Neubesetzung beim RBB: Wer folgt auf Patricia Schlesinger?
Neubesetzung beim RBB: Wer folgt auf Patricia Schlesinger? Hier sind sieben Kandidatinnen und Kandidaten
Der Rundfunk Berlin-Brandenburg braucht eine neue Intendantin. Wer könnte die unter Vorwürfen von Vorteilnahme und Vetternwirtschaft zurückgetretene Patricia Schlesinger ersetzen?
Das Prozedere für eine Neuwahl bestimmt der Rundfunkrat. Er wird eine Findungskommission einsetzen, die Kandidatinnen und Kandidaten sichten wird – womöglich eher außerhalb des Senders, um nach dem Schlesinger-Fiasko einen echten Neuanfang zu starten. Mit Verena Formen-Mohr, Leiterin der Hauptabteilung Intendanz, ist bereits eine Schlesinger-Vertraute gegangen. Auch Schlesingers Stellvertreter Hagen Brandstäter, der als Verwaltungsdirektor interimsmäßig die Geschäfte führt, hat für das kommende Jahr seinen Rückzug angekündigt. …
Noch immer sind die meisten Intendanzen der öffentlich-rechtlichen Funkhäuser männlich besetzt und aus dem Westen. Stimmen werden laut, die eine Frau aus Ostdeutschland für den Posten fordern.
- Jan Schulte-Kellinghaus ist Programmchef beim RBB und gilt als geeignet – er steht allerdings in der Kritik, weil er als Teil der Geschäftsleitung auch einen Bonus kassiert hat.
- Susann Lange ist seit 2020 juristische Direktorin des RBB, gewählt wurde sie auf Vorschlag von Patricia Schlesinger. Sie gehört damit auch der RBB-Geschäftsleitung an, und wie bei Schulte-Kellinghaus gibt es Fragen nach Bonuszahlungen. Die in Dresden geborene Rechtswissenschaftlerin ist seit über 20 Jahren beim RBB, unter anderem als Justiziarin des Senders und Leiterin der Hauptabteilung Intendanz.
- Martina Zöllner ist Fiction- und Kulturchefin des RBB. Sie war 2017 vom Südwestrundfunk (SWR) nach Berlin gewechselt, um die Leitung des neu geschaffenen Programmbereichs »Doku und Fiktion« zu übernehmen. Beim SWR war sie Leiterin der Filmabteilung und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem für Idee und Konzeption der Echtzeit-Serie »Zeit der Helden« mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Grimme-Preis.
- Tina Hassel ist Chefin des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin. Die gebürtige Kölnerin kandidierte bereits vor einem Jahr für die ZDF-Intendanz, unterlag aber bei der Wahl durch den ZDF-Fernsehrat im Juli 2021 Norbert Himmler. Hassel gilt als Aushängeschild der ARD, mit dem ZDF-Journalisten Theo Koll, der ebenfalls als Kandidat für die RBB-Intendanz gilt, moderierte sie 2021 die Bundestagswahl-Schlussrunde von ARD und ZDF.
- Theo Koll bewarb sich bereits 2016 als RBB-Intendant, unterlag damals aber Patricia Schlesinger in sechs Wahlgängen. Koll überzeugte mit persönlichem Format und Gremienerfahrung. 2019 übernahm er die Leitung des ZDF-Hauptstadtstudios und die Moderation von »Berlin direkt«.
- Jana Brandt ist Programmdirektorin beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) in Halle, dort sind unter anderem Kultur und Wissen sowie die jungen Angebote des MDR angesiedelt. Brandt ist seit 1999 beim Mitteldeutschen Rundfunk. Als Film- und Serienmacherinnen übernahm sie 2014 zusätzlich den Vorsitz der ARD-Redaktion Hauptabendserie.
- Ulla Fiebig käme vom SWR-Landessender Rheinland-Pfalz, den die gebürtige Sächsin seit Februar als Direktorin führt. Sie hatte bereits verschiedene Führungspositionen in der ARD inne, so war sie stellvertretende Sprecherin und Korrespondentin im Hauptstadtstudio. Zuletzt leitete sie das Pressereferat im Bundesfamilienministerium unter der damaligen Ministerin Franziska Giffey, die heute Regierende Bürgermeisterin von Berlin ist.
Hinweis der Redaktion: Wieso sollte ein Mitglied aus der rbb-Geschäftsführung, dass bis zuletzt alles mitgetragen hat, neuer Intendant/neue Intendantin werden (können)?
