Beschwerden beim Presserat: So viele Rügen wie noch nie

Mehr als 100 Rügen hat der Deutsche Presserat im Jahr 2025 ausgesprochen. Besonders viele Beschwerden gab es über einen Nahost-Beitrag bei Springer.

Die zunehmend polarisiert geführten Debatten in Deutschland fordern auch den Deutschen Presserat heraus. Laut dem Jahresbericht 2025, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde, wurden 2.636 Beschwerden an das Selbstkontrollorgan der Presse gerichtet, die erstmals zu mehr als 100 öffentlichen Rügen wegen des Verstoßes gegen die Regeln des professionellen Journalismus führten.

Die Zahl war noch nie so hoch seit der Gründung des Presserats 1956. Sprecher Manfred Protze betonte deswegen: „Ethischer Journalismus ist für die Demokratie elementar“. 2025 bildete vor allem die Berichterstattung über den Nahostkonflikt einen Schwerpunkt bei den eingereichten Beschwerden. […]

2025 sprachen die Beschwerdeausschüsse laut Jahresbericht 102 Rügen, 130 Missbilligungen und 139 Hinweise aus. Mit mehr als 40 Prozent wurde dabei eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht am häufigsten moniert. In 30 Fällen – und damit auf Platz zwei – wurden mediale Verletzungen des Persönlichkeitsschutzes gerügt. Weitere Rügen betrafen Sensationsberichterstattung und mit steigender Tendenz die fehlende Trennung zwischen Werbung und Redaktion. […]

Von den öffentlichen Rügen wurden bislang 82 publik gemacht, das sind rund 84 Prozent, im Vorjahr waren es noch 86 Prozent. Eine Möglichkeit, die Veröffentlichung zu erzwingen, oder andere Sanktionsmöglichkeiten hat der Presserat nicht. Mehr als jeder dritte Artikel, den der Presserat prüfte, stammte von einer Regionalzeitung, gefolgt von Boulevardmedien und Publikumszeitschriften.

https://taz.de/Beschwerden-beim-Presserat/!6157801/

Manfred Protze, Sprecher des Presserats, führte den Anstieg der Beschwerden unter anderem darauf zurück, dass der Bekanntheitsgrad des Presserates im Laufe der Jahre gestiegen sei. Sein Stellvertreter Moritz Döbler nannte die Digitalisierung als weiteren Grund: „Zum einen wird es für die Beschwerdeführer einfacher, sich zu beschweren. Zum anderen werden mehr Artikel denn je gelesen.“ Einen Qualitätsverlust gebe es aber nicht. Eingereichte Beschwerden und daraufhin ausgesprochene Rügen entwickelten sich proportional zueinander. „Wir haben keinerlei Indizien dafür, dass die Qualität der Medien insgesamt abgenommen hätte.“

Mit Blick auf die Debatte über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Journalismus sieht der Presserat weiterhin keinen Anpassungsbedarf beim Pressekodex, etwa durch eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Texte. „Alle pressethischen Regeln gelten auch im Umgang mit KI“, sagte Döbler. Im Herbst 2024 hatte der Presserat den Kodex um einen Abschnitt ergänzt. Darin heißt es, wer sich zur Einhaltung des Pressekodex verpflichtet, trage die presseethische Verantwortung für alle redaktionellen Beiträge. Das gelte unabhängig von der Art und Weise der Erstellung auch für künstlich generierte Inhalte.

https://medien.epd.de/article/4319

Jahresbilanz des Deutschen Presserats: Erstmals über 100 Rügen

https://www.deutschlandfunk.de/jahresbilanz-des-deutschen-presserats-erstmals-ueber-100-ruegen-100.html

Jahresbericht 2025

https://www.presserat.de/jahresberichte-statistiken.html?file=files/presserat/bilder/Downloads%20Jahresberichte/Jahresbericht%202025.pdf&cid=886