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ZDF - Anfrage - Putins Rede an die Nation

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Maren

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ZDF - Anfrage - Putins Rede an die Nation

BeitragFr 12. Dez 2014, 11:18

ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN
Intendanz
Herrn Bellut
ZDF-Straße 1
55100 Mainz


Anfrage


Sehr geehrter Herr Bellut,

am 04.12.2014 hielt der russische Präsidenten Wladimir Putin seine traditionelle „Rede an die Nation“.
http://www.kremlin.ru/news

Bei heute.de findet sich anlässlich der Berichterstattung zu diesem Ereignis folgender Text mit Einbindung eines Zitates der wörtlichen Rede Putins:

Kremlchef Wladimir Putin hat das Eingreifen Russlands in der Ukraine-Krise gegen massive Kritik aus dem Westen verteidigt. Der Anschluss der Halbinsel Krim an Russland sei in völligem Einklang mit dem Völkerrecht geschehen. "Russland wird sich nicht vor der Unterwerfungspolitik des Westens beugen", sagte Putin bei seiner Rede an die Nation am Donnerstag in Moskau.

http://www.heute.de/rede-an-die-nation- ... 01570.html

Wir möchten gerne in Erfahrung bringen an welcher Stelle Putins Rede explizit der Satz:
"Russland wird sich nicht vor der Unterwerfungspolitik des Westens beugen.“ gefallen ist.

Zum Zwecke der Transparenz werden diese Anfrage sowie die Antwort der Programmverantwortlichen auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen


i. A. Maren Müller
Vorsitzende
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Maren

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Re: ZDF - Anfrage - Putins Rede an die Nation

BeitragMi 18. Feb 2015, 16:54

Antwort aus der Zuschauerredaktion. Der Verweis auf dpa ist zwar originell, aber beantwortet die eigentliche Frage nicht.

ZDF_Rede an die Nation.pdf
(549 KiB) 390-mal heruntergeladen


Das Beck'sche Mandatshandbuch Medien- und Presserecht sagt folgendes:

Für Meldungen anerkannter Nachrichtenagenturen, z. B. dpa, ap, afp, Reuters, ddp/AD etc. gilt eine Art Vertrauensgrundsatz. Informationen, die von solchen Agenturen stammen müssen ausnahmsweise nicht erneut überprüft werden, wenn sie nicht offensichtlich falsch oder überholt sind. Die großen Nachrichtenagenturen treffen dieselben Sorgfaltsanforderungen wie andere Medienunternehmen,sie gelten aber allgemein als zuverlässig. BVerfG AfP 2003, 539


Das sagt ein Mitstreiter mit Russischkenntnissen:

Wortwörtlich ist der Satz, den das ZDF da "zitiert" in dieser Rede nicht gefallen. Der Begriff "Unterwerfungspolitik" etwa kommt in der Rede nirgends vor. Gut, das kann man unterschiedlich übersetzen. Aber auch der Begriff "Westen" (Sapad bzw. Запад) fällt nur einmal als Hauptwort bzw. einmal als Adjektiv "westliche Kollegen" - in diesen Zusammenhängen spricht er aber über andere Dinge als in dem ZDF-"Zitat". Den Begriff kann man nicht anders übersetzen.
Wenn man nach dem Wortstamm von Unterwerfung oder dessen Synonymen im Russischen sucht, findet sich einmal der Begriff "gehorchen" (podschinjatza bzw. подчиняться) - immerhin ein entfernt verwandtes Wort. Und zwar als letztes Wort im 21. Absatz seiner Rede.

Die Passage und der nachfolgende Satz lauten:
"Однако нас сейчас всеми силами пытаются убедить в том, что это и есть грамотная, взвешенная политика, которой мы должны бездумно и слепо подчиняться. Этого не будет."

Mit viel Fantasie könnte man diese Passage, in der es um die Ukraine geht, so interpretieren wie das ZDF. Oder auch so:
"Jedoch sollen wir nun mit allen Kräften überzeugt werden, dass dies eine kompetente, ausgewogene Politik ist, der wir gedankenlos und blind gehorchen sollen. Das wird nicht passieren."

Aus dem Zusammenhang gerissenes Diplomatenrussisch ist kaum zu verstehen. Also sinngemäß in Bedacht der vorangehenden Passagen heißt das etwa: Der Westen verlangt von uns, einzusehen, dass unsere Position zum Konflikt in der Ukraine falsch ist und, dass die Haltung des Westens und der neuen ukrainischen Machthaber richtig ist. Wir sehen das aber anders.

Ein wörtliches Zitat ist es also definitiv nicht. Es hört sich eher wie die subjektive Zusammenfassung einer ganzen Passage an. ABER: Es gilt das gesprochene Wort. Vielleicht ist er in seiner Rede vom Manuskript abgewichen?


Man könnte die Rede nachhören.
Aber für uns ist dieser Vorgang mit Verweis auf den oben zitierten Vertrauensgrundsatz abgeschlossen.

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