Welche Rolle spielt Ägypten im Nahostkonflikt?

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Maren
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Welche Rolle spielt Ägypten im Nahostkonflikt?

Beitrag von Maren »

Der Grenzübergang Rafah zwischen ‍dem Gazastreifen und Ägypten ‌ist wieder geöffnet. Er könne von Bewohnern sowohl für die Ein- ‍als auch ‌für die Ausreise genutzt werden, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters israelische Sicherheitskreise. Die Wiedereröffnung erfolgte in Abstimmung mit Ägypten und der EU. Hilfsgüter werden aber vorerst weiterhin nicht direkt aus Ägypten in den Gazastreifen geliefert.

Der Grenzübergang war seit Mai 2024 weitgehend geschlossen und steht auf der Seite des Gazastreifens unter israelischer militärischer Kontrolle. Vor dem Krieg war Rafah für die meisten Palästinenser das einzige Tor zur Außenwelt und ‍ein wichtiger Korridor für Hilfslieferungen. Nun sollen ‌unter israelischen Sicherheitsvorkehrungen vor allem Kranke und Verletzte ausreisen können. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums warten rund 20.000 Patienten auf eine Behandlung im Ausland. Fernsehsender zeigten Bilder von Krankenwagen, die Menschen im Gazastreifen zur erhofften Behandlung im Ausland zum Übergang fahren. Auf ägyptischer Seite warten Krankenwagen, um Kranke und Verletzte aufzunehmen.

https://www.sueddeutsche.de/politik/grenzuebergang-rafah-geoeffnet-gaza-aegypten-li.3379772

Als erstes arabisches Land erkannte Ägypten 1979 den Staat Israel an. Heute ist es mit seiner direkten Grenze zum Gazastreifen und zu Israel unmittelbar vom Krieg betroffen. Ägypten kommt im Nahostkonflikt eine Schlüsselposition zu. Das hat historische, geo- und sicherheitspolitische sowie wirtschaftliche Gründe. 1948 gehörte das damalige Königreich Ägypten zu jenen arabischen Ländern, die dem neuen jüdischen Staat in ihrer Nachbarschaft nach der Ausrufung seiner Unabhängigkeit den Krieg erklärten. Gleichzeitig flohen rund 700.000 Palästinenser vor der Gewalt aus dem bis dato von Großbritannien regierten Mandatsgebiet Palästina oder wurden vertrieben – ein traumatisches Ereignis, an das in der palästinensischen und arabischen Geschichtsschreibung als „Nakba“, Katastrophe, erinnert wird.

20 Jahre lang war der Gazastreifen ägyptisch besetzt

Im Gegensatz zu Ländern wie dem Libanon oder Transjordanien suchte nur ein geringer Teil der Nakba-Flüchtlinge Zuflucht in Ägypten. Allerdings nahm Ägypten im Zuge des Krieges den Gazastreifen ein, in den rund 200.000 Palästinenser flüchteten. Die ägyptische Kontrolle des Küstenstreifens überdauerte das Kriegsende von 1949 und hielt – mit kurzer Unterbrechung während der Suezkrise 1956/1957
– bis 1967 an.

In der Zwischenzeit wurde innerhalb Ägyptens das Klima gegenüber den dort lebenden 80.000 Juden und Jüdinnen feindseliger. Angesichts zunehmender staatlicher Repressionen, die vor allem nach der Suezkrise zunahmen und etwa Verhaftungen und die Konfiszierung jüdischer Unternehmen beinhalteten, verließen Tausende das Land oder wurden ausgewiesen. Heute besteht die jüdische Gemeinde in Ägypten offiziell nur noch aus weniger als einem Dutzend Personen.

1967 kam es zum Sechstagekrieg zwischen Israel und Ägypten, Jordanien und Syrien, an dessen Ende Israel sein Territorium verdreifacht hatte. Im Verlauf des Krieges erlangte Israel die Kontrolle über den Gazastreifen, die Sinaihalbinsel, die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem. Der Schock der arabischen Staaten war groß. Ägyptens damaliger Präsident Gamal Abdel Nasser verlor innen- und außenpolitisch massiv an Ansehen. Als Reaktion auf den Krieg verabschiedete die Arabische Liga im September 1967 ihre Resolution der „Drei Neins“ von Khartum: Kein Frieden mit, keine Anerkennung von und keine Verhandlungen mit Israel.

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