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Programmbeschwerde: Magazin „rundum gesund“

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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Programmbeschwerde: Magazin „rundum gesund“

Beitrag8. Mai 2019, 21:03

E-Mail: info@SWR.de

Programmbeschwerde

Beschwerde über den Moderator des Magazins „rundum gesund“ Dennis Wilms wegen der Verletzung von Programmgrundsätzen des § 6 Abs. 3 des SWR-Staatsvertrages, speziell gegen diese Norm:

„Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen, auch beim Einsatz virtueller Elemente, zu entsprechen. Sie sind gewissenhaft zu recherchieren und müssen wahrheitsgetreu und sachlich sein. Nachrichten sind vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft zu prüfen.“

Es handelt sich dabei um die Ausgabe zum Thema Blutdruck vom 15.4.2019 | 20.15 Uhr | 44:35 min.
https://www.swr.de/unternehmen/kommunik ... 9-104.html
Moderator: Dennis Wilms

Vorbemerkung: Mehrere E-Mails mit meiner Kritik an Herrn Wilms sowie an Frau Krüger von der Pressestelle blieben bisher unbeantwortet.

Als Experte wurde der „Science-Slammer“ und TV-affine Nichtmediziner (Student) und Kabarettist von Borstel befragt. In Wilms Sendung zum Thema „Rücken“ durfte Prof. Dietrich Grönemeier als Experte fungieren, den der Spiegel „Professor Hokus Pokus“ nannte: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-49298906.html

Begründung:

Als Einstieg in das Thema präsentiert Herr Wilms einen Patienten mit einer nicht repräsentativen Ursache von Hypertonie, nämlich mit einem Tumor der Nebenniere. Dies gehört zu den seltenen sekundären Ursachen, während die primären Auslöser von Bluthochdruck mit 90 % quotiert sind.

Ein Beispiel, von dem die meisten Zuschauer informell nicht profitieren. Herr von Borstel hat dies als Seltenheit danach korrigiert.

Dann verkündet der „Experte“, von dem Moderator unwidersprochen den Mythos von der familiären Prädisposition als eine von diversen Ursachen. Es ist inzwischen populärwissenschaftliches Allgemeingut, dass aufgrund der jungen Wissenschaft der Epigenetik durch entsprechende Lebensweise verhindert werden kann, dass bestimmte Gene überhaupt angeschaltet werden. Genetische Dispositionen sind längst kein Schicksal mehr.

Herr Wilms hat sich hier nicht vorher informiert und nimmt in Kauf, dass sensible Zuschauer in Angst versetzt werden.

Bei der Verifizierung der Funktion und den Störungen des Blutdrucks anhand des Models im Studio handelte es sich um eine Banalisierung und Infantilisierung von Binsenweisheiten, die auch dem durchschnittlich informierten Zuschauer bereits bekannt sein dürften. Herrn Wilms hätte als preisgekrönter Journalist wissen müssen, dass zuerst Organe mit Kapillargefäßen und entsprechend dünnen Gefäßwänden wie Nieren, Nasenhöhlen und Gehirn dem Hochdruck zum Opfer fallen.

Bei der Erörterung der Blutdrucknormwerte wird vorangestellt, dass ein mmHG von 120/80 der „klassische“ sei. Das ist natürlich eine verhängnisvolle Aussage. Mit der Cochrane-Studie wurde dieser Wert in den USA bestimmt und über Nacht 35 Mio bisher gesunde Menschen zu Hypertonikern gemacht.

Keine Anmerkung, geschweige denn ein Widerspruch dazu von Herrn Wilms.

Die Geschichte der Blutdrucknormen ist Meisterstück an Verbraucherirritation. In den 50er und 60er Jahren hieß es 100 plus Lebensalter. In dem Bestseller "Bitte Pillen" - Ausgabe von 1986 wird ein gesunder Blutdruck mit 160/95 angegeben. Dieser Ratgeber wurde unter Mitarbeit von weltweit renommierten Medizinern, darunter auch verantwortungsbewusste Kardiologen, zusammengestellt. Danach kam dann der Normwert von 140/90, 140/80 und jetzt 130/80 in Deutschland.

Quelle: SWR „Odysso“
https://www.swr.de/odysso/blutdruck-sin ... 4/1unagx4/

Eines Tages sind die Hypertonienormen so weit herabgesetzt, dass alle Menschen behandlungsbedürftig sind. (Vgl. Jörg Blech: „Die Krankmacher“, „Bewegung ist alles“!). Herr Wilms hätte als aufmerksamer Moderator doch einmal nur nachfragen müssen, wieso angesichts einer derart menschenfürsorglichen Prävention durch Herabsetzung der Normwerte Herz- und Kreislaufkrankheiten weltweit immer noch Nr. 1 und 2 der Todesursachen sind.

Der überflüssige, weil abseitige Dialog zwischen den beiden Protagonisten über die „Präeklampsie“ bei nur 5 % der Schwangeren hat mit Sicherheit die meisten Zuschauer überfordert, weil es sie nicht betrifft.

Bei der Vorstellung unterschiedlicher Blutdruckmessgeräte wurde jeweils der Name des Herstellers genannt. Wegen dieses Produktplacements ist Herr Wilms für das Sendeformat nicht mehr tragbar,

Fazit: Mit den als verantwortlicher Journalist und Moderator eines medizinwissenschaftlichen Sendeformats verbundenen Desinformationen hat Herr Wilms auf verantwortungslose Art gegen journalistische Standards wie Sorgfaltspflicht, Recherche und Wahrheitsgebot, wie in § 6 Abs. 3 formuliert, verstoßen.

Mit freundlichen Grüßen

xxxxxx*

*Der Einsender der Beschwerde ist uns und dem SWR bekannt.
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Maren

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Re: Programmbeschwerde: Magazin „rundum gesund“

Beitrag12. Mai 2019, 11:12

Sehr geehrter Herr XXXX,

wie zu erwarten, sind Sie auf einige meiner Kritikpunkte gar nicht eingegangen. Den Dilletantismus Ihres Herrn Wilms, der im Gegensatz zu anderen Moderatoren von TV-Gesundheitsmagazinen kein Mediziner ist, erwähnen Sie überhaupt nicht. Ich habe selten eine derart inkompetente und miserable journalistische Leistung gesehen. Von Medizinkritik und qualitativ guter Information keine Spur. Weiss Herr Wilms überhaupt, was Epigenetik bedeutet? Stattdessen ein Dialog zwischen Mainstream und Exotik.

Zum Produktplacement ebenfalls kein Wort.

Ich bin mal gespannt, was die für 2021 geplanten und in der Pipeline befindlichen neuen Leitlinien an Überraschungen bringen. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ ... l-009.html Eine weitere Herabsetzung der Normen oder endlich eine Abstufung nach Altersklassen? Hat Herr Wilms das auch nicht gewußt?

Meine Anmerkungen finden Sie unten in fett gedruckter und kursiver Schrift.

Ich gehe davon aus, dass meine Beschwerde einschließlich unserer Korrespondenz dem Beschwerdegremium vorgelegt wird. Sollte dies nicht geschen, bitte ich um Benachrichtigung.

Mit freundlichen Grüßen
XXXXXX


Antwort des SWR mit Einschüben (hervorgehoben) des Beschwerdeführers:

Betreff: Ihre Zuschrift zu rundum gesund Blutdruck[/b]

Sehr geehrter Herr XXXX,

vielen Dank für Ihre Zuschrift zu unserer Sendung rundum gesund, konkret zu der Ausgabe mit dem Themenschwerpunkt Bluthochdruck.

Tatsächlich hat sich unser Studiogast Johannes Hinrich von Borstel so ausgedrückt, dass man ihn missverstehen könnte, in dem er überhaupt von einer „alten Einheit“ sprach.

Herr von Borstel behauptet jedoch nicht, dass 120/80 eine alte Einheit sei, sondern dass mm Quecksilbersäule eine alte Einheit sind. 120/80 ist ein Grenzwert. Ihnen ist da eine Verwechslung von Maßeinheit mit Grenzwert unterlaufen. Ich gestehe zu, daß mm Quecksilbersäule etwas altbacken klingt, weil längst niemand mehr Quecksilbersäulen zum Messen einsetzt. Allerdings ist das immer noch die aktuelle Maßeinheit, die auch heute noch verwendet wird.

Sie irren. Ich habe die Maßeinheit nicht kritisirt, sondern die Norm. Zit.: "Der klassische Blutdruck liegt bei 120 zu 80 mm Quecksilbersäule." Das war die direkte Antwort auf die Frage von Herrn Wilms: "Was ist ein normaler Brlutdruck.?" Ab Min. 23:40. Die Maßeinheit erklärt der Befragte erst im Anschluss.


Sie können sich die Sendung gerne noch einmal daraufhin in der ARD/SWR-Mediathek ansehen: https://www.ardmediathek.de/swr/player/ ... /blutdruck

Ich habe mir das Video vor Abfasung meiner Beschwerde mehrfach angesehen. Heute meine ich sogar, dass es wegen seiner propagandistischen Wirkung aus der Mediathek genommen werden sollte. (Es bleibt ja auf Youtube.)


Aktuell definieren die European Society of Cardiology (ESC) und die European Society of Hypertension (ESH) die Grenze der Krankheit Bluthochdruck, der Hypertonie, bei 140/90. Ab einem „hochnormalen“ BP (130–85 mmHg) soll laut ESC eine Therapie zumindest erwogen werden.

Der alte Grenzwert „Alter plus hundert“ wurde verlassen, weil Studien zeigten, dass er mit einem erhöhten Risiko für Infarkt und Schlaganfall einhergeht, u.a. die bekannte Framingham-Studie.

US-Experten sind in der Tat rigoroser. Sie diagnostizieren bereits ab einem diastolischen Wert von 120 eine sogenannte Prähypertonie – auch darauf kommen Sie ja zu sprechen. Wichtig zu wissen: Die Diagnose Prähypertonie wurde in Europa aber so nicht übernommen!

Die von Ihnen zitierten US-amerikanischen Studien, denen zufolge „bei Menschen jenseits des 60. Lebensjahres ein Blutdruck von 160/90 keine Verkürzung der Lebenserwartung bedeute“, sind überholt. Möglicherweise haben Sie die in Ihrem Bestseller von 1986 gefunden?

Ich korrigiere mich und sage, dass laut Sprint-Studie der Normwert für über 60-Jährige in den USA bei 150/90 liegt. Das gilt auch in Deutschland. Beleg/Quelle: http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung ... ring=11731


Das Gegenteil ist der Fall: Laut der sogenannten Sprint-Studie aus dem Jahr 2015 ist es für Menschen über 50 sogar empfehlenswert, einen Zielwert von 120 mm Hg systolisch anzustreben. Dadurch lässt sich das Risiko für einen Infarkt, einen Schlaganfall und auch für ein frühzeitiges Sterben deutlich senken.

Hier in Europa zögert man aber, diesen Grenzwert zu empfehlen, weil die vielen Medikamente, die man ggf. dazu schlucken muss, ebenfalls ihre Nebenwirkungen haben. Die Hirndurchblutung kann im Alter manchmal kritisch sein.

Falsch: Siehe den Link oben! Medikamentöse Senkung des Blutdruck bei alten Menschen auf syst. 120 ist die Hauptursache für Stürze mit Oberschenkelhalsbrüchen aufgrund der stark herabgesetzten Grobmotorik. Insofern prinzipiell wegen des Risiko/Nutzen-Verhältnisses nicht indiziert.


Für Menschen jenseits der 65 empfiehlt die ESC stattdessen, einen Zielwert von 130–139 mmHg anzustreben. Angeraten wird der Beginn einer Therapie ab 140–159 mmHg – allerdings immer abhängig vom Vorliegen anderer kardiovaskulärer Risikofaktoren.

Sicherlich haben bei der Definition dieser Grenzwerte auch die Interessen der Pharmaindustrie eine Rolle gespielt. Aber die lebhaften Diskussionen um die Sprint-Studie und ihre Bedeutung demonstrieren, dass ein Großteil der Mediziner deren Interessen nicht mehr blind folgen will. Und dass sich das auch in den Leitlinien widerspiegelt. Zudem ist mit den meisten Blutdruckmedikamenten auch nicht mehr viel Geld zu verdienen, weil der Patentschutz abgelaufen ist.

Dieser Schutzbehauptung von Ihnen widersspricht die Plattform "leitlinienwatch.de":
https://www.leitlinienwatch.de/


Unbestritten haben ACE-Hemmer bei manchen Menschen Nebenwirkungen. Vor allem um den Reizhusten zu vermeiden, wurden die verwandten Angiotensin-Rezeptorblocker auf den Markt gebracht, die weniger Nebenwirkungen haben. Es gibt aber noch andere Medikamente, die wie die ACE-Hemmer zur ersten Wahl bei der Hypertonietherapie zählen, z.B. ausschwemmende Diuretika. Auch im Rahmen einer Zweierkombination, die in Frage kommt, wenn die Einfachtherapie nicht ausreichend wirkt, gibt es noch reichlich Alternativen – über die Wahl entscheiden unter anderem die Begleiterkrankungen.

Die ACE-Hemmer haben u.a. in der AASK-Studie bewiesen, dass sie im Vergleich zu Konkurrenzprodukten nicht nur ähnlich gut den Blutdruck senken, sondern auch erfolgreicher als diese das Leben verlängern.

Weitere Informationen zum Thema Bluthochdruck finden Sie bei der Deutschen Hochdruckliga e.V., einer als gemeinnützig anerkannten, wissenschaftlichen, medizinischen Fachgesellschaft und Betroffenen-Organisation: https://www.hochdruckliga.de/bluthochdruck.html

Das Video über die krititische "odysso"-Ausgabe Ihres Haussenders zum Thema Blutdruck zeigt, dass es sich aufgrund von Interessenkonflikten einiger Experten keineswegs um eine industrieunabhängige Institution handelt. https://youtu.be/gR4oyQUmatI?t=328


Was die genetische Prädisposition angeht: Sie führt nicht zwangsläufig zur Ausbildung einer Hypertonie. Das behaupten wir in der Sendung deswegen auch nicht. Trotz bestehender erblicher Veranlagung kann der Blutdruck durch die Veränderung von Lebensstilfaktoren gesenkt werden. Laut Robert-Koch-Institut wird der Blutdruck zu 30–40 Prozent von genetischen und zu 60–70 Prozent von Umweltfaktoren beeinflusst. Das heißt, eine genetische Prädisposition führt nicht zwangsläufig zu einem Bluthochdruck, aber sie trägt maßgeblich dazu bei. Und zwar ist inzwischen erwiesen: Es gibt eine epigenetische Steuerung der Gene, aber das heißt nicht, dass deshalb jedes Gen abgeschaltet werden kann oder seine Anschaltung verhindert werden kann und die Aktivität aller Gene deshalb zu 100 Prozent durch Umweltfaktoren bestimmt würde. Epigenetische Veränderungen, die dazu führen würden, dass die Produktion von Adrenalin – ein blutdrucksteigerndes Hormon - ausgeschaltet wird, würden z.B. unweigerlich zum Tod führen.

Die Epigenetik stützt sich unter anderem auf die Forschung über Biografien eineiiger Zwillinge. Dabei hat sich gezeigt, dass diese trotz übereinstimmender genetischer Ausstattung unterschiedliche Krankheitsrisiken bzw. Krankheiten entwickelten.
Kardiologen der oldschool fragen immer noch danach, ob Eltern von Patienten vor ihrem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt hatten. Sie fragen nicht, ob das Infarktriiko durch falsche Lebensweise erworben wurde oder ob die Großeltern dieses Risiko bereis weitergegeben haben. Das ist das überholte Dogma des genetisch präpositionierten Schicksals.


Mit freundlichen Grüßen

Südwestrundfunk
Programmdirektion Information
Familie und Service
76530 Baden-Baden

XXXXX* Die Namen des Beschwerdeführers als auch der des Mitarbeiters des SWR sind uns bekannt.
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Maren

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Re: Programmbeschwerde: Magazin „rundum gesund“

Beitrag8. Juli 2019, 20:49

Sehr geehrter Herr Hauser,

danke für Ihre Antwort, die ich aber nicht unkommentiert lassen möchte, wie Sie sich denken könne. Sie beweist aber einmal mehr, dass es mühselig ist, gegen die Definitionsmacht und die Interpretationshoheit der Medien, speziell der öffentl.-rechtl. TV-Anstalten zu argumentieren. Selbstkritik findet sich nicht einmal in homöopathischer Dosierung.

Ich erlaube mir daher, zu den einzelnen Passagen Ihres Textes eigene Anmerkungen zu machen.

Mit freundlichem Gruss
G. K.


Am 08.07.2019 um 16:58 schrieb Hauser, Christoph:

Sehr geehrter Herr K.,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 8. Mai 2019, in der Sie das Studiointerview zum Schwerpunkt Blutdruck in unserer Sendereihe „rundum gesund“ kritisieren, sowie den Filmbeitrag über Blutdruckmessgeräte. Diese Folge wurde am 15. April 2019 um 20:15 Uhr im SWR Fernsehen gesendet. Sie erheben den Vorwurf, die Sendung verletze die Programmgrundsätze nach §6 Abs. 3 des SWR-Staatsvertrages.

Der Redakteur der Sendung, Andreas Fuchs, hatte Ihnen bereits in der Sache am 10. Mai 2019 ausführlich geantwortet. Als zuständiger Programmdirektor möchte auch ich mich nochmal an Sie wenden.

Lassen Sie mich vorweg sagen, dass Dennis Wilms als Moderator weder die redaktionelle Verantwortung für unsere Sendereihe „rundum gesund“ trägt, noch wählt er die Gäste aus.

Anmerkung Beschwerdeführer: Herrn Wilms fehlt demnach jegliche Kompetenz, mit med. Experten auf Augenhöhe zu kommunizieren. Es gibt andere Gesundheitsmagazine im TV, die von lebenserfahrenen und med. ausgebildeten oder von Medizinjournalisten dem Publikum präsentiert werden. Herr Wilms hat nicht einmal eine journalistische Ausbildung. Von einer gründlichen Vorbereitung auf die med. Themen konnte ich nichts feststellen. Warum nehmen Sie nicht Paul Panzer oder Mario Barth, die können auch moderieren.


Sie stellen die Gästewahl in zwei Fällen in Frage, nämlich hinsichtlich Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer und hinsichtlich Johannes Hinrich von Borstel.

Ihre Kritik an Prof. Grönemeyer führen Sie nicht näher aus, sondern verweisen auf einen 13 Jahre alten Artikel, der in Heft 43 von „DER SPIEGEL“ im Jahr 2006 erschienen ist. Es gibt andere Veröffentlichungen in Rundfunk und Presse, die dem entgegenstehen.

Anmerkung Beschwerdeführer: Es wäre seriös, wenn Sie einige Beispiele angeführt hätten, um diese Behauptung zu stützen. Herr Prof. Dr. Grönemeyer hat damals reichlich Kritik von Kollegen bekommen.


Der Studiogast Johannes Hinrich von Borstel ist Doktorand an der Universität Marburg und angehender Kardiologe. Er ist Autor des Buches „Herzrasen kann man nicht mähen“ (2015), in dem er das wissenschaftliche Thema mit seinen komplexen Zusammenhängen für Laien verständlich aufarbeitet. Für die Redaktion war ausschlaggebend, dass von Borstel medizinische Sachverhalte kompetent, einprägsam und für das Publikum nachvollziehbar darstellen kann.

Anmerkung Beschwerdeführer: Wenn Sie angesichts einer großen Auswahl an Experten in beiden Fällen zu einem ernsten Thema ausgerechnet auf "Unterhaltuns mediziner" aus der Kategorie "Hirschhausen" zurückgreifen, zeugt auch dies nicht vom Willen zur Aufklärung.


„rundum gesund“ ist das SWR Magazin für ganzheitliche Gesundheit. Es spricht Zuschauerinnen und Zuschauer an, die Wert auf praktische Orientierung in Gesundheitsfragen legen und die sich grundlegende Informationen wünschen.

Einem Zuschauer, der sich an anderer Stelle schon kundig gemacht hat, mag dabei einiges bekannt vorkommen. Anderen ist es neu oder eine willkommene Auffrischung verblassten Wissens.

„rundum gesund“ widmet sich aber auch ungewöhnlichen Fällen – so wie dem von Carsten Köster, dessen Bluthochdruck auf ein sogenanntes Adenom an der Nebenniere zurückzuführen war und dem nach Jahren operativ geholfen werden konnte. Sicher außergewöhnlich – und genau deswegen ein interessanter Fall, der den Zuschauerinnen und Zuschauern vorgestellt wurde. Diesen Fall hat der Experte auf gezielte Frage von Herrn Wilms im Studio anschließend als „Seltenheit“ eingeordnet und eine Brücke zum allgemeineren Bluthochdruck geschlagen.

Anmerkung Beschwerdeführer: Seltene Ursachen von Hypertonie und grundlegende Informationen, die die Zuschauer wünschen, widersprechen sich.


Auch die familiäre Prädisposition wird in der Sendung angesprochen. Sie bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit der Krankheit erhöht ist, aber die Erkrankung nicht zwangsläufig ausgebildet wird. Weil das so ist, wird es in der Sendung auch nicht anders dargestellt. Sie sind hier mit dem Experten der Sendung einer Meinung. Von Borstel spricht klar von einem „kann“ - nicht von einem „muss“. Er führt das allerdings nicht weiter aus.

Trotz bestehender erblicher Veranlagung kann der Blutdruck durch die Veränderung des Lebensstils gesenkt werden. Laut Robert-Koch-Institut wird der Blutdruck zu 30–40 Prozent von genetischen und zu 60–70 Prozent von Umweltfaktoren beeinflusst. Das heißt, eine genetische Prädisposition führt nicht zwangsläufig zu einem Bluthochdruck, aber sie trägt dazu bei.

Ihre Schlussfolgerung, Dennis Wilms habe sich nicht informiert und nähme in Kauf, dass sensible Zuschauerinnen und Zuschauer in Angst versetzt werden, teile ich so nicht. Die Sendung thematisiert die Hauptgründe für zu hohen Blutdruck: neben den eben genannten auch Ernährungs- und Genussgewohnheiten sowie Stress und Bewegungsmangel.

Weiterhin ist der Redaktion keine Statistik bekannt, die ausweist, welche Organe in welcher Reihenfolge von den Spätfolgen der Hypertonie betroffen sind.

Anmerkung Beschwerdeführer: Herr Wilms und auch der anwesende Experte sollten schon einmal etwas von der Epigenetik gehört haben. Das ist inzischen kein Spezialwissen mehr.


Leider konnte die Redaktion nicht nachvollziehen, auf welche der zahlreichen Cochrane-Studien Sie sich beziehen. Wie man mir erklärte, wurde für die Recherche in den jetzt zugänglichen Verzeichnissen gesucht und Archive außer Acht gelassen. Der Grund dafür sei, dass es zu den selbstgesteckten Zielen der Cochrane-Metastudien gehöre, sie aktuell zu halten.

Der Vorwurf, Grenzwerte für den Blutdruck würden auf Druck der Pharmaindustrie nach unten angepasst, ist ein anhaltender. Auch Publikationen, in denen diese These vertreten wird, finden sich immer wieder. Einflussnahmen der Industrie in der Medizin waren und sind auf verschiedenen Gebieten zu beobachten und wurden bzw. werden öffentlich diskutiert. So hat es der SWR bspw. in dem von Ihnen angeführten „odysso“-Beitrag getan.

Ob mit dieser These im Fall der über die zurückliegenden Jahrzehnte gesunkenen Grenzwerte eine sowohl einfache als auch zutreffende Antwort gefunden werden kann, lässt sich pauschal nicht beantworten.

Sie zitieren aus dem „Bestseller ‚Bitte Pillen‘ – Ausgabe von 1986“ (ich gehe davon aus, dass Sie das Buch „Bittere Pillen“ meinen), in dem als gesunder Blutdruck ein Wert von 160/95 angegeben werde. In der aktuellen Ausgabe (2018) von „Bittere Pillen“ wird als Grenzwert für den leichten Bluthochdruck 140-159, bzw. 90-99 angegeben. Das Buch versteht sich als kritischer Ratgeber, der „Medikamente ohne Rücksichtnahme auf die Interessen der Pharmakonzerne bewertet“.

Aktuell definieren die European Society of Cardiology (ESC) und die European Society of Hypertension (ESH) die Grenze der Krankheit Bluthochdruck bei 140/90. Ab einem „hochnormalen“ BP (130–85 mmHg) soll laut ESC eine Therapie zumindest erwogen werden.

Anmerkung Beschwerdeführer: Die dahintere stehenden Interessen sind doch offenkundig. Belege habe ich Ihnen geliefert über die Plattform der Leitlinienkritik. Eine weiteree Absenkung der Grenzwerte, wie geplant, kann dazu führen, dass demnächst alle Menschen krank sind.


Sie bewerten die Anmerkungen von Johann Hinrich von Borstel zur Frage, ob Schwangere ihren Blutdruck häufiger messen sollten, als überflüssig. Das ist Ihnen unbenommen, doch auch das ist ein Aspekt, der bei anderen Zuschauerinnen und Zuschauern Interesse wecken kann. Ich weise Sie zudem darauf hin, dass die Gesprächsführung der Überleitung zum darauffolgenden Beitrag „Blutdruckmessgeräte im Check“ diente. Ihre Kritik an eben diesem Beitrag kann ich so nicht stehen lassen:

Der SWR weist den Vorwurf unzulässiger Produktplatzierung ausdrücklich zurück. Diese liegt vor, wenn gezielt Produkte in Medien eingebaut werden, ohne dass das Publikum dieses Vorgehen bewusst wahrnehmen soll. All das trifft im Fall von „rundum gesund“ ersichtlich nicht zu.

„rundum gesund“ hat zusammen mit einer Patientin und ihrem Arzt fünf Geräte für das selbständige Blutdruckmessen zu Hause getestet. Zusätzlich gibt Prof. Bernd Sanner wichtige, geräteunabhängige Hinweise zur Handhabung, wie z.B. immer zur selben Zeit zu messen, und erklärt, warum es entscheidend ist, dass die Messmanschette genau auf Herzhöhe angelegt wird. Das ist im Verlauf des Beitrags wichtig für die Bewertung der Geräte. Es wurden fünf Geräte getestet, eines für das Handgelenk, vier für den Oberarm. Bei der Auswahl hat sich die Redaktion an den Empfehlungen der Deutschen Hochdruckliga orientiert. Grund dafür ist, dass bei solchen Geräten die Messgenauigkeit an einer großen Zahl von Patienten bereits getestet wurde, also ein Qualitätsmerkmal. Die fünf Geräte stammen von vier verschiedenen Herstellern.

Für den Zuschauernutzen ist es üblich, die Hersteller und die Gerätebezeichnungen offen zu legen sowie den durchschnittlichen Verkaufspreis zu nennen, damit die Zuschauerinnen und Zuschauer das „Preis-Leistungs-Verhältnis“ beurteilen können. Eine werbliche Hervorhebung fand nicht statt. Das Zeigen der Geräte erfolgte also aus ausschließlich objektiven journalistischen Gründen.

Lassen Sie mich noch darauf hinweisen, dass medizinische Leitlinien wissenschaftlich fundierte, praxisorientierte Handlungsempfehlungen sind. Sie sollen Ärzte und Patienten bei ihren Entscheidungen unterstützen. Die Entscheidungen über die angemessene Gesundheitsversorgung eines Patienten müssen jeweils individuell im Dialog zwischen Ärzten und Patienten getroffen werden. Nichts anderes sagt die Sendung „rundum gesund“. Sie dient lediglich dazu, Themen zu liefern, die in eben diesen Dialog eingehen und bewertet werden können.

Abschließend darf ich darauf hinweisen, dass Sie gemäß § 20 Abs. 3 der SWR-Hauptsatzung den zuständigen Ausschuss anrufen und die Beratung der Beschwerde verlangen können. Der zuständige Ausschuss im vorliegenden Fall ist der Programmausschuss Information des Rundfunkrates.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Christoph Hauser

Programmdirektor

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