Aktuelle Zeit: 18. September 2020, 23:00


Fehlerhafte Berichterstattung anlässlich der Großdemonstration „Tag der Freiheit“ am 01. August 2020 in Berlin

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
  • Autor
  • Nachricht
Offline
Benutzeravatar

Maren

  • Beiträge: 6427
  • Registriert: 31. Januar 2014, 21:01
  • Wohnort: Leipzig

Fehlerhafte Berichterstattung anlässlich der Großdemonstration „Tag der Freiheit“ am 01. August 2020 in Berlin

Beitrag3. August 2020, 18:33

Programmdirektion Erstes Deutsches Fernsehen
Arnulfstraße 42
80335 München


Fehlerhafte Berichterstattung anlässlich der Großdemonstration „Tag der Freiheit“ am 01. August 2020 in Berlin


Werte Damen und Herren,

bei der Berichterstattung über die o.g. Großdemonstration sind Ihnen mehrere bedauerliche Fehler unterlaufen, an deren Aufklärung und öffentlicher Richtigstellung Sie sicherlich interessiert sind.

Das betrifft zum Einen die von Ihnen mit „rund 20000“ angegebene Teilnehmerzahl. Diese Zahl ist – um Größenordnungen – zu niedrig! Als unmittelbarer Anwohner konnte ich aus meiner Wohnung in einem der oberen Stockwerke (21. Etage) sehr gut ein größeres Gebiet des Aufzuges unmittelbar persönlich überblicken. Ich bin insofern direkter Augenzeuge und habe aus der Vergangenheit auch Erfahrungen mit vergleichbaren Veranstaltungen und den jeweiligen Teilnehmerzahlen – Demonstrationen dieser Größenordnung haben selbst an diesem Standort, der fast wöchentlich von Aufzügen aller Art frequentiert wird, Seltenheitswert. Ein guter Vergleich ist der Berlin-Marathon, der ebenfalls oft diese Route nutzt und (mit seiner Million Teilnehmern) sehr, sehr ähnlich aussieht (bis auf die Sportkleidung natürlich).

Aufgrund meiner persönlichen Beobachtung kann ich Ihnen also bestätigen, dass allein im Bereich der (...) Straße (und das war ja nur einer von vielen Zugängen zur Kundgebung) viel, viel mehr als die von Ihnen genannten 20.000 Demonstranten unterwegs waren. Hier ging es eher um hunderttausende, nicht um 20.000 (und diese völlig absurd niedrige Zahl haben Sie nicht etwa von der Polizei übernommen, sondern persönlich recherchiert? – siehe „Faktenfinder“; ich empfehle Ihnen, den verantwortlichen Redakteur für diese Fehlleistung zu feuern!). Gestreamte Livebilder vom Veranstaltungsort selbst, sogar ein ursprünglich auf Ihrer Website zu findendes, kurze Zeit später dann allerdings stark beschnittenes Foto (warum wurden so viele Demonstranten abgeschnitten?) beweisen völlig eindeutig, dass die Zahl 20.000 absurd niedrig ist. Warum fällt Ihnen ein derart krasser Widerspruch gar nicht auf?

Meine zweite persönliche Beobachtung betrifft die Zusammensetzung des Demonstrationszuges. Die von Ihnen immer wieder beschworenen „Rechtsextremen“, „Verschwörungstheoretiker“ oder „Coronaleugner“ konnte ich trotz großer Aufmerksamkeit unter den Demonstranten so gut wie nicht ausmachen, obwohl sich – was ja dem breiten Querschnitt der Gesellschaft entspricht – einzelne in der Menschenmenge verloren (im wahrsten Wortsinne). Auch die mitgeführten Transparente lieferten keinerlei Hinweise darauf. Sehr wohl waren viele davon regierungskritisch, besonders bezüglich der Art und Weise, wie hierzulande mit dem Coronavirus umgegangen wird (es gäbe dazu ja auch Alternativen, die leider nicht diskutiert werden) – aber das bedeutet hoffentlich nicht gleich „rechtsextrem“ oder „esotherisch“.

Vielen ging es dagegen um die Respektierung des Grundgesetzes und der Grundrechte. Wenn dies als „extrem“ einzustufen ist, sollten wir darüber nachdenken, was das bedeutet, von wem es gesagt wird und wes Geistes Kind er wohl ist! Für mich ist es jedenfalls eine Selbstverständlichkeit (und nicht extremistisch), fest auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen und dafür auch einzutreten. Und das haben die hunderttausenden Demonstranten am 1. August nach meiner Beobachtung ganz genauso gesehen.

Im Interesse der Wahrheit möchte ich mich hiermit ausdrücklich als Augenzeuge anbieten. Falls Ihnen ein Zeuge zu wenig sein sollte, kann ich sehr gerne auch weitere Zeugen unter meinen Nachbarn (in einem gut bürgerlichen Haus mit gut bürgerlichen Bewohnern) mobilisieren. Bitte lassen Sie mich einfach wissen, ob Sie auf mein Angebot zurückgreifen möchten und wie viele weitere Augenzeugen Sie im Interesse der Wahrheitsfindung und zur Korrektur Ihrer falschen Darstellungen ggf. benötigen.

Mit höflichem Gruß,

Dr. H. Demanowski
Offline
Benutzeravatar

Maren

  • Beiträge: 6427
  • Registriert: 31. Januar 2014, 21:01
  • Wohnort: Leipzig

Re: Fehlerhafte Berichterstattung anlässlich der Großdemonstration „Tag der Freiheit“ am 01. August 2020 in Berlin

Beitrag30. August 2020, 16:51

ARD-aktuell
Hugh-Greene-Weg 1
22529 Hamburg


Meine Nachricht vom 03.08.2020 / Ihre Antwort vom 20.08.2020


Werte Damen und Herren,


Ihre Antwort auf mein o.g. Schreiben ist mir zugegangen.
ARD.pdf
(1.15 MiB) 46-mal heruntergeladen


Leider hat es zur Aufklärung des Sachverhaltes nichts beigetragen.

Wortreich versuchen Sie, die Teilnehmerzahl von 20.000 Menschen an der Großdemonstration vom 1. August 2020 zu begründen und berufen sich dabei auf verschiedene Quellen. Was „Reportierende“ sind, konnte ich den gebräuchlichen Nachschlagewerken leider nicht entnehmen. Als Informationsquellen sind sie aber offensichtlich ungeeignet (siehe unten!).

Die Berliner Polizei gibt die Teilnehmerzahl der besagten Demonstration – anders als von Ihnen behauptet – mit 30.000 an, das sind immerhin 50% mehr als von Ihnen berichtet, also eine sehr erhebliche Abweichung. Bitte vergleichen Sie hierzu die grundgesetz- und rechtswidrige Verbotsverfügung der Berliner Polizei für die Großdemonstration am 29.08.2020, wo, bezogen auf die Demonstration am 01. August 2020, die Zahl von 30.000 Teilnehmern mehrfach genannt wird.

Auch bezüglich der sonstigen Berichterstattung zum Thema kann ich Ihnen nicht folgen. Soweit es um Demonstrationen gegen die grundgesetzwidrigen Einschränkungen, die in diesem Land seit rund einem halben Jahr bestehen, geht, legen Sie den grundsätzlichen Fokus Ihrer Berichte systematisch und rein spekulativ auf Herkunft und – möglichen - politischen Hintergrund der Demonstranten, aber kaum auf deren inhaltliche Anliegen. In Ihren „Berichten“ verwenden Sie regelmäßig wertende Begriffe wie „Verschwörungstheoretiker“, „Extremisten“, „Coronaleugner“ etc. Damit verletzen Sie systematisch und regelmäßig journalistische Mindeststandards und damit Ihren gesetzlichen Auftrag.

Höflich,

Dr. H. Demanowski

Zurück zu Sammlung externer Beschwerden

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 10 Gäste