RBB-Rundfunkrat fordert Aufklärung im Fall Gelbhaar

Die Belastungszeugin, die es nicht gibt: Der Rundfunkrat will wissen, wie es zu den Fehlern in der Verdachtsberichterstattung über den Grünen-Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar kam. […]

Nachdem zunächst am Mittwoch der nicht öffentliche Programmausschuss des Rundfunkrats den Chefredakteur David Biesinger dazu befragt hatte, ist nun für kommenden Donnerstag eine öffentliche Sondersitzung des Rundfunkrats angesetzt worden. […]

Der Programmausschuss hatte am Mittwoch eine reguläre Sitzung, der Fall Gelbhaar wurde zum aktuellen Thema. Bei den Mitgliedern blieben dabei viele Fragen offen, wie der SZ geschildert wurde. In einer Pressemitteilung erklärt nun der Vorsitzende des Programmausschusses, Moshe Abraham Offenberg, die Aussprache sei „geprägt gewesen von dem Wunsch, Einblick in die Abläufe und Prozesse zu erhalten, die im Haus zu dieser Situation geführt haben“. Der Ausschuss habe als Ergebnis empfohlen, die Diskussion zur Causa Gelbhaar im Rundfunkrat fortzusetzen.

https://www.sueddeutsche.de/medien/stefan-gelbhaar-rbb-sondersitzung-rundfunkrat-li.3188279

Dr. Moshe Abraham Offenberg, Vorsitzender des Programmausschusses: „Die Aussprache im Programmausschuss war geprägt von dem Wunsch, Einblick in die Abläufe und Prozesse zu erhalten, die im Haus zu dieser Situation geführt haben. Im Ergebnis haben wir als Ausschuss empfohlen, die Diskussion zur Causa Gelbhaar im Rundfunkrat fortzusetzen.“

Dazu Oliver Bürgel, Vorsitzender des Rundfunkrats: „Nach intensiver Diskussion in der gestrigen nichtöffentlichen Sitzung des Programmausschusses sehen die Mitglieder noch weiteren Diskussions- und Aussprachebedarf und empfehlen eine kurzfristige Befassung im Rundfunkrat. Daher werde ich in Abstimmung mit den Mitgliedern des Programmausschusses am kommenden Donnerstag, dem 30. Januar, eine Sondersitzung zu diesem Thema einberufen.“

https://www.presseportal.de/pm/51580/5955608

Der Fall Gelbhaar: Welche Schuld trifft den rbb? – Interview mit Christian Latz

https://www.deutschlandfunk.de/der-fall-gelbhaar-welche-schuld-trifft-den-rbb-interview-mit-christian-latz-100.html

„RBB könnte journalistische Glaubwürdigkeit verlieren“:

Wegen massiver Fehler in RBB-Berichten zu Belästigungsvorwürfen gegen den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar rumort es im Sender. Der Redaktionsausschuss fordert Aufklärung: Was wusste die Chefebene? […]

In einem Schreiben an die Belegschaft mit der Überschrift „Aufklären, Verantwortung übernehmen“ forderte das Gremium am Mittwoch Transparenz zu den Vorgängen rund um die Berichterstattung. […]

Die Rolle des Justiziariats in dem Fall und der Chefredaktion sind dem Schreiben zufolge noch unklar. […]

Zudem wirft der Redaktionsausschuss weitere Fragen auf: „Wurden Gelbhaars Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft? Wie wurden die Autoren vom Justiziariat beraten? Was wusste der Chefredakteur und die Intendantin zu welchem Zeitpunkt in dieser Causa, was hätten sie verhindern können? Und nicht zuletzt: Warum erfolgte die Kommunikation – wie vom Chefredakteur eingeräumt – intern und extern so spät? Redakteurinnen und Redakteure des Hauses fühlten sich alleingelassen.“ […]

Doch der RBB hatte die Identität der Frau nicht geprüft und nur mit ihr telefoniert. Dennoch hatte das Justiziariat des RBB alle Berichte zu den Vorwürfen abgesegnet. […]

Pikant: Obwohl der RBB die vermeintliche „Anne K.“ nie persönlich traf, erweckte er in der Abendschau vom 31. Dezember den Eindruck. In dem Beitrag wurde eine nachgestellte Szene gezeigt, in dem eine Reporterin mit einer Frau über ihre angeblichen Erlebnisse spricht, im Hintergrund waren die wehenden Fahnen vor der Sendezentrale in der Masurenallee zu sehen. […]

„Szene nachgestellt“ – mitnichten: Die Szene, die angeblich nachgestellt wurde, gab es nie. Denn der Sender sprach nie mit „Anne K.“. Die vom – mit Rundfunkbeiträgen finanzierten – Sender nachgestellte Szene ist reiner Fake. Dazu hat sich der Sender bislang nicht geäußert, gab aber am Freitag zu, dass er getäuscht wurde – und sich hat täuschen lassen. Die Vorwürfe seien erfunden worden

Nun deutet der Redaktionsausschuss an, dass dem Sender noch mehr Fehler unterlaufen sind. Gelbhaars Anwalt habe dem Sender vor der umstrittenen Abendschau-Sendung geschrieben und detailliert Alibis zu den angeblichen Tatzeiten für Gelbhaar vorgetragen.
https://www.tagesspiegel.de/berlin/rbb-konnte-journalistische-glaubwurdigkeit-verlieren-redaktionsausschuss-fordert-nach-fake-im-fall-gelbhaar-mehr-transparenz-13067812.html

Mutmaßliche Missbrauchs-Intrige gegen Stefan Gelbhaar: Journalisten sind keine Richter […] Der Fall verweist auf ein Missverständnis der Rolle von Journalisten

Es wäre Stoff für eine Folge der Erfolgsserie Borgen, doch hier handelt es sich um eine Geschichte aus dem Grünen-Kreisverband Berlin-Pankow: Der Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar fiel wohl einer parteiinternen Intrige zum Opfer, die ihn als sexuellen Gewalttäter abstempeln sollte.

Die erhobenen Vorwürfe sind dem Anschein nach gefälscht; das gilt jedenfalls für die schwersten Anschuldigungen, wonach er einer Frau im November 2023 K.-o.-Tropfen verabreicht und sie missbraucht haben soll.

https://www.freitag.de/autoren/marlen-hobrack/missbrauchs-vorwurf-gegen-stefan-gelbhaar-journalisten-sind-keine-richter

Unschuldsvermutung? „Wir sind kein Gericht“

Harmlos hängt das rosa Bettlaken über dem Tisch, an dem Jette Nietzard lehnt. Gar nicht mal so harmlos ist dann das, was die Sprecherin der Grünen Jugend auf einer Pressekonferenz zum Fall Gelbhaar sagt, der die Partei am Wochenende erschüttert hat und ihren Wahlkampf zu überschatten droht. „Die Unschuldsvermutung gilt immer vor Gericht“, erklärt Nietzard. „Aber wir sind eine Organisation, und wir sind kein Gericht.“ Es gelte „nicht unbedingt moralisch das Gleiche wie gerichtlich“. Als Beispiel führt sie die Fälle Luke Mockridge und Thilo Mischke an. „Da wurden Männern Sendungen weggenommen, weil sich eine moralische Bewertung eben von einer gerichtlichen oder juristischen Bewertung unterscheiden kann“, sagt Nietzard.

https://www.sueddeutsche.de/politik/gruene-jugend-stefan-gelbhaar-unschuldsvermutung-li.3187370

Hinweis: Bei der Auswahl des ttt-Moderators waren seine Bücher und Äußerungen bekannt, Redakteure haben darauf hingewiesen, er wurde im Wissen darum ausgewählt. Bisher gibt es von der ARD keine Aussagen dazu, dass sich die „moralische Bewertung“ geändert hat.