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ARD - Ungereimtheiten - Weltspiegel extra

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Maren

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ARD - Ungereimtheiten - Weltspiegel extra

Beitrag19. September 2014, 11:47

Norddeutscher Rundfunk
Gremienbüro
Frau Ute Schildt
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg

Norddeutscher Rundfunk
Intendanz
Herr Lutz Marmor
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg


Programmbeschwerde


Sehr geehrter Herr Marmor,
sehr geehrte Frau Schildt,

hiermit legen wir, die Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien e.V., formal Beschwerde wegen Ungereimtheiten innerhalb der Berichterstattung zum Ukraine Konflikt ein. Konkret handelt es sich um die Sendung ARD-Weltspiegel extra vom 02. 09. 2014 „Mörderischer Ukraine-Krieg - Flucht aus Ilowajsk“.

Im Weltspiegel "Mörderischer Ukraine-Krieg" wird die Geschichte des ARD -Teams erzählt, das zusammen mit ukrainischen Truppen in Ilowajsk eingeschlossen ist. Am 29. August 2014 schließen sie sich einem von Separatisten bewilligten ukrainischen Verwundetentransport an, um der militärischen Einkreisung der Separatisten zu entkommen. Doch der Transport wird von den Separatisten beschossen. Das ARD Team flieht in seinem Jeep.
Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/ukrain ... a-100.html

Uns stellen sich nach Zuschauerhinweisen folgende Fragen, um deren Beantwortung wir nachsuchen:

1) Weshalb erzählt Udo Lielischkies im Weltspiegel die Geschichte eines bewilligten Verwundetentransports, der am 29. August 2014 von Separatisten beschossen worden sei (ab Minute 10:57), obwohl innerhalb der Tagesthemen vom 30. August 2014 sein Kollege Peter Schreiber zu exakt demselben Video klarstellte, dass es sich um ukrainische Truppen gehandelt habe, die versuchten, "den Belagerungsring prorussischer Separatisten zu durchbrechen und dabei ihre Fahrzeuge und Waffen mitzunehmen" (ab Minute 1:32)? http://www.tagesschau.de/multimedia/sen ... -3152.html

2) Weshalb erzählt Udo Lielischkies im Weltspiegel die Geschichte eines bewilligten Verwundetentransports, der am 29. August 2014 von Separatisten beschossen worden sei, obwohl er selbst bereits im Mittagsmagazin vom 29. August 2014 darüber informiert hatte, dass es sich um einen Militärkonvoi handelte, der "mit Gewalt" versuchte durchzubrechen (ab Minute 2:32), statt das Angebot der Separatisten anzunehmen, nach Abgabe aller Waffen frei abzuziehen?
http://www.ardmediathek.de/tv/Mittagsma ... tId=314636

3) Weshalb wurde dem Zuschauer nicht verdeutlicht, dass es sich bei dem "ARD -Team" ausschließlich um ukrainische, "embedded" Journalisten handelte?

Im Abspann der Weltspiegel-Reportage werden Udo Lielischkies und Georgij Tichy als für den Beitrag Verantwortliche sowie Ivan Kirdey als Kameramann genannt. Nicht deutlich für den Zuschauer, auch nicht im Beitrag selbst, wird, dass das im Beitrag beschriebene ARD -Team ausschließlich aus ukrainischen Journalisten bestand, die sich selbst als "embedded with ukrainian forces" bezeichnen. Laut Ukrinform bestand das ARD -Team aus den ukrainischen Journalisten Heorhij (Gosha) Tikhy und Ivan Liubysh-Kirdey (ukrainischer 1+1 Sender). An der im Weltspiegel beschriebenen Flucht hatten sich laut der ukrainischen Nachrichtenagentur überdies die folgenden zwei ukrainischen Journalisten beteiligt: Maksym (Max) Levin (L.B.ua) sowie Markiyam Lyseiko (ukrinform). Laut Gosha Tikhy waren alle "embedded with ukrainian forces".
Ihr Verhältnis zu den ukrainischen Truppen wird in den von Gosha Tikhy zitierten Facebook-Aussagen Max Levins deutlich: "Our colleagues (!) from the Donbas and Dnipro (battalion)...are still fighting...We pray...". oder auch: "Two of our (!) tanks were knocked out for sure."

http://maidantranslations.com/2014/08/3 ... eo-photos/
http://www.ukrinform.ua/eng/news/ukrain ... isk_photos

4) Wer ist der auf den Fotos von Max Levin zu sehende Herr in Militärbekleidung, der auf dem Beifahrersitz des deutlich als Presseauto gekennzeichneten Jeeps des ARD-Teams sitzt und mit einem Maschinengewehr aus dem Fenster zielt? Hat das ARD-Team ukrainische Kämpfer im Presseauto befördert?
Jeep.JPG
Jeep.JPG (110.12 KiB) 22232-mal betrachtet
Waffe Jeep.JPG
Waffe Jeep.JPG (51.09 KiB) 22232-mal betrachtet

Weshalb wurden diese Fotos nur auf der Internetseite Levij Bereg (LB.ua) veröffentlicht am 01.09.2014, und nicht im Weltspiegel? http://society.lb.ua/life/2014/09/01/27 ... techi.html

5) Wie kommen folgende Unstimmigkeiten hinsichtlich der Verwundung des ARD -Teams zustande?

Udo Lielischkies im Weltspiegel: "Wie durch ein Wunder.....ohne jemanden zu verletzen... (ab Minute 12:14) Dagegen Levin, zitiert von Gosha Tikhy: "The Driver (me) received minor wounds" (maidantran-slations.com, s.o.) Dagegen Levin, zitiert von den Stuttgarter Nachrichten: "Fahrerraum blutverschmiert, alle Insassen wurden getroffen." http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... ff98f.html

6) Weshalb waren einige der Gefechtsszenen (ca. ab Minute 8:25 bis Minute 9:25)- angeblich vom ARD-Team aufgenommen - bereits vor Ausstrahlung des Weltspiegels in zahlreichen Youtube - Videos sowie vom ukrainischen TV veröffentlicht
(z.B. YouTube: "Donbass Battalion surrounded and taking casualties in Ilovaisk" vom 27.08.2014)?
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=2x7m11xYwyI
Entsprechende Ausschnitte aus dem ukrainischen TV wurden in den Tagesthemen vom 28. August 2014 (Minute 1:22 bis Minute 1:36) wiedergegeben. http://www.tagesschau.de/multimedia/sen ... -3148.html

Nach Sichtung, Prüfung und Vergleiches des Gesamtmaterials müssen wir zu dem Schluss kommen, dass innerhalb o. g. Berichterstattung das Publikum massiv getäuscht wurde. Die Gründe dafür sind aus medienethischer Sicht suspekt, in Anbetracht der mittlerweile gängigen Interpretationsmuster pro-westlicher, geopolitischer Interessen durch öffentlich-rechtliche Medienanstalten gängige Praxis. Wir werden uns an diesen unhaltbaren Zustand nicht gewöhnen.

Die Redaktionen sind in der Pflicht, Bilder und Aussagen aus Quellen Dritter auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Es ist nicht ihre Aufgabe, Falschmeldungen zu verbreiten.
Nach § 8 NDR-S (1) ist der NDR ist in seinem Programm zur Wahrheit verpflichtet. Die Überprüfung der Zuverlässigkeit von Informationsquellen zur Wahrung einer hohen journalistischen Programmqualität ist nach § 8 (2) NDR-S zu garantieren.

Rundfunkstaatsvertrag
§ 10
Berichterstattung, Informationssendungen

(1)
Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen, auch beim Einsatz virtueller Elemente, zu entsprechen. Siemüssen unabhängig und sachlich sein.
Nachrichten sind vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft zu prüfen. (…)

§ 11
Auftrag

(1)(…) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen
wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sie sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern. (…)
(2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die
Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.

Zum Zwecke der Transparenz werden diese Programmbeschwerde sowie die Antwort der Programm-verantwortlichen auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen


i. A. Maren Müller
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Maren

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Ups - falscher Adressat

Beitrag24. September 2014, 22:32

Sehr geehrte Frau Müller,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 19. September 2014 an den NDR Intendanten und ARD-Vorsitzenden, Herrn Lutz Marmor.

Wir haben Ihr Schreiben an die für die Sendung „Weltspiegel extra - Mörderischer Ukraine-Krieg – Flucht aus Ilowajsk“ vom 2. September 2014 zuständigen Kolleginnen und Kollegen vom Westdeutschen Rundfunk weitergeleitet.

Ich gehe davon aus, dass Sie von dort zeitnah eine Antwort erhalten werden.

Mit freundlichen Grüßen

ARD-Geschäftsführung
Büro des ARD-Vorsitzenden
Norddeutscher Rundfunk
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Maren

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Re: ARD - Ungereimtheiten - Weltspiegel extra

Beitrag2. Oktober 2014, 10:43

Eingangsbestätigung durch Rundfunkrat
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Eingangsbestätigung Weltspiegel.pdf
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Maren

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Antwort - Ungereimtheiten - Weltspiegel extra

Beitrag25. Oktober 2014, 11:59

Antwort des Intendanten des WDR Tom Buhrow.
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2014-10-23_Ständige_Publikumskonferenz,_Maren_Müller_Z3051_Bescheid_TB.pdf
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Maren

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Antwort auf die Antwort - ARD - Ungereimtheiten - Weltspiegel extra

Beitrag12. November 2014, 17:35

Westdeutscher Rundfunk Köln
Geschäftsstelle des Rundfunkrats
50600 Köln


Westdeutscher Rundfunk Köln
Intendanz
Herrn Buhrow
Appellhofplatz 1
50667 Köln


Ihr Schreiben vom 23.10.2014


Sehr geehrter Herr Buhrow,

vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme auf unsere Programmbeschwerde vom 19.09.2014 zur Sendung Weltspiegel extra: Mörderischer Ukraine-Krieg —Flucht aus llowajsk vom 2. September 2014.
Da der aktuelle Schriftwechsel nicht dazu geeignet ist, die von uns reklamierten Ungereimtheiten auszuräumen, möchten wir Sie um Aufmerksamkeit für unsere Entgegnung bitten.

"Diese Jungs, wie die Jungs von den anderen Bataillonen, eingeschlossen in Ilovaisk, (...) sind wahre Soldaten: unerschrocken, emotional zurückhaltend, aber aufrichtig und herzensgut.(...). Ich würde sie gerne alle wiedersehen und alle unsere Soldaten und Frontsanitäter, nach Hause zurückgekehrt, lebendig und gesund, nach unserem (!) Sieg."
http://m.day.kiev.ua/en/article/topic-d ... r-retreats

Diese Aussage des ARD-Journalisten Ivan Liubysh-Kirdei beweist die Befangenheit des ARD-Teams, auf dessen Aussagen sich die im Weltspiegel vom 2. September 2014 erfolgte Darstellung einer "tödlichen Falle" bei Ilovaisk stützt. Neben den Aussagen dieser ARD-Journalisten beruht der Weltspiegel in seiner Darstellung ausschließlich auf Angaben ukrainischer Militärverbände, die ihre militärische Niederlage bei Ilovaisk wahlweise mit dem Verrat der eigenen Militärführung, dem Verrat der Separatisten oder/und einer russischen Invasion rechtfertigten.

Damit verstößt der Weltspiegel gegen die in § 10 (1) Rundfunkstaatsvertrag festgelegte Sorgfaltspflicht, Nachrichten vor ihrer Verbreitung auf Wahrheit und Herkunft zu prüfen, sowie gegen die in §11 (2) Rundfunkstaatsvertrag festgelegten Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit.

Dabei wurden überdies entgegen der in § 10 Rundfunkstaatsvertrag (§5 WDR-Gesetz) vorgeschriebenen Wahrheitspflicht, welche auch die Pflicht umfasst, "nichts wegzulassen, was wichtig ist" (Flechsig in: Hahn/Vesting: Beckscher Kommentar zum Rundfunkrecht, München 2012, § 10 RstV, Rdnr. 56/57) relevante Informationen nicht nur, aber auch aus anderen ukrainischen Quellen ausgeblendet.

Dass Ihre Stellungnahme die in unserer Beschwerde vorgetragenen Ungereimtheiten nicht widerlegt, sondern im Gegenteil bestätigt und noch dazu weitere Widersprüche offenbart, werden wir im Folgenden nachweisen:

Zu den Punkten 1 und 2 unserer Beschwerde:

Zum angeblichen "Verwundetentransport"

1. Widerspruch: Im Weltspiegel vom 02. September 2014 heißt es ab 10 Minute 59 in Bezug auf die Fluchtmöglichkeit der Journalisten: "Die einzige Chance, so scheint es, ist ein Verwundetentransport." In der Folge spricht Herr Lielischkies von "Verwundeten" und "Toten", die mit dem Konvoi transportiert werden sollen. "Unser Team erhält die Erlaubnis, sich dem nächsten anzuschließen". In Folge wird der Beschuss eben dieses angeblichen Verwundetentransports dargestellt.

Dagegen heißt es in der am 6. Oktober 2014 ausgestrahlten verlängerten und - ganz offensichtlich als Reaktion auf die Publikumsbeschwerde - überarbeitete Langversion des Weltspiegels „Tödliche Falle Ilowajsk - Putins Armee im Ukraine-Krieg" zu derselben Videosequenz (!) und zu exakt demselben Verwundetentransport ab 25 Min. 31: "Unser Team jedoch kann nicht mitfahren, hört es, es steht nicht auf den Listen."
Das entspricht auch der Aussage in Ihrer Stellungnahme, wobei Ihnen diese Widersprüchlichkeit aber nicht aufzufallen scheint.

http://www.ardmediathek.de/tv/die-story ... Id=7486242

Der Versuch, den von uns dargelegten Widerspruch zwischen der Darstellung eines Verwundetentransports und der Darstellung eines bewaffneten Militärkonvois, so erfolgt in den Tagesthemen vom 30. August 2014, aufzulösen, führt nun in Ihrer Stellungnahme auch noch zu folgender Konstruktion:

Der bewaffnete Militärkonvoi sei der besagte Verwundetentransport, der allerdings, nachdem er be-schossen und wieder zurückgekehrt sei, nun als Teil des bewaffneten Militärkonvois erneut beschossen wurde. Die semantische Verdrehung in Kurzform: Der Verwundetentransport war tatsächlich ein Verwundetentransport, lediglich angereichert mit einer Vielzahl von Waffen und Munition: ein "vergrößerter Konvoi", so Ihre Argumentation.

Aber auch bei dieser konstruierten Herleitung verwickelt sich der WDR erneut in Widersprüche:

2. Widerspruch: Für den im Weltspiegel am Abend des 28. August 2014 gezeigten Verwundetentransport sei mit den Separatisten für denselben Abend ein Abzug vereinbart worden, so Ihre Aussage in Ihrer Stellungnahme. Der Konvoi sei am selben Abend des 28. August beschossen worden und wieder zurückgekehrt.
Auch Herr Lielischkies datiert die Aufnahmen vom Verwundetentransport auf den 28. August 2014:
"Es ist der 28. August" (10 Minute 11)Aber dann heißt es im Weltspiegel: "Für den kommenden (also für den 29. August!) Tag soll mit den Separatisten ein Konvoi vereinbart worden sein."

Der Hintergrund dieser Widersprüche: Das ARD-Team und seine beiden an der Flucht beteiligten Kollegen haben tatsächlich von einem unter Beschuss geratenen Verwundetentransport am 29. August 2014 gesprochen, wie es der Weltspiegel extra dann auch wiedergegeben hat.

Aber: Diese Angabe ist unwahr. Nicht einmal die ukrainischen Militärverbände behaupten, der in den Gefechten vom 29. August 2014 unter Beschuss geratene Konvoi sei ein Verwundetentransport gewesen. Diese unwahre Angabe stammte ausschließlich vom ARD -Team und wurde von keinem anderen -weder prorussischen noch prowestlichen Medium - verbreitet.

Das heißt: Im Weltspiegel-extra wurde den Zuschauern vermittelt, der unter Beschuss geratene Konvoi, dem sich die Journalisten angeschlossen haben sollen, sei ein "Verwundetentransport" gewesen. Der von Herrn Lielischkies später beiläufig erwähnte "Panzer" kann diesen Eindruck nicht entkräften, schon gar nicht der erwähnte "Militärlaster", weil, wie die besagte Videosequenz glaubhaft machen sollte, auf Militärlastwagen eben die Verwundeten und Toten transportiert wurden. Um dem Zuschauer den Eindruck eines Massakers an wehrlosen Verwundeten zu vermitteln, wurde die Information, dass es sich in Wirklichkeit um einen bewaffneten Militärkonvoi handelte, ausgeblendet. Von Waffen und Munition ist im Weltspiegel keine Rede.

Dass der WDR in der überarbeiteten Fassung "Putins Armee in der Ukraine" vom 6. Oktober 2014 als Reaktion auf die Publikumsbeschwerde die Darstellung zu eben diesem Verwundetentransport verändert hat, bestätigt zweifelsfrei die Berechtigung der Publikumsbeschwerde.

Zu den Verhandlungen über den Abzug des Konvois

3. Widerspruch: Laut Weltspiegel-extra vom 02. 09.2014 soll der Abzug des am 29. August 2014 beschossenen "Verwundetentransport", dem sich die Journalisten angeschlossen haben, am 28. August 2014 mit den Separatisten vereinbart worden sein.

Dagegen heißt es in Ihrer Stellungnahme nun - entsprechend der überarbeiteten Weltspiegel-Version vom 06. Oktober 2014 - die Vereinbarung über den Abzug sei in der Nacht des 29. August 2014 getroffen worden, und zwar in Folge von Putins Appell an die Separatisten, die eingeschlossenen ukrainischen Einheiten bei Ilovaisk in einem humanitären Korridor abziehen zu lassen.

Wenn die Vereinbarung, wie vom Weltspiegel behauptet, am 28. August 2014 erfolgt ist, dann kann sie nicht in Folge von Putins Appell getroffen sein, da dieser Appell, wie Sie ihn präzise benennen, um 1 Uhr 10 in der Nacht des 29. August 2014 veröffentlicht worden ist und die Separatisten ihre Entscheidung, Putins Appell zu folgen, wenige Stunden später, am Morgen des 29. August 2014 bekannt gaben.

Zur Bedingung der Entwaffnung

Laut einstimmiger Aussage sämtlicher Medienberichte gibt der Separatistenführer Sachartschenko seine Entscheidung, Putins Appell zu folgen, - zeitnah zu Putins Appell - am Morgen des 29. August 2014 innerhalb eines Interviews mit dem russischen Sender Rossija 24 bekannt. Zeitgleich benennt er als Bedingung die Entwaffnung der ukrainischen Einheiten, damit " ihre Waffen und Munition nicht gegen uns gerichtet werden."
http://en.itar-tass.com/world/747162
http://www.reuters.com/article/2014/08/ ... 6T20140829

4. Widerspruch: Ihre Aussage, nur russische Medien sprächen davon, dass zeitgleich mit dem Angebot des ungehinderten Abzugs auch die Bedingung der Entwaffnung verknüpft wurde, ist falsch. Dieses bestätigen auch prowestliche, darunter deutsche, sowie proukrainische Medien und Nachrichtenagenturen.

So schreibt die ARD am 29. August 2014 um 07:55 Uhr:

"Rebellenführer Alexander Sachartschenko begrüßte Putins Appell. Die Volkswehr sei bereit, Regierungseinheiten abziehen zu lassen - aber ohne Waffen und Munition, sagte er dem russischen Staatsfernsehen."
http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-592.html

Selbst Udo Lielischkies weist im Mittagsmagazin vom 29. August 2014 auf diese Bedingung hin (Gezeigt werden Aufnahmen des besagten Interviews mit A. Sachartschenko, ab Minute 2 :24):

"Dieser Separatistenführer begrüßt Putins Idee eines Fluchtkorridors für ukrainische Soldaten, falls (!) sie vorher ihre Waffen abgeben."

http://www.daserste.de/information/poli ... 4-100.html

Auch ARD-Korrespondent Peter Schreiber äußert im Nachtmagazin um 1:14 Uhr des 30. August 2014:

"Da sagte der Separatistenführer heute Morgen, auf Wunsch des russischen Präsidenten Putin sei man bereit, auch diesen eingekesselten Soldaten einen Korridor einzuräumen, durch den sie abziehen könn-ten, aber sie müssten vorher ihre Waffen abgeben. Dazu aber ist die ukrainische Militärführung nicht bereit."
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 20762.html

Und schließlich berichtet auch die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform von der zeitgleich erhobenen Bedingung der Entwaffnung:

"Putin addressed Russian-controlled terrorist groups in eastern Ukraine with the request to create a corridor for ukrainian troops to safely leave an encircled area near Ilovaisk.
At the same time terrorists quickly supported Putin's idea on the condition that Ukrainian troops leave the area unarmed."

http://www.ukrinform.ua/eng/news/putin_ ... cil_325754.

Zu den als "tödliche Falle" bezeichneten Gefechten bei Ilovaisk

Die vom Weltspiegel als Massaker an einem Verwundetentransport dargestellten Vorgänge vom 29. August 2014 waren in Wirklichkeit militärische Ausbruchsversuche der in Ilowajsk eingekesselten und faktisch besiegten ukrainischen Armee, die sich weigerte, ihre Waffen abzugeben.

Das heißt: Die von dem ARD-Korrespondenten Peter Schreiber in den Tagesthemen vom 30. August 2014 getroffene Aussage, wonach die ukrainischen Verbände entgegen dem Angebot der Separatisten, beim Ausbruchsversuch ihre Waffen versuchten mitzunehmen, entspricht den Tatsachen.

Die Einrichtung eines humanitären Korridors konnte auch im weiteren Verlauf des Tages nicht vereinbart werden, da das ukrainische Militär die Forderung nach Entwaffnung ablehnte und damit weitere Tote und Verletzte in Kauf nahm.

In seiner - vom WDR besuchten - Pressekonferenz (siehe WDR-Mikrophon) vom 29. August 2014 spricht der Militärsprecher Andrij Lysenko folgerichtig von einer Fortsetzung aktiver Kämpfe in Ilovaisk (1:12) :

"In other parts of the ATO-Operation-Zone there are active positionary battles in the outskirts of Lu-hansk, (...), Donezk, Ilovaisk."

Auf Nachfrage äußert der ukrainische Militärsprecher ab Minute 19:8:

"Whatever the colours and flowers of those humanitarian corridors are- offered from the side of the Russian Federation: They are simply not there. There is combat going on there with the aim to kill. And what about surrounding the arms: Ukraine is not ready to surrounder arms. We will fight to the end and we will reach victory."
http://www.youtube.com/watch?v=0_Krg7MUi3o

Dies entspricht der von Udo Lielischkies im Mittagsmagazin vom 29. August 2014 gegebenen Information:

"Ein eingeschlossenes Bataillon hatte am Morgen versucht, mit Gewalt auszubrechen".

Auch im militärischen Lagebericht des Nationalen Sicherheitsrats der Ukraine vom 29. August, 17 Uhr, ist die Rede von fortdauernden Kämpfen in Ilovaisk (3. Absatz): http://www.rnbo.gov.ua/en/news/1796.html

Erst am 30. August 2014, nach den verheerenden militärischen Niederlagen, nehmen eingeschlossene Einheiten der ukrainischen Armee dann doch das Angebot der Separatisten wahr, unbewaffnet abziehen zu können, wie der ukrainische Innenminister Arsen Awakow bestätigt :

"Kämpfe in Donezk: Separatisten lassen eingekesselte ukrainische Soldaten frei. Die prorussischen Separatisten haben in der Ostukraine Dutzende eingekesselte Soldaten freigelassen. In Ilowaisk im umkämpften Gebiet Donezk seien die eingeschlossenen Einheiten über spezielle Korridore zu ihren Basislagern zurückgekehrt, teilte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow mit."

http://www.spiegel.de/politik/ausland/u ... 88989.html

Auch die ARD berichtete davon auf ihrer Internetseite:
"Zudem konnten Dutzende eingekesselte Soldaten unbehelligt abziehen. In Ilowaisk (...) seien diese über spezielle Korridore zu ihren Einheiten zurückgekehrt, teilte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow mit. Die Separatisten berichten von Hunderten weiteren betroffenen Soldaten. Der selbst ernannte Verteidigungsminister der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, Wladimir Kononow, betonte, dass Soldaten ungehindert nur unbewaffnet verlassen dürften. Weil versucht worden sei, sich mit Waffen aus ihrer ausweglosen Lage zu befreien, sei es zu neuen Kämpfen mit Toten und Verletzten gekommen."
http://www.tagesschau.de/ausland/ukrain ... o-102.html

Zu Punkt 3 und 6 unserer Beschwerde:

Laut dem Bericht auf maidantranslations.com waren alle 4 Journalisten, einschließlich des ARD-Teams, embedded. Auch ohne diesen Beleg wird aus den Selbstaussagen der Journalisten überdeutlich, dass sie sich als Teil der ukrainischen Kriegspartei begreifen.
Neben den zitierten Aussagen von Max Levin, beweisen auch die Aussagen des ARD-Journalisten Ivan Lybish-Kirdey (Kamera) eindeutig das Selbstverständnis der Journalisten als Teil der ukrainischen Kriegspartei: So spricht der ARD-Journalist in Bezug auf seine Tätigkeit bei Ilovaisk von "unseren Soldaten" sowie "unserem Sieg":

These lads, like these lads from the other battalions encircled in Ilovaisk, like Donbas, Kherson, Svitiaz or Dnipro (=ukrainische Militärverbände), are true soldiers: bold, emotionally restrained, but sincere and Kind-hearted. (...) I really would like to see all of them, and all of our soldiers and frontline Medics, back home alive and healthy after our (!) victory".

http://m.day.kiev.ua/en/article/topic-d ... r-retreats

Während im Weltspiegel vom 02. September 2014 selbst keinerlei Hinweis auf den Hintergrund der Journalisten erfolgte, behauptete Frau Miosga in den Tagesthemen vom 30. August 2014, bei dem eben zitierten ARD-Kameramann handele es sich um einen unabhängigen Beobachter (Minute 0:48):

"Wenn wir aus den umkämpften Gebieten aus der Ukraine berichten, dann können wir eigentlich nie ganz sicher sein, ob die Informationen auch stimmen. Denn sie stammen in den meisten Fällen von den Kriegsparteien selbst. Nur wenig unabhängige Journalisten sind überhaupt noch dort, weil es schlicht zu gefährlich ist. Heute aber (!) haben wir einen ungefilterten Einblick: Bilder, gedreht von einem ukrainischen Kameramann, der auch für die ARD arbeitet und der sich in den Ort Ilovaisk gewagt hatte."
http://www.tagesschau.de/multimedia/sen ... -3152.html

Wir erwarten von der ARD auch in diesem Aspekt eine öffentliche Richtigstellung, die dem Zuschauer die Beurteilung der Glaubwürdigkeit des Weltspiegels vom 02. September 2014 ermöglicht.

Zu Punkt 4 unserer Beschwerde:

Die Überprüfung, wann das Foto mit dem bewaffneten Soldaten im Fluchtauto des ARD-Teams geschossen wurde, können wir nicht vornehmen. Wohl aber weisen wir darauf hin, dass der Jeep nicht - wie von Ihnen behauptet - den Journalisten Max Levin und Markiyam Lyseiko gehörte, sondern Alexander Radschenko, bei dem sich Max Levin ausdrücklich bedankt, das Auto habe 4 Leben gerettet.
http://maidantranslations.com/2014/08/3 ... eo-photos/

Den Jeep haben die Journalisten vor ihrer Flucht - wie in Krisengebieten üblich - als "Presseauto" gekennzeichnet. Diese Kennzeichnung ist auf dem besagten Foto auf der Seite Lb.ua deutlich zu sehen (rechts oben Frontscheibe).
Der bewaffnete Soldat befindet sich also in dem als Presseauto gekennzeichneten Jeep.

Zu Punkt 5 unserer Beschwerde:

5. Widerspruch: Im Weltspiegel vom 02. September 2014 sagt Herr Lielischkies, die Journalisten seien unverletzt geblieben.
Sie behaupten nun, Max Levin habe eine kleine Handverletzung durch Glassplitter davongetragen.
Im Gegensatz dazu berichtet Max Levin von einer Wunde am Bein, die stark blutete.
„Бачу, як кров проступає крізь штани.“ (Ich sehe, wie das Blut durch die Hose kommt.)
http://society.lb.ua/life/2014/09/01/27 ... html?print

Weitere Quelle:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... ff98f.html

Auch das von Levin präsentierte Foto zeigt eine Verletzung am Bein.
http://maidantranslations.com/2014/08/3 ... usel-24471

Fazit:

Die Vielzahl an nachgewiesenen Widersprüchen und Ungereimtheiten sowie die in der überarbeiteten Langversion des Weltspiegels vorgenommenen Änderungen ("Tödliche Falle Ilowajsk. Putins Armee im Ukraine-Krieg") zeigen, dass die Beschwerde berechtigt ist. Dass sich der WDR bei seiner Darstellung des Beschusses eines Verwundetentransports ausschließlich auf Berichte von Journalisten gestützt hat, die sich ihrem Selbstverständnis zufolge als Teil der ukrainischen Kriegspartei begreifen, stellt zudem einen schweren Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht dar.

Die Falschdarstellung, der am 29. August 2014 unter Beschuss geratene Konvoi sei ein Verwundetentransport gewesen, die auffälligen Unstimmigkeiten innerhalb der Darstellung der beteiligten Journalisten, ferner die unglaubwürdige Behauptung, das Fahrzeug der Journalisten sei vermutlich das einzige Fahrzeug gewesen (Minute 12:24), das entkommen konnte und schließlich die Merkwürdigkeit, dass die nachträglich z.B. auf maidantranslations.com präsentierten Blutspuren, Einschusslöcher der Frontscheibe, Zerstörung der Heckscheibe in der vom Weltspiegel gezeigten angeblich authentischen Fluchtvideosequenz selbst nicht zu sehen sind, - all diese Aspekte lassen erhebliche Zweifel an der Authentizität der Fluchtdarstellung der Journalisten aufkommen.

Dass die Kämpfe bei Ilovaisk auf beiden Seiten hohe Verluste forderten, bleibt zugunsten einer Darstellung, welche die Separatisten dämonisieren sollte, ebenso unberücksichtigt wie die Tatsache, dass die Separatisten den unbewaffneten ukrainischen Soldaten tatsächlich die Möglichkeit des unversehrten Abzugs gewährt haben.

Verantwortungsbewusster Journalismus identifiziert sich mit keiner Kriegspartei und schürt keine Feindbilder. Er prüft sorgfältig und unaufgeregt alle verfügbaren Quellen - und zwar beider Kriegsparteien.

Dass Herr Lielischkies zu allem Überfluss das Publikum, welches seinen Weltspiegel kritisiert, öffentlich als Trolle diffamiert, ist unseriös und fügt dem Ansehen des WDR weiteren Schaden zu.
https://twitter.com/ULielischkies/statu ... 3637176320

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Da Sie als Intendant des zuständigen Senders WDR unserer Beschwerde die formalrechtliche Abhilfe verweigern, übergeben wir den Vorgang zur weiteren Befassung dem Rundfunkrat des WDR.

Zum Zwecke der Transparenz werden dieses Schreiben sowie der weitere Verlauf des Vorganges auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen


i. A. Maren Müller
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Re: ARD - Ungereimtheiten - Weltspiegel extra

Beitrag23. November 2014, 11:15

Zur weiteren Behandlung an Programmausschuss des WDR übergeben.
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Flucht aus Ilovajsk.pdf
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Re: ARD - Ungereimtheiten - Weltspiegel extra

Beitrag6. April 2015, 15:17

Bereits am 27.03.2015 teilte die Pressestelle des WDR mit, dass 10 Beschwerden der Ständigen Publikumskonferenz vom Programmausschuss und vom Rundfunkrat abgewiesen wurden.

Die Begründung für die Ablehnung dieser Programmbeschwerde können Sie auf den Seiten 8 und 9 des Bescheides nachlesen.
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10 Ablehnungen WDR.pdf
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