Ukraine-Krieg und Iran-Krieg: Wie Medien mit zweierlei Maß berichten
Verfasst: 9. April 2026, 20:42
in Essay über Framing, Wortwahl und Doppelstandards: Warum der Ukraine-Krieg klar benannt wird – und der Angriff auf Iran sprachlich verschwimmt.
Die gute Nachricht, auf die viele warteten, kam heute Morgen: "USA und Iran kündigen zweiwöchige Feuerpause an", meldet die Tagesschau. Mehr als einen Monat dauerte die Aggression der Staatsführungen, Streitkräfte und Geheimdienste der USA und Israels gegen den Iran.
Bemerkenswert für die Autorin dieses Beitrags war an der Berichterstattung der vergangenen Wochen, dass auch Leitmedien hierzulande noch eine Schippe bzw. einen Feldspaten draufzulegen schienen, wenn es um diesen Krieg ging. Es zeigten sich deutliche Merkwürdigkeiten. Eine hier folgende, unvollständige, Chronik veranschaulicht anhand von 13 Fall-Beispielen, was damit gemeint ist: unsachliches journalistisches Arbeiten.
"Krieg im Nahen Osten"
1. Die Tagesschau (in diesem Artikel wird sich auf deren App bezogen) meldete kurz nach Kriegsbeginn unter der Dachzeile "Krieg im Nahen Osten": "Irans oberster Führer Chamenei ist tot."
Beides nicht falsch, aber doch so unvollständig und tendenziös, dass dieses "Framing" – also die unausgesprochene, aber höchst wirksame Rahmensetzung –und jenes "Wording", mithin die explizite Wortwahl, viel mehr Fragen aufwerfen als beantworten.
Das Ganze wäre demnach gerade kein völkerrechtswidriger Angriffskrieg zweier westlicher Mächte gegen einen BRICS-Staat, sondern irgendwie "Krieg im Nahen Osten". Und der oberste Repräsentant der iranischen Führung wäre nachts – vielleicht wegen Altersschwäche und Krankheit – in seinem Bett, nun ja, " tot" aufgefunden worden.
Obwohl der Mann ja offenbar gezielt getötet wurde. Und nicht nur er, sondern etliche Menschen in und aus seiner Umgebung. Dagegen erscheint "Sippenhaft" fast schon harmlos.
(...)
"Warnen" und "drohen"
6. Gar nicht so kleine und auch nicht besonders feine Unterschiede lassen sich beobachten, wenn es um Ankündigungen führender Vertreter der Kriegsparteien in Nahost geht: Während US-Präsident Trump "die Mullahs" und deren Gefolge laut Tagesschau (hier 14.3.) meist "warnt" und mahnt geradezu wie ein geduldiger, gütiger Vater, erweist sich das Regime in Teheran trotzig und "droht" (fast) schon wie der Teufel selbst.
Im Ernst: "Drohen" ist ein extrem negativ besetztes Verb – es gibt weder neutrale noch positive Subjekte oder Objekte, die uns Menschen "drohen" könnten. Ganz anders bei "warnen". Das ist wie alles hier Skizzierte beileibe kein Einzelfall – zwei, drei Kriegsrunden später (Tagesschau und RBB-Inforadio am 23.3.) heißt es wieder und weiter, der Iran "droht" wie das böse Wesen.
Während der vielleicht etwas erratische Führer der freien Welt natürlich nicht "droht" (so böse kann der MAGA-Gaga-Mann Trump gar nicht sein), sondern nunmehr ganz cool, wenn auch nicht perfekt, mit dem einen oder anderen "Ultimatum" arbeitet. Um auf seine etwas eigene Weise am Ende doch wohl Gutes zu erreichen für den Werte-Westen?
Vollständiger Beitrag: https://www.telepolis.de/article/Ukraine-Krieg-und-Iran-Krieg-Wie-Medien-mit-zweierlei-Mass-berichten-11248266.html
Die gute Nachricht, auf die viele warteten, kam heute Morgen: "USA und Iran kündigen zweiwöchige Feuerpause an", meldet die Tagesschau. Mehr als einen Monat dauerte die Aggression der Staatsführungen, Streitkräfte und Geheimdienste der USA und Israels gegen den Iran.
Bemerkenswert für die Autorin dieses Beitrags war an der Berichterstattung der vergangenen Wochen, dass auch Leitmedien hierzulande noch eine Schippe bzw. einen Feldspaten draufzulegen schienen, wenn es um diesen Krieg ging. Es zeigten sich deutliche Merkwürdigkeiten. Eine hier folgende, unvollständige, Chronik veranschaulicht anhand von 13 Fall-Beispielen, was damit gemeint ist: unsachliches journalistisches Arbeiten.
"Krieg im Nahen Osten"
1. Die Tagesschau (in diesem Artikel wird sich auf deren App bezogen) meldete kurz nach Kriegsbeginn unter der Dachzeile "Krieg im Nahen Osten": "Irans oberster Führer Chamenei ist tot."
Beides nicht falsch, aber doch so unvollständig und tendenziös, dass dieses "Framing" – also die unausgesprochene, aber höchst wirksame Rahmensetzung –und jenes "Wording", mithin die explizite Wortwahl, viel mehr Fragen aufwerfen als beantworten.
Das Ganze wäre demnach gerade kein völkerrechtswidriger Angriffskrieg zweier westlicher Mächte gegen einen BRICS-Staat, sondern irgendwie "Krieg im Nahen Osten". Und der oberste Repräsentant der iranischen Führung wäre nachts – vielleicht wegen Altersschwäche und Krankheit – in seinem Bett, nun ja, " tot" aufgefunden worden.
Obwohl der Mann ja offenbar gezielt getötet wurde. Und nicht nur er, sondern etliche Menschen in und aus seiner Umgebung. Dagegen erscheint "Sippenhaft" fast schon harmlos.
(...)
"Warnen" und "drohen"
6. Gar nicht so kleine und auch nicht besonders feine Unterschiede lassen sich beobachten, wenn es um Ankündigungen führender Vertreter der Kriegsparteien in Nahost geht: Während US-Präsident Trump "die Mullahs" und deren Gefolge laut Tagesschau (hier 14.3.) meist "warnt" und mahnt geradezu wie ein geduldiger, gütiger Vater, erweist sich das Regime in Teheran trotzig und "droht" (fast) schon wie der Teufel selbst.
Im Ernst: "Drohen" ist ein extrem negativ besetztes Verb – es gibt weder neutrale noch positive Subjekte oder Objekte, die uns Menschen "drohen" könnten. Ganz anders bei "warnen". Das ist wie alles hier Skizzierte beileibe kein Einzelfall – zwei, drei Kriegsrunden später (Tagesschau und RBB-Inforadio am 23.3.) heißt es wieder und weiter, der Iran "droht" wie das böse Wesen.
Während der vielleicht etwas erratische Führer der freien Welt natürlich nicht "droht" (so böse kann der MAGA-Gaga-Mann Trump gar nicht sein), sondern nunmehr ganz cool, wenn auch nicht perfekt, mit dem einen oder anderen "Ultimatum" arbeitet. Um auf seine etwas eigene Weise am Ende doch wohl Gutes zu erreichen für den Werte-Westen?
Vollständiger Beitrag: https://www.telepolis.de/article/Ukraine-Krieg-und-Iran-Krieg-Wie-Medien-mit-zweierlei-Mass-berichten-11248266.html