen“ (den „Guten“) Rebellen; die firmierten in der Tagesschau regelmäßig als „gemäßigte Rebellen“ bzw. "bewaffnete Opposition".

Nunmehr stellte AI am 5. Juli eben diese „Rebellen“ in einem neuen Bericht an den Pranger, wohin sie auch schon immer gehörten: Kriegsverbrecher, Mörder, Folterer, Vergewaltiger, Entführer, die sogar Kinder nicht verschonen. Um nicht in den unmittelbaren Verdacht zu kommen, bis in die Rundfunkräte hinein jahrelang mit diesen Mördern sympathisiert zu haben, lässt Dr. Gniffkes Redaktion nun wie zufällig das Attribut "gemäßigt" weg.

Der AI-Bericht klagt diesmal nicht Assad oder die Terroristen des IS an, sondern listet Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen der anderen „Oppositionsgruppen“ auf, speziell jener, die vom „Westen“ unterstützt werden. Präziser: Von den USA, der Türkei, Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate, Frankreich und Großbritannien.

Das Besondere an ARD-aktuell:

Im Unterschied zur umfangreichen Berichterstattung über den AI-Report betr. die syrischen Regierungstruppen versteckte die Redaktion die Nachricht über die Gräuel der Söldner und Terroristen sowie über deren Unterstützer, unsere Freunde in Washington, Riad, Ankara, Doha, Abu Dhabi, Paris und London, in einer kleinen Meldung von 25 Sekunden Dauer in der Tagesschau um 9 Uhr morgens – und mied das Thema für den Rest des Tages konsequent, ungeachtet dessen politischer Brisanz (oder gerade deshalb). Wortlaut:

Amnesty International hat mehreren Rebellengruppen in Syrien brutale Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. In einem Bericht dokumentiert die Organisation Entführungen, Folter und öffentliche Tötungen. Die Übergriffe seien von fünf bewaffneten Gruppen verübt worden. Der Leiter des Amnesty-Nahostprogramms, Luther, rief die Staaten weltweit dazu auf, fragliche Oppositionsgruppen nicht mehr zu unterstützen und ihnen auch keine Waffen mehr zu liefern.

http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 96951.html

Frage an den NDR-Rundfunkrat: Wieviele Zuschauer rezipieren die Tagesschau um 9 Uhr – und wieviele die Tagesschau um 20 Uhr? Und wie viele in den übrigen Ausgaben und Formaten? Wie ist das Zahlenverhältnis zwischen den Zuschauern, die über die Gräuel der Armee informiert wurden und die, die den Bericht über die Verbrechen der Terroristen erfuhren?
120 : 1?

Wir wollen uns auch nicht weiter bei den verbalen Verharmlosungen in dieser schändlichen Mini-Meldung aufhalten („öffentliche Tötungen“, „Übergriffe“), sondern schlicht feststellen, dass Dr. Gniffkes Qualitätsjournalisten mit dieser Art der Nachrichtenauswahl, Nachrichtengewichtung und Wortwahl (Gniffkes „Wording“) alle Kritik rechtfertigen, die wir in dem Zusammenhang bereits vorgetragen haben: Es gibt keine „gemäßigten“ Rebellen (das ist an sich bereits eine contradictio in adiecto). Rebellieren kann nur ein sich von seiner Obrigkeit unterdrückt Fühlender, nicht hingegen sind importierte Terroristen aus Arabien und aus asiatischen Ländern sowie sogar aus Australien und aus Europa in Syrien als „Rebellen“ zu titulieren. Zudem, auch darauf haben wir wiederholt verwiesen, ist „Rebell“ ein positiv konnotiertes Wort und deshalb auf die in Syrien wütenden Mörderbanden aller Schattierungen nicht anwendbar. Wäre jemals ein Tagesschau-Redakteur auf die Idee verfallen, die Verbrecher der Rote Armee Fraktion RAF als "Rebellen" zu bezeichnen und nicht als Terroristen, so hätte man nach Sanitätern gerufen. Es gibt keine „Freiheitskämpfer" in Syrien. Dort lassen die USA in ureigenem Hegemonialinteresse und mit Unterstützung ihrer Verbündeten einen Staat zerstören, wie sie das vorher schon mit Afghanistan machten, mit Irak, Somalia, Libyen...

Die Verharmlosung, die ARD-aktuell mit der zitierten Meldung als Teil ihrer USA-dienlichen Unterwürfigkeit und auf Berlin ausgerichteten Regierungsfrömmigkeit vorzuwerfen ist, soll hier für Sie mit ein paar Zitaten aus dem AI-Bericht belegt werden, die in der ARD-Meldung nicht einmal ansatzweise anklingen:

„... würden Milizen Kriegsverbrechen begehen, ohne Angst vor Verfolgung haben zu müssen. ... Sie folterten mich nach jedem Verhör dreimal. Sie schlugen mich mit einer Eisenstange auf meinen Rücken, meine Knie und Fußsohlen. Sie benutzten eine Zange um jeden meiner zehn Finger zu zerquetschen.... die im Westen in der Vergangenheit als "gemäßigt" galten und von den USA und europäischen Staaten finanziert und ausgerüstet wurden. Wie die islamistische Ahrar Al-Sham nahm Division 16 im April dieses Jahres auch an den Genfer Friedensverhandlungen teil. ....“

Mindestens 7 der 31 in Aleppo aktiven Milizen seien in den vergangenen Monaten durch die USA, Großbritannien, Frankreich, die Türkei, Katar, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützt worden, berichtet Amnesty.

Quellen u.a.:

https://www.amnesty.org/download/Docume ... NGLISH.pdf
http://parstoday.com/de/news/middle_eas ... verbrechen
http://de.euronews.com/2016/07/05/syrie ... n-pranger/
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016 ... verbrechen
http://www.n-tv.de/politik/Amnesty-Rebe ... 17436.html
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48749/1.html

Wir erlauben uns, ein paar Argumente aus der von Dr. Gniffke zu erwartenden Apologetik vorwegzunehmen:

„Am 5. Juli waren so viele andere wichtige Themen zu berücksichtigen, da war die Tour de France, deshalb konnte ARD-aktuell den AI-Bericht nur in der Frühe berücksichtigen. Dort wurde er aber journalistisch einwandfrei und objektiv und umfassend gemeldet, mit allem Drum und Dran...Ob wir nochmal „gemäßigte“ Rebellen sagen, hängt davon ab, wieviele dieser demokratischen Widerständler der Russe am Leben lässt..."

Der Herr hat bekanntlich eine äußerst hoch liegende berufsethische Schamschwelle.

Wir sehen in dieser Art der Themenauswahl und -gewichtung die politische Einseitigkeit der HA ARD-aktuell als erwiesen an und Programmauftrag sowie Programmrichtlinien des Staatsvertrags damit als verletzt.

Wir fühlen uns in der bisherigen Kritik bestärkt, dass die ARD (incl. Rundfunkräte) je nach Bedarf und Interessenlage selbst mörderische Terroristen zu verharmlosen bereit ist. Wie hieß es in einem Antwortschreiben an uns: "Dass es auch im 5. Jahr des Bürgerkriegs ................oppositionelle Aktivisten gibt, die auf friedliche und demokratische Weise Widerstand leisten, bestätigen unsere syrischen Kontakte".

Nur: Diese ARD-Kontakte sind auf Fotos in trauter Gemeinsamkeit mit Top-Terroristen zu sehen.

Höflich grüßen
Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer
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Maren

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Re: Tendenzberichterstattung. AI-Berichte über Kriegsverbrechen in Syrien

BeitragMo 6. Nov 2017, 18:53

Von: gremienbuero-beschwerden@ndr.de
Betreff: Ihre Programmbeschwerde vom 04.07.2017 / Ihr Schreiben vom 23.10.2017

Ihre Programmbeschwerde vom 04.07.2017 über einen Beitrag auf tagesschau.de über die Absage der Teilnahme am G20-Gipfel durch Saudi-Arabiens König Salman

Sehr geehrter Herr Klinkhammer, sehr geehrter Herr Bräutigam,

die o.g. Beschwerde habe ich an den Programmausschuss des Rundfunkrates mit der Bitte um Beratung überwiesen.

Der Programmausschuss wird sich in einer seiner Sitzungen mit Ihrem Anliegen befassen.
Die abschließende Beratung erfolgt voraussichtlich in der darauffolgenden Sitzung des Rundfunkrates.

Über das Ergebnis der Beratungen werde ich Sie unterrichten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günter Hörmann
Vorsitzender NDR Rundfunkrat
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NORDDEUTSCHER RUNDFUNK
Gremienbüro
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg
Tel. (040) 4156-3506
Fax (040) 4156-3452
E-Mail: gremienbuero@ndr.de
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