Die Presse ist immer weniger die „Vierte Kraft im Staat“ und immer mehr Hofberichterstatterin und wird damit zur Demokratiebestatterin
Umfangreicher Artikel von Prof. Harald Walach
Die Presse fühlt sich bemüßigt, der bedrängten Regierung zu helfen: „Faktenfüchse“ stürmen heran, um zu „prüfen“, ob alles mit rechten Dingen zuging. Ob die Befragten die „Wahrheit“ gesagt hätten. Und gestandene Fachleute werden von Journalisten mit wenig Fachkenntnis kleingeredet.
Ich will dies an meiner eigenen Erfahrung von vor ein paar Jahren und an einem aktuellen Fallbeispiel illustrieren. Meine eigene Erfahrung betrifft den „Faktencheck“ der ARD zu unserer Kindermaskenstudie. Das aktuelle Beispiel betrifft den Faktencheck einer Journalistin von AFP (Agence France Presse – die französische Presseagentur) zu den Äußerungen von Helmut Sterz in der Enquete-Kommission des Bundestags, dass die COVID-19-Impfungen etwa 60.000 Todesfälle verursacht hätten. Zu diesem Fall hatte mein Kollege Robert Rockenfeller einen interessanten Mail-Austausch mit einer Faktencheck-Journalistin, den ich unten in Gänze wiedergebe. Er ermöglicht einen Blick in den Maschinenraum der Faktenchecker, vor allem durch die Art, wie die seriöse Information meines Kollegen unterschlagen wurde und vor allem ausschließlich „Experten“ mit regierungskonformer Meinung zum Tragen kamen.
Ein Pferdesportreporter verirrt sich in der Fuchsjagd und wird zum Faktenfuchs – meine Erfahrung mit einem Faktenchecker
Ich hatte schon mal darüber berichtet: Als wir unsere Kindermaskenstudie publiziert hatten, ging ein Aufschrei durch die wissenschaftliche Welt. JAMA Pediatrics zog unsere Studie zurück [1]. Wir konnten sie nach erneutem, dreifachem Peer-Review in der Langversion wieder publizieren [2], wo sie trotz weiterer Angriffe [3] auch verblieb und nach wie vor verfügbar ist. Dieser Prozess allein zeigt, dass unsere Daten solide und die Methode zwar kritisierbar, aber sachlich richtig war. Damals hat die ARD – ich fühlte mich geehrt – einen Faktenfuchs aktiviert. Scheinbar waren die guten Füchse alle im Bau oder auf Jagd. Drum musste Pferdesportreporter Rohwedder her. Mein Journalistenkollege Peter Bickel hat soeben auf der Seite der MWGFD eine sehr präzise, ausführliche und erhellende Analyse dieses Vorfalls publiziert. Drum kann ich es hier kurz machen und ein paar Bonmots zum Besten geben.
Der Faktenfuchs Rohwedder war mit einer brillanten Expertise versehen, die ihn geradezu zum Faktenchecker für wissenschaftliche Arbeiten prädestinierte: Er ist nämlich seines Zeichens Pferdesportreporter. Allein schon diese Tatsache zeigt, wie ernst unser öffentlich-rechtliches Fernsehen den Faktencheck nimmt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist laut Medienvertrag zu guter Recherche und ausgewogener Berichterstattung verpflichtet. Umso peinlicher, dass dem Faktenfuchs einige schwerwiegende Fehler bei seinem „Check“ unterlaufen sind. Er schrieb, unser Beitrag sei als Letter nicht begutachtet. Ein kurzer Blick auf die Seite des Journals hätte ihm gezeigt, dass alle Research Letters begutachtet werden. In unserem Falle waren es drei Peer-Reviewer plus Herausgeber, die die Arbeit begutachtet hatten. Als Pferdespezialist kennt er natürlich die Komplexität von Kohlendioxidmessungen besser als unser Messspezialist Helmut Traindl, der als gerichtlich vereidigter Sachverständiger für Gasmessungen in Innenräumen in seinen Augen offenbar besser ein Pferdewettbüro eröffnet hätte, als Gasmessungen vorzunehmen. Daher ist klar, dass der Faktenfuchs Rohwedder die Kompetenz besaß, unser Messverfahren als ungeeignet anzusehen. Dass unser Verfahren das Standardverfahren zur Messung des Kohlendioxidgehaltes in Pferdeboxen ist, Verzeihung, in Brutkästen für Säuglinge, entging ihm auch. Wer es noch genauer wissen will, der schaut sich Peter Bickels detaillierte Analyse eines journalistischen Versagens an.
Zum vollständigen Beitrag: https://harald-walach.de/2026/05/08/tollwuetige-faktenfuechse/
Tollwütige Faktenfüchse
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast