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ARD-aktuell widerspricht sich selbst

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Maren

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ARD-aktuell widerspricht sich selbst

Beitrag9. Februar 2018, 20:43

Programmbeschwerde: ARD-aktuell widerspricht sich selbst

http://www.tagesschau.de/multimedia/sen ... 24085.html
http://www.tagesschau.de/ausland/syrien-1139.html


Sehr geehrte Rundfunkräte,

„Wir wissen, dass wir nichts wissen, aber wir senden irgendwas. Hauptsache, wir haben das Thema abgedeckt“. Nach diesen Konzept für den Qualitätsjournalismus der Gegenwart verfuhr ARD-aktuell am 8. Februar mit Meldungen über einen US-amerikanischen „Luftschlag“ gegen regierungstreue Militäreinheiten in der syrischen Region Deir Ez-Zor.

Während in der Tagesschau um 20 Uhr gemeldet wurde, die USA hätten „100 Kämpfer getötet“ , hieß es auf tagesschau.de , die Geschehnisse seien unklar, nach russischen Angaben seien nur 25 Männer verletzt worden.

Ja was denn nun? Hier zunächst der Wortlaut der TS-Nachricht:

Die USA haben in Syrien nach eigenen Angaben etwa 100 Kämpfer getötet, die dem Regime von Präsident Assad nahestanden. Bei dem Luftangriff habe es sich um eine Maßnahme zur Selbstverteidigung gehandelt. Die regierungstreuen Truppen hätten zuvor in der Region Deir Essor Rebellen attackiert, die von den USA im Kampf gegen die Terrormiliz IS unterstützt werden. Die syrische Regierung forderte den UN-Sicherheitsrat auf, den Angriff zu verteilen.

Und hier Auszügen aus tagesschau.de (Stand: 08.02.2018 20:41 Uhr)

... Die Regierung in Damaskus hat die Luftangriffe der US-geführten Militärkoalition im Osten Syriens mit mehr als hundert Toten als "Kriegsverbrechen" verurteilt. ... Die Hintergründe zu dem Angriff sind noch unklar. Ein US-Militärvertreter in Washington hatte erklärt, dass ... die US-geführte Koalition, die in Syrien gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kämpft, zur "Selbstverteidigung" einen Gegenangriff mit Kampfflugzeugen und Artillerie gestartet. .... Bei dem Angriff sollen mehr als hundert Kämpfer getötet worden sein. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von 45 Toten auf Seiten der Regierungstruppen. ...Russlands Militär sprach hingegen von nur 25 Verletzten auf Seiten der regierungstreuen Kräfte, nicht von Toten.

Laut Staatsvertrag ist ARD-aktuell gehalten, umfassend, sachlich und so zu berichten, dass der Zuschauer sich selbst ein angemessenes Urteil über das Weltgeschehen machen kann. Wo das jedoch nicht so einfach möglich ist, zum Beispiel bei Berichten aus Kriegsgebieten, sind einseitige Darstellungen wie in der TS um 20 Uhr jedenfalls indiskutabel. Die Redaktion wusste és besser, wie sich in der Meldung auf tagesschau.de zeigt.

Laut Staatsvertrag ist ARD-aktuell verpflichtet, Informationen so weiterzugeben, dass der Zuschauer sie „einordnen“ kann, d.h., dass Zusammenhänge und Hintergrund zu vermitteln sind. Daran mangelt es hier in beiden Beiträgen, in TS 20 Uhr und auf tagesschau.de, und zwar fundamental.

Allem vorangestellt: Die USA behaupten in unüberbietbarer Frechheit und Lächerlichkeit, ihr Bombardement sei ein Akt der „Selbstverteidigung“ gewesen zum Schutz von US-geführten Söldnern, die gegen die IS-Terroristen kämpften. Die Redaktion ARD-aktuell hätte zwingend darauf hinweisen müssen, dass die Anwesenheit US-amerikanischer Truppen in Syrien und aller von ihnen in den Kampf geschickten bzw. unterstützten Söldner völkerrechtswidrig ist und folglich von Selbstverteidigung gar keine Rede sein kann. Der Hinweis hat nichts mit unzulässiger Kommentierung zu tun, sondern alles mit notwendiger sachlicher Richtigstellung. Die Redaktion hätte ferner darauf verweisen müssen, dass die Darstellung der USA in sich nicht schlüssig ist, weil sie die IS-Terroristen in der Region fallweise nicht bekämpft, sondern vielmehr unterstützt und sie samt ihren Waffen in westliche syrische Kampfgebiete verlegen hilft. Dafür gibt es mittlerweile zahlreiche Belege. Schließlich fehlte der Hinweis, dass das Bombardement von Moskau als weiterer Beweis dafür gesehen wird, dass die USA ihre Stützpunkte in Nordost-Syrien behalten wollen und gar nicht daran denken, ihre Truppen nach dem „Sieg über den IS“ wieder abzuziehen, wie ursprünglich zugesagt.

Die Handlungen der USA sind in jedem Falle, unabhängig von der Anzahl möglicher Opfer unter den Syrern, kriegsverbrecherisch. Das hätte als Minimum in der TS gesagt werden müssen.

Zudem hätte die Redaktion der Frage nachgehen müssen, ob auch diesmal wieder die Bundesluftwaffe mit ihren Tornado-Aufklärern die Zieldaten für das US-Bombardement geliefert hat und folglich an einem Kriegsverbrechen beteiligt war; der Verdacht liegt angesichts vergleichbarer Vorgeschichten jedenfalls nahe.

Fazit: ARD-aktuell lieferte einmal mehr ein Beispiel von unqualifiziertem und staatsvertragswidrigem Journalismus.

Mir freundlichen Grüßen
Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer

Weitere Quellen:

https://www.rt.com/news/418180-us-strik ... ggression/
https://sputniknews.com/middleeast/2018 ... ria-daesh/
https://www.heise.de/tp/features/Luftan ... l.taeglich
https://nocheinparteibuch.wordpress.com ... liminiert/
http://www.informationclearinghouse.info/48754.htm

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