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Programmbeschwerde: ZDF heute-journal - Assads Offensive auf Daraa

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Maren

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Programmbeschwerde: ZDF heute-journal - Assads Offensive auf Daraa

Beitrag6. Juli 2018, 19:16

ZDF
Intendanz
Herrn Bellut
ZDF-Straße 1
55127 Mainz


Programmbeschwerde: tendenziöser, unsachlicher Bericht, Verstoß gegen Rundfunk-Staatsvertrag

Datum und Uhrzeit: 30.06.2018 Start 23:15 Uhr
https://www.zdf.de/nachrichten/heute-jo ... a-100.html


Sehr geehrter Herr Bellut,

wir beanstanden im Auftrag eines Beschwerdeführers einen Bericht Ihres Korrespondenten Uli Gack, der in Teilen offensichtlich auf Hörensagen sowie Falschinformationen aus unseriösen Quellen beruht und einem Faktencheck nicht standhält.

Zunächst gestatten Sie uns auf die Resolution 2254 des UN-Sicherheitsrates vom 18. Dezember 2015 hinzuweisen. Das ausdrückliche Ziel dieser Resolution ist es, die "Rückzugsorte von ISIS, der Al-Nusra-Front und allen anderen Individuen, Gruppen, Unternehmen und Entitäten, die mit Al-Kaida oder ISIS assoziiert sind, auszumerzen". (Zur Erinnerung: Al-Kaida, das waren die mit 9/11) Explizit das Ziel des Ausmerzens dieser Terroristen verfolgen die legitime syrische Regierung und ihre verbündeten Streitkräfte, und zwar vollkommen zu Recht.

Die Bevölkerung von Daraa wird seit 2011 von einem Al-Kaida Ableger, der al-Nusra gewaltsam unterdrückt. Keine freie Religionsausübung für die religiösen Minderheiten, willkürliche Inhaftierungen, Vergewaltigungen, Verstümmelungen und Hinrichtungen sind seither an der Tagesordnung. Warum Medienvertreter bis zum heutigen Tage Söldner, islamistische Terroristen, Mörder und Kriminelle als Freiheitskämpfer, moderate Rebellen oder gar als politische Opposition verbrämen, wird wohl an einem Drehbuch liegen, von dem nicht abgewichen werden darf. Vergleichbar für die Verwendung dieser Euphemismen wäre, wenn die RAF-Terroristen im Deutschland der 70er Jahre in der „offiziellen Sprache“ als Opposition porträtiert worden wären.

Daher irritiert es schon, dass bei Sendeminute 1:08 im Interview mit Mohamad Abbas vom Al-Ahram-Zentrum für Strategische Studien Kairo, (wobei nicht klar ist, ob es die wörtliche Übersetzung ist, oder Herr Gack seine eigenen Worte über das Interview legt. Herr Abbas wurde ja schon einmal im April vom ZDF interviewt – gleiche Garderobe, gleiche Kulisse), nach der Beschreibung der Legende von „Daraa, wo alles begann“ tatsächlich der Satz fällt: „Das soll allen klar machen, dass Opposition in Syrien keine Zukunft hat.“

Warum ausgerechnet in Daraa alles begann und nicht in Damaskus oder Aleppo, lag wohl weniger an übermütigen Teenagern mit Sprühdosen oder einer überproportional vertretenen Opposition, sondern viel mehr an der strategisch günstigen Lage, direkt an der jordanischen Grenze, von wo aus kontinuierlich Material und feindlich gesonnenes Personal in das arglose Land sickern konnte. Dass der versuchte Regime-Change in Syrien dort enden möge, von wo aus dessen Inszenierung begann, wird die Mehrheit der syrischen Bevölkerung und der friedliebenden Welt befürworten und feiern.

Nur wenige Sendeminuten später (bei Minute 1:30) behauptet Korrespondent Gack, dass, „laut Hilfsorganisationen“ „zahlreiche Krankenhäuser offenbar gezielt durch die russische Luftwaffe zerstört“ worden seien. Zur Untermauerung dieser These werden ausgerechnet Sequenzen eingeblendet, welche Mitglieder der oppositionsnahen „Weißhelme“ in Aktion zeigen. Informationen und Hintergründe, welche die Entstehung, die Inszenierungen und die Finanzierung dieser Organisation explizit beleuchten, haben sich inzwischen herumgesprochen – auch wenn die „White-Helmets“ in bestimmten involvierten Kreisen als preiswürdig befunden werden.

Zunächst ist die Behauptung, dass die russische Luftwaffe gezielt zahlreiche Krankenhäuser zerstörte, nicht nur komplett belegfrei, sondern als vorsätzliche Kriegspropaganda einer Konfliktpartei, sowie als Volksverhetzung zu werten, da einmal mehr insinuiert werden soll, wie absolut verabscheuungswürdig sich Russland in Konflikten verhalte.
Ihre Redaktion hätte auf die Verbreitung dieser unbewiesenen Behauptung verzichten können, wenn das Personal des ZDF nicht notorisch parteiisch und antirussisch konditioniert wäre.

Ärzte ohne Grenzen berichteten bereits am 27.06.2018 über Twitter von der Zerstörung des einzigen Krankenhauses in der Region, welches den mehr als 90.000 Menschen vor Ort weitergehende Gesundheitsversorgung bieten konnte. Das Krankenhaus wurde aufgrund der aktuellen Lage Tage vorher evakuiert, sodass keine Personen zu Schaden kamen.

https://twitter.com/msf_de/status/1011896967004344320

Die Journalistin Eva Bartlett zeigt ein paar Krankenhaus-Videos:
https://twitter.com/EvaKBartlett/status ... 7477113856

Russland und Syrien haben bereits am 28.06.2018 aufgrund der aktuellen Militäroperation gegen die Terror-Milizen ISIS und Al-Nusra-Front drei humanitäre Korridore errichtet. Das Netz ist voll von entsprechenden Berichten und Videos.

Daher erstaunt der Bericht über die vermeintlich unkoordinierte Flucht der Einwohner aus der Region. Auch die exorbitant hohen Flüchtlingszahlen (auch die aus UN-Quellen) sind nicht nachzuvollziehen. Offenbar wird die begrenzte Anzahl von Quellen, einschließlich die der Konfliktparteien, nicht unabhängig verifiziert und unterliegt somit Irrtümern oder Auslassungen durch die jeweils meldende Partei. Quellen, die auf Behauptungen des islamischen Staates, des AL-Kaida-Ablegers Hay'at Tahrir al-Sham und verschiedener anderer sektiererischer "Rebellengruppen" sollten gemieden und nicht durch seriöse NGOs und Medien verbreitet werden.

Wir sehen in der beanstandeten Berichterstattung klare Verstöße u.a. gegen die Programmgrundsätze § 5 (3), § 6 (1) des ZDF-Staatsvertrages sowie gegen diverse Programmrichtlinien des ZDF.

§ 5 Gestaltung der Sendungen

(3) Das ZDF hat in seinen Sendungen die Würde des Menschen zu achten und zu schützen. Es soll dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und Meinung anderer zu stärken (...).

§ 6 Berichterstattung

(1) Die Berichterstattung soll umfassend, wahrheitsgetreu und sachlich sein. Herkunft und Inhalt der zur Veröffentlichung bestimmten Berichte sind sorgfältig zu prüfen.

Programmrichtlinien des ZDF

I. (5) Die Berichterstattung muss von vorbehaltlosem Willen zur Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit bestimmt sein. Zweifel an der Zuverlässigkeit einer Nachricht sind zum Ausdruck zu bringen.

III. (4) Die Informationssendungen und -angebote müssen durch Darstellung der wesentlichen Materialien der eigenen Meinungsbildung dienen. Sie dürfen dabei nicht durch Weglassen wichtiger Tatsachen, durch Verfälschung oder durch Suggestivmethoden die persönliche Entscheidung zu bestimmen versuchen.

V. (1) Die Angebote sollen dem Frieden und der Verständigung unter den Völkern dienen und die gegenseitige Achtung zwischen allen Menschen und Gruppen ohne Rücksicht auf ihre Abstammung und soziale und kulturelle Eigenart fördern.

Aus Transparenzgründen werden wir diese Beschwerde sowie weiterführenden Schriftverkehr auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Maren Müller


P.S.

Sehr geehrter Herr Bellut,

ein paar persönliche Worte des Beschwerdeführers möchte ich unbedingt dieser Beschwerde hinzufügen:

"Dass die Pressefreiheit in Deutschland bei den Printmedien spätestens beim Chefredakteur aufhört, ist bekannt. Wir können uns wehren, indem wir diese Produkte einfach nicht kaufen. Beim ÖRR sieht das anders aus. Wir müssen durch unseren Rundfunkbeitrag dafür zahlen. Auch wenn dieser Rundfunkbeitrag rechtlich sehr umstritten ist, kann es nicht sein, dass mein Geld unter anderem für solche Beiträge, die offensichtlich aus dem US Kriegsministerium inspiriert wurden, verwendet wird. Sie haben im ÖRR eine hohe Verantwortung für die Demokratie in diesem Land. Werden Sie dieser Verantwortung endlich wieder gerecht und mutieren Sie nicht weiter zum Staatsfernsehen."

Mit freundlichen Grüßen
i.A. Maren Müller
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Maren

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Re: Programmbeschwerde: ZDF heute-journal - Assads Offensive auf Daraa

Beitrag1. August 2018, 22:04

Uns erreichte eine Antwort auf die Beschwerde vom Chefredakteur Dr. Peter Frey:
Antwort_Frey_ZDF_geschwärzt.pdf
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Maren

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Re: Programmbeschwerde: ZDF heute-journal - Assads Offensive auf Daraa

Beitrag5. August 2018, 17:04

ZDF
Intendanz & Chefredaktion
ZDF-Straße 1
55127 Mainz


Sehr geehrter Herr Dr. Frey,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 25.07.2018, welches uns als Antwort auf unsere Beschwerde vom 06.07.2018 erreichte.

Die Argumentation, welche im Antwortschreiben an den Tag gelegt wurde, ist nicht dazu geeignet unsere Zweifel am beanstandeten Bericht auszuräumen. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist absolut unverständlich, dass Sie als Chefredakteur eine derart schwache Replik mit Ihrer Unterschrift adeln.

Zunächst erlauben Sie mir die Anmerkung, dass sich unsere kritischen Zuschriften an das ZDF sehr in Grenzen halten und von dauerhafter kritischer Begleitung Ihres Programmes überhaupt keine Rede sein kann. Wenn dem so wäre, dann bekämen Sie - grob geschätzt - nicht nur einmal im Monat entsprechende Post, sondern täglich. Auch unsere seit 2014 gängige Praxis, Beschwerden kritischer Zuschauer (auch ohne ihren Namen zu nennen) entgegenzunehmen, zu bearbeiten und bei den jeweils verantwortlichen Sendern einzureichen, dürfte inzwischen grundlegend bekannt sein.

Zum inhaltlichen Teil:

1.) Natürlich ist es schwierig in Syrien seriöse Quellen auszumachen, wenn man sich auf eine einseitige und parteiische Informationspolitik verlegt hat. Dass sich die Nachrichten öffentlich-rechtlicher Anstalten explizit nicht auf Berichte stützen, die von renommierten Journalisten und Politikern vor Ort in Erfahrung gebracht werden, ist inzwischen bekannt. Bevor das ZDF z.B. eine Karin Leukefeld zu Wort kommen lässt, die seit Jahren in Syrien lebt und arbeitet, stützt man sich eher auf Aussagen der oppositionsnahen Aktivistin Kristin Helberg, die seit etlichen Jahren mit einem Einreiseverbot belegt ist und sich lediglich auf Hörensagen Dritter - und zwar ausschließlich auf Stimmen der syrischen Opposition (u.a. im Exil) - berufen kann.

Wenn Ihr Kollege Uli Gack, der vom 1000 km entfernten Kairo aus über die Lage vor Ort in Syrien berichten will, sich laut Ihres Antwortschreibens Informationen schriftlich oder telefonisch mit „vertrauenswürdigen Kontakten“ vor Ort austauscht, so kann er das rein theoretisch auch von Deutschland aus tun. Was soll das für eine Berichterstattung sein, wenn Quellen nicht bekannt gemacht werden und Lageeinschätzungen auf Hörensagen von Interessengruppen beruhen?

2.) Nicht der Kleidungsstil des interviewten Herrn Abbas oder gar Herr Abbas selbst wurde als störend empfunden, sondern die Tatsache, dass die beiden ZDF-Interviews, die immerhin ein paar Wochen auseinander lagen, merkwürdig übereinstimmende Details – wie zum Beispiel Kleidung und Kulisse - zeigen. Es sieht aus, als wären die Sequenzen für den beanstandeten Beitrag aus einem Wochen zurückliegenden Interview mit Abbas entnommen worden.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute-19 ... 9-100.html
https://www.zdf.de/nachrichten/heute-jo ... a-100.html
Im Interview vom 20.04.2018 erklärte Herr Abbas, angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffs auf Syrien durch westliche Militärs, die USA, Frankreich und Großbritannien hätten ‚vorschnell‘ und ‚hastig‘ entschieden, noch bevor die Inspektoren der Organisation für das Verbot chemischer Waffen angekommen waren. Diese Einschätzung teilen wir uneingeschränkt. Aber das nur am Rande.

3.) Sie behaupten weiterhin, dass Ihr Korrespondent Uli Gack "Quellen für seine Behauptung nenne, dass „zahlreiche Krankenhäuser offenbar gezielt durch die russische Luftwaffe zerstört“ worden seien. Nein, genau das hat Gack eben nicht getan! Der Hinweis "laut Hilfsorganisationen" ist recht allgemein gehalten und hat keinen präzisen Quellenwert. In dem Zusammenhang ausgerechnet Filmsequenzen der hochumstrittenen Weißhelme einzublenden, ist alles andere als "Quellen nennen". Auch ist die Verwendung des Adverbs "offenbar" keineswegs dazu geeignet, das Fehlen eindeutiger Belege für Dritte sichtbar zu machen. Synonyme zu "offenbar" sind laut Duden: augenfällig, augenscheinlich, deutlich [erkennbar], eklatant, ersichtlich, greifbar, handfest, handgreiflich, ins Auge fallend/springend, [klar] ersichtlich, mit Händen zu greifen, nicht zu übersehen, offenkundig, offensichtlich.
Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/of ... genfaellig

Unser Hauptvorwurf:
Wenn es, wie unter Verwendung der missverstandenen Vokabel „offenbar“ argumentiert wurde, keine eindeutigen Beweise dafür gibt, dass "zahlreiche (!) Krankenhäuser durch russische Luftangriffe offenbar gezielt (!) zerstört wurden", dann hat diese Behauptung in einer seriösen Nachrichtensendung nichts verloren. Sie wissen so gut wie wir, dass diese Art von Argumentationstechniken in der Berichterstattung einzig dem Zweck dienen, politische Gegner nach dem Motto „Es wird schon etwas hängenbleiben“ zu diskreditieren.

Abschließend noch einige Worte zu Ihrer Kritik an unserer Quellenwahl: Die eingangs zitierte UN-Resolution ist Ihnen offensichtlich bekannt, sodass es keinen Zweifel an der Authentizität der sinngemäßen Hervorhebung des Hauptanliegens der Resolution geben kann, es sei denn, man will Haarspalterei betreiben.
Deutsche Übersetzung: http://www.luftpost-kl.de/luftpost-arch ... 271215.pdf

Dass man einer Organisation wie dem UN-Sicherheitsrat inhaltlich sowohl Lob als auch Kritik angedeihen lassen kann, beweisen Reaktionen aus aller Welt, unter anderem durch Medien, Politiker und anderer Interessenvertreter, auf bestimmte Beschlüsse des hohen Hauses. (Googlebegriff: "Kritik an UN", oder "Kritik am UN-Sicherheitsrat") Es ist nicht irritierend, sondern absolut normal, nicht zu 100 % Übereinstimmung mit einem Gremium zu pflegen, welches an seiner Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit so häufig auf grandiose Weise scheitert.

Die zweite Quelle, von der Sie bemerkt haben wollen, dass wir sie „mitunter“ nutzen, ist insofern nicht zu beanstanden, dass gerade der verlinkte Artikel mehrere Sichtweisen im Syrienkonflikt beleuchtet. Der Autor des verlinkten Artikels merkt zum Beispiel an, dass das Aufstellen von „Roten Linien“ durch die USA die Rebellen und ihre Unterstützerstaaten zu „False Flag“- Operationen motivieren könnten, d.h. dass diese einen Giftgasanschlag auf die Bevölkerung verüben könnten, um ihn dann der syrischen Regierung in die Schuhe zu schieben. Auch lässt er Experten (hier Hersh, Lloyd und Postol) zu Wort kommen, die man in der Syrienberichterstattung des ZDF vergeblich sucht, er stellt die Frage nach dem „cui bono?“ und er moniert, dass Leichname von Kindern für Propagandaaufnahmen von A nach B transportiert worden seien. So sollte ausgewogene Berichterstattung aussehen.
Die Ironie, die sich bei Ihnen angesichts der Verwendung dieser Quelle einstellte, kann sich getrost zur Ihrer, ebenfalls widerlegten, Irritation gesellen. Sie insinuieren fälschlicherweise, dass wir der Berichterstattung von Uli Gack grundsätzlich misstrauen. Das ist nicht der Fall.

Uli Gack berichtete zum Beispiel am 20.04.2018 von seinen Recherchen in einem Flüchtlingslager, das nahe der lang umkämpften Stadt Douma liegt: Er habe von vielen Flüchtlingen unabhängig voneinander Darstellungen gehört, welche darauf hinweisen, dass Islamisten, darunter IS-Kämpfer, den weltweit publik gemachten Giftgaseinsatz in Douma am 07. April „inszeniert“ haben. Sie hätten Chlor-Behälter in die umkämpfte Region gebracht und „im Prinzip“ auf einen Angriff der gegnerischen Luftwaffe gewartet. Als es schließlich dazu kam, explodierten die Fässer erwartungsgemäß. Die hätten auch im Vorfeld sogenannte Übungen durchgeführt, bei denen sie Menschen dem Chlor ausgesetzt hätten. Dabei hätten sie gefilmt und diese Aufnahmen dann als Bericht über die Konsequenzen eines Giftgasangriffs der Regierung ausgegeben und verbreitet.

Uli Gack: „Ob das alles stimmt, ich würde meine Hand nicht unbedingt für jeden Satz ins Feuer legen, aber irgendwie scheint da schon was dran zu sein. … Wenn wir die Orte wie Homs, Aleppo oder zuletzt Mossul angucken, deren Untergrund wie Schweizer Käse unterwühlt ist, und wo Wochen später immer wieder organisierte Zellen aus dem Untergrund aufbrechen und Anschläge verüben oder Feuerüberfälle, dann ist in der Tat immer noch irgendwie eine Gefahr da für dieses Inspektorenteam, und deshalb, so sagt Russland, könne man die Leute da nicht hinlassen. Ob das so stimmt, wir wissen es nicht, es ist irgendwas dran. Aber Tatsache ist auch, je länger es dauert, umso schwieriger ist es, Substanzen oder möglicherweise Abbauprodukte des Chlorgases zu entdecken. Und es wird wahrscheinlich nahezu unmöglich sein, eine Urheberschaft zu ermitteln.“

Für diesen Bericht wurde sowohl das ZDF als auch Uli Gack von allen möglichen Seiten, allen voran der BILD, mit Schimpf und Schande überzogen. Der Focus bezichtigte Gack sogar der Verschwörungstheorie. Wie Sie sicher wissen, erreichte Sie zu diesem Bericht keine Programmbeschwerde - zumindest nicht von uns.

Ihre Kritik am verlinkten Rubikon-Beitrag ist ebenfalls nicht nachzuvollziehen: Verlinkt wurde ein Text der britischen Journalistin Vanessa Beeley für 21st Century Wire, der vom Rubikon freundlicherweise für seine Leser übersetzt wurde. Inwiefern der Rubikon als Quelle untauglich sein soll, weil er von einem angeblich hochumstrittenen Webmagazin verbreitet wird, müssten Sie mal logisch erklären. Eventuell sollte sich der Praktikant, der für die Entwürfe der Antworten auf Programmbeschwerden zuständig ist, zur Erweiterung seines Horizontes gelegentlich mit dem verheerenden Kontaktschuld-Konstrukt befassen.

Der Autor Paul Schreyer z.B. hat sowohl dem WDR als auch dem „hochumstrittenen“ Webmagazin KenFM ein Interview gegeben. Nach Ihrer Logik ist damit der WDR keine vertrauenswürdige Quelle mehr. Auch Ihr ehemaliger Kollege Wolfgang Herles trat schon mehrfach bei KenFM als ausgesprochen interessanter Gast in Erscheinung.

Sie finden es schlussendlich beachtenswert, welche Belege wir für unsere Behauptungen und Standpunkte anführen und wähnen sich offensichtlich vollends im Recht. Vielleicht lohnt es sich in Erinnerung zu rufen, dass nicht wir als Rezipienten und Laien verpflichtet sind, uns auf Quellen zu berufen, die Ihnen genehm sind. Aber Ihre Aufgabe ist es, laut Rundfunkstaatsvertrag, bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.

Im BVG-Urteil zum Rundfunkbeitrag, zu den Anforderungen an ARD, ZDF und Deutschlandradio, heißt es unter anderem: Es wächst die Aufgabe des beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks, durch

• authentische, sorgfältig recherchierte Informationen,
• die Fakten und Meinungen auseinanderhalten,
• die Wirklichkeit nicht verzerrt darzustellen und
• das Sensationelle nicht in den Vordergrund zu rücken,

sondern, vielmehr ein vielfaltssicherndes und Orientierungshilfe bietendes Gegengewicht zu bilden.

BVerfG, Urteil des Ersten Senats vom 18. Juli 2018 - 1 BvR 1675/16 - Rn. (77- 80)
https://www.bundesverfassungsgericht.de ... 67516.html

Wir werden die Angelegenheit in einem gesonderten Schreiben dem ZDF-Fernsehrat nahebringen.

Aus Gründen der Transparenz wird dieses Antwortschreiben und weiterführender Schriftverkehr auf der Webseite des Vereins viewforum.php?f=30 veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen

Maren Müller
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Maren

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Re: Programmbeschwerde: ZDF heute-journal - Assads Offensive auf Daraa

Beitrag12. August 2018, 12:22

Betrifft: Programmbeschwerde - ZDF heute-journal - Assads Offensive auf Daraa

Sehr geehrter Damen und Herren Fernsehräte,

uns erreichte auf oben genannte Programmbeschwerde vom 06.07.2018 eine äußerst unbefriedigende Antwort aus der Chefredaktion des ZDF, unterzeichnet von Dr. Frey höchstselbst.

Einzelheiten zum Vorgang entnehmen Sie bitte folgendem Link: viewtopic.php?f=30&t=2670&p=8760#p8712

Der Kern unserer Kritik war die absurde und beweislose Behauptung Ihres Korrespondenten Uli Gack, dass bei der Befreiung von Daraa „laut Hilfsorganisationen zahlreiche Krankenhäuser offenbar gezielt durch die russische Luftwaffe zerstört“ worden seien.

Zunächst kann in der Region vom Vorhandensein „zahlreicher Krankenhäuser“ keine Rede sein, es sei denn, diverse Berichterstatter deklarieren weiterhin jeden Terroristenverschlag mit Verbandskasten als Krankenhaus.
Darüber hinaus ist die Quellenlage ziemlich fadenscheinig, wenn sich der Korrespondent nicht festlegen mag, welche „Hilfsorganisationen“ genau behauptet haben, dass „zahlreiche Krankenhäuser offenbar gezielt durch die russische Luftwaffe zerstört“ worden seien. Eingeblendete Sequenzen von der „Arbeit“ der White Helmets sind als Quellen suboptimal, da nicht klar ersichtlich ist, unter welchen Umständen diese Aufnahmen entstanden sind, und wer dabei die Regie geführt hat.

Der Chefredakteur des ZDF führt in seiner Antwort auf unsere Beschwerde an, dass die Verwendung des Wortes „offenbar“ deutlich mache, dass es keine eindeutigen Belege dafür gäbe, dass „zahlreiche Krankenhäuser offenbar gezielt durch die russische Luftwaffe zerstört“ worden seien.

Sehr geehrte Fernsehräte, es ist zu vermuten, dass insbesondere die in ihr Gremium entsandten Vertreter der großen Kirchen wissen, was unter einer Offenbarung zu verstehen ist. Mit Offenbarung ist die Vermittlung einer neuen Erkenntnis umschrieben, „offenbar“ ist das Adjektiv dazu. Synonyme zu "offenbar" sind laut Duden: augenfällig, augenscheinlich, deutlich [erkennbar], eklatant, ersichtlich, greifbar, handfest, handgreiflich, ins Auge fallend/springend, [klar] ersichtlich, mit Händen zu greifen, nicht zu übersehen, offenkundig, offensichtlich.
Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/of ... genfaellig

Wir möchten Sie bitten, sich in einer Ihrer nächsten Sitzungen mit dem Thema zu befassen. Die Fernsehredaktion des ZDF ist gefordert, künftig auf Meldungen zu verzichten, für die es keine eindeutigen Belege gibt, und sich zur Absicherung gegen allzu vage Verlautbarungen aus unsicherer Herkunft treffendere semantische Vorsichtsmaßnahmen auszudenken.

Aus Gründen der Transparenz wird dieses Schreiben und weiterführender Schriftverkehr auf der Webseite des Vereins viewforum.php?f=30 veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen

Maren Müller

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