Neue ZDF-Fernsehratschefin: „Reformen sind kein Selbstzweck“
Führt im Fernsehrat des ZDF den Vorsitz: Gerda Hasselfeldt
Durch neue Medienstaatsverträge erhalten die Aufsichtsgremien von ARD und ZDF mehr Einfluss. Was bedeutet das für den Fernsehrat des ZDF? Fragen an die Vorsitzende Gerda Hasselfeldt.
Wir werden im Fernsehrat den begonnenen Weg, eine hohe Qualität des Programms zu sichern, konsequent weitergehen. Die Programmqualität muss valide und transparent für den Nutzer gewährleistet sein und kontrolliert werden. Mit dem „ZDF Kompass“ haben wir Programmgrundsätze erarbeitet, auf deren Basis wir die Qualität auch messen und so unserer Kontrollfunktion besser gerecht werden können. Die größere Verantwortung, die sich aus dem Medienänderungsstaatsvertrag ergibt, erfordert es, auch die Qualifizierung der Mitglieder zu erhöhen. […]
Wir befassen uns in fast jeder Sitzung mit der Qualität des ZDF-Programms. Dabei spielen die vom Fernsehrat gemeinsam mit dem Haus vereinbarten Parameter des ZDF-Kompasses eine wichtige Rolle und die vom Gremium mitentwickelten und kontrollierten Programmziele, die in der Selbstverpflichtung des ZDF verankert sind. Um mit diesen Instrumenten Qualität valide zu messen und weiter zu verbessern, werden vom Fernsehrat in diesen Prozess wie auch zu bestimmten Themen unabhängige Expertinnen und Experten einbezogen oder mit Gutachten beauftragt, die ihre Ergebnisse im Fernsehrat zur Diskussion stellen und deren Erkenntnisse das Gremium in seine Beratung und Bewertung der ZDF-Programmangebote integriert. […]
Das ZDF versucht mit seiner Strategie „Ein ZDF für Alle“, auf unterschiedlichen Verbreitungswegen die gesamte heterogene Gesellschaft zu erreichen. Dazu ist es hilfreich, dass der ZDF-Fernsehrat in seiner Zusammensetzung ein Spiegelbild der Gesellschaft ist. […]
Der Beitragszahler erwartet, dass sich das ZDF weiter modernisiert und auf geänderte Anforderungen reagiert. Aber Reformen sind kein Selbstzweck. Der Nutzer muss davon profitieren, nur dann findet der Sender noch mehr Akzeptanz. Das ZDF ist seit zwölf Jahren Marktführer und auch ZDFneo und ZDFinfo sind erfolgreich. Eine sinnvolle Reform muss die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. […]
Neben der Notwendigkeit, die Effizienz zu steigern, müssen wir dem Publikum eine bessere digitale Nutzungsmöglichkeit und Teilhabe sichern, die den modernen technologischen Voraussetzungen entspricht. Dazu gehört eine intensivere Beteiligung am gesellschaftlichen Diskurs. Dazu bedarf es aber auch einer entsprechenden Beauftragung durch die Bundesländer. […]
Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit sollten für öffentlich-rechtliche Medien eine Selbstverständlichkeit sein, und das ist für den Fernsehrat insbesondere bei der Beratung des Haushalts ein Thema, das auch unsere Tätigkeit bestimmt. Aber aus meiner Sicht bedeutet „Beitragsstabilität“ eine Deckelung der Kosten, und das führt nicht automatisch zu höherer Qualität. Das Verfahren der Beitragsfestsetzung ist eindeutig geregelt: Aus dem gesetzlichen Auftrag ergeben sich die Kosten, und auf dieser Basis berechnet die Beitragskommission KEF den Rundfunkbeitrag. Sollten die Länder die aktuelle KEF-Empfehlung also nicht bestätigen, wäre der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinem jetzigen Auftrag unterfinanziert.
In der Kritik: Das liest sich wie eine von der Hauptabteilung Kommunikation in Kooperation mit den Gremien programmierte KI, die zwar nicht direkt wie gesprochene Sprache anmutende, aber grammatikalisch korrekte Sätze generiert, die allesamt authentisch ähnlich klingen. Liest man genau, unterscheiden sich die Sätze doch voneinander. Gerda Hasselfeldt erscheint als perfekte Repräsentantin des Krimi-Comedy-Senders ZDF. Womöglich erschließt die Beinhärte, mit der sie nicht gendert, dem ZDF sogar wieder neue Akzeptanz! Bloß falls der Bedarf am Eindruck, dass das ZDF von Aufsichtsgremien kontrolliert wird, die sich nicht als Teil der Familie fühlen, sondern von außen kritisch drauf gucken, steigen sollte, müsste noch nach-programmiert werden.
https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-3756.html
Hinweis I: Beim ZDF hat sich der Kostenanteil nach Ressorts im ZWEITEN für Erstsendeminuten (in %) für Kultur und Wissenschaft von 8,9% in 2009 auf 7,5% in 2020 reduziert.
Hinweis II: Laut 24 KEF-Bericht hat das ZDF in 2022 folgende Prioritäten gesetzt:
| Ressort | Minuten | Kosten | Kosten/Minute |
| Politik | 82.169 | 207,3 Mio. € | 2.522 € |
| Aktuelles | 54.423 | 179,5 Mio. € | 3.299 € |
| Show (ehem. Unterhaltung) | 49.219 | 176,1 Mio. € | 3.579 € |
| Sport | 35.011 | 354,5 Mio. € | 10.125 € |
| Fernsehfilm/Serie | 30.616 | 494,0 Mio. € | 16.135 € |
| Kultur, Geschichte, Wissen, Musik | 15.026 | 95,1 Mio. € | 6.329 € |
