Loyalität sticht

Loyalität sticht

Der MDR beendet die Sendung des Kabarettisten. Der war durch rechte Positionen aufgefallen. Aber das scheint nicht der Hauptgrund zu sein.

https://taz.de/MDR-schmeisst-Uwe-Steimle-raus/!5647787/

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) trennt sich von dem Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle. Grund seien wiederholte öffentliche Vorwürfe gegen den Sender, teilte MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi am Mittwoch auf Twitter mit. Die MDR-Sendung „Steimles Welt“, die vier Mal im Jahr ausgestrahlt wird, werde daher im Jahr 2020 nicht fortgesetzt.

Steimle habe wiederholt die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks infrage gestellt, so Jacobi. … In einem Interview mit der Thüringer Allgemeinen vom 16. November hatte sich Steimle „entsetzt und traurig“ darüber gezeigt, dass sich der MDR nicht schützend vor ihn stellt. Der Sender entgegnete in einer Mitteilung vom Mittwoch, dass er „trotz inhaltlich durchaus fragwürdiger Äußerungen“ Steimles an ihm festgehalten habe. Nach dem erneuten Vorwurf sehe der Sender jedoch keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

https://www.sueddeutsche.de/medien/mdr-uwe-steimle-1.4710948

Steimle verteidigte sich zuletzt in der Thüringer Allgemeinen. In einem Interview mit der Lokalzeitung im November sagt Steimle, auf die Äußerungen in der Vergangenheit angesprochen, er sei „ein Linker“, aber auch „ein freier Geist, der sich von niemandem vorschreiben lässt, wie er zu denken hat.“ Was den MDR angeht sei er „entsetzt und traurig, dass der eigene Sender sich in dieser Situation nicht schützend vor einen stellt.“ Es war am Ende wohl diese Aussage, die für den Rausschmiss ausschlaggebend war.

Die Art und Weise, wie der MDR auf Steimle reagiert, ist überraschend. Es scheint so, dass der Sender die Grenze nicht bei rechter oder rechtsextremer Provokation zieht, sondern bei der Loyalität. Schon das Statement des MDR zum JF-Interview 2018 liest sich so, als habe man sich vornehmlich an der Medienschelte gestört, nicht an den sonstigen Verschwörungstheorien.

Dann verteidigt der Sender Steimle für ein Shirt, das den Nationalsozialismus verharmlost, um ihn schließlich für einen kleinen Seitenhieb gegen den Arbeitgeber rauszuwerfen

Die Message ist fatal: Wer für den MDR arbeitet, muss nichts befürchten, solange sie oder er nur rechte Parolen bedient. Aber wer etwas gegen der Sender sagt, fliegt raus.

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Uwe Steimle wirft MDR „Berufsverbot“ vor

Kabarettisten haben ein Mandat für Provokationen und politische Unkorrektheit, das liegt in der Natur der Sache. Doch kaum ein anderer offenbarte in seinen Programmen eine so starke Nähe zu den Thesen einer einzigen Partei – nämlich der AfD. Mit dem Abschied vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen wird Uwe Steimle dieses „Alleinstellungsmerkmal“ in der Kabarettszene noch deutlich ausbauen – seine Säle werden mit Slogan „Verboten vom MDR“ vermutlich voller sein denn je. Ein Berufsverbot sieht anders aus.

https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/mdr-beendet-zusammenarbeit-mit-kabarettist-uwe-steimle-li.2687