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So werden deutsche Klimajournalisten gelenkt

Verfasst: 25. Januar 2026, 11:50
von Maren
Jahrelang agierte das Oxford Climate Journalism Network (OCJN) weitgehend außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung und übte dennoch erheblichen Einfluss darauf aus, wie Klimathemen in Redaktionen weltweit „geframed“ wurden. Betreut vom Reuters Institute for the Study of Journalism (RISJ) bildete das Programm zwischen 2022 und 2025 rund 800 (!) Journalistinnen und Journalisten aus mehr als 120 Ländern im sogenannten „Gaslighting“ zu Klima aus. Nun wird der „Flaggschiff“-Sechsmonats‑Onlinekurs eingestellt. Die letzte Kohorte schloss ihre Ausbildung Ende 2025 ab, und die drei operativen Programmverantwortlichen – Katherine Dunn, Greg Cochrane und Diego Arguedas Ortiz – traten im Dezember zurück. Das Institut bestätigte, dass das Online‑Programm formell im Januar 2026 enden wird.
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Die Teilnehmer befassten sich nicht nur mit "Klimawissenschaft", sondern auch Erzählrahmen, redaktionellen Strategien und Methoden zur Publikumsansprache. Kritiker argumentieren, dass dies eine Form der „Narrativharmonisierung“ über Medien hinweg erzeugt habe – also ähnliche Deutungs‑ und Darstellungsweisen in vermeintlich konkurrierenden Angeboten.

Deutsche Medien waren in der zweiten Kohorte 2022 besonders stark vertreten. Leute aus dem ARD‑Hauptstadtstudio, Der Spiegel und Zeit Online nahmen gemeinsam teil – eine ungewöhnliche Konzentration von Einfluss aus einem einzigen nationalen Mediensystem. Insgesamt nahmen wenigstens 24 Teilnehmer aus Deutschland teil, dazu noch 6 der Deutschen Welle aus dem Ausland. Vertreten waren neben den o.g. ARD/ ZDF/ BR/ WDR/ Süddeutsche Zeitung/ Deutsche Welle/ Deutschlandfunk/ Correctiv/ AFP/ Politico etc. Das wirft eine berechtigte Frage auf: Hat das OCJN zu einem einheitlicheren Stil der Klimaberichterstattung in Deutschland beigetragen?
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Interessant auch die Finanzierung hinter der Mission: Das OCJN wurde von philanthropischen Organisationen wie der Laudes Foundation und der European Climate Foundation finanziert – Stiftungen, die offen das Ziel verfolgen, den globalen Übergang zu einer CO2‑armen Wirtschaft zu beschleunigen. Diese Stiftungen halten es nicht einmal für nötig, ihre Ziele zu verbergen. Ihre Beteiligung wirft jedoch eine strukturelle Frage auf, die für jedes journalistische Ausbildungsprogramm relevant ist:

Können Journalistinnen und Journalisten volle Unabhängigkeit bewahren, wenn ihre berufliche Weiterbildung von Organisationen mit klaren politischen Zielsetzungen finanziert wird?

Quelle: https://www.achgut.com/artikel/so_werden_deutsche_klimajournalisten_gelenkt