ZDF - Programmbeschwerde zu Kindersendung „Keine Taurus für die Ukraine“

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Maren
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ZDF - Programmbeschwerde zu Kindersendung „Keine Taurus für die Ukraine“

Beitrag von Maren »

ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN
z. Hd. Herrn Dr. Himmler
ZDF-Straße 1
55100 Mainz


Programmbeschwerde gemäß § 21 Abs. 2 der ZDF-Satzung wegen Verstoß gegen § 4 Absatz 1 Nr. 7 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag gegen den KIKA-Beitrag auf dem tiktok-Kanal un.logo „Keine Taurus für die Ukraine“

Anlage:
ZDF-Kindersendung verstört mit Kriegswaffen-Propaganda
Sonderbriefmarke „Für die Jugend“

Sehr geehrter Dr. Himmler,

ich erhebe formal Programmbeschwerde gegen den KIKA-Beitrag auf dem tiktok-Kanal un.logo (Bild Anlage 1) wegen Verstößen gegen die Rechtsgrundlagen und Vorschriften, die im ZDF-Staatsvertrag verankert und im gesetzlichen Auftrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk definiert sind, insbesondere § 5 (1-3) sowie die internen Richtlinien des ZDF in Programmangelegenheiten. Darüber hinaus verstößt dieser Beitrag gegen § 15 Absatz 2 Nr. 2 Jugendschutzgesetz und § 4 Absatz 1 Nr. 7 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. (Kriegsverherrlichung)

Der tiktok-Kanal un.logo gehört zum Kinderkanal KIKA und liegt demzufolge in Ihrem Verantwortungsbereich als ZDF Intendant.

Die Mitarbeiter des ZDF orientieren sich an gemeinsamen Werten: Humanität, freiheitliche Demokratie, kulturelles Bewusstsein und unabhängiger Journalismus. Das ZDF ist seinem Fernsehpublikum verpflichtet. Es begegnet seinen Zuschauern mit Respekt und bietet ihnen Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit. Seine Programme sind den publizistischen, ethisch-moralischen und gesellschaftlichen Standards, sowie den rechtlichen Vorgaben der Sachlichkeit, Objektivität, Ausgewogenheit, Unabhängigkeit und Fairness verpflichtet. Das ZDF hat durch die Herausgabe der Mainzelmännchen-Sonderbriefmarke besonders hervorgehoben, für die Jugend zu sein. (Bild Anlage 2)

Diese an sich schon sehr hohen Kriterien sind bei einem Kinderkanal noch einmal höher zu bewerten. Das hebt der KIKA in seiner Selbstbeschreibung auch hervor:
„Für Grundschüler: Komplexes näherbringe:n Der Übergang vom Kindergarten zur Schule markiert für Kinder einen neuen Lebensabschnitt. Für sie beginnt auch eine neue Entwicklungsphase, in der sie komplexere und abstraktere Zusammenhänge begreifen. Mit ‚logo!‘ (ZDF), ‚Wissen macht Ah!‘ (WDR) oder „Triff…“ (KiKA/WDR/hr) finden sie passende Angebote. Abwechslungsreiche Animationsformate und Spielfilme bieten Spaß und Unterhaltung. Dokumentationen, Live-Action und Shows wie „Die beste Klasse Deutschlands“ (KiKA/hr/ARD) vermitteln ein Gefühl für Stimmungen und bauen Spannung auf.“

Katarina Schmieder von der Medienplattform Nuis hat diesen Verstoß gegen die Programmgrundsätze in ihrem Beitrag vom 1. März 2024 sehr zutreffend beschrieben:

ZDF logo! ist eine Nachrichtensendung, die sich an die Jüngsten richtet: Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren. Auf dem Instagram-Kanal der Sendung postet das ZDF einen Clip, in dem Kriegswaffen wie in einem Comic mit Kulleraugen animiert werden. Auch hier ganz deutlich die Zielgruppe: Kinder!
In dem Clip fordern verniedlicht dargestellte Waffen-Wesen, dass Deutschland Taurus-Marschflugkörper in die Ukraine liefern soll. Der Clip spielt damit auf Olaf Scholz an, der die Lieferung der Taurus-Marschflugkörper ablehnt. Der Bundeskanzler bekräftigte sein Nein in den letzten Tagen und verwies darauf, dass Deutschland nicht Kriegspartei an der Seite der Ukraine gegen Russland werden dürfe.

In dem kurzen Gespräch zwischen den Kriegsgeräten Taurus, Storm Shadow, Scalp und Leopard kommentieren die animierten Kriegswaffen die Entscheidung des Kanzlers hämisch mit „scholzen“. In den zahlreichen Kommentaren auf Instagram finden die Eltern klare Worte und kritisieren das ZDF scharf, dass mit dem Clip Kriegspropaganda in die Kinderzimmer getragen wird. Weiter kommentieren die User, dass es schlichtweg geschmacklos sei, todbringende Waffen als niedliche Figuren zu inszenieren. Verstörende Kriegswaffen-Propaganda für Kinder, bezahlt durch Gebühren...

Es bleibt die Frage, was genau die Intention der Macher dieses Clips ist. Sollen Kinder spielerisch lernen, wie ein Taurus-Marschflugkörper aussieht und was ein Leopard-Panzer ist? Sollen die Kinder ihre Eltern darauf hinweisen, dass die Entscheidung der Regierung falsch sei, weil Taurus gerne in den Krieg ziehen möchte?
Das ZDF versucht sich in den Kommentaren herauszureden und tut die Kritik der Eltern damit ab, dass es sich bei diesem Clip um ein Comedy-Format handeln würde.

Konkreter bringt es Ralf Schuler vom gleichen Medienportal auf dem Punkt:

„Wir Marschflugkörper müssten Olaf Scholz mal den Marsch blasen“, sagt ein sprechender „Taurus“-Marschflugkörper zu seinen britischen und französischen Freunden. Kinder-Quatsch-Comedy vom Kinderkanal: Marschflugkörper, Marsch blasen ... – verstehs‘te! Glucks! Wortspiel von der öffentlichen Spaßrakete.
Bei den Kindernachrichten von „ZDF logo!“ haben sie versucht, den Streit um die Waffenlieferungen an die Ukraine irgendwie kindgerecht aufzubereiten.

Um es mal klar zu sagen: Das Ergebnis ist nicht komisch. Es ist geschmacklos. Die Generation Zivildienst rüstet auf und beginnt damit im Kinderzimmer.
Krieg, ein lustiges Kinderspiel. Krieg ist kein Comicstrip. Ganz gleich, ob die Autoren der sprechenden Drohnen dem eigenen Wortspieltrieb beim Marschblasen erlegen sind oder einfach nur gedankenlose Wohlstandskinder sind: Wo eine „Taurus“ den Marsch bläst (480 Kilogramm Sprengstoff, 2 Meter Stahlbolzen zum Bunkerbrechen), bleibt kein Stein auf dem anderen und von Kanzler Scholz nicht viel übrig.

Doch es geht nicht nur um absolut unpassende Sprüche. Es geht um die zweckdienliche Verniedlichung von Krieg als plüschige Bauchredner-Nummer, bei der jedes Kind verstehen muss, dass dieser blöde Scholz im lustigen Tom-und-Jerry-Spiel den Wumms-Hammer verweigert. Eben noch hat „Im Westen nichts Neues“ Oscars gewonnen und weltweit Triumphe gefeiert, und jetzt wird Krieg zum unbeschwerten Kinderspiel nach Augsburger Puppenkisten-Manier.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Man kann und muss Kindern die Konflikte unserer Zeit erklären, aber sollte nicht in Muster zurückfallen, mit der früherer Regime schon versuchten, den Nachwuchs spielerisch ins Kanonenboot zu holen. Schwerter zu Pflugscharen und Picassos Friedenstaube haben die Welt nicht friedlicher gemacht.

Krieg ist eine sehr ernste Angelegenheit. Kindern den Eindruck zu vermitteln, Marschflugkörper und Kampfpanzer seien kleine niedliche Spielzeuge, ist nicht nur peinlich und unangemessen, sondern knallharte Kriegspropaganda. Die Infantilisierung des Krieges im Instagram Stil ist in Anbetracht der hunderttausenden toten Ukrainer und Russen menschenverachtend und mehr als unangebracht und stellt eine perfide Form von Kindeswohlgefährdung dar.

Die Politisierung und Mobilisierung von Schülern war und ist ein fester Bestandteil von undemokratischen Staaten. Kinder galten jeher als Zielscheibe der Kriegspropaganda.
Alle kriegführenden Staaten zielten mit intensiver Propaganda darauf ab, Kinder und Jugendliche in die Auseinandersetzungen mit einzubeziehen. Träger dieser Mobilisierung waren Eltern, Schulen und Vereine ebenso wie Bücher, Lieder und Spiele. Ziel der Ideologisierung war es, einen ‚gerechten Krieg’ zu vermitteln, Begeisterung in den Kindern zu wecken und sie für kriegsunterstützende Arbeiten zu gewinnen. … Die Gründe für die intensive Infiltrierung waren vielschichtig. Zum einen waren die Behörden bestrebt, Kinder und Jugendliche aktiv für die direkte Kriegsunterstützung zu gewinnen und sie als Arbeitskräfte zu nutzen. Zum anderen wurden Kinder als Multiplikatoren der Propaganda eingesetzt. Behörden spekulierten mit dem großen Einfluss, den sie auf die Eltern ausübten, wie aus einem Aktenvermerk des Ministeriums für Kultus und Unterricht hervorgeht: „Die Schuljugend werde über die Bedeutung der Aktion aufgeklärt und angeeifert, ihre Unterstützung des Elternhauses zu gewinnen. Begeisterungsfähig wird sich die Jugend dieser Aufgabe mit Eifer und nicht ohne Erfolg widmen, wenn man in Rücksicht zieht, wie empfänglich die Eltern für die Bitten ihrer Kinder sind.“ Über die Kinder konnten Normen, Werte und politisch gefärbte Wissensbestände an die Eltern und Familien vermittelt werden.

Im ersten Weltkrieg wurden auch Kinder und Jugendliche medial indoktriniert. Damals gab es noch kein tiktok aber die Intension war dieselbe: 
Zu Kriegsbeginn war das Interesse an Kinderbüchern zum Kriegsthema und ihrer erzieherischen Funktion besonders groß. Neue Werke kamen auf den Markt und die Verleger beeilten sich, Kriegsversionen beliebter Klassiker aufzulegen. Diese Publikationen sollten Kinder von den vorgeblichen Ursachen und Zielen des Kriegs überzeugen. Vor allem die bebilderten Exemplare waren geprägt von nationalen Stereotypen und sollten Kinder mit ‚den guten Mittelmächten‘ vertraut machen und zugleich die gegnerischen Nationen stigmatisieren. In Geschichten verpackt wurden propagandistische Botschaften in emotionalisierten Bildern transportiert.

Beispielgebend dafür ist der 1915 erschienene „Kriegs-Struwwelpeter“, eine Neuauflage des zu jener Zeit sehr beliebten Kinderbuches. Bereits 1914 war in Großbritannien eine englische Fassung des Struwwelpeters erschienen. In der Ausgabe von Karl Ewald Olszewski wurden kriegerische Sujets eingebaut und die Figuren nach dem aktuellen Kriegsgeschehen modifiziert: Der Struwwelpeter mutierte zum garstigen Bombenpeter, eine Imitation König Peter I von Serbien, der Suppenkasper wurde von Blockaden-John abgelöst, der italienische Zappel-Pepo saß mit Vater Deutschland und Mutter Österreich am Tisch und fiel um (ein Verweis auf den Verrat durch Italien) und John Guck-in-die-Luft stürzte in die Dardanellen. …

Mit Fortlauf des Krieges rückten die Erzählungen zunehmend an die realen Erlebnisse der Leserschaft heran, griffen neue Themen (Kriegsgefangene, Rationierung, etc.) auf und verloren an Überzeugungskraft. Was die Kriegspublikationen allerdings über die Jahre verband, waren die nachdrücklich propagierten Ideale der Entbehrung und Pflichterfüllung und der Appell an den aufopfernden Patriotismus der heranwachsenden Generation.

Der tiktok-Beitrag auf un.logo „Keine Taurus für die Ukraine“ hat in seiner propagandistischen Herangehensweise die gleiche Intension, wie die oben angeführte Kriegspropaganda im ersten Weltkrieg. Dies verstößt nicht nur gegen die eigenen KIKA-Grundsätze, sondern auch gegen das Jungendschutzgesetz und den Staatsvertrag über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien (Jugendmedienschutz-Staatsvertrag). Der Verein wird daher parallel zur Programmbeschwerde auch beim zuständigen Jugendamt einen Antrag stellen, diese Verfehlung gegen § 15 Absatz 2 Nr. 2 Jungendschutzgesetz alternativ § 4 Absatz 1 Nr. 7 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (Kriegsverherrlichung) entsprechend zu prüfen.

Aus Gründen der Transparenz werden wir dieses Schreiben sowie weiteren Schriftverkehr zum Thema auf der Webseite des Vereins veröffentlichen.


Mit freundlichen Grüßen

Torsten Küllig


Anlage 1: ZDF-Kindersendung verstört mit Kriegswaffen-Propaganda

Quelle: https://www.nius.de/medien/zdf-kinderse ... fd99807855

Anlage 2: Sonderbriefmarke „Für die Jugend“
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Maren
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Re: ZDF - Programmbeschwerde zu Kindersendung „Keine Taurus für die Ukraine“

Beitrag von Maren »

Am 08.03.24 um 13:14 schrieb ZDF Fernsehrat

Von: "ZDF Fernsehrat" <FV-RAT@zdf.de>
Datum: 8. März 2024

Betreff: Ihre Eingabe an den Fernsehrat

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre Eingabe zum Instagram-Beitrag logo!- Kein Taurus für die Ukraine vom 29.02.2024 ist bei der Geschäftsstelle des Fernsehrates eingegangen.

Da zu diesem Beitrag zahlreiche Programmbeschwerden eingelegt worden sind, habe ich als Vorsitzende des Fernsehrates entsprechend den Verfahrensgrundsätzen zur Behandlung von Programmbeschwerden vom 25. Februar 2014 beschlossen, das Verfahren für Mehrfachbeschwerden anzuwenden.

Mehrfachbeschwerden sind Eingaben mit demselben Anliegen, die individuell abgefasst sind. Massenbeschwerden sind Eingaben in größerer Zahl mit demselben Anliegen, deren Text ganz oder im Wesentlichen übereinstimmt.

Bei Mehrfach- und Massenbeschwerden wird eine Beschwerde als Leitbeschwerde für die Bearbeitung geführt. Über die Anwendung dieses Verfahrens entscheidet der Vorsitzende des Fernsehrates.

Die übrigen eingehenden einzelnen Beschwerden werden nur noch gesammelt und zahlenmäßig erfasst. Der Fernsehrat erhält einen Hinweis, dass noch eine Anzahl X gleichgearteter Beschwerden eingegangen ist.

Nach Abschluss des Verfahrens sind alle Petenten über den Ausgang des Verfahrens zu informieren.

Ihre Beschwerde wurde nicht als Leitbeschwerde ausgewählt. Sie können sich jedoch auf der Homepage des Fernsehrates über das weitere Verfahren informieren: https://www.zdf.de/zdfunternehmen/zdf-f ... e-100.html

Auf dieser Seite wird auch die Stellungnahme des Hauses zu den Beschwerdepunkten eingestellt. Ebenso werden Sie an dieser Stelle auch die Entscheidung des Fernsehrates zur Leitbeschwerde finden, sobald dieser darüber beraten hat.

Eine darüber hinausgehende individuelle Bearbeitung Ihrer Programmbeschwerde ist im Rahmen dieses Verfahrens nicht möglich.

Mit freundlichen Grüßen
Marlehn Thieme
Fernsehratsvorsitzende
____________________________________________

ZDF
55100 Mainz
Deutschland

Web: www.zdf.de und www.fernsehrat.zdf.de
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Maren
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Re: ZDF - Programmbeschwerde zu Kindersendung „Keine Taurus für die Ukraine“

Beitrag von Maren »

Unser Beschwerdeführer nahm zur Beurteilung seiner Eingabe Kontakt zum Geschäftsbereich Bildung und Jugend des Jugendamtes Dresden auf.
An: jugendschutz@dresden.de
Datum: 05.03.2024 13:34
Betreff: kindswohlgefährdenter Beitrag bei ZDF-Logo tiktok-Kanal

Vielen Dank für das soeben geführte Gespräch, sehr geehrte Frau Haas.
Schauen Sie selbst und bewerten das tiktok-Video aus Ihrer fachlichen Expertise.
Ich halte es für gesichert kindswohlgefährden, es sollte schnellstmöglich vom aus dem Netz verschwinden.

https://www.tiktok.com/@un.logo/video/7340254367414488352

Der Kika beschreibt die Sendung logo wie folgt: Für Grundschüler: Komplexes näherbringen
Der Übergang vom Kindergarten zur Schule markiert für Kinder einen neuen Lebensabschnitt. Für sie beginnt auch eine neue Entwicklungsphase, in der sie komplexere und abstraktere Zusammenhänge begreifen. Mit ‚logo!‘ (ZDF), ‚Wissen macht Ah!‘ (WDR) oder „Triff…“ (KiKA/WDR/hr) finden sie passende Angebote. Abwechslungsreiche Animationsformate und Spielfilme bieten Spaß und Unterhaltung. Dokumentationen, Live-Action und Shows wie „Die beste Klasse Deutschlands“ (KiKA/hr/ARD) vermitteln ein Gefühl für Stimmungen und bauen Spannung auf.“

Dieser Beitrag verstößt nicht nur gegen die eigenen KIKA-Grundsätze, sondern auch gegen das Jungendschutzgesetz und den Staatsvertrag über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien (Jugendmedienschutz-Staatsvertrag)

Beste Grüße
Torsten Küllig
Die Antwort des Amtes:
Gesendet: Donnerstag, 07. März 2024 um 15:49 Uhr
Von: Jugendschutz@Dresden.DE
An: Torsten Küllig

Betreff: Antwort: kindswohlgefährdenter Beitrag bei ZDF-Logo tiktok-Kanal

Sehr geehrter Herr Küllig,

hiermit beziehen wir uns auf Ihre Anfrage vom 05.03.2024. Nach Prüfung des Inhaltes sehen wir als Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz keinen Handlungsbedarf.
Wir schätzen das Angebot als altersgerecht für die Zielgruppe der ab 13-Jährigen ein. Das Video bietet Anregung zur kontroversen Auseinandersetzung mit der Thematik.
Unabhängig von unserer Einschätzung stehen Ihnen die bereits genannten Beschwerdestellen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Sandra Apel, Janina Haas
SB Kinder- und Jugendschutz

Landeshauptstadt Dresden
Geschäftsbereich Bildung und Jugend | Jugendamt | Abt. Kinder-, Jugend- und Familienförderung
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Maren
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Re: ZDF - Programmbeschwerde zu Kindersendung „Keine Taurus für die Ukraine“

Beitrag von Maren »

Weiterer Anlaufpunkt für jugendschutzrelevante Sachverhalte ist das zuständige "Ministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt" in Sachsen. Eine Antwort steht bislang aus.
Sehr geehrte Frau Köpping,

Sie sind die als sächsische Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt zuständig für Jugendschutzangelegenheiten. In dieser Funktion übersende ich Ihnen meine E-Mail an das Jungendamt Dresden und dessen Antwort. Ich weiß nicht, ob Sie den tiktok-Beitrag im KiKa mitbekommen haben, aber ich bin als Vater von drei Kindern nach wie vor entsetzt, dass so ein Beitrag im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesendet werden kann. Für mich steht nunmehr fest, ich kann und werde meine beiden jüngeren Kinder (5 und 9 Jahre) nicht mehr unbeaufsichtigt KiKa schauen lassen.

Auch lässt mich die Einschätzung, dass ein Jugendamt dies als „altersgerecht für die Zielgruppe der ab 13-Jährigen“ einstuft, fassungslos zurück. Was ist mit den unter 13jährigen? Die können diesen Clip doch auch ansehen? Wie garantiert man im Netz die Altersbeschränkung? Und vor allen Dingen, ab welchen Alter kann man Kindern so eine Kriegsbefürwortung eigentlich zumuten?

Ich frage Sie deshalb hier als Fachministerin: Teilen Sie die fachliche Bewertung des Jugendamtes?

Und losgelöst von Ihrer fachlichen Perspektive würde mich interessieren, wie bewerten Sie als Spitzenkandidatin der SPD so einen Videoclip? Immerhin wollen Sie Ministerpräsidentin des Freistaates werden und da könnte es schon durchaus für die Wähler von Interesse sein, wie Sie sich in dieser Angelegenheit positionieren.

Tun Sie mir bitte den Gefallen und lesen sich auch einmal meine Programmbeschwerde (siehe Anlage) zu diesem Thema durch.

Vielleicht können Sie sich nach der Lektüre durchringen und meiner Bitte, den streitgegenständlichen Beitrag bei der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz gemäß § 21 Abs. 2 JuSchG zur Überprüfung anzeigen. Als Vater ist mir das ja leider selber nicht möglich,

Ich würde mich freuen, bald von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen

Torsten Küllig
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Maren
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Re: ZDF - Programmbeschwerde zu Kindersendung „Keine Taurus für die Ukraine“

Beitrag von Maren »

Antwort des Intendanten des ZDF auf die Beschwerde, die als Mehrfachbeschwerde behandelt wurde.
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Maren
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Re: ZDF - Programmbeschwerde zu Kindersendung „Keine Taurus für die Ukraine“

Beitrag von Maren »

Sehr geehrte Frau Thieme,

in der Anlage können Sie meine Programmbeschwerde an den Intendanten nebst Antwort entnehmen. Die Argumentation der Intendanz hat mich jedoch nicht überzeugt, deshalb bitte ich Sie gemäß der ZDF-Satzung, die Beschwerde nunmehr im Fernsehrat zu behandlen. Ich denke, die EKD als Ihre Entsendeorganisation wird hinsichtlich der hier aus meiner Sicht vorliegenden subtilen Kriegspropaganda auch eine gesteigertes Interesse haben, hier Klarheit zu bekommen.

Mit freundlichen Grüßen
Torsten Küllig


ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN
Fernsehratsvorsitzende ZDF Service GmbH
Marlehn Thieme
Otto-Schott-Straße 9
55127 Mainz

Programmbeschwerde gemäß § 21 ZDF-Satzung wegen Verstoß gegen § 4 Absatz 1 Nr. 7 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag gegen den KIKA-Beitrag auf dem tiktok-Kanal un.logo „Keine Taurus für die Ukraine“

Sehr geehrte Damen und Herren Fernsehräte,

ich beantrage gemäß der Verfahrensgrundsätze zur Behandlung von Programmbeschwerden die Befassung meiner Programmbeschwerde vom 3. März 2024 an die Intendanz durch den Fernsehrat, da die von mir vorgebrachten Argumente nicht ausgeräumt werden konnten.

Im Gegenteil: Die Antwort des Intendanten zeigt mir auf, dass es offensichtlich Defizite in der Bewertung dieses sensiblen, den Jugendschutz betreffenden Themas gibt.

So heißt es in der Sammelbeschwerde:
„Als Bezugspunkt zur aktuellen Nachrichtenlage gibt es in der Videobeschreibung jeweils weitere sachliche Informationen zum behandelten aktuellen Thema. ‚un.logo!‘ als Comedy- und Satire-Format für Teenager ab 13 Jahren ist dabei klar abzugrenzen von „logo!“, dem Nachrichtenformat für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren.“
Das Jugendschutzgesetz kennt den Begriff „Teenager“ nicht. Im § 1 Absatz 1 werden trennscharf die genauen Altersgrenzen definiert. Demnach handelt es sich bei 13jährigen um Kinder. Demzufolge müssen die im Jugendschutz für Kinder schutzbedürftigen Kriterien zugrunde gelegt werden. Dies gilt insbesondere bei der Einordnung von satirischen Beiträgen im Kindesalter.

Nach Dr. Gabriele Haug-Schnabel (2012) verstehen Kinder Ironie und können darüber lachen, wenn sie:

• Informationen über den Kontext haben
• verstehen, was die Aussage eigentlich meint
• erkennen, dass Ironie nicht der Wahrheit entspricht.

Um Satire erkennen zu können, müssen Kinder also schon einiges an Vorwissen haben. Ab welchem Zeitpunkt Kinder mit Satire umgehen können, hängt daher von den sozialen, kognitiven und sprachlichen Kenntnissen ab. Wenn sie bereits früh in ihrem Elternhaus und ihrer Umwelt mit Ironie konfrontiert werden und Ironie im vertrauten Umfeld erleben, ist es ihnen möglich, bereits früher Ironie zu entschlüsseln und zu erkennen. Das Verständnis von Ironie und Satire ist jedoch ein komplexes Phänomen, dessen Entwicklung individuell verläuft. Das zeigt sich darin, dass manche Erwachsene noch Schwierigkeiten beim Nachvollziehen ironischer Bemerkungen haben. (1)

Im streitgegenständlichen Fall stellt sich ungeachtet der von mir vorgebrachten jugendschutzrechtlichen Bedenken auch die Frage, ob eine Kritik an einer Nichtlieferung von
letalen Marschflugkörpern überhaupt mit dem Stilmittel der Ironie bearbeitet werden kann.

In der Antwort der Mehrfachbeschwerde heißt es weiterhin:
„Die sachlichen Informationen in der Videobeschreibung zur politischen Haltung des Bundeskanzlers zur Frage der Lieferung des Marschflugkörpers Taurus in die Ukraine regen zur weiteren Beschäftigung an.“
In der als Anlage beigefügten Videobeschreibung kann ich diese Anregung nicht entnehmen, erst recht nicht, wenn man es aus der Zielgruppe der 13jährigen betrachtet.
Besonders befremdlich ist auch die im Beitrag vorgebrachte Kritik an der umsichtigen und verantwortungsvollen Entscheidung des Bundeskanzlers („scholzen“), diese Waffe nicht zu
liefern. Wie soll bitteschön ein 13jähriges Kind diese Aussage in einem ironischen Zusammenhang bringen?

Allgemein gilt: Aufmerksam sein und die Kinder oder Schülerinnen und Schüler beim Erlangen ihres Ironieverständnisses unterstützen.
„Eltern müssen also ein Auge darauf haben, ob ihr Kind im Fernsehen oder Internet Satire begegnet und wie es diese versteht. Schauen Sie die Serien oder Cartoons mit Ihrem Kind gemeinsam und besprechen das Gesehene. Machen Sie Ihr Kind darauf aufmerksam, was die eigentliche Aussage ist und was diese bedeutet – die satirische Darstellung sollte nicht ohne Kontext stehen bleiben.“
Besonders aufmerksam und vorsichtig sollte man bei bewussten Falschmeldungen (Hoax) sein. Hierbei ist es wichtig, die Kinder darüber aufzuklären, dass die Nachricht nicht ‚echt’ ist und lustig sein soll bzw. etwas kritisieren möchte. Älteren Kindern können sie zudem erklären, wie sie Falschmeldungen erkennen und Fakten checken können.
„Satire soll Missstände in unserer Gesellschaft aufdecken und uns zum Lachen bringen – lassen Sie Kinder damit nicht alleine und lachen Sie gemeinsam.“
(2)

Ich halte es daher für dringend notwendig, dass der Fernsehrat sich mit dieser Beschwerde hauptsächlich mit den Fragen befasst,

• Wo genau verläuft die Altersgrenze für satirische Beiträge bei tiktok-Videos?
• Wie wird garantiert, dass diese Altersbegrenzung eingehalten werden kann?
• Wo sind die inhaltlichen Grenzen der Satire bei Kindersendungen? (Stichwort Kriegspropaganda!)
• Gibt es zukünftig eine wissenschaftliche Begleitung bei der Erstellung von satirischen Beiträgen im KiKa tiktok- Kanal gemäß den vorgebrachten Kriterien von Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel?

Aus Gründen der Transparenz werden wir dieses Schreiben sowie weiteren Schriftverkehr zum Thema auf der Webseite des Vereins veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen
Torsten Küllig

Quellen:

1 https://www.lmz-bw.de/landesmedienzentrum/aktuelles/aktuelle-meldungen/detailseite/satire-im-netz-koennen-kinder-damit-umgehen
2 ebenda

Anlage Videobeschreibung:

Bundeskanzler Olaf Scholz hat gesagt, dass Deutschland der Ukraine🇺🇦 keine Taurus-Marschflugkörper liefern wird.
Seine Begründung: Das Risiko einer direkten Verwicklung Deutschlands in den K ®️ i€ g. Die Taurus-Marschflugkörper sind W@ff€n, die eine Reichweite bis zu 500 km haben.
Scholz befürchtet, dass die Ukraine damit russisches Territorium treffen und somit Deutschland in den Krieg hineingezogen werden könnte.
Das ließe sich nur vermeiden, wenn deutsche Soldaten🇩🇪 die W@ff€n selbst programmieren würden, aber auch das kommt für den Kanzler nicht in Frage.
Politiker und Politikerinnen der Grünen, der FDP und der CDU kritisieren die Entscheidung von Olaf Scholz.
#marschflugkörper #raketen #waffenlieferungenukraine #scholz #olafscholz #machtwort
#unlogo #comedy
Quelle: https://www.tiktok.com/@un.logo/video/7340254367414488352?lang=de-DE
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Re: ZDF - Programmbeschwerde zu Kindersendung „Keine Taurus für die Ukraine“

Beitrag von Maren »

Gesendet: Freitag, 19. April 2024 um 12:38 Uhr
Von: "ZDF Fernsehrat" <FV-RAT@zdf.de>

Betreff: Ihre Eingabe an den Fernsehrat

Sehr geehrter Herr Küllig,

Ihre erneute Eingabe vom 17.04.2024 zum Beitrag „logo!- Kein Taurus für die Ukraine“ vom 29.02.2024 wurde an die Geschäftsstelle des Fernsehrates weitergeleitet. Im Auftrag der Fernsehratsvorsitzenden dürfen wir Ihnen wie folgt antworten.
Wie Ihnen die Vorsitzende des Fernsehrates mit Schreiben vom 08.03.2024 mitgeteilt hat, wurde zu diesem Beitrag ein Mehrfachbeschwerdeverfahren eingeleitet. Ihre Eingabe wurde nicht als Leitbeschwerde ausgewählt, sodass sie auch nicht individuell weiterbearbeitet werden kann.

Nach Abschluss des Verfahrens werden aber alle Petenten über den Ausgang des Verfahrens informiert. Dies wird voraussichtlich nach der Sitzung des Fernsehrates am 05.07.2024 sein.

Als interessierter Beschwerdeführer haben Sie die Möglichkeit, diese Sitzung per Livestream zu verfolgen. Den dafür erforderlichen Link und die Tagesordnung finden Sie ca. eine Woche vor der Sitzung auf der Homepage des Fernsehrates hier:

https://www.zdf.de/zdfunternehmen/zdf-f ... e-100.html

Mit freundlichen Grüßen

Geschäftsstelle Fernsehrat
____________________________________________

ZDF
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Deutschland

Web: www.zdf.de und www.fernsehrat.zdf.de
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