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Meryl Streep vrs. Oliver Stone

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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Meryl Streep vrs. Oliver Stone

BeitragMo 20. Mär 2017, 22:10

An: Gremienbuero@ndr.de

Programmbeschwerde: Übliche Manipulation mittels Verschweigen

Sehr geehrte NDR Rundfunkräte,

Sie werden sich erinnern: Als knapp zwei Wochen vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Trump die Schauspielerin Meryl Streep bei der Verleihung der Golden Globes für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, nutzte sie die Gelegenheit für eine massive Kritik am Wahlsieger Trump. ARD-aktuell informierte darüber am 9.01.17 breit in allen seinen Formaten. U.a. berichtete die Tagesschau über Streeps

„[...] flammenden Aufruf für Toleranz und Vielfalt. Sie zählte die Herkunftsländer der Nominierten und sozialen Schichten ihrer Familien auf - in Hollywood wimmle es nur so von Ausländern und Außenseitern. Wenn man sie vertriebe, gäbe es am Ende nur noch Football und Kampfsportkunst zu sehen - und das sei keine Kunst. Die wohl beste Schauspielerin ihrer Generation erwähnte Trump nicht mit Namen, aber sie erinnerte, wie er bei einer Wahlkampfveranstaltung einen Menschen mit Behinderung nachgeäfft hatte. "Wenn die Mächtigen ihre Stellung ausnutzen, um andere fertig zu machen", verlieren alle, sagte sie. [...]“

Quellen u.a.:

http://www.tagesschau.de/kultur/golden-globe-113.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 48289.html

Als sechs Wochen später, am 19.02.17, der Regisseur und Dramaturg Oliver Stone, dreifacher Oscar- und fünffacher Golden-Globe-Gewinner, mit dem Writers Guild Award, dem Schriftstellerpreis geehrt wurde, sagte er in seiner Dankesrede:

„Es ist heute modisch, Republikaner und Trump anzugreifen und die Obamas und Clintons zu schonen. Aber denken Sie an die 13 Kriege, die wir in den letzten 30 Jahre begonnen haben und die 14 Billionen Dollar, die wir ausgegeben haben, und die Hunderttausende, die ihr Leben verloren haben. Nicht ein Führer war dafür verantwortlich, sondern ein System, Republikaner und Demokraten. Es ist ein System, das unter dem Deckmantel fortgeführt wird, dies seien gerechte Kriege, gerechtfertigt im Namen unserer Flagge. [...] wir wissen, wir haben in mehr als 100 Ländern eingegriffen. Es ist Krieg in verschiedener Form. Am Ende ist dies ein System, das zum Tod dieses Planeten und der Auslöschung von uns allen führt. [...].“

Quellen u.a.:

http://www.indiewire.com/2017/02/2017-w ... 201785181/
http://deadline.com/2017/02/olive-stone ... 201916877/
https://www.youtube.com/watch?v=nBKiqhJpDQk
https://www.theguardian.com/film/2017/f ... -heisserer

An Stones Rede erinnern Sie sich nicht? Klar. ARD-aktuell berichtete darüber ja auch kein Wort.

Fragen Sie sich bitte selbst (und dann den verantwortlichen ARD-aktuell-Chefredakteur), warum die wichtigste TV-Nachrichten-Institution der Republik zwar die (durchaus angebrachte) Kritik der weltbekannten Schauspielerin Streep am US-Präsidenten referierte, nicht aber, dass der ebenso weltbekannte Regisseur und Dramaturg Stone die USA (vollkommen zutreffend) als global virulente Kriegspest beschreibt.

Wir sehen auch in hier aufgezeigten unterschiedlichen Behandlung zweier US-Promi-Auftritte ein Beispiel für die Schlagseite und den transatlantischen Konformismus der Nachrichten fürs Erste Deutsche Fernsehen. Eine Verletzung des Programmauftrags und der Programmrichtlinien. Es steht zwar zu vermuten, dass Sie und der Chefredakteur selbst diese miese Nummer – wie all die anderen zuvor – für journalistisch vertretbar und staatsvertragskonform erklären. Wir möchten das aber zu dokumentarischen Zwecken trotzdem gerne schriftlich von Ihnen bekommen.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer
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Maren

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Re: Meryl Streep vrs. Oliver Stone

BeitragDo 20. Apr 2017, 22:36

Von: publikumsservice@tagesschau.de
Betreff: Ihre Nachricht vom 20.03.2017

Sehr geehrter Herr Klinkhammer,
sehr geehrter Herr Bräutigam,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 20.03.2017.

Sie kritisieren, dass ARD-aktuell nicht über die Kritik des Regisseurs Oliver Stone am ehemaligen US-Präsidenten Obama und Hillary und Bill Clinton anlässlich der Verleihung des Writers Guild Award berichtet habe.

ARD-aktuell hat in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik an politischen Entscheidungen des ehemaligen US-Präsidenten Obama thematisiert, auch die ehemalige US-Außenministerin Clinton sowie ihr Ehemann, der ehemalige US-Präsident Clinton waren immer wieder Gegenstand kritischer Berichterstattung.

Oliver Stones Rede hat es tatsächlich nicht ins Programm von ARD-aktuell geschafft.

Aber bitte bedenken Sie: Jeden Tag wird bei ARD-aktuell aufs Neue darüber diskutiert und gerungen, über welche Ereignisse in welchem Umfang berichtet wird. Nachrichten zu machen, bedeutet stets, Nachrichten zu gewichten und eine Auswahl zu treffen, denn aus Tausenden von Meldungen muss zwangsläufig eine Auswahl getroffen werden. ARD-aktuell ist sich dieser Tatsache bewusst, und wir gehen so verantwortungsvoll wie wir können damit um. Dabei sind wir keiner politischen Instanz, Partei oder sonstigen Interessengruppen verpflichtet. Das öffentlich-rechtliche ARD-Gemeinschaftsprogramm wird aus Rundfunkbeiträgen finanziert und arbeitet frei von staatlicher Einflussnahme. Ob und in welchem Umfang über ein Thema berichtet wird, hängt auch davon ab, was sich an dem jeweiligen Tag noch alles ereignet hat. So kommt es vor, dass bestimmte Begebenheiten an einem Tag Einzug in unser Nachrichtenangebot erhalten, an einem anderen Tag dagegen nicht. Die Relevanz eines Themas ist gewissermaßen relativ und kann nur im Zusammenhang mit anderen tagesaktuellen Themen bewertet werden.

Natürlich kann man geteilter Meinung darüber sein, für wie wichtig man welche Themen hält. Wir versichern Ihnen aber, dass wir uns tagtäglich bemühen, unsere Zuschauer möglichst umfassend über das Weltgeschehen zu informieren.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Kai Gniffke
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Maren

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Re: Meryl Streep vrs. Oliver Stone

BeitragDo 20. Apr 2017, 22:38

PB vom 20.03.2017- Oliver Stone

Sehr geehrte Rundfunkräte,

Doktor Gniffke gibt zu seiner Verteidigung vor, dass Obama und die Clintons "immer wieder Gegenstand kritischer Berichterstattung " bei ARD-aktuell gewesen seien. Das ist im hier angesprochenen Zusammenhang versuchte Täuschung. ARD-aktuell war im Wahlkampf unzweideutig auf der Seite Obamas und der Clintons. Dass Oliver Stones Rede beim Doktor keine Brücksichtigung fand, passt in dieses Berichts-Framing und steht im Gegensatz zur Berichterstattung über Trump, als der noch nicht die Sympathien der deutschen Politiker und der in ihrem Gefolge geifernden Medien
erworben hatte. Mit dessen völkerrechtswidrigem Bombardement in Syrien hat sich das ja geändert. Merkel und Gniffke haben haben deutlich höhere Sympathiewerte für den bombigen Trump entwickelt.

Zuvor kamen im Programm der ARD-aktuell sehr wohl Schauspieler und V.I.Ps vor, die über den damals noch ungeliebten Präsidenten gründlich lästern durften (z.B. J. Foster oder Regisseur Farhadi), ein weiterer Beleg für den Opportunismus und die Unaufrichtigkeit des Doktors.

Es ist richtig, dass die Gniffke-Abendshow keiner politischen Instanz, Partei oder sonstigen Interessengruppen verpflichtet ist. Frage: Warum verhält sie sich dann aber so?

Im übrigen:
Es ist unsinnig, unsere Beschwerde wegen der Unterdrückung einer wichtigen Nachricht in eine Programmanregung umzudeuten: Das Unterdrücken wichtiger Meldungen gehört entgegen Ihrer Auffassung nicht zum freien Programmgestaltungsrecht einer Nachrichtenredaktion, sondern verstößt gegen folgende Programmrichtlinien:

"....politische Aussagen und Analysen sind ebenso wesentliche Bestandteile des Programms wie die Information über bisher unbekannte Sachverhalte und Zusammenhänge" bzw. "...Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen, auch beim Einsatz virtueller Elemente, zu entsprechen."

Es ist damit klargestellt, dass "Informationen zu unbekannten Sachverhalten“wesentliche Programmteile sind und die sachadäquate und angemessene Auswahl von Meldungen für Nachrichtensendungen nach "journalistischen Grundsätzen“ zu erfolgen hat. Nachrichtenunterdrückung gehört zweifelsfrei nicht zu diesen Grundsätzen. Zu überprüfen, ob die Programmrichtlinien eingehalten wurden, gehört jedoch zu den originären Aufgaben Ihres Gremiums. Sie hingegen erklären sich für dazu nicht befugt und berufen sich auf Absprachen mit der staatlichen Rechtsaufsicht über den NDR. Wir fordern Sie auf, Ihre Rechtsauffassung unter Berücksichtigung unseres Widerspruchs zu begründen.

Mit höflichen Grüßen

F.Klinkhammer, V. Bräutigam

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