Blaues Auge für WDR-Führung: WDR bekommt grünes Licht für „junge Flotte“ und Cosmo-Aus
Der WDR-Rundfunkrat hat den Plänen für die „junge Flotte“ der WDR-Radios und damit auch dem Aus für Cosmo zugestimmt – allerdings mit ganz knapper Mehrheit, weil die WDR-Führung auf zu viele Fragen keine Antwort hatte.
https://www.dwdl.de/nachrichten/106718/wdr_bekommt_gruenes_licht_fuer_junge_flotte_und_cosmoaus/
WDR-Rundfunkrat stimmt Reform der jungen Wellen mit knapper Mehrheit zu
Der WDR-Rundfunkrat habe der umstrittenen Reform der jungen Radiowellen knapp zugestimmt. Kontrovers sei die Umwandlung des Senders Cosmo in 1Live Street, das sich künftig mit der weltweiten Hip-Hop-Kultur beschäftigen und so eine urbane, diverse Zielgruppe zwischen 20 und 29 Jahren ansprechen solle. Kritiker würden fürchten, dass der WDR damit den interkulturellen Auftrag von Cosmo verengt und ältere Hörerinnen und Hörer mit internationaler Biografie verliert.
Weiterer Lesetipp: Beim “Tagesspiegel” kommentiert Nadine Lange: “Die Cosmo-Einstellung sendet das fatale Signal, dass das Thema Vielfalt in Zeiten klammer Kassen hinten angestellt werden kann. Das ist ein kolossaler Irrtum, denn die Diversität der deutschen Gesellschaft nimmt immer weiter zu. Dem muss ein öffentlich-rechtliches Radioprogramm wahrnehmbar Rechnung tragen – und sich nicht schnöde verkrümeln, wenn der Wind immer strammer von rechts weht.”
https://bildblog.de/153470/weimer-akzeptiert-urteil-wenders-zieht-zurueck-politikerbeleidigung/
Innerhalb der Belegschaft, unter Medienpolitikern und in der Hörerschaft wurden die Pläne für COSMO bis zuletzt kontrovers debattiert. Kritiker äußerten wiederholt die Sorge, ob der WDR mit dem neuen, stark auf Hip-Hop verengten Konzept seinem gesetzlichen Auftrag zur Förderung des interkulturellen Zusammenlebens weiterhin vollumfänglich nachkommen kann. Die Debatte im Rundfunkrat war dementsprechend von kritischen Nachfragen geprägt. Im Fokus standen dabei die Zukunft der fremdsprachigen Sendungen, der Verbleib des Global-Pop-Repertoires im gesamten WDR-Audioangebot sowie die Frage, wie der öffentlich-rechtliche Sender Menschen mit internationaler Geschichte im Alter von über 30 Jahren erreichen will, wenn das Profil so stark verjüngt wird.
https://www.radiowoche.de/wdr-rundfunkrat-stimmt-reform-der-jungen-wellen-mit-knapper-mehrheit-zu/
Schon im Programmausschuss gab es in der vergangenen Woche – und damit vor der jüngsten Protestwelle – zwar breite Zustimmung für die Zielrichtung, die „junge Flotte“ neu auszurichten und drei Programme mit klar unterschiedlichen Schwerpunkten unter der Marke 1Live zu schaffen. Doch gleichzeitig wurden offene Fragen formuliert, deren Antwort die Verantwortlichen im WDR offensichtlich schuldig blieben – nämlich die danach, wie man die Qualifikationen, die bei Cosmo vorhanden sind und die Zielvorstellungen, die bislang mit Cosmo verbunden waren, in ein Programm übersetzten kann, das die Zielgruppe von Menschen mit Migrationsgeschichte aller Altersgruppen dann auch erreicht. Ein Spartensender für HipHop-Fans ist da sicherlich keine ausreichende Antwort. […]
Konkret geht es dem Rundfunkrat um die Frage, wie künftig Themen des interkulturellen Zusammenlebens in der Breite angesprochen werden können, also über die junge Flotte hinaus. Offen auch, in welcher Form mehrsprachige Angebote aufgegriffen werden können, wie man künftig das Genre der Weltmusik, das bislang bei Cosmo seine Heimat hatte, als Farbe in einem Programm stattfinden lassen könne und wie die interkulturelle Qualifikation der Mitarbeiter fürs Gesamtprogramm und die großen Wellen nutzbar gemacht weren sollen.
Was Programmdirektorin Andrea Schafarczyk und Intendantin Katrin Vernau am Mittwoch als Antwort zu bieten hatten, waren für sich genommen sehr wohlklingende Ansätze. […]
Doch durch konkrete Maßnahmen oder einen Fahrplan unterfüttert waren diese Ansätze nicht. Viel mehr als die Anküdigung, in der kommenden Woche einen dahingehenden Prozess zu starten und beim Rundfunkrat dafür Vertrauen einzufordern, konnte die WDR-Führung nicht vorbringen. Die von einem Rundfunkrats-Mitglied aufgeworfene Frage, warum nicht erstmal beweist, wie man diese Themen stärker in anderen Programmen sichtbar macht und dann Cosmo einstellt, ließ man unbeantwortet. […]
Trotz der ansonsten wenig überzeugenden Vorstellung der WDR-Führung an diesem Nachmittag reichte es am Ende, um grünes Licht für die Pläne zu bekommen. 25 der 46 Anwesenden stimmten der Beschlussvorlage letztlich zu, umgerechnet also knapp 56 Prozent.
https://www.dwdl.de/nachrichten/106718/wdr_bekommt_gruenes_licht_fuer_junge_flotte_und_cosmoaus/
