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MDR: Forderung nach Richtigstellung: „Vertuscht und verdrängt. Warum starben Vertragsarbeiter in der DDR?“

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Maren

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MDR: Forderung nach Richtigstellung: „Vertuscht und verdrängt. Warum starben Vertragsarbeiter in der DDR?“

Beitrag5. April 2021, 19:00

Mitteldeutscher Rundfunk
Anstalt des Öffentlichen Rechts
An die Intendantin

04360 Leipzig



Forderung nach Richtigstellung: „Vertuscht und verdrängt. Warum starben Vertragsarbeiter in der DDR?“

Sehr geehrte Frau Wille,

in einer TV-Dokumentation des MDR wurde im August 2016 von den Filmemachern Christian Bergmann und Tom Fugmann ein Film über den Einsatz von Vertragsarbeitern u.a. aus der Volksrepublik Mosambik in Betrieben und Kombinaten der DDR gezeigt.

„Vertuscht und verdrängt. Warum starben Vertragsarbeiter in der DDR?“ (MDR) 17.08.2016 und später in „Schuld ohne Sühne“ (MDR) 17.11.2017

https://www.phoenix.de/sendungen/dokume ... 08379.html
https://www.mdr.de/investigativ/exakt-d ... r-100.html

Die Filmemacher und ihre Auftraggeber waren wohl vom Wunsch beseelt, den Nachweis dafür zu erbringen, dass Rassismus und fremdenfeindliche Gewalt eben auch in der DDR verbreitet waren.
So wurde in einer frei erfundenen Story behauptet, dass der mosambikanische Vertragsarbeiter Manuel Diogo während einer Bahnfahrt von rechten Schlägern misshandelt, an den Beinen gefesselt und aus dem Zug geworfen worden sei. Zur dramaturgischen Untermauerung der These wurden eigens Statisten engagiert, um dem Publikum die Gewalttat, für die Bergmann und Fugmann nicht einen einzigen Beleg vorweisen konnten, filmisch möglichst realitätsnah zu vermitteln.

Das Film-Team ließ es sich darüber hinaus nicht nehmen, auf Kosten der Beitragszahler nach Mosambik zu reisen und die alte Mutter Diogos und deren Familie mit der ausgedachten Story zu konfrontieren. In einer, mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag unvereinbarer, Boulevardmanier hält die Kamera auf die weinende, trauernde Mutter als man ihr eröffnet, dass ihr Junge seinerzeit von Neonazis ermordet wurde. Kann man das wirklich noch ethisch vertretbar „Journalismus“ nennen?

Zitat Berliner Zeitung:

„Die Staatsanwaltschaft Potsdam findet keine Anhaltspunkte für einen Tötungsdelikt (…)
Manuel Diogo wurde nicht von einer Bande Neonazis ermordet. Die Staatssicherheit hat kein rassistisches Verbrechen unter den Teppich gekehrt. Sie zeigt aber vor allem: Nicht die DDR-Unfall-These ist falsch, sondern die vom Mord 30 Jahre später, in die Welt gesetzt von einem westdeutschen Historiker, maßgeblich unterstützt vom MDR. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender hat diese These in mehreren Beiträgen verbreitet, die Politik hat sie übernommen, die Justizbehörde mehr als acht Monate lang geprüft, ob sie wahr ist oder nicht. Manuel Diogos Name stand jahrelang für DDR-Unrecht, Diktatur, ostdeutschen Rassismus. Er stand auf Gedenktafeln, in Büchern, in der Widmung eines Krimibestsellers, er wurde in jeder großen und fast jeder kleinen deutschen Zeitung gedruckt, in Politiker- und Literaturpreisreden genannt. Und fast immer so, als sei das Verbrechen bereits bewiesen, als würden die Mörder immer noch frei herumlaufen.“


Es ist immer wieder erstaunlich welch hohe Wellen „Medienenten“ schlagen können und wie gern bestimmte Historiker, Organisationen und Politiker beim Thema DDR begeistert auf diesen Zug aufspringen und selbst die krudesten Behauptungen für ihre Zwecke ausschlachten. Mit derart konstruierten Storys werden nicht nur die Zuschauer betrogen, sondern eine ganze Region und die Menschen, die in ihr friedlich zusammenlebten, nachträglich in Misskredit gebracht. Wozu?

„In der deutschen Medienlandschaft wurde über Jahre hinweg ein eklatant einseitiges Bild vom Osten geprägt.“

Karola Wille


Für den MDR, die auftraggebende Redaktion und die verantwortlichen Journalisten sollte es das Mindeste sein, sich bei Diogos Mutter, seiner Familie, seinen mosambikanischen Kameraden, seinen deutschen Kollegen und Betreuern und den Fernsehzuschauern zu entschuldigen.

Eine Richtigstellung der erfundenen Geschichte sollte zeitnah an einem prominenten Sendeplatz erfolgen.


Mit freundlichen Grüßen


Maren Müller
Vorsitzende Publikumskonferenz



Anlage

Weitere Quellen:

https://www.neues-deutschland.de/artike ... r-war.html
https://www.berliner-zeitung.de/politik ... -li.108466
https://www.tumult-magazine.net/post/ul ... populismus
https://www.parlamentsdokumentation.bra ... 0/1571.pdf
https://www.berliner-zeitung.de/politik ... -li.108466
https://derfalldiogo.podigee.io/
https://www.berliner-zeitung.de/politik ... -li.146289

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