Wie Klickökonomie den Journalismus zerstört

Politmagazine - das einstige Tafelsilber der öffentlich-rechtlichen Anstalten - verkommen nach Ansicht von Medienexperten zusehends zu Verbrauchermagazinen und erreichen nach einer Studie zum Thesenjournalismus bei sämtlichen Leistungskriterien kaum mehr als 30 Prozent Zustimmung. Was ist passiert und wie lässt sich der Bedeutungsverlust aufhalten?
Gesperrt
Benutzeravatar
Maren
Beiträge: 8003
Registriert: 31. Januar 2014, 21:01
Wohnort: Bonn
Kontaktdaten:

Wie Klickökonomie den Journalismus zerstört

Beitrag von Maren »

Die ZDF-Sendung "Markus Lanz" muss man sich als eine Dekadenz-Erscheinung der Demokratie vorstellen. Denn dreimal in der Woche, je 75 Sendeminuten, also insgesamt fast vier kostbare Fernsehstunden lang geschieht hier paradigmatisch genau das, was der Soziologe Harald Welzer jetzt folgendermaßen beschreibt.

Ablenkung und Verdummung des Publikums, statt politischer Aufklärung, die (Selbst-)Aufgabe des politischen Journalismus uns seine Ersetzung durch politische Klatschberichte über die Ränkespiele der Berliner Polit-Szene, der die berichtenden politischen Journalisten und Journalistinnen übrigens intim angehören.

Anstatt, so Welzer jetzt "über Gestaltungsprobleme und Notwendigkeiten bei der Aufrechterhaltung des demokratischen Systems" zu berichten, findet man es "unfassbar interessant mit welchem Winkelzug Markus Söder Lars Klingbeil unter Druck gesetzt hat oder in welcher Form von interner Kommunikation irgendwer irgendwen angebrüllt hat – dabei ist das alles de facto scheißegal, weil es nichts damit zu tun hat, wie die Gesellschaft weiterentwickelt wird".

Politischer Journalismus im eigentlichen Wortsinn findet nicht mehr statt.

https://www.telepolis.de/article/Medien-unter-Druck-Wie-Klickoekonomie-den-Journalismus-zerstoert-11279723.html
Gesperrt

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast