Wie der ÖRR einen Terroranschlag von nationaler Tragweite verdrängt
Sobald der Strom wieder läuft, beginnt die Aufarbeitung des Terroranschlags. Und sie wird sich nicht nur mit Tätern, Motiven und Sicherheitslücken beschäftigen müssen, sondern auch mit einer Frage, die bislang auffällig ausgeblendet wird: Warum hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk dieses Ereignis so marginal behandelt?
Wie es sein müsste
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist es seinem Publikum schuldig, über einen solchen Anschlag mindestens ebenso häufig, ebenso ausführlich und ebenso beharrlich zu berichten, wie er es in der Vergangenheit bei anderen, medial deutlich kleiner dimensionierten Ereignissen getan hat. Man erinnere sich etwa an die wochen- fast monatelange Dauerberichterstattung über die „Ausländer raus“-Gesänge betrunkener Studenten auf Sylt.
Zwei Themen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die der ÖRR nicht unterschiedlicher priorisieren könnte. Beim einen ging es um politische Korrektheit, Symbolik und moralische Einordnung. Beim anderen geht es um konkrete Sicherheit, um Versorgung, um Verwundbarkeit, um reale Lebensbedingungen Tausender Menschen.
