Faktenchecks bringen nur dann etwas, wenn sie auch gelesen werden
Faktenchecks bringen nur dann etwas, wenn sie auch gelesen werden
Mit Faktenchecks entlarven ARD und ZDF falsche und irreführende Informationen in ihren Sommerinterviews. Dennoch verbreiten die Sender die Gespräche unverändert weiter – muss das sein? […]
Die erste Frage dazu lautet: Warum unterzog die ARD das Gespräch mit Chrupalla einem Faktencheck, das zwei Wochen zuvor gesendete „Sommerinterview“ mit Olaf-Scholz aber nicht?
Dem mag die Annahme zugrunde liegen, dass der Chef einer rechtsradikalen Partei eher dazu neigen könnte, die Realität zurechtzubiegen als der sozialdemokratische Bundeskanzler. Sicher sagen ließe sich das nach journalistischen Maßstäben allerdings erst, wenn und nachdem man beide Sendungen faktengecheckt hätte. […]
Die zweite Frage: Was bringt ein Faktencheck wie der bei Chrupalla? 200.000-mal riefen Nutzer binnen eines Tages jene tagesschau.de-Seite auf, die eine Sendung ins rechte Licht rücken soll, die live bereits 1,47 Millionen Menschen gesehen und bis zuletzt nach ARD-Angaben mehr als 40.000 aus der Mediathek abgerufen haben. Die Unwahrheit fand also ein größeres Publikum als die spätere Richtigstellung – und die Zuschauer des Sommerinterviews wurden auch nicht explizit darauf aufmerksam gemacht, dass darin einiges schief war.
Wer sich in der ARD-Mediathek bis ans Ende der Interview-Shownotes liest, findet zwar den Hinweis: „Die Aussagen im Faktencheck: https://1.ard.de/Faktencheck-Sommerinterview2024“. Klickbar ist diese URL jedoch nicht, man muss sie kopieren oder abtippen und neu in einen Browser eingeben. […]
Was direkt zur dritten Frage führt: Warum sind Sendungen überhaupt unverändert abrufbar, wenn sie doch unsinnig, irreführend und falsch sind? Man kann sich trefflich darüber streiten, wie viel bereits zur Erstausstrahlung vermeidbar war. Spätestens mit Veröffentlichung der Faktenchecks gilt: ARD und ZDF haben selbst herausgefunden, dass ihre Sommerinterviews Desinformationen enthalten – und verbreiten diese in der Mediathek, bei YouTube und auf ihrer Internetseite dennoch munter weiter.
https://uebermedien.de/96985/faktenchecks-bringen-nur-dann-etwas-wenn-sie-auch-gelesen-werden/
Hinweis:
1.) Die Richtigstellung von Falschinformationen, die durch die Sender selbst verursacht wurden, sollen dort vorgenommen wird, wo sie entstanden sind – das heißt explizit: NICHT versteckt im Tagesschaublog, sondern an einer geeigneten gleichwertigen Stelle im Programm. Auch die Gremien (Rundfunk- und Fernsehräte) sollten ein natürliches Interesse daran haben, dass insbesondere bei den Angeboten von ARD-aktuell eine Kritik- und Korrekturkultur Einzug hält, die nicht nur symbolischen Feigenblattcharakter hat, sondern dem zahlenden Millionenpublikum sein Recht auf wahrheitsgemäße Information garantiert. Nachträgliche Korrekturen oder verschämte Blogbeiträge werden nur einen Bruchteil der falsch informierten Zuschauer erreichen und sind nicht dazu geeignet, das Vertrauen in die Berichterstattung wiederherzustellen.
2.) Es fällt auf, dass insbesondere bei AfD-Politikern sehr genau hingeschaut wird, welche vermeintlichen Fehler ihnen bei Interviews unterlaufen. Wo sind die Faktenchecks, die sich um teils unsinnige Verlautbarungen von Vertretern der Ampelregierung kümmern? Der Eindruck straff parteiischen Informationsgebarens drängt sich – engegen der Vorgaben in den Staatsverträgen – auf.
3.) Wer checkt die Faktenchecker? Insbesondere der hauseigene Faktenchecker Pascal Siggelkow hat während seines Wirkens schon manchen Bock geschossen und im Netz für Erheiterung gesorgt.
„Ziel aller Informationssendungen ist es, sachlich und umfassend zu unterrichten und damit zur selbständigen Urteilsbildung der Bürger und Bürgerinnen beizutragen.“
