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Arabischer Frühling - Verbrechen der "Westlichen Wertegemeinschaft"

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Maren

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Arabischer Frühling - Verbrechen der "Westlichen Wertegemeinschaft"

Beitrag21. Dezember 2017, 21:32

Programmbeschwerde: Arabischer Frühling-Verbrechen der "Westlichen Wertegemeinschaft"

http://www.tagesschau.de/ausland/arabis ... g-103.html

Sehr geehrte Rundfunkräte,

erneut liefert ARD-aktuell einen Bericht, der die Programmrichtlinien ignoriert. Er scheint Teil einer neuen Propagandaphase zu sein, in der Verantwortung und Rolle der "Westlichen Wertegemeinschaft" bei der Zerstörung der arabischen Staaten übertüncht werden sollen. Das Narrativ lautet: Die unbeschreiblichen humanitären Katastrophen waren Folge von Bürgerkriegen. Dass die Umwälzungen von außen provoziert, Söldner und Waffen eingeschleust und. Putschisten und Kriminelle finanziert wurden, mit der Absicht, weitgehend abhängige und antidemokratische Kräfte in die neuen Machtpositionen zu installieren, soll vergessen gemacht werden. An keiner Stelle der ARD-aktuell-Ausführungen werden die treibenden Staaten namentlich genannt, die maßgeblich die Konflikte geschürt und den „regime change“ unterstützt haben.

Es heißt da:

"Syrien ist heute ein Land am Abgrund. Dank der Unterstützung aus Russland sitzt Machthaber Baschar al-Assad inzwischen wieder fest im Sattel. Seine Armee kann immer neue Siege vermelden, während Rebellen und Islamisten derzeit auf dem Rückzug sind."

In diesem kleinen Absatz finden sich gleich drei desinformative bzw. manipulativ-parteiische Aussagen:

1. Syrien steht nicht am Abgrund. Es befand sich dort, bevor die russische Armee und die iranische Hisbollah im Herbst vor zwei Jahren halfen, die dschihadistischen Milizen und Söldnertruppen niederzuschlagen. Nach zwei Jahren ist es nun fast gelungen, deren mörderische Angriffe auf die syrische Bevölkerung zu beenden.

2. Das Ende eines Krieges ist kein Abgrund, sondern Hoffnung auf Neubeginn in Frieden. Mit der verwendeten Formulierung versucht ARD-aktuell den Eindruck zu erwecken, der Sieg über Dschihadisten ausländischer Söldnerheere sei etwas Schlimmes, ein Schritt in den Abgrund, nur weil er von den Russen und der syrischen Armee erkämpft wurde.

3. „Wording“ (= unzulässige Sprachregelung): Die Verwendung des Begriffs "Machthaber Assad" hat mit objektiver Berichterstattung nichts zu tun, sie ist eine Verächtlichmachung, die in distanzierter seriöser Nachrichtenarbeit nichts zu suchen hat. Der Begriff Rebellen ist unsachlich und wahrheitswidrig, schon deshalb, weil es in dem syrischen Konflikt seit Herbst 2013 keine Kämpfer mehr gibt, die sich ursprünglich gegen die syrische Regierung aufgelehnt hatten und in der Freien Syrischen Armee (FSA) organisiert waren. Dies FSA besteht faktisch schon seit Dezember 2013 nicht mehr, als von Saudi-Arabien unterstützte Dschihadisten das Hauptquartier der FSA in Bab-al Hawa überrannten. Die verbleibenden Kämpfer der FSA wechselten die Seiten oder widmeten ihre Kraft dem Versuch, den Ansturm der Dschihadisten zu überleben. Seit 2014 beherrschten ausschließlich dschihadistische Einheiten den Krieg, insbesondere die Al Nusrat (Al Kaida) und die Ahrar al-Scham.

ARD-aktuell wusste das alles und hat dennoch Aktivisten aus dem Terror-Umfeld für Propaganda-Filmchen bezahlt, um die deutsche Bevölkerung gegen die russische Armee, die syrische Regierung und die iranischen Milizen mit den üblichen Tricks der Kriegspropaganda aufzuhetzen. Insofern verweisen wir auf unsere unzähligen Programmbeschwerden.

Der Konflikt wird weiterhin - auch in dem kritisierten Bericht als „Bürgerkrieg“ bezeichnet. Das ist absichtlich irreführend: Er war zwar zu Beginn ein Kampf gegen Assad, der sich aufgrund ausländischer Agititation und Provokation in Gewaltausbrüche steigerte und zu einem planvoll herbeigeführten Stellvertreter-Krieg der USA, Frankreichs, Großbritanniens, der Türkei, Saudi-Arabiens, Katars, der Emirate u.a. gegen die syrische Regierung ("Assad muss weg") entwickelte. Dass ARD-aktuell vor diesem Hintergrund noch immer von einem Bürgerkrieg faselt, zeigt die unbeirrte und transatlantischen Interessen folgende Bereitschaft, Kriegspropaganda statt Information zu verbreiten.

Dass ARD-aktuell nun plötzlich auf die Schrecken von Kriegen allgemein anspricht, ist erbärmliche Heuchelei. Kriege sind immer schrecklich, ob klein oder groß, ob in Mali, der Ukraine oder sonstwo. Nun zu sagen, der Syrienkrieg sei eine der "größten humanitären und zivilisatorischen Katastrophen unserer Zeit " ist eine üble Relativierung, die verdrängen soll, dass jeder Krieg zu ächten ist. Nicht nur der Syrienkrieg ist monströs, alle Kriege sind es. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Welt 248 bewaffnete Konflikte erlebt. 201 (81 Prozent) sind veranlasst von den USA bzw. fanden unter deren führender Beteiligung statt, teils unter dem Deckmantel der NATO, fast immer zumindest anfänglich völkerrechtswidrig. In diesen Kriegen brachte allein das US-Militär mehr als 30 Millionen Menschen um – davon rund 90 Prozent Zivilisten.

Kleiner Überblick:

- 10 bis 15 Millionen tote Zivilisten direkt durch die USA während der Kriege in Korea, Vietnam und der beiden Irak-Kriege,

- 9 bis 14 Millionen tote Zivilisten durch Erfüllungsgehilfen der USA in Afghanistan, Angola, Kongo, Ost-Timor, Guatemala, Indonesien, Pakistan, Sudan, Chile, Argentinien, Honduras, Nicaragua, Brasilien, Paraguay,

- hunderttausende tote Zivilisten durch Erfüllungsgehilfen der USA und der NATO in Libyen und Syrien.

Wenn ARD-aktuell nun scheinheilig versucht, den Syrienkrieg als "größte humanitäre Katastrophe" betrauern, dann ist das gleichzeitig der Versuch, die Verbrechen der USA zu verschleiern. Soll niemand auf die Doppelbödigkeit des westlichen Wertekanons aufmerksam werden und ins Grübeln kommen. Journalistischen Grundsätzen und menschlichem Anstand entspräche es, mindestens gelegentlich die USA als Verursacher der ungeheuren Opfer im Kontext der Berichterstattung über kriegerische Konflikte zu erwähnen. Jedem Bürger ein selbständiges Urteil über das Weltgeschehen zu ermöglichen, einschließlich der Kriege und ihre zumeist US-amerikanischen Verursacher und Nutznießer, das verlangt der Rundfunkstaatsvertrag. Was kümmert´s die ARD-aktuell?

Die Ausführungen über den Jemen sind ebenfalls falsch und desinformativ, da sie über die Drahtzieher des Konfliktes Unwahres verbreiten. Es ist eine absichtliche Missdeutung von ARD-aktuell, der Iran führe im Jemen einen Stellvertreterkrieg mit Saudi-Arabien: Dem Iran wird zwar von westlichen Kreisen die militärische Unterstützung der Huthi-Rebellen nachgesagt, bewiesen ist das aber nicht und wird auch vom Iran bestritten.

 Selbst "Spiegel-Online" hatte einräumen müssen: "Viele Experten bezweifeln ...., dass Iran tatsächlich nennenswert Einfluss auf die Rebellen hat.".

Der Think-Tank der Bundesregierung, die „Stiftung Wissenschaft und Politik“, weist ebenfalls darauf hin, dass der Iran und die Huthis keine gemeinsamen militärischen Ziele verfolgen. Auch darauf haben wir schon früher per Beschwerde hingewiesen. Trotzdem wiederholt Dr. Gniffke seine verstiegenen Behauptungen. Und verschweigt fortgesetzt, dass die USA, Großbritannien und Frankreich die Drahtzieher im Hintergrund sind.

Aus wikileaks-Unterlagen ergibt sich, dass sie die Saudis mit Waffen, militärischem und geheimdienstlichem Know-How, gelegentlich auch mit Elitetruppen der US-Navy-Seals sowie der GB-SAS und mit Drohnenbombardements unterstützen. Auch hier: Die Verbrechen der Westlichen Wertegemeinschaft werden verschleiert mit serviler Unterstützung von "Dr. Gniffke and friends". Davon kann die schiere Heuchelei auch nicht ablenken, mit der ARD-aktuell darauf verzichtet, Ross und Reiter zu nennen: "Das in der Antike "Arabia felix" - "glückliches Arabien" - genannte Land versinkt immer tiefer in einem blutigen Konflikt." Als gebe es keine Verantwortlichen für das blutige Geschehen. Saudi-Arabien ist da nicht allein, die USA und Deutschland mit seinen Waffenlieferungen steckten tief in diesem blutigen Sumpf.

Die Ausführungen zu Lybien sind ebenfalls verzerrend und desinformativ:

Die Skizzierung Gaddafis ist einfältig und boulevardesk. Er war sehr geehrt und umworben unter westlichen Politikern, solange er ihnen genehm war. Erst, als er den Petrodollar mit einer eigenen, goldgestützten Währung ersetzen wollte und weitere westliche Interessen gefährdete, (französischer Präsident Sarkozy.) ließen sie ihn viehisch ermorden. Nein, Hillary Clintons entzückter Ausruf soll in Erinnerung bleiben: „We came, we saw, he died.“ Die widerwärtige Reaktion einer primitiven US-amerikanischen Massenmörderin, auf deren Konto der Libyenkrieg überwiegend geht.

Libyen, einst der sozial am höchsten entwickelte und reichste Staat des afrikanischen Kontinents, wurde mit 7500 Luftangriffen der NATO unter Führung der USA in einen Failed State gebombt. Unterstützt wurden dabei marodierende Milizen, über die selbst im US-Kongress niemand Auskunft geben konnte, Al Quaida-Milizen beteiligten sich an den Massakern gegen Gaddafis Armee. Völlig daneben in den Ausführungen, dass es Hinweise gegeben habe, Gaddafi hätte als Unterstützer des Terrors agiert. Woher dieser Unsinn kommt, weiss wohl nur der Autor, belegt hat er dazu nichts. Aber Ehre dem Gedenken an den vormaligen deutschen Außenminister Guido Westerwelle, der unser Land bei dieser Ungeheuerlichkeit nicht beteiligt sehen wollte.

Der gesamte Beitrag ist ein übles Pamphlet. Er unterschlägt bzw. missdeutet die Ursachen und die Verantwortlichkeiten der genannten Kriege. Er hat offensichtlich zum Ziel, die schuldhafte Beteiligung der westlichen Akteure auszublenden und unsichtbar zu machen.

Mit Journalismus hat das nichts zu tun.

Sowohl die Auswahl des Textes für Tagesschau.de wie auch der Text selbst verstoßen gegen die Bestimmungen des Staatsvertrages.


Mit freundlichen Grüßen

F. Klinkhammer, V. Bräutigam
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Maren

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Re: Arabischer Frühling - Verbrechen der "Westlichen Wertegemeinschaft"

Beitrag11. Februar 2018, 14:31

Gesendet: Dienstag, 30. Januar 2018 um 16:58 Uhr
Von: l.marmor@ndr.de
Betreff: Ihre E-Mail

Sehr geehrter Herr Klinkhammer,
sehr geehrter Herr Bräutigam,

in Ihrer E-Mail vom 21. Dezember 2017 kritisieren Sie erneut die Berichterstattung von ARD-aktuell.

Ich habe die verantwortliche Redaktion gebeten, zu Ihrer Kritik Stellung zu nehmen. Diese Stellungnahme finden Sie im Anhang.
Stellungnahme_ArabischerFrühling_geschwärzt.pdf
(6.77 MiB) 91-mal heruntergeladen


Aus meiner Sicht liegt kein Verstoß gegen die Programmgrundsätze des NDR oder sonstige Vorschriften vor. Durch die Übersendung dieser Stellungnahme bringe ich dies zum Ausdruck.

Mit freundlichen Grüßen

Lutz Marmor

Intendant des Norddeutschen Rundfunks
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Maren

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Re: Arabischer Frühling - Verbrechen der "Westlichen Wertegemeinschaft"

Beitrag25. März 2018, 00:17

Sehr geehrte Rundfunkräte,

die Stellungnahme des NDR-Vertreters unterstreicht das bisher bekannte Niveau und den selbstgewählten journalistischen Auftrag des "Flaggschiffs": Eine Nachrichtenredaktion im Dienste der westlich-aggressiven Progaganda, der Kriegslüsternheit und der vorherrschenden Verlogenheit.

Typisch an der Stellungnahme: Es werden wesentliche Punkte der Programmbeschwerde ausgeklammert, aus dem Sinnzusammenhang gerissen und Tatsachen schlicht verdreht.

In einem alternativen Medium fand sich zur Berichterstattung der Gniffke-Organisation folgender Hinweis:

"Man ist offenbar einfach weiterhin in animalischer Weise geil auf die Vernichtung Syriens und darauf, Assad ähnlich gerecht hinzurichten, wie man es schon mit Muammar al-Gaddafi und Saddam Hussein gemacht hat - mit den bekannten Folgen. Vorherrschaft im nahen Osten und so weiter - blablabla. Die Transatlantiker und die Gniffke-Truppe sind bei diesem widerlichen Treiben weitab jeglicher humanistischen und naturwissenschaftlichen Bildung voll dabei. Eine schäumende Horde, die einfachste Zusammenhänge nicht zu erkennen vermag".

Wegen der Einzelheiten beziehen wir uns auf die Ausführungen in unserer Programmbeschwerde.

Wir wiederholen den Vorwurf der Staatsvertragsverletzung.

Mit freundlichen Grüßen

F. Klinkhammer, V. Bräutigam
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Maren

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Re: Arabischer Frühling - Verbrechen der "Westlichen Wertegemeinschaft"

Beitrag25. März 2018, 00:18

Von: gremienbuero@ndr.de
Betreff: Ihre Programmbeschwerde vom 21.12.2017 / Ihr Schreiben vom 24.02.2018

Ihre Programmbeschwerde vom 21.12.2017 über die Berichterstattung von ARD-aktuell über den "Arabischen Frühling" / Artikel auf tagesschau.de

Sehr geehrter Herr Klinkhammer, sehr geehrter Herr Bräutigam,

die o.g. Beschwerde habe ich an den Rechts- und Eingabenausschuss des Rundfunkrates mit der Bitte um Beratung überwiesen.

Der Rechts- und Eingabenausschuss wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit Ihrem Anliegen befassen.
Die abschließende Beratung erfolgt voraussichtlich in der darauffolgenden Sitzung des Rundfunkrates.

Über das Ergebnis der Beratungen werde ich Sie unterrichten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günter Hörmann
Vorsitzender NDR Rundfunkrat
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NORDDEUTSCHER RUNDFUNK
Gremienbüro

Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg
Tel. (040) 4156-3506
Fax (040) 4156-3452
E-Mail: gremienbuero-beschwerden@ndr.de
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