Das sind die Beträge, die US-Behörden an Springer-Medium Politico zahlten
Politico hat von staatlichen US-Geldern besonders profitiert. Transaktionen sind zum großen Teil öffentlich zugänglich: Man findet sie auf der Regierungsplattform Usaspending.gov, einer Datenbank, die Zahlungen von Bundesbehörden und Ministerien transparent macht. Die Berliner Zeitung hat die von der US-Regierung veröffentlichten Zahlen ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis: Insgesamt erhielt Politico für Abonnements seit 2016 mehr als 30 Millionen US-Dollar aus verschiedenen staatlichen Quellen. Die US-Regierung gehört damit zu den Großkunden von Politico.
Einige Medien, die zur Verteidigung von Politico ausrückten, gaben an, dass das Medienportal von der Entwicklungshilfeorganisation USAID lediglich 44.000 US-Dollar erhalten habe. Von einer Abhängigkeit könne keine Rede sein. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Der Großteil des Geldes stammte nämlich von anderen US-Behörden für Abonnements des Dienstes „Politico Pro“.
Das U.S. Department of Health and Human Services (HHS) hat die höchste Summe für die teuren Abonnements gezahlt – fast sieben Millionen US-Dollar. Dahinter folgen das Department of Energy (DOE) mit rund 4,1 Millionen US-Dollar und das Department of the Interior (DOI) mit etwa 3,3 Millionen US-Dollar. Die verbleibenden Zahlungen verteilen sich auf sechzehn weitere Behörden. Größere Zahlungen kamen unter anderem vom Pentagon, dem Arbeitsministerium, der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) und der NASA. […]
Für Axel Springer und dessen Geschäftsführer Mathias Döpfner sind die Trump-Angriffe eine pikante Angelegenheit. Schließlich handelt es sich bei dem Portal um den Markenkern der neuen Premium-Gruppe von Axel Springer, mit der Döpfner vor allem in den USA den Markt aufmischen, Einfluss in die US-Politik ausbauen und seine Reichweite wie den Wert seines Verlages steigern will. Politico galt bis vor kurzem wegen des Dienstes Politico Pro als besonders wichtiger Player im Mediensegment Washingtons und Brüssels, war insbesondere mit Strukturen der US-Demokraten ausgezeichnet vernetzt. Die Distanzierung zwischen Politico und der US-Regierung könnte den Axel-Springer-Verlag also empfindlich treffen, finanziell und auch image-technisch. […]
Brisant ist dabei das Geschäftsmodell: Politico verkauft seinen Service an beide Seiten des Marktes. Einerseits an die Administration, die sich über den Dienst informiert, andererseits an Lobbyisten, die genau diese Administration beeinflussen wollen. Ein heikles Geschäftsmodell – denn so verschwimmen die Grenzen zwischen unabhängiger Berichterstattung und politischer Einflussnahme, was grundlegenden Prinzipien des Risikomanagements zur Vermeidung von Interessenkonflikten unterläuft. Zudem funktioniert das System nur, solange Politico auch Zugang zu staatlichen Strukturen hat. […]
Während Politico von 2017 bis Ende 2020 (zu Trumps erster Amtszeit) rund 6,5 Millionen US-Dollar von der US-Regierung erhielt, stieg dieser Betrag zwischen 2021 und 2024 (Bidens Amtszeit) auf mehr als 26 Millionen US-Dollar. Politico sieht darin keine Auffälligkeiten und spricht von kundengetriebenem, exponentiellem Wachstum eines herausragenden Produkts. „Tatsächlich wuchs der jährlich wiederkehrende Umsatz von Politico Pro während der ersten Trump-Regierung schneller (53 Prozent) als in den Biden-Jahren (25 Prozent)“, erklärte ein Sprecher gegenüber der Berliner Zeitung. Doch auch wenn das relative Wachstum unter Trump höher war, lässt sich nicht leugnen, dass die absoluten Zahlungen unter Biden insgesamt viel höher ausfielen.
