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Programmbeschwerde - Kaspersky

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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Programmbeschwerde - Kaspersky

BeitragMo 16. Okt 2017, 19:07

Programmbeschwerde Kaspersky

https://www.tagesschau.de/ausland/kaspersky-111.html

Sehr geehrte Rundfunkräte,

über den US-geheimdienstlichen Vorwurf, Kaspersky betreibe für Russland Spionage in den USA, schrieb das Konkurrenzunternehmen Ashampoo GmbH & Co. KG auf seiner website:

"Beweise jeglicher Art für ein Vergehen von Kaspersky bleibt das federführende FBI somit weiterhin schuldig. Liest man zwischen den Zeilen, so geht es auch nicht um jene Programme, die aktuell auf den Rechnern laufen, dort hat man ja keine Unregelmäßigkeiten feststellen können. Es geht darum, was sein könnte. Das Szenario, der russische Geheimdienst könnte Kaspersky-Software nutzen, um Überwachungssoftware in amerikanische Behörden einzuschleusen, bringt viele um den Schlaf. Es ist hier also schlicht die Nationalität einer Firma, verbunden mit dem Misstrauen gegenüber Putins Machtapparat, die hier einen Boykott auslöst. Denkt man dies weiter, fühlt man sich leicht paranoid. Was ist denn z.B. mit Microsoft und der traditionell wenig zimperlichen NSA? Wäre dies undenkbar? Sollte man deshalb amerikanische Software meiden, weil es sein könnte? ... Um nicht missverstanden zu werden: Wir haben keinerlei Geschäftsbeziehungen zu Kaspersky, für uns sind sie schlicht Konkurrenz. Stumpf gedacht könnte man sich freuen, vielleicht verkaufen wir dadurch ein paar Antivirus-Lizenzen mehr. Aber darf ein Unternehmen ohne jegliche Beweise so massiv öffentlich an den Pranger gestellt werden? Darf eine Firma, die für viele Arbeitsplatz und sogar Lebenswerk ist, wegen purer Verdächtigungen geschädigt werden? Das widerspricht jeglichem Rechtsempfinden.....Noch verstörender ist die Einstellung der US-Regierung gegenüber den privaten Nutzern. Während die amerikanischen Behörden Blut und Wasser schwitzen werden, um die Fristen von 60 Tage Planungsphase und 90 Tage Umsetzung zu bewältigen, sollen Privatnutzer nur die Ruhe bewahren. Es ginge nur um Unternehmen und Regierungsstellen, die hier gefährdet seien. Wenn man aber einer Firma schon unterstellt, sie könne als Schnüffel-Abteilung des Kremls arbeiten, wieso gibt man dann keine Warnung für private Nutzer aus? Ist deren Sicherheit nichts wert? Zudem dürften auch viele Forscher, Universitätsmitarbeiter und Angestellte der angeblich gefährdeten Behörden privat Kaspersky nutzen. Ist das egal? Oder ist es halt doch eine politisch motivierte Entscheidung?“

Quelle: https://blog.ashampoo.com/de/2017-09-19 ... paign=blog

Ganz anders reagierte die Redaktion ARD-aktuell: Ihr Bericht vom 11.10.17 über das Vorgehen der US-Behörden gegen den russischen Software-Anbieter Kasperski enthält keinerlei kritische Fragen, sondern beschränkt sich auf die Wiedergabe von Gerüchten und Verdächtigungen obskurer Quellen wie Geheimdienste und nicht eben seriöse Medien sie abzusondern pflegen. Es wird nicht über den konkreten Vorwurf und dessen Fragwürdigkeit geschrieben, sondern nur referiert, was andere darüber geäußert haben. Blankes Hörensagen, ohne jede Beweiskraft.

Wie beim Thema "Russische Einmischung in US-Wahlkampf", bei dem jede kleine Nachricht, jedes Gerücht, jede, auch die absurdeste Aussage eines Politikers, eines Sängers oder Schauspielers, ja jedes (zumeist breits pensionierten) Geheimdienstlers veröffentlicht und gesendet wird, soll auch die "neue Sau im Dorf", die Kaspersky-Story, dazu führen, Russland in Misskredit zu bringen. Das propagandistische Teil-Ziel: Die Zuschauer und Zuschauerinnen sollen denken: Nicht nur Putin, sondern auch weltweit erfolgreiche russische Unternehmen, hier der Software-Hersteller Kaspersky, sind destruktive Übeltäter, jedes Mittel ist ihnen recht, in diesem Fall Spionage. Das Propaganda-Instrument: So lange und so oft es geht, Negativbehauptungen wiederholen, und seien sie noch so absurd - bis sie vom Rezipienten als Wahrheit, als Fakt wahrgenommen werden.

Der Vergleich der Reaktionen von Ashampoo und ARD-aktuell zeigt, wie sich seriöses und um Objektivität bemühter Umgang eines privatwirtschaftlichen Konkurrenzunternehmens mit Regierungshandeln von miesem und sich auf Verdächtigungen beschränkenden Gossenjournalismus unterscheiden, zu dem sich hier ein politisch abhängiger öffentlich-rechtlicher Sender herbeiließ. Angesichts der aktuellen Angriffe der privaten Medien auf das öffentlich-rechtliche Rundfunkwesen schießt ARD-aktuell mal wieder ein sauberes Eigentor. Der Beitrag verstößt gegen das Gebot der Objektivität bei Nachrichtensendungen.

F. Klinkhammer, V. Bräutigam
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Maren

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Re: Programmbeschwerde - Kaspersky

BeitragMi 1. Nov 2017, 19:02

Von: l.marmor@ndr.de
Betreff: Ihre E-Mail vom 16. Oktober 2017

Sehr geehrter Herr Klinkhammer,
sehr geehrter Herr Bräutigam,

in Ihrer E-Mail vom 16. Oktober 2017 kritisieren Sie erneut die Berichterstattung von ARD-aktuell.

Ich habe die verantwortliche Redaktion gebeten, zu Ihrer Kritik Stellung zu nehmen. Diese Stellungnahme finden Sie im Anhang.
Stellungnahme_Kaspersky_geschwärzt.pdf
(1.23 MiB) 19-mal heruntergeladen


Aus meiner Sicht liegt kein Verstoß gegen die Programmgrundsätze des NDR oder sonstige Vorschriften vor. Durch die Übersendung dieser Stellungnahme bringe ich dies zum Ausdruck.

Mit freundlichen Grüßen

Lutz Marmor

Intendant des Norddeutschen Rundfunks
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Maren

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Re: Programmbeschwerde - Kaspersky

BeitragMi 1. Nov 2017, 19:12

Stellungnahme des NDR zur Eingabe "Kaspersky"

Sehr geehrte Rundfunkräte,

es grenzt schon an journalistische Selbstverleugnung, dass Dr. Gniffke die "New York Times“ tatsächlich als eine in Russlandfragen seriöse Quelle bezeichnet. Dass er versucht, eine solche Lebenslüge auch Ihnen akzeptabel erscheinen zu lassen, entbehrt allerdings nicht einer gewissen Konsequenz: Beim Intendanten hat er es ja schon geschafft.

Jetzt geben wir einmal etwas Nachhilfe beim Faktenfinder: Das (inzwischen auch von Dr. Gniffke ausdrücklich als seriös anerkannte) Politmagazin "Telepolis" des Heiseverlages aus Hannover schrieb:

"Die russische "Kampagne zur Störung der amerikanischen Wahlen" sei unterschätzt worden, die NYT webt aus Vermutungen ein Verdachts- und Bedrohungsszenario mit verschwörungstheoretischen Ausmaßen".

https://www.heise.de/tp/features/Die-Ne ... 24598.html

Wenn man so will: Die NYT spielt für die US-Aministration den gleichen Steigbügelhalter wie ARD-aktuell für die Bundesregierung.

Wir wiederholen:

"Wie beim Thema "Russische Einmischung in US-Wahlkampf", bei dem jede kleine Nachricht, jedes Gerücht, jede, auch die absurdeste Aussage eines Politikers, eines Sängers oder Schauspielers, ja jedes (zumeist breits pensionierten) Geheimdienstlers veröffentlicht und gesendet wird, soll auch die "neue Sau im Dorf", die Kaspersky-Story, dazu führen, Russland in Misskredit zu bringen. Das propagandistische Teil-Ziel: Die Zuschauer und Zuschauerinnen sollen denken: Nicht nur Putin, sondern auch weltweit erfolgreiche russische Unternehmen, hier der Software-Hersteller Kaspersky, sind destruktive Übeltäter, jedes Mittel ist ihnen recht, in diesem Fall sogar Spionage. Das Propaganda-Instrument: So lange und so oft es geht, Negativbehauptungen wiederholen, und seien sie noch so absurd - bis sie vom Rezipienten als Wahrheit, als Fakt wahrgenommen werden."

Angewandt wird eine Methode, die ARD-aktuell kürzlich auf Tagesschau.de selber vorgestellt hatte:

Die sogenannten "Sleeper und Truth-Effekte", die in Versuchsreihen ermittelt und nachgewiesen wurden. Den Teilnehmern wurden in einem Abstand von fünf Wochen die gleichen Falschmeldungen gezeigt. Beim zweiten Mal bewerteten die Versuchspersonen die Falschmeldungen eher als wahr, weil sie ihnen schon vertraut vorkamen.

http://faktenfinder.tagesschau.de/hinte ... s-101.html

Genau diese Effekte werden von Gniffke in der Russlandberichterstattung genutzt. Eine unbewiesene dämonisierende Behauptung nach der anderen, bis jeder Zuschauer die Verdächtigungen und beweislosen Behauptungen als bare Münze nimmt. Der "Erfolg" bleibt nicht aus: Obwohl nur ein ganz geringer Teil der deutschen Bevölkerung eigene Erfahrungen mit Russland haben dürfte, sind 48% (im Westen 53%) der Deutschen der Meinung, dass Russland eine Bedrohung darstelle. Trotz der Tatsache, dass Russland noch nie (im Gegensatz zur BRD) einen völkerrechtswidrigen Krieg geführt hat, nur über 4 ausländische Militärstützpunkte verfügt (USA über tausend), weniger Militärausgaben als Saudi-Arabien hat und nachweislich an globalen Konfliktlösungen erfolgreich arbeitet.

Dieses Mißverhältnis Meinungsbild und Wirklichkeit ist allein mit der russophoben und dämonisierenden Propaganda-Dauer-Berichterstattung gegen Russland unter Beteiligung der Rudel-Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu erklären

Wir wiederholen deshalb: Der Beitrag verstößt gegen die Programmrichtlinien. Dr. Gniffkes Entlastungsversuch ist nicht geeignet, die Programmbeschwerde zu entkräften.


Mit freundlichen Grüßen

F. Klinkhammer, V. Bräutigam
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Maren

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Re: Programmbeschwerde - Kaspersky

BeitragMi 8. Nov 2017, 19:48

Von: gremienbuero@ndr.de
Betreff: Ihre Programmbeschwerde vom 16.10.2017 / Ihr Schreiben vom 01.11.2017

Ihre Programmbeschwerde vom 16.10.2017 über einen Artikel auf tagesschau.de über Spionage-Vorwürfe gegen das Unternehmen Kaspersky


Sehr geehrter Herr Klinkhammer, sehr geehrter Herr Bräutigam,

die o.g. Beschwerde habe ich an den Rechts- und Eingabenausschuss des Rundfunkrates mit der Bitte um Beratung überwiesen.

Der Rechts- und Eingabenausschuss wird sich in einer seiner Sitzungen mit Ihrem Anliegen befassen.
Die abschließende Beratung erfolgt voraussichtlich in der darauffolgenden Sitzung des Rundfunkrates.

Über das Ergebnis der Beratungen werde ich Sie unterrichten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günter Hörmann
Vorsitzender NDR Rundfunkrat
_____________________________
NORDDEUTSCHER RUNDFUNK
Gremienbüro

Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg
Tel. (040) 4156-3506
Fax (040) 4156-3452
E-Mail: gremienbuero-beschwerden@ndr.de
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