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Falschberichterstattung Merkel-Poroschenko

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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Falschberichterstattung Merkel-Poroschenko

BeitragDi 31. Jan 2017, 20:56

Programmbeschwerde: Falschberichterstattung Merkel-Poroschenko

http://www.tagesschau.de/multimedia/sen ... -4897.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/sen ... 18141.html

Sehr geehrte NDR Rundfunkräte, sehr geehrter Herr Intendant,

zwischen einem Separatisten und einem Autonomisten liegt bekanntlich (?) ein wesentlicher Unterschied, der auch dann von ARD-aktuell zu beachten ist, wenn Menschen in der Ost-Ukraine politisch charakterisiert werden sollen.

Voraussetzung allerdings ist, dass die Redaktion den Unterschied wenigstens kennt – und dass sie nicht die Absicht hat, dem deutschen TV-Publikum einen weiteren Hirnwäscheversuch zuzumuten. Ersteres ist, betrachtet man bisherige sprachliche Leistungen der ARD-aktuell, nicht garantiert. Letzteres ist nicht auszuschließen.

Studio-Ansage der Tagesschau:

„Der Konflikt in der Ost-Ukraine war heute Thema eines Treffens von Kanzlerin Merkel mit dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko. Dabei kamen auch die Vereinbarungen von Minsk und deren Umsetzung zur Sprache. Im Osten der Ukraine kämpfen seit drei Jahren Regierungstruppen gegen prorussische Separatisten. Seit Dezember gilt eine Waffenruhe. Trotzdem kommt es immer wieder zu Zusammenstößen, zuletzt nahe Donezk“.

Kanzlerin Merkel kommt dann im Rahmen eines Reporterberichts mit diesem nicht weiter hinterfragten O-Ton zu Wort:

„Die Sicherheitslage an der Kontaktlinie ist besorgniserregend. In diesem Konflikt wurden laut UN bisher 10 000 Menschen getötet. Deshalb müssen wir alles tun, um voranzukommen auf der Grundlage, die wir haben, und das ist das Minsker Abkommen. Auch wenn sich das als sehr schwierig erweist.“

Im Studiotext der Redaktion wird das Publikum darüber getäuscht, dass die Mehrheit der Ost-Ukrainer sich nach wie vor als Ukrainer versteht, obwohl es sich um ethnisch russische Menschen handelt; es wird unterschlagen, dass sie sich nicht von der Ukraine lösen („separieren“) sondern lediglich mehr Selbstverwaltungsrechte (Autonomie) verlangen. Es wird unterschlagen, dass dies, nämlich ein Autonomiestatut und eigene Regionalwahlen für die Ost-Ukraine, den Ost-Ukrainern von Poroschenkos Faschisten- und Putschistenregime verweigert wird und damit eine der Grundbedingungen des angesprochenen Minsker Abkommens unerfüllt bleibt. Halbinformation ist nur eine andere Form von Falschinformation. ... Die Kanzlerin, wenig überaschend, unterschlägt in dem von ihr übermittelten Wortbeitrag, dass das Kiewer Regime seine Armee und faschistische Freischälerbataillone an die „Kontaktlinie“ schickte und die Ost-Ukraine bombardieren lässt, dass also die Hauptverantwortung für häufige Verletzungen des Waffenstillstansabkommens und die vielen Todesopfer dem Regime in Kiew zuzuschreiben sind. Das bekundet die Kanzlerin natürlich nicht, ebensowenig, wie sie ihr Bekenntnis erläutert, dass „Deutschland der Ukraine zur Seite steht“: nämlich mit Milliarden aus Steuermitteln, die dem bis auf die Knochen korrupten Poroschenko-Regime zugeschustert werden.

ARD-aktuell soll mit seinen Sendungen „umfassend und vollständig“ informieren. Dieser Verpflichtung kommt der Qualitätsladen mit größter Regelmäßigkeit immer dann nicht nach, wenn das hieße, das Handeln der Bundesregierung kritisch zu beleuchten. Die Unterlassung ist eindeutig ein Verstoß gegen Bestimmungen des NDR-Staatsvertrags. Aber Chredakteur Dr. Gniffke ist ja ein ehrenwerter Journalist.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer
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Maren

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Re: Falschberichterstattung Merkel-Poroschenko

BeitragMi 15. Feb 2017, 22:43

Von: gremienbuero@ndr.de
Betreff: Ihre E-Mail vom 30.01.2017

Sehr geehrter Herr Klinkhammer, sehr geehrter Herr Bräutigam,

der Rundfunkrat kontrolliert unter anderem die Einhaltung der staatsvertraglich verankerten Programmanforderungen. Daher sind ihm auch Ihre Anregungen sehr wichtig.

Im Rahmen der Überwachung der Programmanforderungen und der Beratung des Intendanten in Programmangelegenheiten haben wir Ihre Kritik zur Kenntnis genommen und sie zudem an die zuständige Redaktion im NDR weitergeleitet.

Mit freundlichen Grüßen

Ursula Thümler
Vorsitzende NDR Rundfunkrat
_____________________________
NORDDEUTSCHER RUNDFUNK
Gremienbüro
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg
Tel. (040) 4156-3506
Fax (040) 4156-3452
E-Mail: gremienbuero@ndr.de
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Maren

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Re: Falschberichterstattung Merkel-Poroschenko

BeitragMi 15. Feb 2017, 22:44

Sehr geehrte Frau Vorsitzende Thümler,

im Rahmen der Bearbeitung von Programmbeschwerden sind Sie nicht befugt, Vorgänge direkt an die Redaktion weiterzuleiten. Ihre Befugnis besteht lediglich darin, den Intendanten um eine Stellungnahme zu bitten.

F. Klinkhammer, V. Bräutigam
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Re: Falschberichterstattung Merkel-Poroschenko

BeitragFr 10. Mär 2017, 23:00

Von: publikumsservice@tagesschau.de
Betreff: Ihre Nachricht vom 30.01.2017

Sehr geehrter Herr Klinkhammer,
sehr geehrter Herr Bräutigam,

in Ihrer E-Mail vom 30.01.2017 kritisieren Sie die Berichterstattung der Tagesschau um 20 Uhr vom 30.01.2017 über ein Treffen zwischen Bundeskanzlerin Merkel und dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko.

Wir haben uns daher die Berichterstattung noch einmal angeschaut. Der Text der Meldung lautete: „Bundeskanzlerin Merkel und der ukrainische Präsident Poroschenko haben in Berlin über den Konflikt in der Ostukraine beraten. Merkel betonte die Bedeutung weiterer Verhandlungen, auch wenn der Weg mühsam sei. Poroschenko erklärte, sein Land brauche europäische Unterstützung. Im Osten der Ukraine kämpfen Regierungstruppen gegen pro-russische Separatisten. Seit Dezember gilt eine Waffenruhe. Trotzdem kommt es immer wieder zu Zusammenstößen, zuletzt nahe Donezk.“

Es handelte sich um eine Nachrichtenmeldung von 27 Sekunden Länge. In Antworten auf diverse andere Programmbeschwerden hatten wir Ihnen bereits dargelegt, dass sich in einer einzigen Wortmeldung nie alle Aspekte eines Themas behandeln lassen und dass es vielmehr um die journalistisch-nachrichtliche Verdichtung eines komplexen Sachverhalts geht. Zudem sollte die Meldung auch auf den nachfolgenden Beitrag hinleiten.

In der aktuell kritisierten Meldung ging es konkret um den Besuch des ukrainischen Präsidenten Poroschenko bei Bundeskanzlerin Merkel vor dem Hintergrund aufflammender Kämpfe zwischen Regierungstruppen und pro-russischen Separatisten in der Ostukraine. Weder die konkreten Ziele und Forderungen der Separatisten noch die Fortschritte der ukrainischen Regierung bei der Umsetzung der Minsker Vereinbarungen waren Thema der Meldung.

Tagesschau, Tagesthemen, Nachtmagazin und tagesschau.de haben in der Vergangenheit immer wieder auch detailliert und mit Hintergrundinformationen über den Konflikt in der Ukraine berichtet, zuletzt Anfang Februar 2017. In der Tagesschau um 20 Uhr und in einem Artikel auf tagesschau.de wurden die Situation in der Ostukraine sowie Details des Minsker Abkommens und ihre Umsetzung thematisiert:

http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-1341.html

Über das Minsker Abkommen und den Stand der Reformen in der Ukraine hat tagesschau24 ein Hintergrundgespräch mit dem Politikwissenschaftler Martin Brusis geführt:

http://www.tagesschau.de/ausland/ukrain ... s-101.html

Auf tagesschau.de hat die Redaktion bereits 2015 einen eigenen Hintergrund zum Minsker Friedensplan erstellt und ein Interview mit dem Osteuropa-Experten Henning Schröder geführt:

http://www.tagesschau.de/ausland/massna ... fcad9.html
http://www.tagesschau.de/ausland/interv ... k-101.html

Auch über die Ziele der pro-russischen Separatisten hat ARD-aktuell immer wieder berichtet:

https://www.tagesschau.de/ausland/ukraine1460.html

Den Vorwurf, es sei nicht umfassend und vollständig berichtet worden, weise ich als haltlos zurück.

Christian Nitsche
Zweiter Chefredakteur ARD-aktuell
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Maren

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Re: Falschberichterstattung Merkel-Poroschenko

BeitragFr 10. Mär 2017, 23:01

Sehr geehrte Rundfunkräte,

wir hatten uns im vorliegenden Fall nicht über eine unterdrückte Information, sondern über einen tatsächlich gesendeten Beitrag beschwert. Wir fordern Sie auf zu begründen, warum Sie dennoch Ihre Zuständigkeit verneinen.

F. Klinkhammer und V. Bräutigam,

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