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Erneut Kriegsverbrechen im Jemen verschwiegen

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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Erneut Kriegsverbrechen im Jemen verschwiegen

BeitragMo 13. Mär 2017, 19:52

Programmbeschwerde: Erneut Kriegsverbrechen im Jemen verschwiegen

Sehr geehrte NDR Rundfunkräte,

Die von den USA und Großbritannien dirigierte Allianz arabischer Diktaturen, voran Saudi-Arabiens, hat im Jemen am 10 März ein weiteres Kriegsverbrechen begangen. Zahlreiche Quellen berichten darüber, u.a.:

http://usvnews.com/over-20-dead-in-airs ... phic-video
https://southfront.org/saudi-led-coalit ... 20-killed/
https://www.rt.com/news/380204-yemen-market-air-strike/
http://www.presstv.ir/Detail/2017/03/10 ... n-Hudaydah
https://www.sott.net/article/344880-Sau ... -civilians
http://www.newsifi.com/world/at-least-1 ... market.htm
http://www.technewscoverage.com/news/ov ... video.html

Erneut wurde in der Stadt Hudaydah, der viertgrößten Stadt des Landes, ein Marktplatz bombardiert, diesmal mit mindestens 22 Toten und ungezählten Verletzten. Eindeutig handelte es sich nicht um ein militärisches Ziel. Informationen und Bildmaterial sind in den kritischen alternativen Medien im Internet zu finden. ARD-aktuell, transatlantisch genormt und den Berliner Regierungsinteressen an guten Beziehungen zu den „Partnern“ in Nahost innig verbunden, brachte über dies abermalige Kriegsverbrechen im Jemen kein Wort.

Als Erklärung für dieses Versagen bieten sich an: Komplette journalistische Inkompetenz, Auftragserfüllung als Konsequenz des Staatsfunk-Bewusstseins. Ein Versehen ist nicht anzunehmen, die Meldungen über Hudaydah kamen in großer Aufmachung z.B. bei RT. Sie wurden demnach von ARD-aktuell absichtlich ignoriert.

Für die Bundesregierung ist der Waffenkäufer und Öllieferant Saudi-Arabien ebenso wie die meisten der am Jemen-Krieg beteiligten Despotien bekanntlich ein „stabiler und wichtiger Partner“. Davon mag jeder halten, was er will. Moral spielt in der Politik keine Rolle. Aber in den Nachrichten des Ersten Deutschen Fernsehens muss ein Kriegsverbrechen wie das hier genannte eine Rolle spielen, und zwar eine herausragende.

Andernfalls liegt eine Verletzung des Programmauftrags, der Programmgrundsätze und der Programmrichtlinien vor. Wir fordern Sie auf, genau dies festzustellen.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer
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Maren

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Re: Erneut Kriegsverbrechen im Jemen verschwiegen

BeitragDo 20. Apr 2017, 20:33

Von: publikumsservice@tagesschau.de
Betreff: Ihre Nachricht vom 12.03.2017

Sehr geehrter Herr Klinkhammer,
sehr geehrter Herr Bräutigam,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 12.03.2017.

Jeden Tag wird bei ARD-aktuell aufs Neue darüber diskutiert und gerungen, über welche Ereignisse in welchem Umfang berichtet wird. Nachrichten zu machen, bedeutet stets, Nachrichten zu gewichten und eine Auswahl zu treffen, denn aus Tausenden von Meldungen muss zwangsläufig eine Auswahl getroffen werden. ARD-aktuell ist sich dieser Tatsache bewusst, und wir gehen so verantwortungsvoll wie möglich damit um. Dabei sind wir keiner politischen Instanz, Partei oder sonstigen Interessengruppen verpflichtet. Das öffentlich-rechtliche ARD-Gemeinschaftsprogramm wird aus Rundfunkbeiträgen finanziert und arbeitet frei von staatlicher Einflussnahme. Ob und in welchem Umfang über ein Thema berichtet wird, hängt auch davon ab, was sich an dem jeweiligen Tag noch alles ereignet hat. So kommt es vor, dass bestimmte Begebenheiten an einem Tag Einzug in unser Nachrichtenangebot erhalten, an einem anderen Tag dagegen nicht. Die Relevanz eines Themas ist gewissermaßen relativ und kann nur im Zusammenhang mit anderen tagesaktuellen Themen bewertet werden. Natürlich kann man geteilter Meinung darüber sein, für wie wichtig man welche Themen hält. Wir versichern Ihnen aber, dass wir uns tagtäglich bemühen, unsere Zuschauer möglichst umfassend über das Weltgeschehen zu informieren.

Bei der Berichterstattung greift ARD-aktuell ausschließlich auf Quellen zu, die als unabhängig und überparteilich gelten. Auf diese Weise schützt sich die Redaktion vor den Versuchen der Einflussnahme von außen. Ereignisse, über die berichtet wird, müssen von mindestens zwei unabhängigen Quellen belegt worden sein. Zu unabhängigen Quellen zählen beispielsweise international anerkannte Nachrichtenagenturen wie AP, AFP, Reuters und DPA; sie arbeiten unabhängig und frei von politischer Einflussnahme. Hinzu kommen das Korrespondentennetz der ARD sowie das Bildmaterial aus dem internationalen Nachrichtenaustausch der Europäischen Rundfunkunion. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen das Internet und soziale Netzwerke. Bei der Informationsbeschaffung über diese Quellen ist jedoch besondere Sorgfalt geboten, da hier die dargebotenen Inhalte zunächst verifiziert werden müssen. Seit einigen Jahren gibt es im Internet immer mehr (z.T. selbsternannte) Nachrichtenportale, die auf den ersten Blick wie eine seriöse Quelle wirken. Diese Plattformen sind jedoch oftmals nicht unabhängig von Geldgebern oder staatlichen Institutionen, einige verfolgen eine klare politische Agenda. Trotzdem geht ARD-aktuell selbstverständlich entsprechenden Themenhinweisen nach und versucht den Sachverhalt auf der Basis unabhängiger Quellen zu recherchieren.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen damit weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Kai Gniffke
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Maren

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Re: Erneut Kriegsverbrechen im Jemen verschwiegen

BeitragDo 20. Apr 2017, 21:08

PB vom 12.03.2017 Jemen

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie Dr. Gniffkes Mail vom 17.3.17 entnehmen können, „begründet" er das Unterdrücken der Nachricht über den Tod von 22 Menschen, indem er andere Internet-Quellen in toto und ohne Beleg als nicht seriös denunziert. Das passt recht gut zu seiner eigenen Vorgehensweise zu täuschen und zu desinformieren – unter anderem übrigens auch Sie. Fakt ist: Die gesamte österreichische Presse, N-TV, die Berliner Zeitung, die Süddeutsche Zeitung u.v.am berichteten über den Vorfall.
Dr. Gniffkes Behauptungen sind Schutzbehauptungen, sie sind ebenso unsinnig wie unaufrichtig. Wir sind gespannt, ob es ihm auch im vorliegenden Fall wieder gelingt, Sie vor seinen Karren zu spannen bzw. Sie zu verladen.

Das Unterdrücken wichtiger Meldungen gehört entgegen Ihrer Auffassung nicht zum freien Programmgestaltungsrecht einer Nachrichtenredaktion, sondern verstößt gegen folgende Programmrichtlinien:

"....politische Aussagen und Analysen sind ebenso wesentliche Bestandteile des Programms wie die Information über bisher unbekannte Sachverhalte und Zusammenhänge" bzw. "...Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen, auch beim Einsatz virtueller Elemente, zu entsprechen."

Es ist damit klargestellt, dass "Informationen zu unbekannten Sachverhalten“wesentliche Programmteile sind und die sachadäquate und angemessene Auswahl von Meldungen für Nachrichtensendungen nach "journalistischen Grundsätzen“ zu erfolgen hat. Nachrichtenunterdrückung gehört zweifelsfrei nicht zu diesen Grundsätzen. Zu überprüfen, ob die Programmrichtlinien eingehalten wurden, gehört jedoch zu den originären Aufgaben Ihres Gremiums. Sie hingegen erklären sich für dazu nicht befugt und berufen sich auf Absprachen mit der staatlichen Rechtsaufsicht über den NDR. Wir fordern Sie auf, Ihre Rechtsauffassung unter Berücksichtigung unseres Widerspruchs zu begründen.

Mit höflichen Grüßen

F.Klinkhammer, V. Bräutigam

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