Russland „Hochrisikoland“? Sparkasse kündigt Konto eines Moskau-Korrespondenten

Ein deutscher Journalist berichtet seit Jahrzehnten aus Moskau. Jetzt hat ihm seine Hausbank das Konto gekündigt. Bankrecht oder Zensur?

Der in Moskau lebende deutsche Journalist Ulrich Heyden hat sein seit Anfang der 1990er-Jahre bestehendes Konto bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) verloren. Als Begründung nannte ein Bankmitarbeiter nach Heydens Angaben am Telefon die EU-Sanktionen gegen Russland – Heyden lebe in einem „Hochrisikoland“.

In einem offenen Brief vom 13. März 2026, der in der Online-Publikation Overton veröffentlicht wurde, wandte sich der 71-jährige Russland-Korrespondent direkt an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und bat ihn, sich für die Rücknahme der Kündigung einzusetzen: „Diese Maßnahme ist nicht nur geeignet, meine Existenz zu zerstören, sie widerspricht auch den Grundsätzen der Demokratie und der Pressefreiheit.“ […]

Heyden ist seit Jahrzehnten als Russland-Korrespondent tätig. Zehn Jahre lieferte er Radio-Features für den Deutschlandfunk, 13 Jahre war er Moskau-Korrespondent der Sächsischen Zeitung, 30 Jahre berichtete er für die Wochenzeitung Freitag. Darüber hinaus schrieb er unter anderem für den Tagesspiegel und zahlreiche Regionalzeitungen. Zuletzt publiziert er für kritisch berichtende Online-Magazine, darunter die Nachdenkseiten, die Junge Welt und Overton.

Dass seine Berichte zunehmend weniger Abnehmer in deutschen Mainstream-Medien finden, ist dabei kein neues Phänomen: Schon nach der Krim-Besetzung durch Russland 2014 beendeten mehrere Regionalzeitungen ihre Zusammenarbeit mit Heyden. 2017 folgte nd, 2022 dann die Wochenzeitung Freitag. […]

Rechtlich bewegt sich das alles in einer Grauzone. Paragraf 675h BGB erlaubt Banken, einen Zahlungsdiensterahmenvertrag mit einer Frist von zwei Monaten ordentlich zu kündigen – ohne Angabe von Gründen. Die Finanzaufsicht Bafin sieht darin kein strukturelles Problem, erfasst keine Zahlen über Kontokündigungen und verweist auf den zivilrechtlichen Klärungsweg. Strengere Regeln lehnt die Behörde bisher ab.

PEN International hingegen bezeichnet die willkürliche Schließung von Konten unabhängiger Journalisten als „indirekte Form der Zensur“ und einen „schwerwiegenden Eingriff in die Pressefreiheit“. Die Einschränkung des Zugangs zu Finanzdienstleistungen könne kritische Stimmen faktisch zum Schweigen bringen.

https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/russland-hochrisikoland-sparkasse-kuendigt-moskau-korrespondenten-das-konto-li.10026194