Nach nur drei Fällen beendet der Psycho-Schocker „Der Wanderer zieht von dannen“ das beliebte MDR-Format. Dabei ragte die Reihe weit aus der öffentlich-rechtlichen Krimiroutine heraus. […]
„Hast ja noch ein paar Jahre bis zur Rente“, muntert der Rechtsmediziner den Kommissar auf. Diesem besonderen Fernsehkommissar würde man tatsächlich noch gern weiter bis zur Rente zugucken. Doch leider müssen sich Peter Kurth und Peter Schneider als sein Kollege Michael Lehmann nach drei Fällen schon wieder vom Publikum verabschieden. [..]
„Und da sind wir ein super Beispiel – das ganze Team kommt von hier und hat eine andere Sicht auf die Menschen, die hier leben und über die wir erzählen.“ Auf jeden Fall wurde der dritte Teil umbenannt. Während der Dreharbeiten hieß er noch „Der Schlüsselmacher“. Der Sendetitel „Der Wanderer zieht von dannen“ klingt sehr nach Abschied. […]
Warum es für die ARD, die allein in Deutschland knapp 50 Krimiteams unterhält, keinen Weg gibt, diesen herausragenden, ostdeutsch geprägten und mehrfach ausgezeichneten „Polizeiruf“ weiterzuführen, bleibt das größte Rätsel – und ein Armutszeugnis.
https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/tv-medien/der-polizeiruf-aus-halle-wird-eingestellt-dieser-abschied-ist-ein-armutszeugnis-li.10018439
"Polizeiruf Halle": Keine Alleingänge mehr
Der Hallenser "Polizeiruf" ist tot, nach drei Folgen wird er eingestellt. Wer ihn umgebracht hat, versucht unser Kolumnist zu ermitteln.
Die aktuelle Folge des neuen Hallenser Polizeirufs soll die letzte sein. Mit Der Wanderer zieht von dannen (MDR-Redaktion: Sven Döbler, Silke Haverkamp, Johanna Kraus) ist die Wiederbelebung des alten Schmücke-und-Schneider-Schauplatzes schon wieder Geschichte. Der Hallenser Polizeiruf ist also tot. Wer ihn umgebracht hat, lässt sich nicht so leicht sagen, das braucht eine eigene Ermittlung, die leider etwas Zeit in Anspruch nimmt.
Hieß es nach der ersten (2021) und der zweiten Folge (2024) auf Nachfrage bei der MDR-Pressestelle noch, man wolle "weitere" Polizeiruf-Filme produzieren, wird nun verkündet, Halle sei "von Anfang an als zeitlich begrenztes Projekt angelegt" gewesen, genauer: als Trilogie. […]
Für Aufklärung sorgt die Produzentin Iris Kiefer. Ihre Version geht so: Nach dem Ausstieg von Matthias Matschke als Co-Ermittler 2019 in Magdeburg habe sie Peter Kurth angefragt, der Interesse gehabt habe, aber nicht in eine laufende Reihe einsteigen wollte. Die Chance ergab sich dann 2021 zum 50. Jubiläum des Polizeirufs. […]
Warum der MDR sich dennoch entschloss, den Schauplatz mit der neuen Folge zu beenden, erklärt Kiefer auch mit personellen Veränderungen innerhalb der Fiction-Redaktion. Die einstige Halle-Redakteurin Meike Götz hat den Sender mittlerweile verlassen, das Gleiche gilt für Johanna Kraus, die im Credit zur aktuellen Folge genauso auftaucht wie Sven Döbler, der in den Ruhestand gegangen ist. Viele Köche, kein Brei, oder, wie Kiefer sagt, der Polizeiruf Halle sei irgendwann ein "Kind ohne Eltern" gewesen. […]
Der Polizeiruf Halle mag vielleicht nicht so endlos gedacht worden sein wie die anderen Schauplätze beim ARD-Sonntagabendkrimi, aber dass er von vornherein als Trilogie angelegt gewesen sei, sei nicht richtig, sagt Kiefer. Vielmehr habe das Konzept von Drehbuchautor Clemens Meyer vier miteinander verbundene Folgen vorgesehen. Der dritte Teil ist wegen der angeblichen Trilogie-Anlage nun weggefallen, mit Der Wanderer zieht von dannen schließt sich der Kreis zum ersten, ungelösten Fall. […]
Der Föderalismus des ARD-Sonntagabendkrimis weckt das Versprechen einer regionalen Verankerung. Dieses löst Der Wanderer zieht von dannen ein. Die Hallenser Polizeiruf-Filme waren viel besser regional verankert als Saarbrücken letzte Woche oder die lahmen Importe von österreichischen Kampusch- oder Bonner Winterhoff-Geschichten in den Tatort Dresden. Nicht zuletzt, weil neben dem Ensemble auch Gewerke und Produktion (42film als Co-Produzent) aus dem MDR-Sendegebiet kommen.
Es gibt also einigen Grund, verärgert zu sein über das frühe Ende eines markanten ARD-Sonntagabendkrimi-Schauplatzes. Dass die große ARD-Familie nicht in der Lage ist, eine Reihe mit Charakter und Potenzial am Laufen zu halten. Oder schlimmer noch: dass das dem Kostenstellen-Bürokratismus der Fernsehfilm-Produktion nicht auffällt oder egal ist.
Und kommunikativ lausig begleitet wird. Fun Fact: Die MDR-Pressestelle wurde im Nachgang des ttt-Thilo-Mischke-Desasters als federführende Lösung präsentiert, um in solchen Fällen künftig besser agieren zu können. Beim Ende des Hallenser Polizeirufs hat das schon mal nicht geklappt.
https://www.zeit.de/feuilleton/film/2026-02/polizeiruf-halle-mdr-fernsehen-krimi-peter-kurth/komplettansicht
Abgesang an der Saale hellem Strande
Der MDR beendet mit „Der Wanderer zieht von dannen" nach viereinhalb Jahren den halleschen „Polizeiruf 110"— und keiner versteht das Ende dieses wirklichen Fernseh-Schmuckstücks in drei Teilen […]
Ende Januar vergangenen Jahres verkündete dann der MDR das Ende des halleschen „Polizeirufs". Jana Brandt, damals noch die Programmdirektorin: „So war von vornherein die Verabredung." Ein Rätsel blieb es trotzdem. Die Dutzendware aus Dresden (Tatort) und Magdeburg (Polizeiruf) geht weiter, die Perle aus Halle endet.
https://www.lvz.de/kultur/regional/ein-bitterer-abschied-der-letzte-polizeiruf-110-mit-schneider-und-kurth-YFMHCMH5CJGXPCTBJ7QLQRKJRY.html
„Polizeiruf 110“ zieht an Olympia vorbei
Die abendliche Eishockey-Partie zwischen Deutschland und den USA erreichte im ersten Drittel 3,17 Millionen, im zweiten und dritten Abschnitt dann 2,16 Millionen – hier gingen die Reichweiten also deutlich zurück. Bei den 14- bis 49-Jährigen sicherte sich das Spiel der deutschen Mannschaft dennoch die Marktführung.
Die Niederlage gegen die USA kam im ersten Abschnitt auf schöne 19,9 Prozent, danach lag die gemessene Quote bei 20,7 Prozent. Erster Verfolger bei 14-49 war ein neuer „Polizeiruf 110“, den Das Erste zur besten Sendezeit zeigte. Der Krimi holte bei den Jüngeren schöne 15 Prozent Marktanteil. Insgesamt schauten 7,36 Millionen Menschen zu (28,9%) – keine andere Fernsehproduktion erreichte am Sonntag höhere Reichweiten. „Caren Miosga“ schloss sich ab 21:45 Uhr mit 2,28 Millionen und überschaubaren 11,6 Prozent an.
https://www.digitalfernsehen.de/news/inhalte/fernsehen/polizeiruf-110-insgesamt-vorn-olympia-bei-den-juengeren-1173007/
Der „Polizeiruf“ aus Halle wird eingestellt: Dieser Abschied ist ein Armutszeugnis
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