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ARD - Nachrichtenunterdrückung/eine Mio Syrer kehren heim

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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ARD - Nachrichtenunterdrückung/eine Mio Syrer kehren heim

BeitragDo 12. Nov 2015, 17:56

Programmbeschwerde wegen Nachrichtenunterdrückung/eine Mio Syrer kehren heim


Sehr geehrter Herr Marmor,

auch nicht gesendete Nachrichten können Anlass zu einer Programmbeschwerde geben. Vorliegend beschweren wir uns darüber, dass ARD-aktuell kein Wort über die Mitteilung des russischen Außenministeriums verlor, dass seit Beginn der russischen Luftkampfunterstützung der syrischen Armee gegen die terroristischen Dschihadisten aller Couleur in Syrien bereits mehr als eine Million Syrer wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind, die vor dem Terror der ISIS &Co. ins Ausland geflohen waren. Über diese Mitteilung berichtete die Internationale Nachrichtenagentur sputniknews am 11. 11.15 unter Bezugnahme sowohl auf russische wie auf syrische Quellen.

Fraglos hätte eine solche Nachricht angesichts der „Flüchtlingskrise“ hierzulande größtes Interesse gefunden und erheblichen Einfluss auf das Meinungsbild über das russische Eingreifen in Syrien. Dem denkbaren Einwand der ARD-aktuell-Redaktionsleitung, es handle sich um eine nicht überprüfbare und möglicherweise propagandistische Information, wäre zu entgegnen, dass ARD-aktuell nach eigenem Eingeständnis nicht in der Lage ist, die Verhältnisse in Syrien zu überprüfen, und dass es aus diesem Grund andererseits auf so obskure US-geheimdienstlich gestützte Quellen wie die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“, ansässig in einem Londoner Hinterhof, bedenkenlos zurückgreift. Die Einäugigkeit der Redaktion ARD-aktuell bei der Auswahl von Quellen und Informationen wird mit dem vorliegenden Beispiel deutlich. Es nährt den Verdacht, dass in der Redaktion ARD-aktuell Informationen der „Gegenseite“ wie die sputniknews nicht einmal gelesen werden, von anderen Informationsquellen im Internet ganz zu schweigen.

Der Rundfunkstaatsvertrag verpflichtet Informationssendungen wie die der Tagesschau und der Tagesthemen auf die „anerkannten journalistischen Grundsätze“. Zu diesen Grundsätzen gehört fraglos, dass bei Berichten über Kriege und Konflikte stets auch die Gegenseite zu hören und deren Sichtweise zu berücksichtigen ist. Die Diskrepanz zur ARD-aktuell-Realität ist unübersehbar. Sie ergibt sich unserer Ansicht nach allerdings nicht zufällig, versehentlich und fahrlässig, sondern sie ist gewollt. ARD-aktuell dient selbst transatlantischen propagandistischen Zielen. Die Redaktion will nicht zu besserem umfassenderem Verständnis des Weltgeschehens beitragen, sondern den Zuschauer im aggressiven EUSA-NATO-Kleinformat denken lassen.

Sie baut dabei darauf, „... dass das Fernsehen ... die größte Glaubwürdigkeit genießt, mit der Begründung: ‚Bilder können nicht lügen, das Fernsehen kann sich nur an Tatsachen orientieren, das Fernsehen ist so etwas wie eine amtliche, gut kontrollierte Einrichtung, der das Lügen verboten ist.’ ... Wirft man den Blick auf den Programmauftrag und die Programmrichtlinien, dann wird deutlich, welch riesige Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegt. Da soll der Norddeutsche Rundfunk die internationale Verständigung fördern, zum Frieden und zur sozialen Gerechtigkeit mahnen ... und nur der Wahrheit verpflichtet sein. Immer wieder ist die Rede davon, dass die Sendungen die eigene Urteilsbildung befördern sollen.... – In Wirklichkeit sind die Nachrichtensendungen des Fernsehens Veranstaltungen zur Verhinderung eigener Urteilsbildung, wie man sie sich wirksamer wohl kaum denken kann.“ (Prof. Dr. Heinz Buddemeier, „Illusion und Manipulation“, Stuttgart, 1987).

An dieser, bereits vor einem Vierteljahrhundert empirisch belegten Erkenntnis der Kommunikationswissenschaft zu rütteln, das gestatten auch die allerjüngsten Produkte der ARD-aktuell-Redaktion nicht.

Wir fordern Sie höflich auf, den beschwerdeauslösenden Vorgang nach Maßgabe der staatsvertraglichen Bestimmungen zu prüfen:

§5 Programmauftrag
(1) Der NDR hat den Rundfunkteilnehmern und Rundfunkteilnehmerinnen einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.

§8 Programmgestaltung
.....Ziel aller Informationssendungen ist es, sachlich und umfassend zu unterrichten und damit zur selbständigen Urteilsbildung der Bürger und Bürgerinnen beizutragen.

(2) Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistischen Grundsätzen, auch beim Einsatz virtueller Elemente, zu entsprechen. Sie müssen unabhängig und sachlich sein. Nachrichten sind vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft zu prüfen.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Bräutigam
Friedhelm Klinkhammer
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Maren

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Re: ARD - Nachrichtenunterdrückung/eine Mio Syrer kehren heim

BeitragDo 3. Dez 2015, 16:05

Sehr geehrter Herr Bräutigam,
sehr geehrter Herr Klinkhammer,

Sie kritisieren in einer E-Mail vom 12. November 2015, dass ARD-aktuell nicht über eine Äußerung des russischen Außenministers berichtet habe. Ich habe die verantwortliche Redaktion gebeten, Ihre Kritik zu prüfen und dazu Stellung zu nehmen. Sie finden die Ausführungen im Anhang.
Antwort Rückkehrer Syrien.pdf
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Mit freundlichen Grüßen

Lutz Marmor

ARD-Vorsitzender
Intendant des Norddeutschen Rundfunks
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Maren

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Re: ARD - Nachrichtenunterdrückung/eine Mio Syrer kehren heim

BeitragSa 19. Dez 2015, 15:28

Norddeutscher Rundfunk
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Gremienbüro
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg



Stellungnahme Dr. Kai Gniffke zur Programmbeschwerde wegen Nachrichtenunterdrückung/eine Mio. Syrer kehren heim, vom 24.11.2015

Sehr geehrte Damen und Herren Rundfunkräte,

ein aufmerksamer Leser unserer Plattform sah sich angesichts des Schriftwechsels zwischen den Beschwerdeführern Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer und dem Chefredakteur von ARD-aktuell zu o.g. Beschwerde zu einer kritischen Anmerkung genötigt, die wir hiermit im Auftrag und zu Ihrer Verwendung ein-bzw. nachreichen.

Die Anmerkung im Wortlaut:

Ich weiß, dass es eher ungewöhnlich ist, sich als Dritter in einen Schriftwechsel anderer einzuschalten. Jedoch sehe ich mich genötigt, angesichts besagten Schriftstücks Herrn Dr. Gniffkes, seines Zeichens Chefredakteur des öffentlich-rechtlichen, auch durch mich finanzierten ARD-aktuell an die Herren Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam etwas anzumerken. Herr Dr. Gniffke schreibt hierbei:

"Einen Beleg für die Rückkehr der Syrer lieferten weder der Minister noch die Agentur [Sputniknews]. Es handelt sich also um eine nicht überprüfbare Behauptung."

Überprüfen lässt sich diese Behauptung jedoch sehr wohl. Uli Gack, auf dem Schwester-Sender der ARD, dem ZDF, brachte in dem Zusammenhang für den Weltspiegel vom 26.10.2015 über genau solche Rückkehrer in Gebiet unter Kontrolle der syrischen Regierung folgenden Beitrag, "Leben an der Front in Syrien".

M.E. ist es bemerkenswert, dass dieser Beitrag ihres Kollegen vom ZDF offenbar bis zum Verfassen der Stellungnahme, ein runder Monat immerhin, außer Acht geblieben ist. Berichte von Korrespondenten der öffentlich-rechtlichen Sender direkt aus dem Land selbst sind immerhin selten genug, dass dieser Bericht kaum unmöglich gefunden werden konnte.
Wenn Sie mir sonst das weitere Ausholen zum Thema Syrien erlauben, muss ich auch auf etwas anderes hinweisen, was mir extrem aufstößt bei der Berichterstattung: Der syrische Staat, die Arabische Republik Syrien, der nach wie vor einen festen Sitz in der Vollversammlung der Vereinten Nationen hat, wird immer und immer wieder auf die Person des Präsidenten Baschar al-Assad redu-ziert, und mit negativem Kommentar und negativen Attributen wird bei diesem nicht gerade gespart. Dass es absurd ist, diesen völlig ohne Rückhalt in der eigenen Bevölkerung darzustellen, wird jedoch ebenso immer wieder deutlich, wenn Reporter aus dem sog. "westlichen Ausland" selber von vor Ort berichten.

Ein eindrückliches Beispiel wurde ebenso Ende Oktober diesen Jahres veröffentlicht, nämlich Martin Smiths Dokumentation "Inside Assad's Syria" vom US-amerikanischen Sender PBS.

Dieser wirft viele Fragen auf: Einerseits, warum immer noch an der manichäischen Dichotomie vom "Schlächter Assad" und "moderaten Rebellen" festgehalten wird, wenn sowohl Herr Gack als auch
insbesondere Herr Smith aufzeigen können, dass besagte "Rebellen" nicht davor zurückscheuen, blind in bewohnte Gebiete zu feuern und andere Verbrechen begehen. Eine Stimme wird diesen Men-schen, welche mit besagten "moderaten Rebellen" nichts zu tun haben wollen, seltsamerweise äußerst selten gegeben, und ich kann mir gut vorstellen, dass Angehörige von syrischen Rekruten, welche von ISIL hingerichtet werden - Smiths "Inside Assad's Syria" hat ein sehr eindrückliches Beispiel -, mehr als empört wären über die Behauptung, wie sie gerne von Seiten Ihrer Berichterstattung erhoben wird, dass diese ja nicht gegen selbige ISIL-Extremisten kämpfen würden.

Mit Schwarz-Weiß-Malerei wurde gerade auch Seitens Ihrer ARD-Redaktion - die des ZDF ebenso - seit Jahren kontinuierlich gearbeitet, was das Thema Syrien angeht. Dass dies mitnichten mit der Realität vor Ort zu tun hat, wird durch solche Berichte aus erster Hand mal um mal wieder aufgezeigt.

Uli Gacks Berichterstattung muss ich in dem Zusammenhang umso mehr loben, und hoffe, dass diese in Zukunft den Ton angeben wird im Zusammenhang mit diesem Thema.

Mit freundlichen Grüßen

----------------------------------


Zum Zwecke der Transparenz werden wir diese Anmerkung sowie die eventuell eingehende Antwort der Programmverantwortlichen auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlichen.


Mit freundlichen Grüßen


i. A. Maren Müller
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Maren

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Anmerkung zum Vorgang "Nachrichtenunterdrückung/eine Mio. Syrer kehren heim"

BeitragSa 19. Dez 2015, 15:30

Norddeutscher Rundfunk
Intendanz
Gremienbüro
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg


Stellungnahme Dr. Kai Gniffke zur Programmbeschwerde wegen Nachrichtenunterdrückung/eine Mio. Syrer kehren heim, vom 24.11.2015

Sehr geehrte Damen und Herren Rundfunkräte,

ein aufmerksamer Leser unserer Plattform sah sich angesichts des Schriftwechsels zwischen den Beschwerdeführern Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer und dem Chefredakteur von ARD-aktuell zu o.g. Beschwerde zu einer kritischen Anmerkung genötigt, die wir hiermit im Auftrag und zu Ihrer Verwendung ein-bzw. nachreichen.

Die Anmerkung im Wortlaut:

Ich weiß, dass es eher ungewöhnlich ist, sich als Dritter in einen Schriftwechsel anderer einzuschalten. Jedoch sehe ich mich genötigt, angesichts besagten Schriftstücks Herrn Dr. Gniffkes, seines Zeichens Chefredakteur des öffentlich-rechtlichen, auch durch mich finanzierten ARD-aktuell an die Herren Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam etwas anzumerken. Herr Dr. Gniffke schreibt hierbei:

"Einen Beleg für die Rückkehr der Syrer lieferten weder der Minister noch die Agentur [Sputniknews]. Es handelt sich also um eine nicht überprüfbare Behauptung."

Überprüfen lässt sich diese Behauptung jedoch sehr wohl. Uli Gack, auf dem Schwester-Sender der ARD, dem ZDF, brachte in dem Zusammenhang für den Weltspiegel vom 26.10.2015 über genau solche Rückkehrer in Gebiet unter Kontrolle der syrischen Regierung folgenden Beitrag, "Leben an der Front in Syrien".

M.E. ist es bemerkenswert, dass dieser Beitrag ihres Kollegen vom ZDF offenbar bis zum Verfassen der Stellungnahme, ein runder Monat immerhin, außer Acht geblieben ist. Berichte von Korrespondenten der öffentlich-rechtlichen Sender direkt aus dem Land selbst sind immerhin selten genug, dass dieser Bericht kaum unmöglich gefunden werden konnte.
Wenn Sie mir sonst das weitere Ausholen zum Thema Syrien erlauben, muss ich auch auf etwas anderes hinweisen, was mir extrem aufstößt bei der Berichterstattung: Der syrische Staat, die Arabische Republik Syrien, der nach wie vor einen festen Sitz in der Vollversammlung der Vereinten Nationen hat, wird immer und immer wieder auf die Person des Präsidenten Baschar al-Assad redu-ziert, und mit negativem Kommentar und negativen Attributen wird bei diesem nicht gerade gespart. Dass es absurd ist, diesen völlig ohne Rückhalt in der eigenen Bevölkerung darzustellen, wird jedoch ebenso immer wieder deutlich, wenn Reporter aus dem sog. "westlichen Ausland" selber von vor Ort berichten.

Ein eindrückliches Beispiel wurde ebenso Ende Oktober diesen Jahres veröffentlicht, nämlich Martin Smiths Dokumentation "Inside Assad's Syria" vom US-amerikanischen Sender PBS.

Dieser wirft viele Fragen auf: Einerseits, warum immer noch an der manichäischen Dichotomie vom "Schlächter Assad" und "moderaten Rebellen" festgehalten wird, wenn sowohl Herr Gack als auch
insbesondere Herr Smith aufzeigen können, dass besagte "Rebellen" nicht davor zurückscheuen, blind in bewohnte Gebiete zu feuern und andere Verbrechen begehen. Eine Stimme wird diesen Men-schen, welche mit besagten "moderaten Rebellen" nichts zu tun haben wollen, seltsamerweise äußerst selten gegeben, und ich kann mir gut vorstellen, dass Angehörige von syrischen Rekruten, welche von ISIL hingerichtet werden - Smiths "Inside Assad's Syria" hat ein sehr eindrückliches Beispiel -, mehr als empört wären über die Behauptung, wie sie gerne von Seiten Ihrer Berichterstattung erhoben wird, dass diese ja nicht gegen selbige ISIL-Extremisten kämpfen würden.

Mit Schwarz-Weiß-Malerei wurde gerade auch Seitens Ihrer ARD-Redaktion - die des ZDF ebenso - seit Jahren kontinuierlich gearbeitet, was das Thema Syrien angeht. Dass dies mitnichten mit der Realität vor Ort zu tun hat, wird durch solche Berichte aus erster Hand mal um mal wieder aufgezeigt.

Uli Gacks Berichterstattung muss ich in dem Zusammenhang umso mehr loben, und hoffe, dass diese in Zukunft den Ton angeben wird im Zusammenhang mit diesem Thema.

Mit freundlichen Grüßen

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Zum Zwecke der Transparenz werden wir diese Anmerkung sowie die eventuell eingehende Antwort der Programmverantwortlichen auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlichen.


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i. A. Maren Müller
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