McTagesschau-Burger, blaugelb verpackt

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McTagesschau-Burger, blaugelb verpackt

Das Info-Fastfood mit US-Kriegswürze schmeckt, wie wenn man die Zunge zum Fenster raushängt 

Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Die ARD-Tagesschau hat die meisten Zuschauer. McDonald hat die meisten Besucher. Das Erfolgsrezept: Fastfood. Es macht denkfaul, fett und satt. Ist allerdings gesundheitsschädlich, mental und physisch. Besonders der aktuelle McTagesschau-Billigburger, die antirussische Kriegshetze in blau-gelber Verpackung, ist zum Speien. Das Angebot füllt aber seit Wochen gut die Hälfte der gesamten Sendezeit. Als Nachspeise folgt ein „ARD-Brennpunkt“ dem anderen, der mediale Druck/Dreck will nur das Eine: Deutschland soll sich noch mehr als bisher für die Ukraine verausgaben. „Schwere Waffen her“, bölken Baerbock, Habeck & Co., „Panzer und Artillerie!“. Im verbalen Vabanque spielt die Bundesregierung ganz vorne. Zwangsläufig sinkt die Reizschwelle für einen atomaren russischen Gegenschlag. Und die Anglo-Amis freuen sich über ihre dummen Deutschen, die bereit sind, ihr Land zum Schlachtfeld machen zu lassen. Mehr noch als die Polen – und das will was heißen.

Die Sprüche der Ausfallerscheinungen in Regierungsfunktion kritiklos weiterzureichen, ist eine der journalistischen Glanzleistungen. Baerbock toppt, allwissend wie immer: „Die Ukraine braucht … schwere Waffen. Jetzt ist keine Zeit für Ausreden …“ (1) Die Tagesschau legt nach: „Lieferung schwerer Waffen: Union erhöht Druck auf Scholz“ (2). Die ARD-aktuell erkennt nicht ihre Mitschuld an dem kollektiven Hirnriss, der Waffenlieferungen an Kriegsparteien für vernünftig hält. In der kriegsgeilen Kakophonie drohen die Stimmen der Vernunft unterzugehen. Albrecht Müller, vormals Leiter des Planungsstabes in Willy Brandts Kanzleramt: „Sind wir denn alle verrückt geworden?!“ (3)

Das sind wir wohl. „Solidarität mit der Ukraine“, die Friedensparole der NATO, ist zum russophoben Dogma geworden. Die Nachrichtensendungen der Tagesschau sind voll von ukrainischem Heldenmut und „russischen Kriegsverbrechen“. Die Hatz auf Präsident Putin und alles, was „prorussisch“ erscheint, überschreitet alle professionellen Regeln des Journalismus und jeden persönlichen Anstand. (4)

Der Qualitätsjournalismus zeigt ein Muster, das die Bundeszentrale für politische Bildung so beschreibt:

„In Verbindung mit dem Krieg machen Politiker, Militärs (und Massenmedien) von Propaganda Gebrauch, um zum Beispiel die eigene Bevölkerung von einem Krieg zu überzeugen. Sie betonen die Notwendigkeit des Krieges (vernichtenswerte Feinde, Sicherheit der eigenen Bevölkerung, Absetzung eines brutalen Regimes etc.) und blenden alle anderen Aspekte aus (eigene Macht- und Wirtschaftsinteressen, ausgelöstes Kriegsleid, Kriegsverbrechen der eigenen Soldaten etc.).“ (5)

Füglich ist „der Russe“ an allem schuld. Nur er. Ohne Beweisführung, ohne halbwegs logische Argumentation oder Beanspruchung eines faktensicheren Kurzzeitgedächtnisses. Nachdenken würde eh bloß anstrengen.

Der Wunschkrieg

Was waren denn Putins Forderungen? Er wollte verlässliche Sicherheitsgarantien für sein Land. Die USA verweigerten sie ihm. Er wollte die Zusage, dass die Ukraine nicht NATO-Mitglied wird und der Westen sie nicht weiter zum Aufmarschgebiet gegen Russland ausbaut (u.a. mittels Raketen-Abschussbasen). Die USA und ihre NATO-Heloten wiesen das zurück. Putin forderte, den Krieg und die täglichen Terrorschläge Kiews gegen die ethnisch russische Bevölkerung der Südost-Ukraine endlich einzustellen. Die USA und ihre Vasallen ließen auch darüber nicht mit sich reden.

Der US-Weltherrscher wollte diesen Krieg. Washingtons Drohpotential, seine militärischen und seine wirtschaftlichen Provokationen garantieren ja das US-Imperium und den Gehorsam Westeuropas. Zugleich stützen sie den räuberischen Anspruch auf den euroasiatischen Rohstoffreichtum und die Blockade des chinesischen Projekts „Neue Seidenstraße“.

Den wirklichen Kriegshintergrund verzerrt der deutsche Medienspiegel, sei es aus Absicht oder aus Ignoranz.  Überblendet wird sein Trugbild mit geschönten Darstellungen unserer selbstgerechten politischen Klasse: „Wir“ sind im Ukraine-Krieg, „wir“, die Guten. Kein Zweifel ist erlaubt. Niemand soll/darf klarstellen, dass das Engagement der ungezählten tatsächlich Wohlmeinenden, ihre Spenden- und Hilfsbereitschaft, ihr Mitleid mit der vom Krieg so entsetzlich heimgesuchten ukrainischen Zivilbevölkerung (Bucha, Mariupol), von unseren regierenden Zynikern schwer missbraucht wird. Die tun nur so, als seien sie tatsächlich daran interessiert, das grauenhafte Leid in der Ukraine zu mildern. Betrachtet man die Effekte ihrer Politik und auch deren Nutznießer, dann zeigt sich ein gänzlich anderes Bild, über das weder ARD-aktuell noch der übrige Mainstream berichten.

Präsident Selenskyj wird als Lichtgestalt im Kampf für Freiheit und Demokratie der Ukraine dargestellt. Kaum eine Tagesschau-Sendung ohne ihn in Olivgrün und mit großmäuligen Sprüchen über seine Bereitschaft zum Widerstand bis zur letzten Patrone. Dass sein Regime wegen beträchtlicher militärischer Verluste – nach (allerdings nicht überprüfbaren) russischen Angaben sind bereits mehr als 20 000 ukrainische Soldaten gefallen – allen Männern zwischen 18 und 60 Jahren die Ausreise verbot und sie damit von ihren fluchtwilligen Frauen und Kindern trennte, fand keinen Platz in unseren TV-Nachrichten. Wohl aber die Behauptung des im Lügen und Aufschneiden geübten Selenskyj, in den ersten 50 Kampftagen seien lediglich 3000 ukrainische Gefallene zu beklagen gewesen. (6) Weiterlesen ›

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Wie tief kann der Westen sinken, wenn es um die Dämonisierung Russlands geht?

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Fälschung von Putin-Zitaten und Ausschluss von behinderten Sportlern

Wie tief kann der Westen sinken, wenn es um die Dämonisierung Russlands geht?

Von Rick Sterling

Eine Bevölkerung zu mobilisieren, um einen gezielten Feind zu verunglimpfen und zu hassen, ist eine Taktik, die von den Führern seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte angewandt wird, und sie wird im aktuellen Konflikt zur Dämonisierung Russlands und Wladimir Putins eingesetzt. Wenn wir den Marsch in den Krieg mitmachen wollen, können wir uns dem Hassfest anschließen. Wenn wir jedoch eine objektivere und ehrlichere Bewertung der Ereignisse wünschen, müssen wir uns auf Fakten stützen, die unsere Regierung und die von ihr angeführten Mainstream-Medien uns nicht zeigen wollen.

Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine wird alles, was mit Russland zu tun hat, bestraft. Russische Sportler, darunter auch Querschnittsgelähmte, werden von internationalen Sportwettkämpfen ausgeschlossen. Jahrhundertalte russische Schriftsteller und Musiker wie Tolstoi und Tschaikowsky werden aus den Bücherregalen und von Konzertprogrammen entfernt. Selbst russische Rassekatzen sind nicht ausgenommen.

Wenn solche Maßnahmen gerechtfertigt sind, warum wurden dann nach der US-Invasion im Irak keine US-Sportler, -Musiker oder -Schriftsteller mit einem solchen Verbot belegt? Und warum empören sich so wenige Menschen über die Bombardierung und Tötung von 370.000 Menschen im Jemen? Warum empören sich so wenige Menschen darüber, dass Tausende von Afghanen verhungern, weil die Vereinigten Staaten das afghanische Staatsvermögen beschlagnahmen, das in westlichen Banken liegt?

Warum die Ukraine?

Über die Ukraine wurde viel und breit in der Öffentlichkeit berichtet. Es ist ein einfaches Hollywood-Drehbuch: die Ukraine ist der Engel, Russland ist der Teufel, Zelensky ist der Held und alle guten Menschen tragen blau-gelbe Bänder.

Die Aufrechterhaltung dieses Bildes erfordert Propaganda, um es zu fördern, und Zensur, um zu verhindern, dass Herausforderer es entkräften.

Dies erforderte die Abschaffung einiger lang gehegter westlicher Traditionen. Mit dem Ausschluss aller russischen Athleten von internationalen Wettkämpfen haben das Internationale Olympische Komitee und verschiedene Sportverbände gegen die Olympische Charta verstoßen, die eine Diskriminierung aufgrund der Nationalität verbietet.

Zensur

Der Westen rühmt sich der freien Meinungsäußerung, doch die Zensur alternativer Standpunkte ist in Europa und Nordamerika inzwischen weit verbreitet. Russia Today und andere russische Medien werden sowohl im Internet als auch im Kabelfernsehen blockiert. Ironischerweise wurden zahlreiche Sendungen auf RT von Amerikanern moderiert, zum Beispiel von dem Journalisten Chris Hedges und dem Komiker Lee Camp. Die USA bringen ihre eigenen Bürger zum Schweigen.

Zensur oder Schattenverbote sind in den sozialen Medien weit verbreitet. Am 6. April wurde einer der bestinformierten Militäranalysten, Scott Ritter @realScottRitter, bei Twitter gesperrt. Und warum? Weil er angedeutet hatte, dass die Opfer von Bucha möglicherweise nicht von Russen, sondern von ukrainischen Ultranationalisten ermordet wurden und dass die USA und das Vereinigte Königreich ebenfalls schuldig sein könnten.

Der Netflix-Dokumentarfilm von 2015 mit dem Titel „Winter on Fire: Ukraine’s Fight for Freedom“ befasst sich mit dem Aufstand auf dem Maidan (Kiewer Hauptplatz) von 2013-2014. Dabei werden die wichtigsten Elemente der Ereignisse ignoriert: die von den USA bereitgestellte Führung und die von den Ultranationalisten des Rechten Sektors und des Asow-Bataillons bereitgestellten Kräfte. Die Angriffe und Morde an ukrainischen Polizisten werden beschönigt.

Der Dokumentarfilm „Ukraine on Fire“ aus dem Jahr 2016 hingegen liefert die Hintergründe und wesentlichen Elemente des Konflikts. Er ist nicht auf Netflix verfügbar und war eine Zeit lang auf YouTube verboten.

Die meisten Menschen im Westen wissen nichts von der Beteiligung der USA am Staatsstreich in Kiew 2014, der anschließenden Finanzierung und Ausbildung ultranationalistischer und neonazistischer Bataillone durch die USA und dem achtjährigen Krieg in der Ostukraine, der vierzehntausend Tote forderte.

Sensationelle Anschuldigungen

Die Ukraine, die von amerikanischen und britischen Geheimdiensten unterstützt wird, weiß, wie wichtig der Informationskrieg ist. Sie erhebt sensationelle Anschuldigungen, über die die Medien unkritisch berichten. Wenn die Wahrheit schließlich ans Licht kommt, wird sie ignoriert oder auf den hinteren Seiten vergraben. Hier ein paar Beispiele: Weiterlesen ›

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Erbfeind Russland

Ein Meinungsbeitrag von Rüdiger Rauls

Nach zwei Weltkriegen sind die einstigen Erbfeinde Frankreich und Deutschland beste Freunde geworden. Die Feindschaft zu Russland ist geblieben. Geht es dabei alleine um die Wahrheit und die westlichen Werte?

Westliche Wahrheiten

Diese Frage zu beantworten, scheint nirgendwo so einfach zu sein wie im Westen. Putin lügt, die russischen Medien sagen ihrer Bevölkerung nicht die Wahrheit, während bei uns unabhängige Medien den Bürgern reinen Wein einschänken. Zudem gibt es Seiten im Netz, die unabhängig von staatlicher Beeinflussung alle Fakten einem Wahrheitstest unterziehen. Sie bieten Faktencheck mit Wahrheits-TÜV-Siegel. Der Leser kann also sicher sein, nur mit solchen Informationen versorgt zu werden, die eine unbeeinflusste Meinungsbildung ermöglichen.
So ist denn niemand Geringerer als der Herausgeber der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Berthold Kohler, der Ansicht, „nur verblendete Russen können stolz darauf sein, dass ihre Armee ein friedliches Nachbarland überfällt…“, aber „noch behindern in Russland Propaganda und Zensur die Ausbreitung der Wahrheit“. Jedoch ist das nach Kohlers Meinung keine Entschuldigung. „Denn schon jetzt können nicht alle Russen sagen, sie hätten von allem nichts gewusst.“

Wer sich also der westlichen Wahrheit verschließt, lädt Schuld auf sich. Aus diesen Worten des FAZ-Herausgebers werden Überheblichkeit und Geringschätzung deutlich, die man im Westen Russland und seiner Bevölkerung entgegen bringt. Dass die Russen die westliche Wahrheit nicht annehmen, führt man auf deren Unfähigkeit zurück, die Informationen russischer Medien als Propaganda zu durchschauen.
Dazu im Widerspruch stehen Berichte der FAZ, wonach in Russland facebook empfangen werden darf, das ja sicherlich nicht die russische Propaganda vertreibt. Auch kritische Medien wie die Nowaja Gaseta sowie die TV-Sender Meduza und Dozhd, die viel Lob aus dem Westen erhalten haben, konnten lange in Russland ihre Meinung verbreiten. Dies weiß auch Herausgeber Kohler. Nur scheint er sich nicht erklären zu können, wieso trotzdem die Mehrheit der Russen sich eher in eigenen Medien informiert als über die westlichen oder westlich orientierten.

Im Interesse der Kriegsführung ist die Berichterstattung in Russland eingeschränkt worden. Dies geschah aber nicht nur in Russland sondern auch im Westen. Auch in den NATO-Staaten, die sich nicht einmal im Kriegszustand mit Russland befinden, wurde die Informationsfreiheit durch das Abschalten von RT und Sputnik beeinträchtigt. Man wolle Russlands Propaganda nicht unterstützen, so die Erklärungen der Missionare der Meinungs- und Pressefreiheit. Weiterlesen ›

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Die Russophobie begann nicht mit der Ukraine

Quelle Beitragsbild:  Gettyimages.ru © natasaadzic/iStock

Die Russophobie begann nicht mit der Ukraine. Sie braute sich im Westen schon lange zusammen …

… und erreichte lediglich das aktuelle Ausmaß an Hysterie, als Moskau seine Offensive gegen Kiew startete. Es offenbart sich ein tief sitzender Rassismus gegenüber dem russischen Volk – kultiviert von Hollywood und zahlreichen westlichen Institutionen.

Ein Beitrag von Robert Bridge

Moskaus Vorgehen in der Ukraine hat einen tief sitzenden latenten Rassismus gegenüber dem russischen Volk offenbart, der von einer Reihe westlicher Institutionen – nicht zuletzt von Hollywood und den etablierten Mainstream-Medien – viel zu lange kultiviert worden ist.

Von allen größeren Militäroperationen, die seit Beginn des Jahrtausends durchgeführt wurden – in Afghanistan, Irak, Libyen und Jemen, um nur einige der verwüsteten Gebiete zu nennen – hebt sich Russlands „Sonderoperation“ in der Ukraine schon aus einem sehr merkwürdigen Grund ab. Und zwar wegen der hässlichen Gegenreaktion, die sie gegen die normalen russischen Bürger ausgelöst hat.

Brandanschlag auf deutsch-russische Privatschule in Berlin

Inzwischen kennen gewiss viele Menschen die im Internet kursierenden Geschichten von Russen, die in westlichen Hauptstädten diskriminiert werden – vom berühmten Dirigenten Waleri Gergijew, der seinen Job bei den Münchner Philharmonikern verliert, über Kinder, die in der Schule schikaniert werden, bis hin zu Familien, denen in Cafés und Restaurants die Bedienung verweigert wird. Nicht einmal medizinische Einrichtungen sind vor diesem Irrsinn gefeit. Letzte Woche kündigte die Iatros-Klinik in München an, keine Russen und Weißrussen mehr zu behandeln. Und ich vermute, dass dieser unsägliche Akt der Grausamkeit auch pädiatrische Patienten betroffen hätte. Erst nach einer Welle von Online-Kritik, die bewies, dass nicht alle den Verstand verloren haben, nahm die Einrichtung ihre rassistische Entscheidung zurück.

Ebenso erstaunlich ist das brutale Sanktionsregime des Westens, das so bösartig und übertrieben ist, dass es sogar Westlern schweren wirtschaftlichen Schmerz zufügen könnte. Diese emotionsgeladene Reaktion auf die Ereignisse in der Ukraine wirkt wie eine verrückt gewordene Tugendhaftigkeit – eine besonders besorgniserregende Entwicklung, wenn man bedenkt, dass der Pöbel nicht in der Lage zu sein scheint, zwischen den Handlungen der russischen Regierung und denen seiner Bürger zu unterscheiden. Denn die haben, wie bei jedem Land, das sich in einer solchen Situation befindet, kaum ein Mitspracherecht in Fragen von Krieg und Frieden. Weiterlesen ›

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Berichterstattung im Namen der Krieger

Beitragsbild: Donezk nach dem Raketenangriff am 14.03.2022

Die öffentlich-rechtlichen Sender versagen im Ukraine-Konflikt ein weiteres Mal.


Der fehlende Part weist darauf hin, dass der Informant parteiisch ist. Der Parteisoldat tut so, als ob es die andere Seite der Medaille nicht gäbe. Alles muss vermieden werden, was die beabsichtigte Klarheit über „die Guten“ einerseits und „die Bösen“ andererseits trüben könnte. Hierzu ein kleines Beispiel, eines von vielen, gewonnen aus der Ukraine-Berichterstattung.

Ein Beitrag von Peter Frey


Es geht im Folgenden nicht um eine Analyse, welche die Schuldfrage am Ukraine-Konflikt stellt und aufzulösen sucht, sondern um reine Berichterstattung. Und gerade bei einer aus einem Konfliktgebiet gehört es sich auch nicht, ständig den Konsumenten auf eine bestimmte Linie zu bringen. Erst recht muss sich Journalismus dann dem Anspruch stellen, unvoreingenommen zu berichten, alle Seiten in der Berichterstattung zu würdigen und so ein möglichst objektives Bild der Lage entwickeln zu können. Gute Berichterstattung eskaliert nicht durch Parteinahme, sondern deeskaliert durch Abwägung und Herausnahme von Emotionen. Guter Journalismus ist damit friedensfördernd.

Allerdings ist ein solcher Journalismus auch aufwändig. Andererseits gibt es wohl keine weitere Sendeanstalt weltweit, die so reichlich mit Finanzen und Personal gesegnet ist, wie die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland. Und was machen diese daraus?

Am 21. März des Jahres berichtete die ARD-Tagesschau über „neue Angriffe auf Kiew“. Eingeleitet wurde der Artikel mit einem wirkmächtigen Foto (b1):

Das Bild vermittelt uns den Eindruck totaler Zerstörung, was durch den sein Fahrrad durch die Trümmer tragenden Zivilisten noch verstärkt wird. Direkt unter dem Foto wurde der Artikel eingeleitet mit:

„Russland hat bei Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew Wohnhäuser und ein Einkaufszentrum getroffen. Dabei starben mehrere Menschen. Entwarnung gab es nach einem Ammoniak-Austritt in einer Chemiefabrik.“ (1)

Wenn ich mich der Deeskalation verpflichtet fühle, dann bin ich zu größtmöglicher Sorgfalt verpflichtet. Dann bin ich mir auch bewusst, wann ich meine Leser oder Zuschauer emotional aufheize. Ist das hier gegeben? Wenn Sie die ARD-Nachricht — und nicht nur diese — vollständig gelesen haben, erkennen Sie, dass hier ein bestimmter Spin befördert wird und der lautet: Russland führt Krieg gegen die Zivilbevölkerung.

Emotionale Vereinnahmung bedingt die stetige Wiederholung. In dieser Episode des Ukraine-Krieges wird ständig von einem Einkaufszentrum gesprochen:

„Allein beim Angriff auf das Einkaufszentrum starben mindestens acht Menschen, teilte die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft mit.“ (1i)

Dass in jedem Krieg zivile Opfer zu beklagen sind, ist bedauerlich, es ist beklagenswert. Eben darum ist es ja auch geboten, Kriege gar nicht erst ausbrechen zu lassen. Der Krieg in der Ukraine brach übrigens vor acht Jahren aus und nicht vor einem Monat. Sieben Jahre und elf Monate hat die ARD-Tagesschau die Opfer dieses Krieges in der Ukraine nicht beklagt, jetzt tut sie es.
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Stepan Bandera und die gespaltene Erinnerung an die Gewalt in der Ukraine

Beitragsbild: Banderas Grab auf dem Münchener Waldfriedhof
Kaum eine andere Person ist in der West- und Ostukraine so unterschiedlich in Erinnerung geblieben wie Stepan Bandera.
Ein Essay von Dr. Grzegorz Rossoliński-Liebe | 19.02.2022
Während in der Westukraine in den letzten zwanzig Jahren Denkmäler und Museen für ihn errichtet wurden, wird er bis heute in der Ost- und Zentralukraine als Verräter, Massenmörder und Faschist wahrgenommen. Diesen gegensätzlichen Erinnerungen liegen sowohl die nicht aufgearbeitete Geschichte der stalinistischen Gewalt, des Holocausts und des Faschismus zugrunde als auch die gegenwärtige schwierige politische Situation und der seit 2014 andauernde Konflikt mit Russland. Warum aber ruft ausgerechnet der am 15. Oktober 1959 in München ermordete Bandera so viele Emotionen hervor, und warum dient er gleichzeitig als ein Symbol der Freiheit und des Verrats, wenn es um politische Konflikte und militärische Auseinandersetzungen innerhalb der Ukraine oder mit Russland geht? Warum werden über ihn immer neue Hagiographien veröffentlicht und warum wird sein Grab auf dem Münchener Waldfriedhof regelmäßig geschändet?

 
Die ukrainische Diaspora feierte am 17. Oktober 2009 in München den 50. Jahrestag des Attentats auf Stepan Bandera, das am 15. Oktober 1959 in München verübt worden war, (c) Dr. Rossoliński-Liebe

Auf diese Fragen gibt es keine einfache Antwort. Die Gründe für die gespaltene Erinnerung an den ukrainischen „Nationalhelden“ lassen sich jedoch in seiner Biographie, in dem um ihn betriebenen Personenkult und der komplizierten Geschichte der Ukraine finden. Stepan Bandera wurde am 1. Januar 1909 in dem ostgalizischen Dorf Staryj Uhryniw, als Sohn eines griechisch-katholischen Priesters geboren.

Zu dieser Zeit lebten etwa 20 Prozent aller Ukrainer in der Habsburgermonarchie und etwa 80 Prozent im Zarenreich. Im Ersten Weltkrieg sah Bandera als Kind zu, wie unmittelbar vor seinem Haus Ukrainer auf beiden Seiten der Front gegeneinander kämpften. Ebenso war er Zeuge davon, wie die 1917 in Kiew und 1918 in Lemberg proklamierten ukrainischen Staaten von der Roten Armee und der polnischen Armee besiegt wurden.
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Rezension: Wer schweigt stimmt zu

Ulrike Guérot – Wer schweigt, stimmt zu 

Über den Zustand unserer Zeit. Und darüber, wie wir leben wollen.

Rezension von Maren Müller

Die Autorin Ulrike Guérot ist mir zum ersten Mal positiv im Jahr 2015 anlässlich einer Diskussion zur Griechenlandkrise aufgefallen, als sie angesichts der feindseligen und boulevardesken Berichterstattung von einer „Dysfunktion“ und einem Versagen der deutschen Leitmedien sprach. Eine Stimme der Vernunft, des Ausgleichs und der Rationalität. Es ist gut, dass sie sich wieder in gewohnt wortgewaltiger Weise zu Wort meldet.

Es wurden in den zwei Jahren, in denen die Causa Corona wie ein bleierner Albtraum in das Leben von Millionen Menschen eingriff, zahlreiche Bücher geschrieben. Bücher über das Virus selbst, über die Agenda, die Motive und Auswirkungen der Lockdowns, über Hintergründe und über Hintermänner und -Frauen in den Phasen der Pandemie von der Vorbereitung bis zum Vollzug und über das Versagen von Wissenschaft und Leitmedien, angesichts des für Alle sichtbaren Unrechts, welches sich bislang ungestraft über Menschen jeden Alters ergoss.

Das aktuelle Buch der Autorin Ulrike Guérot ist nach Auffassung der Rezensentin das Wichtigste in dieser Aufzählung bemerkenswerter Analysen einer bislang nie dagewesenen Zäsur, denn es richtet sich dezidiert an UNS als Gesellschaft. Wie wollen wir künftig (zusammen-) leben und wieviel Demokratie- und Rechteverlust wollen wir in unserem Lebensalltag ertragen? Sind wir bereit, unsere Freiheit für eine vermeintliche Sicherheit aufzugeben, die uns ausgerechnet von Big-Pharma offeriert wird?

Sind wir als Gesellschaft bereit, im Namen der Gesundheit zivilisatorische Gepflogenheiten über Bord zu werfen wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Sterben in Würde, den Diskurs widerstreitender Meinungen oder einfach nur den gemeinsamen Spaziergang und das barriere- und angstfreie Atmen unverbrauchter Luft?

Haben wir dem Konformitätsdruck, der sich aus dem Mitläufertum der Masse ergibt, nichts entgegenzusetzen außer Schweigen und Duckmäusertum, auch wenn die Betrachtung historischer Parallelen genau das Gegenteil erfordert?

Werden wir nicht stutzig, wenn ein Maßnahmenkatalog dystopische Züge trägt und straff nach einschlägigen Propagandamechanismen orchestriert und umgesetzt wird und man Konsistenz vergeblich sucht? Das Kafkaeske, welches die Autorin eindringlich beschreibt, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Pandemie. Weiterlesen ›

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