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Fragen an den rbb zur Maskenpflicht im ÖPNV

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Maren

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Fragen an den rbb zur Maskenpflicht im ÖPNV

Beitrag11. Juni 2020, 20:47

Werte Damen und Herren,

am 11. Juni zeigten Sie in Ihrer Sendung "Abendschau" ab 19.30 Uhr einen Bericht über die Einhaltung der "Maskenpflicht"im öffentlichen Nahverkehr in Berlin. Darin wurde u.a. behauptet, dass sich "die Wissenschaft darüber einig" sei, dass die Verwendung von Masken zur Eindämmung der "Corona-Pandemie" erforderlich und nutzbringend sei.

In diesem Zusammenhang bitte ich um Auskunft, wen Sie unter "der Wissenschaft" verstehen. Weiter bitte ich um Darlegung wissenschaftlicher Belege, in der Regel unbestrittener wissenschaftlicher Studien, für den behaupteten Nutzen einer Maskenpflicht im konkreten Kontext Ihres Berichts, also der von Ihnen geprüften und verwendeten Quellen.

Dass medizinische Masken (Medizinprodukte), die von dafür geschultem Personal sachgemäß angewendet werden, einen gewissen Infektionsschutz bieten, ist tatsächlich durch Studien wissenschaftlich belegt und unter einer Mehrheit der Wissenschaftler anerkannt.

In Ihrem Bericht beziehen Sie sich allerdings auf Masken, die zum großen Teil keine Medizinprodukte (weil z.B. selbst gebastelt) sind und von nicht geschulten medizinischen Laien (im Sinne eines Infektionsschutzes) überwiegend unsachgemäß verwendet (zu lange, zu oft getragen, zu schlecht oder gar nicht keimfrei gemacht, mit den Händen berührt etc. etc. - all das wird im medizinischen Bereich strikt vermieden!) werden. Bitte teilen Sie mir deshalb mit, auf welche Wissenschaftler und auf welche Studien Sie Ihre oben genannte Aussage stützen! Nach meinen Recherchen gibt es für den Nutzen von Masken in diesem Kontext keinerlei wissenschaftliche Evidenz, eine Mehrzahl von Wissenschaftlern sieht im Gegenteil Masken unter solchen Bedingungen sogar als nutzlos bis schädlich an. Erst gestern hat z.B. Herr Prof. Dr. Streeck, einer der führenden deutschen Wissenschaftler auf diesem Gebiet, in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung explizit darauf hingewiesen. Damit steht er bei Weitem nicht allein - also, welche "einige Wissenschaft" meinen Sie und auf welche Nachweise stützen Sie das?

Die Frage ist auch insofern von Bedeutung, als Sie im weiteren Verlauf des Berichts offenbar versuchen, Menschen, die sich an die Empfehlung anerkannter Wissenschaftler wie Streeck halten und keine Maske tragen, zu skandalisieren.

Sollten Sie Ihre Aussage fälschlich getätigt haben, bitte ich um Mitteilung, wann Sie - an ähnlich prominenter Stelle - eine Richtigstellung zu senden gedenken.

Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich vorab,

mit höflichem Gruß,

Dr. H. Demanowski, Berlin
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Maren

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Re: Fragen an den rbb zur Maskenpflicht im ÖPNV

Beitrag15. Juni 2020, 21:23

Am 15.06.20, 11:46 schrieb Service-Redaktion <service-redaktion@rbb-online.de>:

Lieber Herr Dr. Demanowski,

herzlichen Dank für Ihre E-Mail zu unserer "Abendschau"-Sendung vom 11. Juni.

Im Namen der Redaktion können wir Ihnen folgende Antwort übersenden:

Sie können sich durch höherwertige Masken (FFP2 und besser) signifikant selbst schützen. Das Entscheidende mit Blick auf die Ausbreitung der Pandemie ist jedoch, wie potentiell Infizierte die Viren in der Welt verbreiten, also der Fremdschutz. Hier helfen nach diversen Studien auch Alltags-Masken. Das ist nach langem Hin und Her inzwischen weltweit wissenschaftlich anerkannt und auch durch praktische Versuche belegt. Lesen Sie zum Beispiel die jüngste Studie mit Blick auf die generelle Maskenpflicht in Jena und die Studien, die das Wissenschaftsblatt The Lancet ausgewertet hat. Epidemiologen und Hygieniker haben die Masken von vornherein deutlich positiv bewertet, die Virologen sind da zum Teil noch anderer Meinung.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... -vermieden

Ich gebe Ihnen aber Recht, dass "die Wissenschaft" eine etwas großzügige Formulierung ist, bei der Vielzahl von Ansichten, die zu diesem Thema unterwegs sind.

Abgesehen davon hat aber der Senat Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr angeordnet, so dass hier von Skandalisierung keine Rede sein kann. Diejenigen, die keine Maske tragen, verstoßen gegen die Infektionsschutz-Verordnungen des Landes Berlin.

Wir freuen uns, dass Sie unsere Berichterstattung so engagiert und kritisch begleiten.

Mit freundlichen Grüßen,

Teamleitungsassistentin
Service-Redaktion

Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)
Marlene-Dietrich-Allee 20
14482 Potsdam

service-redaktion@rbb-online.de
www.rbb-online.de
Ihr Rundfunkbeitrag für gutes Programm.
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Maren

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Re: Fragen an den rbb zur Maskenpflicht im ÖPNV

Beitrag15. Juni 2020, 21:25

Antwort des Beschwerdeführers:


Verehrte Frau Goller,

vielen Dank für Ihre Nachricht!

Die verlinkten Studien sind mir größtenteils bekannt - wie auch all diejenigen, die zu gegenteiligen Schlüssen gelangen und die Sie nicht verlinkt haben.

Zustimmenden wie ablehnenden Studien ist gemeinsam, dass sie auf Indizien gründen und keine Beweiskraft entfalten, wie die jeweiligen Autoren auch stets darlegen. Die von Ihnen explizit erwähnten Erfahrungen aus Jena sind insofern ohne spezifischen Aussagewert, weil parallel zur Maskenpflicht zeitgleich auch weitreichende weitere Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen verhängt wurden. Ein kausaler Zusammenhang mit eventuell geringeren Infektionszahlen aufgrund von Masken lässt sich schon allein deshalb nicht herstellen.

In der beanstandeten Nachrichten(!)sendung hatten Sie nicht nur von "der Wissenschaft" gesprochen sondern explizit behauptet, dass sich "die Wissenschaft einig" über den Nutzen einer Maskenpflicht sei. Das lässt sich beim besten Willen nicht mehr als "etwas großzügige Formulierung" verkaufen, es ist eine bewusste Falschinformation! Sie sollten das dringend richtigstellen.

Ob entsprechende, möglicherweise gesundheitsschädliche Senatsverordnungen ohne nachgewiesenen Nutzen (siehe oben!) rechtlichen Bestand haben können und werden, die zudem weder vom Grundgesetz noch vom Infektionsschutzgesetz gedeckt sind (hiernach dürfen ausschließlich Kranke bzw. nachweislich ansteckend Infizierte besonderen, gut begründeten ! Maßnahmen unterworfen werden, keinesfalls aber die gesamte, im Wesentlichen gesunde Bevölkerung), sei einmal dahingestellt. Vermutlich - oder besser: ganz sicher - nicht.

In Ihrem Beitrag hätten Sie z.B. die Chance gehabt, solchen Fragen nachzugehen - es sei denn, Sie definieren sich als Regierungssprachrohr, was dann allerdings Ihrem gesetzlichen Auftrag widerspräche. Sie hätten vielleicht auch Menschen nach ihren (vermutlich sehr unhygienischen) Tragegewohnheiten befragen oder mikrobiologische Proben von Masken auswerten können. Sie hätten Fachleute zu Wort kommen lassen können, die sich - wie es dem realen Bild entspricht - pro und kontra Maske äußern und das begründen. Das wäre echter Journalismus! Statt dessen haben Sie, ohne äußerst fragwürdige Vorschriften in irgend einer Weise auch nur zu hinterfragen, Falschmeldungen verbreitet und Bürger, die aus möglicherweise guten Gründen keine Masken trugen, in unerträglicher Weise dort denunziert, wo es selbst dem Ordnungsamt offenbar zu schäbig und peinlich war!

So lässt sich das Vertrauen der Zuschauer jedenfalls nicht (zurück) gewinnen.

Mit höflichem Gruß,

Dr. H. Demanowski

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